Menschenrechtsbegründung durch Otfried Höffes Prinzip der Tauschgerechtigkeit


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Menschenbild bei Höffe

3. Höffes Partialanthropologie
3.1 Transzendentale Interessen
3.2 Legitimation von Herrschaft
3.3 Distributiver Vorteil
3.4 Die Moral der Tauschgerechtigkeit

4. Kritik

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Grundsätzlich beruhen Menschenrechte auf dem Prinzip der Achtung jedes einzelnen Individuums. Alle menschlichen Individuen erweisen sich demnach als Wesen, die vernunftbegabt und frei in ihrem Tun sind und deren Handlungen wir moralische Prinzipien zurechnen können.1 Schon allein deshalb steht jedem menschlichen Individuum eine moralisch bedeutsame Würde zu. Die Menschenrechte in ihrer heutigen Form sind das Ergebnis der Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Ihre strikte Nichtverwirklichung hat verheerende Auswirkungen gezeigt. Aus diesem Grund wurde im Jahre 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen in Paris deklariert. Diese Rechte werden als universal und kulturunabhängig verstanden.

Im Mittelpunkt der Kritik steht hier jedoch das Argument, dass Menschenrechte zwar universal, zugleich aber auch partikular sind. Der Erklärung der Menschenrechte wohnt ein universalistischer Geltungsanspruch inne, aber eben auch eine Geschichte. Es ist gleichermaßen auffällig wie achtenswert, wenn Schweppenhäuser unter dem Kriterium geschichtliche Herkunft allein auf den Zusammenhang zwischen Orts- und Zeitgebundenheit bei der Entstehung von Menschenrechten hinweist. Dies würde sie nicht nur prägen, sondern macht sie auch relativ auf ihren historischen Ursprung. Kritikerinnen und Kritiker sehen in der Erklärung der Menschenrechte einen bis heute andauernden debattenwirksamen Diskurs und lasten ihm eine starke Ausrichtung an die abendländische Zivilisation an.2 Die vielfältige Kritik innerhalb verschiedener Wissenschaftstraditionen hat eine Vielzahl an Rechtfertigungstheorien geschaffen. Jedoch mangelt es nach wie vor an Begründungskonzepten für Menschenrechte, die sich systematisch mit der Universalität und der kulturellen Ungebundenheit auseinandersetzen.

Einen dezidierten Ansatz dazu liefert Ottfried Höffe mit seinen Überlegungen zur Anthropologie der Menschenrechte. Aus diesem Blickwinkel legitimiert Höffe Menschenrechte entlang einer historisch- und kulturunabhängigen Perspektive, die in dieser Arbeit reflektiert werden soll. Aus den bisherigen Überlegungen soll im Rahmen der Analyse überprüft werden, ob Menschenrechte durch das Konzept der Tauschgerechtigkeit nach Ottfried Höffe begründen lassen. Die Überlegungen Höffes bilden die Basis dieser Arbeit. Entsprechend sind unter den Quellen die Arbeiten Höffes hervorzuheben. Mit Blick auf den Forschungsstand zu dem hier untersuchten Thema, ist zu erwähnen, dass das Thema von Otfried Höffe bisher - bis auf einige wenige Publikationen, noch keiner maßgebenden kritischen Diskussion unterzogen worden ist. Sehr wohl liegen aber Arbeiten vor, die diese Thematik behandeln und entsprechende Grundlagen für diese Arbeit bilden. Zunächst soll durch die Darstellung des Menschenbildes bei Höffe, an das Thema herangeführt werden. Im Rahmen des dritten Kapitels wende ich mich dem Themenfeld der Partialanthropologie Höffes, um sukzessive auf die Kernfrage dieser Arbeit hinzuarbeiten. Schließlich sollen im vierten Kapitel die wichtigsten Aussagen kritisch bewertet werden. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse bildet das Ende der Arbeit.

2. Das Menschenbild bei Höffe

Höffe vertritt die Ansicht, dass Menschenrechte, denen ein bestimmtes Menschenbild zu Grunde liegt, immer ein Teil kultureller Relativierung an sich tragen. Innerhalb der Rechtsethik würde toleriert, dass in westlichen Industriestaaten andere Menschenrechte gelten sollen als in den Staaten des Orients oder der Dritten Welt. Dies wird durch jeweils unterschiedliche Menschenbilder begründet. Eine solche Sichtweise läuft nicht nur Gefahr in Bezug auf die Gültigkeit der Rechte, sondern riskiere gleichzeitig den Gedanken der Unveräußerlichkeit der Menschenrechte aufs Spiel zu setzen.3 Aus diesem Grund plädiert Höffe für eine Legitimation der Menschenrechte, die weder in einem relativierbaren Kontext steht noch an ein Menschenbild gebunden ist. Einen ersten Schritt in diese Richtung bietet die These Höffes, dass „wer Menschenrechte legitimieren will […] sich selbst von abendlandspezifischen Menschenbildern lösen und einen logos tou anthropou entwickeln“ muss, also „einen für den Menschen geschichts- und kulturunabhängig gültigen Begriff.“4 Höffe erhebt damit den Anspruch Menschenrechte zu begründen, ohne diesen ein bestimmtes Menschenbild zuzuweisen. Er verfolgt somit einen genuin universalistischen Begriff vom Menschen.

3. Höffes Partialanthropologie

3.1 Transzendentale Interessen

Höffe definiert sogenannte Anfangsbedingungen, die dem Menschen ermöglichen ein Mensch zu sein und bezeichnet diese als transzendentale Interessen. In Anlehnung an Immanuel Kant, verstehen wir unter transzendental „eine Untersuchung, die subjektive Ansprüche auf objektive Erkenntnis aus Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis rechtfertigen will.“5 Kants Auslegung des Begriffs ist erkenntnistheoretisch. Transzendental aber, im Sinne von Höffe, sei im Allgemeinen das Interesse von handlungsfähigen Menschen, so zu handeln, wie sie zu handeln vermögen. In diesem Sinne sind solche Interessen gemeint, die sich auf elementare Bedingungen menschlichen Handelns und der Handlungsfreiheit beziehen. Darüber hinaus umfassen diese bestimmte aber auch Grundinteressen, welche alle menschlichen Individuen besitzen. Diese seien angeboren, unverzichtbar und zudem unveräußerlich.6 Damit räumt Höffe dem Menschen grundlegende Freiheiten ein, etwa dann, wenn es darum geht so zu handeln, wie sie handeln wollen und vertritt damit eine liberalistische Weltsicht, nach der die Freiheit einen anthropologischen Vorrang hat. In den Menschenrechten sieht Höffe außerdem ein notwendiges Kriterium, um die transzendentalen Interessen zu verwirklichen. Höffe entwickelte zwar in Bezug auf die transzendentalen Interessen keinen kohärenten theoretischen Ansatz - er macht keine konkreten Angaben darüber, welche dies sind, benennt aber durch drei Kategorien klassifizierbare Elemente, die er in Form von Interessengruppen wie folgt gliedert: Das erste Interesse stellt die Integrität von Leib und Leben dar. Diesem Interesse misst Höffe besonderen Wert zu, „denn auch, wer nicht sonderlich am Leben hängt, hat deshalb ein Interesse daran, weil er andernfalls weder etwas begehren noch sein Begehren zu erfüllen trachten kann.“7 Alle Interessen sind als konsekutiv zu bewerten und bauen dementsprechend auf einander auf. Das eine Interesse bedingt für Höffe das nächste. Aus diesem Grund ist das Interesse an Leib und Leben unabdingbar, um weitere Interessen verfolgen zu können und wird von Höffe entsprechend hierarchisch an erster Stelle angeordnet.8 Nur wer körperlich unversehrt sei, habe auch die Chance auf Verwirklichung weiterer Interessen. Ein weiteres Interesse besteht in der Annahme, Menschen als Sprach- und Vernunftwesen zu begreifen. Entsprechend dieser Ansicht, kommt der unbeschränkten Ausübung der sprachlichen- und kognitiven Fähigkeit eine besondere Bedeutung zu. De facto wird damit die Meinungsfreiheit zum Ausdruck gebracht. Das dritte Interesse kommt letztlich dadurch zum Tragen, dass wir als Menschen abhängig sind von wechselseitiger Sozialisation und uns deshalb ein fundamentales Interesse am gesellschaftlichen Leben inhärent ist.9 Anders als beispielsweise Thomas Hobbes spricht Höffe nicht jedem Menschen zu, ein Interesse an seiner Selbsterhaltung zu haben, das den Charakter eines Wettbewerbs annimmt, in dem es darum geht, Güter vor den anderen zu schützen. Höffe geht es bei seiner Menschenrechtsbegründung einzig darum, was den Menschen als Menschen möglich macht. In diesem Kontext äußert Höffe, dass es sich bei seiner Begründung um eine bloße „Partialanthropologie“ handele, die in gewisser Weise anspruchsarm sei. Im Gegensatz zu Hobbes will Höffe zudem zeigen, dass alle Menschen ein Interesse an ihrer Handlungsfähigkeit haben. Sie sei in erster Linie der Grund dafür, weshalb wir Menschenrechte benötigen. Eben diese zuvor aufgeführten Interessen, die Höffe transzendentale Interessen nennt, sind unabdingbar, um ein menschliches Leben zu führen.10

3.2 Legitimation von Herrschaft

Eine Schlüsselrolle in Höffes Begründungskonzepten der Menschenrechte, nimmt seine Darstellung über die Legitimation von Herrschaft ein. Vor diesem Hintergrund ist seine Vorstellung von politischer Gerechtigkeit eng verwoben mit der Frage nach der Legitimation von staatlichem und rechtlichem Zwang. In seiner politischen These geht es ihm dabei vor allem darum, wie sich Herrschaft moralisch legitimieren lässt. Er stützt sich hierbei an Aristoteles, der gerechte Staatsordnungen binär klassifiziert. Aristoteles zufolge ist eine staatliche Ordnung gerecht, die das Gemeinwohl als oberstes Ziel erklärt und entsprechend ungerechnet ist eine Staatsordnung dann, wenn sie lediglich den Machthabern dient und eine von persönlichen Machtinteressen bestimmte Politik verfolgt.11 Höffe geht allerdings einen Schritt weiter und begründet seine Annahme mit der Frage, in welcher Form Herrschaft und staatlicher Zwang berechtigt sind, ganz gleich wem sie zugute kommen. Höffe rechtfertigt Herrschaft mit der Notwendigkeit öffentlicher Gewalten.12 Für ihn nimmt Herrschaft viel mehr die Form einer Sozialordnung an. Die Geltendmachung von Menschenrechten lässt sich ausgehend von diesem Verständnis auf den Hoheitsbereich des jeweiligen Staates beschränken, der einem diese Rechte - wenn es sein muss, auch mit Zwang garantiert.13 Eng verbunden mit Zwang und Herrschaft ist für Höffe jedoch auch eine Einschränkung der Freiheit und der Freiheitsverzicht jedes Einzelnen.14 Dem Zwangscharakter von Herrschaft verleiht Höffe insofern Zuspruch, als dass durch Zwang der Vollzug der Freiheit gewährleistet wird. Mit anderen Worten: Zwang ist für ihn nicht gleichbedeutend mit Verzicht auf Freiheit, sondern vielmehr dessen Verwirklichung.15 In einer weiterführenden Perspektive argumentiert Höffe, dass ein Zwang nur berechtigt ist, „wo sich die Zwangsunterworfenen mit ihm einverstanden erklären können. Weil andernfalls der Zwang den Charakter bloßer Gewalt behält, kann die Legitimation nicht von außerhalb erfolgen, sondern lediglich von den Betroffenen selbst.“16 Zweifelsohne dient diese Zwangsbefugnis in der Realität, von der Höffe spricht, für einige wenige nicht dem Vorteil. Zurecht folgert Höffe: „Weil sich die Legitimation der Zwangsbefugnis am Wohlergehen der Betroffenen entscheidet, kann sie nur dann gerechtfertigt sein, wenn sie auch für jeden einzelnen Betroffenen mehr Vor- als Nachteile erbringt. Das Kriterium heißt d istributiver Vorteil.“17

[...]


1 vgl. Schweppenhäuser 2005: 154

2 vgl. ebd. 137f. 3

3 vgl. Höffe 1991: 25

4 vgl. ebd. 25

5 vgl. Kettner 1997: 254

6 vgl. Höffe 1998: 34

7 vgl. Höffe 1998: 34

8 vgl. Höffe 1998: 38

9 vgl. Kettner 1997: 255

10 vgl. Pollmann 2012: 189

11 vgl. Höffe 1991: 14

12 vgl. Höffe 1999: 51

13 vgl. Rollmann 2012: 130

14 vgl. Höffe 1987: 63

15 vgl. Schachtschneider 2007: 108

16 vgl. Höffe 1991: 20

17 vgl. Weiler 1992: 1999 7

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Menschenrechtsbegründung durch Otfried Höffes Prinzip der Tauschgerechtigkeit
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V432741
ISBN (eBook)
9783668770096
ISBN (Buch)
9783668770102
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschenrechtsbegründung, otfried, höffes, prinzip, tauschgerechtigkeit
Arbeit zitieren
Devran Seven (Autor), 2018, Menschenrechtsbegründung durch Otfried Höffes Prinzip der Tauschgerechtigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432741

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