Systemische soziale Gruppenarbeit bei Kinder und Jugendlichen und Methoden zur erfolgreichen Bewältigung


Hausarbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Soziale Gruppenarbeit?
2.1. Merkmale einer (sozialen) Gruppe
2.2. Merkmale Sozialer Gruppenarbeit
2.3. Struktur der Sozialen Gruppenarbeit

3. Ziele und Zielgruppen der Sozialen Gruppenarbeit
3.1. Zielgruppe der Sozialen Gruppenarbeit
3.2. Ziele der Sozialen Gruppenarbeit

4. Methodisches Handeln
4.1. Prinzipien und Grundhaltungen
4.2. Die Aufgaben der Gruppenleitenden

5. Systemisches Handeln
5.1. Systemischer Ansatz in der Sozialen Gruppenarbeit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1. Internetquellen

1. Einleitung

Viele Kinder und Jugendlichen haben Schwierigkeiten in ihrer persönlichen Entwicklung. Ihnen fällt es schwer, auf andere Kinder zuzugehen, sich in Gruppen zu einzubringen oder ihre Probleme selbstständig zu bewältigen. Für diese Problematiken wurde die Soziale Gruppenarbeit geschaffen. Soziale Gruppenarbeit ist ein pädagogischer Ort, an dem „Gemeinschaft erfahren, gelernt und lustvoll, sinnlich praktiziert werden kann“ (Kalcher 2002, S. 80). Die Soziale Gruppenarbeit wurde zusammen mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) 1990 in § 29 gesetzlich verankert und stellt eine klassische Methode bzw. Handlungsform der Sozialen Arbeit dar. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich speziell mit den Fragen nach der Funktion und Aufgabe der Sozialen Gruppenarbeit in der Sozialen Arbeit und ihrer systemischen Verortung.

Durch die Lehrveranstaltung „Systemisches Handeln im Kontext von Jugend- und Familienhilfe“ wurde ich auf die Soziale Gruppenarbeit aufmerksam. Nachdem ich ein Referat über dieses Thema abhielt, beschloss ich es weiter zu vertiefen und mich in der Hausarbeit näher mit der Sozialen Gruppenarbeit zu beschäftigen. Dabei stellte ich mir im weiteren Verlauf die Frage ob und inwieweit Soziale Gruppenarbeit mit systemischer Arbeit bzw. systemischem Handeln in Verbindung steht.

In der vorliegenden Arbeit sollen zunächst im ersten Teil die wichtigsten Merkmale einer (sozialen) Gruppe bestimmt und die die Soziale Gruppenarbeit definiert werden. Da es sich um eine Form der Hilfen zur Erziehung (KJHG) handelt, wird im ersten Teil auch der rechtliche Rahmen benannt. Danach folgt das zweite Kapitel, in dem die Zielgruppe und die Ziele thematisiert werden. Es folgt ein Überblick über die Methoden und Aufgaben der Gruppenleitung und abschließend wird die Frage geklärt, ob Soziale Gruppenarbeit systemisches Handeln beinhaltet.

Eine Zusammenfassung und Fazit im letzten Teil schließen die Hausarbeit ab.

2. Was ist Soziale Gruppenarbeit?

Zum allgemeinen Verständnis dieser Hausarbeit ist es notwendig zuallererst zu klären, was überhaupt Soziale Gruppenarbeit (SGA) ist. Dazu sollen im Folgenden zunächst die wichtigsten Eckpunkte kurz benannt und beschrieben werden um dann im weiteren Verlauf der Hausarbeit näher auf die einzelnen Aspekte, in den dafür vorgesehenen Kapiteln, eingehen zu können.

2.1. Merkmale einer (sozialen) Gruppe

Eine Gruppe besteht aus mindestens drei Personen. Diese Personen stehen in einem bestimmten Zeitraum regelmäßig in einer gegenseitigen Verbindung, die durch eine feste und verbindliche Beziehung gekennzeichnet ist (Wellhöfer 2012, S. 17ff.).

Darüber hinaus zeichnen eine Gruppe folgende sechs Merkmale aus:

1. Das Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Bewusstsein),
2. Die Dauerhaftigkeit (unterscheidet sich von einer zufälligen Begegnung),
3. Die Interaktion (gegenseitiges Agieren und Reagieren),
4. Die Gruppenziele (tragen zum Zusammengehörigkeitsgefühl bei),
5. Normen, Werte und Regeln (geben Ordnung und Stabilität),
6. Die Rollen (beinhaltet alle Verhaltenserwartungen und -anforderungen, die an alle Gruppenmitglieder gestellt werden) (Wellhöfer 2012, S. 17 ff.).

Nur durch Kommunikation, Interaktion und Einhalten der Normen und Werte ist es möglich, Teil einer Gruppe zu sein. Durch das daraus resultierende Zughörigkeitsgefühl ist es erst möglich, über Gefühlszustände und Emotionen zu sprechen. Die Gruppe schafft ein Klima, in dem es den Mitgliedern möglich ist, den Umgang mit Gefühlen zu erlernen. Dies führt zu einer Gruppendynamik, die für eine erfolgreiche Soziale Gruppenarbeit von besonderer Bedeutung ist (Metzinger 1999, S. 9; Wellhöfer 2012, S. 16)

Eine Soziale Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass die Ziele, Normen und Rollen ausdrücklich vorgeschrieben und durch Regeln, Verordnungen und/oder Gesetze definiert sind. Deshalb wird die Soziale Gruppe innerhalb der Sozialen Gruppenarbeit als eine „formelle Gruppe“ angesehen. Formelle Gruppen sind stets fest organisiert, zweckbewusst aufgebaut und werden planmäßig geleitet (Metzinger 1999, S. 11). Durch die genannten Merkmale, die zeitliche Begrenzung und den professionellen Auftrag im Rahmen der Sozialen Arbeit unterscheidet sich die Soziale Gruppe von einer Familiengruppe oder zufälligen Begegnungen (im Fahrstuhl o.Ä.) (Behnisch et al. 2013, S. 13; Ritscher 2007, S. 207).

2.2. Merkmale Sozialer Gruppenarbeit

Soziale Gruppenarbeit wurde mit der Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII) 1990 gesetzlich verankert. Es ist im § 29 SGB VIII zu finden und gehört zu den Hilfen zur Erziehung (§ 27 SGB VIII).

㤠29 Soziale Gruppenarbeit SGB VIII

1. Die Teilnahme an sozialer Gruppenarbeit soll älteren Kindern und Jugendlichen bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen helfen.

2. Soziale Gruppenarbeit soll auf der Grundlage eines gruppenpädagogischen Konzepts die Entwicklung älterer Kinder und Jugendlicher durch soziales Lernen in der Gruppe fördern.“

Die Leitidee hinter der Sozialen Gruppenarbeit ist, belasteten älteren Kindern und Jugendliche einen Zugang zu einem Angebot zu bieten, welches ihnen bei der Überwindung von individuellen Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen, besonders im Bereich der Sozialkompetenz, durch Gruppenerlebnisse helfen kann. Vor allem durch den Kontakt zu Gleichaltrigen und dem damit verbundenen Erfahrungsaustausch ist es möglich, ein (Gruppen-) Erleben und eine Individualität zu entwickeln. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich dabei würde- und respektvoll sich selbst und anderen gegenüber verhalten und Anteilnahme und Unterstützung erleben (Krüger 2007, S. 8). In der Gruppe werden die Ängste, Werte, Wertekollisionen, aber auch der Selbstwert thematisiert, mit dem Ziel, jedes Mitglied mithilfe der Gruppe zu befähigen, das Leben so zu meistern, dass von außen keine Hilfe mehr benötigt wird (Schmidt-Grunert 2009, S. 62). Soziale Gruppenarbeit orientiert sich dabei an den ethischen und sozialen Werten Sozialer Arbeit (Konopka und Feidel-Mertz 2000, S. 93).

Die Soziale Gruppenarbeit gehört neben der Einzelfallhilfe und Gemeinwesenarbeit zu den klassischen Methoden der Sozialen Arbeit. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Gruppenpädagogik oder (sozialpädagogischen) Gruppenarbeit (Graßhoff et al. 2018, S. 589). SGA verfolgt einen Arbeitsansatz, der zwischen Hilfe zur Selbsthilfe und Professionalisierung liegt. Soziale Gruppenarbeit unterscheidet sich dabei in einem wichtigen Aspekt von anderen Gruppenangeboten (Bsp.: Andere Formen der ambulanten und teilstationären Hilfen zur Erziehung), sie hat einen problemzentrierten Fokus. Dabei vereint die Soziale Gruppenarbeit den erzieherischen Aspekt der Gruppenpädagogik, aber beinhaltet gleichzeitig alle Elemente der Gruppenarbeit (Schmidt-Grunert 2009, S. 62). Die Soziale Gruppe ist somit Ort und Medium der Erziehung in dessen Intention Wachstum, Reifung, Bildung und Heilung des jungen Menschen stehen (Galuske 1999, S. 84). Dazu sind speziell Ausgebildete „Experten“ Leitende dieser Gruppen. Die Gruppenleitenden verfolgen eine konkrete Zielsetzung der Gruppe und beeinflussen bewusst den Gruppenprozess (Galuske 2009, S. 93).

Die Soziale Gruppenarbeit richtet sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche, allerdings werden die Bezugspersonen und das soziale Umfeld ebenfalls betrachtet und miteinbezogen (Schulz 2017, S. 12). Sie bietet dabei die Möglichkeit den Hilfebedarf eines Kindes oder Jugendlichen im Gruppensetting zu bearbeiten. Der individuelle Hilfebedarf der einzelnen Gruppenteilnehmer*innen gibt die Inhalte und methodischen Konzepte vor. Somit ist die Hilfe sowohl auf den Einzelnen, als auch auf die gesamte Gruppe gerichtet (Schulz 2017, S. 20).

In den 1970er Jahren geriet die Soziale Gruppenarbeit in den Fachhochschulen in die Kritik. SGA wurde vorgeworfen ein einfältiges Menschen- und Gesellschaftsbild und einen naiven Glauben an die verändernde Macht der Gruppenarbeit zu vertreten (Schmidt-Grunert 2009, S. 64). Dadurch vollzog sich nach kurzer Zeit eine medizinisch-therapeutische Ausrichtung der Sozialen Gruppenarbeit. Dies hält bis heute so an. Denn trotz der Einführung des § 29 KJHG fand keine ‚Wiederbelebung‘ und Aufwertung der SGA statt. Nichtsdestotrotz gewinnt SGA in der Praxis an Bedeutung. Durch den Ausbau der öffentlichen Erziehung, die immer wichtiger werdende Bedeutung der Gruppe und die praktische Arbeit mit Geflüchteten gewinnt die Soziale Gruppenarbeit immer häufiger an Verwendung und Anerkennung. Soziale Gruppenarbeit heute hat nicht nur eine pädagogische Funktion, sondern bietet auch eine Form von Hilfe und Unterstützung für benachteiligte, desintegrierte und hilfsbedürftige Menschen (Graßhoff et al. 2018, S. 594 f.).

Eine passende Definition hat Gisela Konopka definiert:

Soziale Gruppenarbeit ist eine Methode der Sozialarbeit, die den Einzelnen durch sinnvolle Gruppenerlebnisse hilft, ihre soziale Funktionsfähigkeit zu steigern und ihren persönlichen Problemen, ihren Gruppenproblemen oder den Problemen des öffentlichen Lebens besser gewachsen zu sein “ (Konopka und Feidel-Mertz 2000, S. 35).

Ergänzend zu dieser Definition lässt sich noch erwähnen, dass abgesehen vom Inhalt die Interaktion, das Individuum (also die Mitglieder der Gruppe), der Kontext und der Rahmen die Dynamik der einzelnen Gruppe beeinflussen. Von Sozialer Gruppenarbeit kann erst dann gesprochen, wenn die vier genannten Dimensionen von gleicher Bedeutung sind. Somit ist Soziale Gruppenarbeit eine Handlungsform, die die individuellen, interaktionellen, inhaltlichen und kontextuellen Dimensionen gleichermaßen behandelt (Behnisch et al. 2013, S. 20).

2.3. Struktur der Sozialen Gruppenarbeit

Zu Beginn der Sozialen Gruppenarbeit werden die Ziele, Inhalte und Rahmenbedingungen bzw. die ‚Spielregeln‘ der Zusammenarbeit gemeinsam klar und transparent formuliert. Dabei werden die Ziele und Wünsche der Mitglieder und der Gruppenleitenden dargestellt und berücksichtigt. Jede Gruppe ist mit ihren Mitgliedern individuell und einzigartig. Daher muss jedes Mal im Vorfeld ein neues Vorkonzept erstellt werden, bei dem die Gruppenleitenden die Themen, Strukturen und Vorgehensweisen bestimmen (Schulz 2017, S. 20 ff.).

Die Gruppenangebote werden in der Regel in zwei Ansätzen unterschieden und unterteilt. Die Kurzform und die fortlaufende Gruppe (Schulz 2017, S. 22).

Die Kurzform wird in der Regel für ein bis sechs Zeitstunden in der Woche angesetzt und ist zeitlich für sechs bis zwölf Monate begrenzt. Etwa ein bis drei Mal in der Woche finden die Gruppentreffen statt. Dadurch, dass die Kurzform zeitlich begrenzt ist, erfolgt für alle Teilnehmer die Aufnahme gleichzeitig und wird für alle zeitgleich beendet. So entsteht eine konstante Gruppendynamik (Nicolaus und Badstübner 2001, S. 3).

Eine fortlaufende Gruppe hingegen wird für etwa zwei Jahre initiiert und die Aufnahme neuer Teilnehmer*innen kann zu jeder Zeit erfolgen. Genauso erfolgt auch jede Beendigung individuell. Dazu werden zu Beginn der Hilfe individuelle Zielvereinbarungen mit den Kindern oder Jugendlichen und dessen Erziehungsberechtigten getroffen und halbjährlich im Hilfeplanverfahren überprüft und angepasst. Sobald die vereinbarten Ziele erreicht sind, kann die Teilnahme wieder beendet werden (Nicolaus und Badstübner 2001, S. 3). Durch dieses Verfahren leidet die Dynamik innerhalb der Gruppe, da immer wieder die o.g. Gruppenmerkmale individuell neu ausgehandelt und angepasst werden müssen. Darüber hinaus gibt es zeitlich begrenzte oder unbefristete Gruppen, so wie homogene oder inhomogene Gruppen (Ritscher 2007, S. 210).

Es gibt viele verschiedene Gruppenformen in der Sozialen Gruppenarbeit. An sich lassen sie sich in wachstums- und arbeitsorientierte Gruppen unterscheiden. Ritscher (2002) unterscheidet darüber hinaus diese Gruppen noch in produkt- und themenorientierte, prozess- und selbsterfahrungsorientierte, alltagsstrukturierende und freizeitgestaltende Gruppen (S. 208 ff.) Welche Gruppenform Letzen Endes umgesetzt wird, hängt sowohl von dem zuständigen Träger, als auch von dem jeweiligen Bedarf ab.

In der Regel finden die Gruppentreffen in Einrichtungen der freien Träger oder an Schwerpunktschulen statt (Schulz 2017, S. 22). Die Angebote der Sozialen Gruppenarbeit sind in vielen Bereichen der Sozialen Arbeit zu finden. Dazu gehören auch unter anderem die Heimerziehung, Tagesgruppen, die Schulsozialarbeit, Kindertagesstätten und die klinische Soziale Arbeit. In den letzten Jahren hat sich die Tendenz dahingehend entwickelt, das Angebot an Schulen anzubieten, da die meisten Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und Jugendlichen in der Schule stattfinden. Zusätzlich ist durch den Ganztagsunterricht der zeitliche Rahmen der Kinder und Jugendlichen sehr eingespannt und ermöglicht nur selten zusätzlich an externen ambulanten Hilfen teilzunehmen (Pötter 2018, S. 79 ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Systemische soziale Gruppenarbeit bei Kinder und Jugendlichen und Methoden zur erfolgreichen Bewältigung
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V432817
ISBN (eBook)
9783668754744
ISBN (Buch)
9783668754751
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Gruppen, System, Methoden, Erziehung
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Systemische soziale Gruppenarbeit bei Kinder und Jugendlichen und Methoden zur erfolgreichen Bewältigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432817

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