Kierkegaard - Der Sprung


Hausarbeit, 2004

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die drei Existenzsphären
2.1. Die ästhetische Sphäre
2.2. Die ethische Sphäre
2.3. Die religiöse Sphäre

3. Der Sprung

4. Kritische Würdigung
4.1. Camus’ Kritik in Der Mythos von Sisyphos
4.2. Mackies Kritik in Das Wunder des Theismus

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Der Gesichtspunkt für meine Wirksamkeit als Schriftsteller schreibt Kierkegaard: „[...] dass ich bin und gewesen bin religiöser Schriftsteller, dass meine gesamte Wirksamkeit als Schriftsteller in einem Verhältnis zum Christentum steht, zu der schwierigen Aufgabe: ein Christ zu werden.“[1]

Folglich drehen sich Kierkegaards gesamte Anstrengungen um diese eine Frage: wie es möglich ist ein Christ zu werden. Er ist der festen Überzeugung, dass man sich dem wahren Christsein nicht nach und nach nähern kann, sondern dass ein qualitativer Sprung ins Christsein hinein erfolgen müsse. Der Mensch muss als Einzelner springen, kein anderer kann ihm den Sprung abnehmen. Es ist unmöglich vom christlichen Standpunkt aus dozierend einem anderen Menschen den Sprung zu ermöglichen. Daher wählt Kierkegaard in vielen seiner Schriften einen nicht christlichen Standpunkt. Dies macht es nötig unter Pseudonymen zu schreiben, da er selbst ja nur aus christlicher Position heraus sprechen kann, seine pseudonymen Autoren jedoch aus jeder beliebigen. Doch auch aus einem nicht christlichen Standpunkt heraus lässt sich das christliche Lebensverständnis nicht direkt mitteilen; es bleibt die indirekte Form der Mitteilung, die die anderen möglichen Lebensverständnisse als unzureichend und unbefriedigend darstellt, ohne dabei direkt auf das christliche Verständnis hinzuweisen.

Was für verschiedene Lebensverständnisse aber gibt es? Woher erfolgt dieser Sprung ins Christsein hinein? Kierkegaard unterscheidet drei verschiedene Existenzsphären, in denen der Mensch leben kann: die ästhetische, die ethische und die religiöse. Die Grenzen zwischen diesen Sphären bilden einerseits Ironie (ästhetisch-ethisch), andererseits Humor (ethisch-religiös).

2. Die drei Existenzsphären

2.1. Die ästhetische Sphäre

In dieser Sphäre sieht sich der Mensch als Individuum. Sein höchstes Ziel ist die Selbstverwirklichung. Dieses Ziel meint er zu erreichen, indem er das Bedürfnis des Augenblicks erfüllt. Steht der Genuss, den die Befriedigung eines Bedürfnisses in einem bestimmten Augenblick bietet, im Vordergrund, so wird man sein Handeln auf die Verwirklichung dieses Genusses ausrichten. Für den ästhetischen Menschen zählt nur der Augenblick, für ihn gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft, „kein Vorher und kein Nachher“[2] neben dem Moment. Dadurch entzieht er sich jeder moralischen Kritik. Er sieht weder die Konsequenzen, die aus seinem Handeln um des Augenblicks willen, erwachsen, noch nimmt er Rücksicht auf Menschen oder Dinge, die in irgendeiner Beziehung zu diesem Augenblick stehen. Er kennt keine Reue, ihn plagt kein schlechtes Gewissen, er trägt keine Verantwortung, da er nur im Jetzt lebt.

Der ästhetische Mensch verspricht sich dadurch, dass er durch die Verwirklichung von Bedürfnissen Genüsse erzeugt, eine „erfüllte Lebenszeit“[3]. Dabei ist es vollkommen beliebig wie der jeweilige Inhalt der Bedürfnisse und ihrer dazugehörigen Genüsse aussieht. So mag der eine beispielsweise den Erhalt seiner Gesundheit als Bedingung für die Erfüllung seiner Lebenszeit ansehen, der andere hingegen knüpft an diese Erfüllung die Entfaltung bestimmter Fähigkeiten oder den Erwerb materieller Güter. Dadurch, dass der ästhetische Mensch des Begehrten im Augenblick seiner Erfüllung überdrüssig wird, er also keine Befriedigung mehr über diesen Augenblick hinaus verspürt, droht sich Langeweile bei ihm einzustellen. Er kann ihr entgehen, wenn er eine Gleichgültigkeit allem gegenüber an den Tag legt. Dadurch nämlich vergisst er im Augenblick der Erfüllung seine jeweilige Begierde und dennoch reizt er den Genuss bis zum äußerst Möglichen aus.

Dem ästhetischen Menschen kommt es auf das wie einer Handlung, auf deren Form, an; das was, der Inhalt ist ihm beliebig. Hauptsache ist, dass der Augenblick erfüllt ist, womit dieser aber erfüllt wird ist dabei zweitrangig. Diese amoralische Komponente des Ästhetischen wurde von Kierkegaard und seinen Pseudonymen erkannt und kritisiert. Denn der ästhetische Mensch lebt nur in einer „unmittelbaren subjektiven Sinnlichkeit“[4]. Dies ist aber nur eine einseitige Entfaltung der menschlichen Anlagen, da der Mensch auch über Geist also Vernunft verfügt. Diese befähigt ihn sich nicht nur in seiner einsamen Subjektivität zu sehen, sondern „sich selbst und die Welt als Allgemeines zu fassen“[5]. Dieser Forderung des Geistes nach Allgemeinheit nicht nachzukommen führt den ästhetischen Menschen in Verzweiflung. Er verzweifelt daran, dass er nur von Augenblick zu Augenblick lebt, dass ihm sein Leben nicht als Ganzes – mit Vergangenheit und Zukunft – erscheint, er verzweifelt an der Abwesenheit einer eigenen Lebensgeschichte.

[...]


[1] Kierkegaard zitiert aus Tilo Wesche, Kierkegaard, S.166

[2] Liessmann, Kierkegaard, S.42

[3] Wesche, S.51

[4] Liessmann, S. 54

[5] ebenda, S.54

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kierkegaard - Der Sprung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V43305
ISBN (eBook)
9783638411325
ISBN (Buch)
9783656208822
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kierkegaard, Sprung
Arbeit zitieren
Joachim Waldmann (Autor:in), 2004, Kierkegaard - Der Sprung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43305

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