Angesichts der unstabilen politischen Lage in vielen Ländern der Welt sind so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Statistiken des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR besagen, dass seit 2015 weltweit 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Ein Jahr zuvor waren es 59,5 Millionen und im Jahr 2011 42,5 Millionen. Insofern ist die Anzahl der weltweit Flüchtenden in den letzten fünf Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen.
Die Menschen fliehen aufgrund von Kriegen oder allgemein ungünstigen Lebensbedingungen. Bei den meisten Flüchtenden handelt es sich um Vertriebene innerhalb des Heimatlandes (40, 8 Millionen, 2015). Der restliche Anteil flieht in die Nachbarländer oder macht sich auf den Weg nach Europa. Aufgrund des Sozialsystems und der florierenden Wirtschaft gilt auch Deutschland als ein beliebtes Ziel.
Aus den Berichten des UNHCR geht hervor, dass 2015 weltweit zwei Millionen Asylanträge (Erstanträge) eingereicht worden sind. Davon wurden allein rund 442.000 in Deutschland gestellt – mehr als in jedem anderen Land. Von Januar bis November 2016 wurden insgesamt 723.027 Asylanträge vom Bundesamt entgegengenommen, dies bedeutet eine Erhöhung der Antragszahlen um 70,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr desselben Zeitraums (rund 425.000 Asylanträge von Januar bis November 2015).
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in den Hauptherkunftsländern, zu denen unter anderem Syrien und Afghanistan angehören, ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Flüchtenden zukünftig weiter steigen wird. Demzufolge gewinnt die Integration dieser Menschen immer mehr an Relevanz und ist zukünftig eine der wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Herausforderung. Um ein gemeinsames Miteinander verwirklichen zu können, muss die Integration als ein wechselseitiger Prozess angesehen werden.
Dafür bedarf es einerseits der Bereitschaft der Zuwanderer sich zu integrieren und andererseits der Bereitschaft der Aufnahmegesellschaft sich mit fremden Kulturen auseinanderzusetzen. Ein besonders integratives Potenzial wird dem Sport zugeschrieben. Nach dem Motto „Sport spricht alle Sprachen“ stellt er eine ideale Plattform zur Zusammenführung von Menschen unterschiedlicher Herkunft dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinition: Migration
3 Zahlen und Fakten
4 Sport als Integrationsmotor – theoretische Grundlagen
4.1 Der allgemeine Integrationsbegriff
4.2 Vereinswesen in Deutschland
4.2.1 Herausforderungen
4.3 Sportbezogene Integration
4.3.1 Ein kritischer Überblick
4.4 Hindernisse im Bereich Sport und Integration
4.4.1 Kulturelle Differenzen
4.4.2 Sozioökonomische Differenzen
4.5 Integrative Maßnahmen
4.5.1 „Spin – sport interkulturell“
5 Methodik
5.1 Das Erhebungsinstrument
5.2 Gestaltung des Interviewleitfadens
5.3 Zugänge zum Forschungsfeld
5.4 Beschreibung der Befragten
5.5 Beschreibung des Interviewablaufs
5.6 Auswertungsmethode
5.7 Aussagekraft der Daten
6 Ergebnisdarstellung
6.1 Kategorien im Überblick
6.2 Kategorie „Sport im Heimatland“
6.2.1 Subkategorie „Sportarten“
6.2.2 Subkategorie „Anzahl der Tage pro Woche“
6.2.3 Subkategorie „Schulsport“
6.2.4 Subkategorie „Organisation“
6.2.5 Subkategorie „Stellenwert“
6.2.6 Subkategorie „Hindernisse“
6.3 Kategorie „Sport in Deutschland“
6.3.1 Subkategorie „ausführende Sportarten“
6.3.2 Subkategorie „Anzahl der Tage pro Woche“
6.3.3 Subkategorie „Organisation“
6.3.4 Subkategorie „Hindernisse“
6.4 Kategorie „Motive des Sporttreibens“
6.5 Kategorie „Spezifische Bedürfnisse“
6.5.1 Subkategorie „Sportarten“
6.5.2 Subkategorie „Geschlechtertrennung“
6.5.3 Subkategorie „Ort der Sportausübung“
6.5.4 Subkategorie „Gruppensport“
6.5.5 Subkategorie „Gruppenzusammensetzung“
6.5.6 Subkategorie „Interesse am vermehrten Sporttreiben“
7 Kernkategorie Gewohnheit
7.1 Kategorie „Sport im Heimatland“ zur Kernkategorie Gewohnheit
7.2 Kategorie „Sport in Deutschland“ zur Kernkategorie Gewohnheit
7.3 Kategorie „Spezielle Bedürfnisse“ zur Kernkategorie Gewohnheit
7.4 Kategorie „Motive“ zur Kernkategorie Gewohnheit
8 Schlussbetrachtung
9 Methodenkritik
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht, inwiefern das deutsche Vereinswesen für Asylanten attraktiv ist und wie sportinaktive Individuen zum Sport sozialisiert werden können, um Integrationspotenziale zu fördern.
- Analyse des sportlichen Interesses von Asylanten
- Untersuchung von Barrieren im organisierten Sport
- Einfluss von sozioökonomischen und kulturellen Faktoren
- Evaluation des Integrationspotenzials von Sportvereinen
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Praxis
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Herausforderungen
Oft wird der Anteil der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund unterschätzt. Im Jahr 2015 hatten rund 17,1 Millionen Personen der insgesamt 81,4 Millionen Einwohner einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen) – dies sind 723.000 Personen mehr als im Vorjahr (vgl. Statistisches Bundesamt, 2016a, S. 7). Parallel zu diesem Anstieg ist in der deutschen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund ein Geburtenrückgang festzustellen. Laut der Analyse von Breuer und Wicker (2011a, S. 83, S. 111) zur Situation der Sportarten geben Fußball- und Turnvereine an, angesichts der demografischen Entwicklung in der Region, Probleme mit der Bindung und Gewinnung von Mitgliedern zu haben. Aus den Daten des Sportentwicklungsberichtes 2009/2010 geht hervor, dass im Jahr 2009 2,6 Millionen Mitglieder des Sportvereins einen Migrationshintergrund besaßen (Breuer & Wicker, 2011b, S. 19), was lediglich etwa ein Zehntel des Gesamtmitgliederbestandes ausmacht.
„Diese Unterrepräsentanz von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gewinnt für den vereins- und verbandsorganisierten Sport […] [somit] nicht nur unter einer integrationspolitischen Perspektive an Brisanz, sondern auch unter einer Organisationsperspektive des Sportvereinswesens. Denn im Zuge des demografischen Wandels droht mit dem Schrumpfungsprozess der Bevölkerung das ‚Stammklientel‘ der Sportvereine – die Kinder und Jugendlichen – zu erodieren. […] Sportvereine [handeln] offenbar gerade in Regionen mit hohen Zuwanderungsquoten im wohlverstandenen Eigeninteresse […], wenn sie sich zum Erhalt ihres Mitgliederbestandes interkulturell öffnen und Mitglieder mit Zuwanderungsgeschichte gewinnen“ (Braun & Finke, 2010, S. 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die wachsende Bedeutung der Integration von Flüchtlingen und stellt den Sport als potenziellen Integrationsmotor dar.
2 Begriffsdefinition: Migration: Es werden grundlegende Begrifflichkeiten wie Migration, Ausländer und Flüchtling wissenschaftlich voneinander abgegrenzt.
3 Zahlen und Fakten: Dieses Kapitel liefert statistische Daten zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland und zeigt demografische Trends auf.
4 Sport als Integrationsmotor – theoretische Grundlagen: Hier werden theoretische Ansätze zur Integration durch Sport sowie die Struktur und Herausforderungen von Sportvereinen erörtert.
5 Methodik: Das Kapitel erläutert den qualitativen Forschungsansatz, die Datenerhebung durch problemzentrierte Interviews und die Auswertung mittels Grounded Theory.
6 Ergebnisdarstellung: Die Ergebnisse werden in Kategorien unterteilt und mittels Ankerbeispielen aus den Interviews anschaulich interpretiert.
7 Kernkategorie Gewohnheit: Hier wird das zentrale Ergebnis der Arbeit – die Bedeutung der Gewohnheit für das Sportverhalten – herausgearbeitet und mit den Kategorien verknüpft.
8 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, insbesondere hinsichtlich der Barrieren für den Sportzugang und der Wünsche nach Rahmenbedingungen.
9 Methodenkritik: Kritische Reflexion des Forschungsdesigns, der Datenerhebung und der Analyseprozesse.
10 Ausblick: Abschließend werden konkrete Empfehlungen für Vereine und Politik gegeben, um das integrative Potenzial von Sportangeboten besser zu nutzen.
Schlüsselwörter
Migration, Integration, Sportverein, Flüchtlinge, Sozialisation, Interkulturalität, Vereinswesen, Sportinteressen, Qualitative Forschung, Grounded Theory, Gender, Hindernisse, Sportpartizipation, Gewohnheit, Engagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sportliche Interesse von Asylanten in Deutschland und analysiert, wie diese Zielgruppe erfolgreich in den organisierten Sport sozialisiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Integration von Migranten durch Sport, das deutsche Vereinswesen, kulturelle Barrieren und spezifische Bedürfnisse von Flüchtlingen bei der Sportausübung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, inwiefern das deutsche Vereinsmodell für Asylanten attraktiv ist und wie sportinaktive Personen durch zielgruppenspezifische Maßnahmen besser erreicht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt qualitative Forschungsmethoden, insbesondere das problemzentrierte Interview und die Grounded Theory zur Auswertung der erhobenen Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Integration und Vereinswesen, die Methodik, die detaillierte Ergebnisdarstellung (kategorisiert nach Motiven, Bedürfnissen und Hindernissen) sowie die Entwicklung einer Kernkategorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Migration, Integration, Sportvereine, Flüchtlinge, interkulturelle Öffnung und sportliche Partizipation.
Welche Rolle spielt die „Gewohnheit“ in dieser Arbeit?
Gewohnheit wurde als die Kernkategorie identifiziert, da die Sportpräferenzen der Asylanten stark durch ihre bisherigen Erfahrungen und Traditionen aus den Heimatländern geprägt sind.
Welche Bedeutung haben kulturelle Differenzen für die Sportintegration?
Kulturelle Differenzen, wie etwa Kleidungsnormen oder Ansichten zur Geschlechtertrennung, können erhebliche Hindernisse für die Teilnahme am Sport in deutschen Vereinen darstellen, wenn sie nicht sensibel berücksichtigt werden.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2017, Das sportliche Interesse von Asylanten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432903