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Der Brauch der falschen Braut in Wittenweilers "Ring" und seine Funktion gegenüber den Figuren

Titel: Der Brauch der falschen Braut in Wittenweilers "Ring" und seine Funktion gegenüber den Figuren

Hausarbeit , 2014 , 14 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: B.A. Jennifer Schulte (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit stellt dar, wie der Brauch der "falschen Braut" in Heinrich von Wittenwilers "Ring" Einzug findet und hier als eine Art sozialer Determinismus der Figuren verhandelt wird.

Wittenwiler lässt in seinem Werk eine alte Frau auftreten, die behauptet Bertschi hätte ihr bereits vor einiger Zeit die Ehe versprochen. Dies stellt einen alten Brauch dar, wie er in Süddeutschland, Österreich, Ostmitteldeutschen Gebieten und in slawischen Nachbargebieten verbreitet war. Der Grundtypus dieses Brauchs besteht darin, dass beim Leikauf (volksrechtliche Verlobung) vor der Ankunft der richtigen, zu heiratenden Braut, eine frühere, angeblich verlassene Braut auftritt. Diese ist meist eine Magd oder Tagelöhnerin, die behauptet, der Bräutigam habe ihr schon vorher die Ehe versprochen. Somit habe sie ein älteres Anrecht auf die Ehe. Der Bräutigam streitet dies feierlich ab und sie wird von ihm mit Geld abgefertigt. Der Grund für diesen Brauch der falschen Braut liegt darin, dass man annahm, diese trage das Unglück aus dem Haus. Verwandt mit dem Brauch der falschen Braut ist auch die "Versteckwette" bzw. "Suchprobe". Braut und Bräutigam verstecken sich voreinander und der, der den anderen zuerst findet hat mehr Glück in der gemeinsamen Ehe. Es handelt sich hierbei um eine Art „rituelles Sträuben“, denn aller Übergang wird laut Aberglauben von bösen Mächten neidisch belauert. Jeder Anfang muss also als etwas behandelt werden, dass die Betroffenen unter Zwang erleben, sodass sie dafür nicht verantwortlich gemacht werden können. Wenn Mätzli sich also bei der Trauung ziert, kann dies mit dem Brauch des rituellen Sträubens in Verbindung gebracht werden. Wie sich später zeigen, wird hat dieses Zieren jedoch einen anderen Hintergrund. Der Auftritt der Vetula in Wittenwilers Ring ist der Forschung viel diskutiert, denn er markiert mehr als nur einen Brauch. Es werden hier hochbrisante Eherechtsfragen zur Zeit Wittenwilers aufgeworfen. Die Darstellung der falschen Braut im Ring wird von Schulz als „Zerrbild der Ehehindernisklausel“ und als „wichtiges Verkehrsmotiv im Rahmen der Ehegüterlehre“ interpretiert. In dieser Arbeit soll der Auftritt dazu dienen zu analysieren inwieweit die Hochzeit im Ring gültig sein kann. Zunächst wird der Begriff „falsche Braut“ im wörtlichen Sinne dargestellt, um dann in weiteren Schritten die nicht rechtsgültige Hochzeit von Bertschi und Mätzli dahingehend zu analysieren, dass Mätzli selbst als falsche Braut gelten kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Mätzli als falsche Braut in Wittenwilers Ring

1. Der Brauch der falschen Braut

2. Mätzli als falsche Braut

2.1 Definition „falsche Braut“ im wörtlichen Sinne

2.2 keine kirchenrechtlich gültige Hochzeit

2.3 kein wirklicher Konsens der Protagonisten

2.4 keine wahre Minneliebe zwischen Bertschi und Mätzli

2.5 Auftritt der Vetula als Hinweis auf falsche Braut im Werk

3. Bertschi und Mätzli als Opfer sozialer Konventionen

4. Sozialer Determinismus in literarischen Werken

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Eheschließung von Bertschi und Mätzli in Heinrich Wittenwilers Werk „Ring“. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Hochzeit tatsächlich rechtsgültig ist und ob die Figur der Mätzli als „falsche Braut“ interpretiert werden kann, wobei insbesondere kirchenrechtliche Diskurse und die Rolle sozialer Konventionen analysiert werden.

  • Der Brauch der falschen Braut und seine Funktion im Werk
  • Analyse der Gültigkeit der Ehe nach kirchenrechtlichen Kriterien
  • Die Problematik der Konsensbildung zwischen den Protagonisten
  • Soziale Determinierung und Rollenzuschreibungen im Spätmittelalter

Auszug aus dem Buch

1. Der Brauch der falschen Braut

Wittenwiler lässt in seinem Werk eine alte Frau auftreten, die behauptet Bertschi hätte ihr bereits vor einiger Zeit die Ehe versprochen. Dies stellt einen alten Brauch dar, wie er in Süddeutschland, Österreich, Ostmitteldeutschen Gebieten und in slawischen Nachbargebieten verbreitet war. Der Grundtypus dieses Brauchs besteht darin, dass beim Leikauf (volksrechtliche Verlobung) vor der Ankunft der richtigen, zu heiratenden Braut, eine frühere, angeblich verlassene Braut auftritt. Diese ist meist eine Magd oder Tagelöhnerin, die behauptet, der Bräutigam habe ihr schon vorher die Ehe versprochen. Somit habe sie ein älteres Anrecht auf die Ehe. Der Bräutigam streitet dies feierlich ab und sie wird von ihm mit Geld abgefertigt.

Der Grund für diesen Brauch der falschen Braut liegt darin, dass man annahm, diese trage das Unglück aus dem Haus. Verwandt mit dem Brauch der falschen Braut ist auch die "Versteckwette" bzw. "Suchprobe". Braut und Bräutigam verstecken sich voreinander und der, der den anderen erst findet hat mehr Glück in der gemeinsamen Ehe. Es handelt sich hierbei um eine Art „rituelles Sträuben“, denn aller Übergang wird laut Aberglauben von bösen Mächten neidisch belauert. Jeder Anfang muss also als etwas behandelt werden, dass die Betroffenen unter Zwang erleben, sodass sie dafür nicht verantwortlich gemacht werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

Mätzli als falsche Braut in Wittenwilers Ring: Einleitende Betrachtung der zentralen Fragestellung zur Gültigkeit der Hochzeit im Werk.

1. Der Brauch der falschen Braut: Erläuterung des volkskundlichen Hintergrunds der „falschen Braut“ und deren Bedeutung als rituelles Schutzmittel.

2. Mätzli als falsche Braut: Analyse der ehe- und kirchenrechtlichen Aspekte, die Mätzli als eine nicht rechtsgültige Braut erscheinen lassen.

2.1 Definition „falsche Braut“ im wörtlichen Sinne: Untersuchung der Voraussetzungen für eine rechtsgültige Ehe im 14. und 15. Jahrhundert im Vergleich zur Situation der Romanfiguren.

2.2 keine kirchenrechtlich gültige Hochzeit: Prüfung des Aufgebots und der kirchlichen Handlung, wobei die Lückenhaftigkeit der Eheschließung im Ring aufgezeigt wird.

2.3 kein wirklicher Konsens der Protagonisten: Untersuchung der fehlenden Willensübereinstimmung und des Einflusses externer Personen auf die Eheschließung.

2.4 keine wahre Minneliebe zwischen Bertschi und Mätzli: Darstellung der sexuellen Motivation von Bertschi und der untergeordneten Rolle von Mätzli, die keine echte Minne zulässt.

2.5 Auftritt der Vetula als Hinweis auf falsche Braut im Werk: Interpretation der Vetula-Figur als personifiziertes Ehehindernis und als Kritik Wittenwilers am Verhalten der Lappenhausener.

3. Bertschi und Mätzli als Opfer sozialer Konventionen: Analyse der passiven Rollen beider Protagonisten, die gesellschaftlichen Zwängen ausgeliefert sind.

4. Sozialer Determinismus in literarischen Werken: Einordnung der Thematik in den breiteren literaturwissenschaftlichen Kontext und die Frage nach dem Einfluss gesellschaftlicher Rollenbilder.

Schlüsselwörter

Wittenwiler, Der Ring, Mätzli, Bertschi, Eherecht, falsche Braut, Mittelalter, soziale Konventionen, Konsens, Ehehindernis, Minne, Literaturwissenschaft, Rollenerwartungen, Kirchenrecht, Heiratsbrauch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Eheschließungsgeschehen in Heinrich Wittenwilers „Ring“ und hinterfragt die Rechtsgültigkeit der Verbindung zwischen den Protagonisten Bertschi und Mätzli.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf kirchenrechtlichen Fragen, volkskundlichen Hochzeitsbräuchen, dem Konzept der Minne sowie dem sozialen Determinismus der damaligen Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Mätzli im Werk als „falsche Braut“ zu verstehen ist, da sowohl kirchenrechtliche als auch konsensuale Voraussetzungen für eine gültige Ehe fehlen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primäre Textstellen des „Ring“ mit zeitgenössischen Eherechtsdiskursen und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der falschen Braut, die Untersuchung der kirchlichen Aufgebotsmängel, die problematische Konsensabfrage sowie die Analyse von Bertschi und Mätzli als Opfer gesellschaftlicher Rollenzwänge.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem „falsche Braut“, „Eherecht“, „Konsens“, „soziale Konventionen“ und „Wittenwilers Ring“.

Warum wird der Auftritt der Vetula als so wichtig für die Argumentation erachtet?

Die Vetula dient als personifiziertes Ehehindernis, das die Nichtigkeit der Hochzeit unterstreicht und als satirische Antwort auf die ignorierten kirchlichen Vorschriften in Lappenhausen fungiert.

Inwiefern spielt der „Konsens“ eine Rolle für die Gültigkeit der Ehe?

Der Konsens war ein wesentlicher Bestandteil für eine gültige Ehe; die Arbeit zeigt jedoch auf, dass Mätzli und Bertschi diesen nicht freiwillig und informierten Willens erklärten, was die Ehe rechtlich fragwürdig macht.

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Details

Titel
Der Brauch der falschen Braut in Wittenweilers "Ring" und seine Funktion gegenüber den Figuren
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,3
Autor
B.A. Jennifer Schulte (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V432927
ISBN (eBook)
9783668754669
ISBN (Buch)
9783668754676
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die falsche Braut Wittenwiler Ring Determinismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Jennifer Schulte (Autor:in), 2014, Der Brauch der falschen Braut in Wittenweilers "Ring" und seine Funktion gegenüber den Figuren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432927
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Leseprobe aus  14  Seiten
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