Schriftliche Analyse des Lehrwerkes "Natura Biologie 9/19" zum Thema 'Klimawandel'


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des Fachtextes
2.1. field
2.2. mode

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ziel dieser Hausarbeit ist es, einige Seiten aus einem Lehrwerk zu analysieren. Wie auch schon im Titel deutlich wird, handelt es sich dabei um einen fachsprachlich abgefassten Text. Das bedeutet, dass man es hier mit einem besonderen sprachlichen Register zu tun hat.

Der Begriff Register bezeichnet spezifische Konstellationen lexikalischer und grammatischer Ressourcen, mit denen eine Person den kommunikativen Situationen ihrer vielgestaltigen Lebenswelt Rechnung trägt, Bedeutung erzeugt und kommuniziert. (Riebling 2013, 112)

Der Kommunikationsbereich der hier angewendeten sprachlichen Varietät ist hier die Schule, eine Institution allgemeiner Bildung. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Bildungssprache im Allgemeinen und von Schulsprache im Speziellen. Dieses Register mit seinem bestimmten Ausdrucks- und Inhaltssystem unterscheidet sich von anderen Fach- und Wissenschaftssprachen, die sich wiederum auf andere Institutionen oder Bereiche der Wissenschaft und Technik beziehen und folglich auch andere Funktionen besitzen. Um Bildungssprache genauer zu definieren und sie in der Vielfalt sprachlicher Variationen besser einordnen zu können, möchte ich eingangs die drei Variationsdimensionen nennen, die Riebling (ebd., 110) „als außersprachlichen Bestimmungsgrößen einer synchronischen, zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebenen sprachlichen Varietät einer Einzelsprache gelten“:

1. Diatopik, die auf regionale Einflüsse bezogene kommunikative Reichweite
2. Diastratik, die durch Gruppenzugehörigkeit bestimmte soziale Reichweite
3. Diaphasik, die in einem Zusammenhang mit der kommunikativen Situation bestehende funktionale Reichweite

Bildungssprache ist nach diesen Dimensionen „eine situativ-funktionale Varietät, die primär über die funktionale Reichweite, d.h. die diaphasische Dimension bestimmt ist. Sie ist schwach diatopisch, hoch diastratisch und vor allem hoch diaphasisch markiert“ (ebd., 111). Dementsprechend unterscheiden sich alle Fach- und Wissenschaftssprachen als diaphasisch hoch markierte Varietäten hauptsächlich in ihren Inhaltssystemen und sind „Ausdruck der Orientierung an unterschiedlichen Situationsanforderungen“ (ebd., 113). Mit Worten Roelckes ausgedrückt, bezeichnet das Inhaltssystem die Bedeutung, d.h. die „funktionale (inhaltliche) Seite eines (lexikalischen) Zeichens“ im Unterschied zum Ausdruckssystem, das sich auf die „formale (schriftliche oder lautliche) Seite eines (lexikalischen) Zeichens“ (Roelcke 2010, 62) bezieht. Was unterscheidet nun Bildungssprache von Schulsprache? Es geht hier um eine bestimmte Semantik, um die Bedeutung bestimmter „sprachliche[r] Muster und Handlungen“ (Kniffka/Roelcke 2016, 50), die sich an der Institution Schule ausrichtet. Feilke drückt es in seinem Aufsatz ‚Bildungssprache und Schulsprache‘ folgendermaßen aus:

Bei der Schulsprache geht es darum, dass Schule und Unterricht für didaktische Zwecke eigenständige sprachliche Gegenstände schaffen. Schulsprache in diesem Sinne umfasst die Gesamtheit der sprachlichen Instrumente des Lehrens und die damit verbundenen sprachbezogenen Verhaltenserwartungen“ (Feilke 2013, 119).

Das Verfassen eines Textes mit passenden Materialien und Arbeitsaufträgen für ein Lehrwerk hat also immer eine didaktische Funktion. Der Text soll die Rezipienten, also Schülerinnen und Schüler an ein bestimmtes Thema gemäß dem Bildungsplan des Kultusministeriums führen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit diesem intensiv auseinanderzusetzen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Ziel ist es, Lernprozesse in Gang zu setzen und diese in bestmöglichster Form zu unterstützen und weiterzuführen.

Der Erwerb von Schulsprache und den damit verbundenen sprachbezogenen Verhaltenserwartungen sind erste Schritt auf dem Weg, bildungssprachliche Kompetenzen zu erwerben und zu stützen.

Inwieweit es die Förderung bildungssprachlicher Potentiale in dem hier vorliegenden Lehrwerk gelungen ist, möchte ich mit meiner Analyse untersuchen. Der zu analysierende Text ist dem Lehrwerk ‚Natura Biologie 9/10‘ des Bundeslandes Niedersachsens entnommen. Er behandelt somit ein vom Kultusministerium dieses Bundeslandes vorgeschriebenes Thema, den Klimawandel.

2. Analyse des Fachtextes

In meiner Analyse dieses Lehrwerkstextes und dem damit verbundenen sprachlichen Register ‚Schulsprache‘ möchte ich mich auf die drei Beschreibungskategorien field, mode und tenor beziehen (vgl. Riebling 2013, 113). Die letztgenannte Kategorie tenor wurde in der Einleitung schon implizit angesprochen. Es handelt sich dabei um das Verhältnis der Kommunikationspartner untereinander. Hier haben wir auf der einen Seite die Institution Schule und damit auch das Kultusministerium, das Themen vorschreibt, die nach den Richtlinien des Lehrplans didaktisch zu bearbeiten sind. Auf der anderen Seite steht die Schülerin oder der Schüler, die etwas zu lernen hat. Im Unterschied zur alltäglichen Lebenswelt ist hier die Interaktionsbeziehung überwiegend asymmetrisch (vgl. ebd., 123). Als schultypische Handlungs-möglichkeiten, die sich auf die Kompetenzbereiche des Faches beziehen und auf den zwei Seiten des Lehrwerks realisiert werden sollen, wären zu nennen:

- Fachwissen erwerben, d.h. Fakten zu dem Thema kennenlernen und den Basiskonzepten zuordnen können
- Erkenntnisse gewinnen, indem experimentiert, beobachtet, beschrieben, Modelle entwickelt und fachliche Arbeitstechniken, wie das hypothesengeleitete Arbeiten, angewendet werden
- sach- und fachbezogene Informationen erschließen können als Voraussetzung um den kontinuierlichen Fachtext ‚Der Klimawandel in Norddeutschland‘ verstehen zu können
- biologische Sachverhalte in verschiedenen Kontexten erkennen und bewerten können (vgl. Bildungsstandards, 9)

2.1.field

Die Kategorie field bezieht sich auf den thematischen und kommunikativen Bezugsbereich des Textes, „den Redegegenstand, den Inhalt der Verständigung, das Thema […], den Texttyp, das Genre […], das Sach-, Fach- und Arbeitsgebiet, in dem sprachlich gehandelt wird, über das sprachlich verhandelt wird“ (Hess-Lüttich 1998, 210). Mit dem Thema ‚Klimawandel‘ und seinen Auswirkungen auf die Algenblüte, auf die Sumpfdotterblume und die Trottellumme wird das Ökosystem, das in Wechselwirkung zu Zelle und Organismus steht, zum Redegegenstand. Das wäre nach den Bildungsstandards im Fach Biologie eines der Basiskonzepte, die die inhaltliche Dimension des Faches ausmachen und zum Konzept ‚System‘ zählen. Das zweite Basiskonzept ‚Struktur und Funktion‘ befasst sich in diesem Fall mit der Angepasstheit von den oben genannten Organismen an ihre Umwelt. Die Erkenntnis, dass der Mensch direkt und indirekt lebendige Systeme verändert, gehört zu dem Basiskonzept ‚Entwicklung‘ (vgl. Bildungsstandards, 12).

Nachdem das Thema, der Redegegenstand und die fachlichen Basiskonzepte genannt wurden, möchte ich nun auf den Texttyp bzw. die hier verwendeten Textsorten zu sprechen kommen. Die mediale Realisierungsform dieses Lehrwerkstextes ist die konzeptionelle Schriftlichkeit. Der Text besitzt damit gemäß dem bildungssprachlichen Charakteristikum „Merkmale formeller, monologischer schriftförmiger Kommunikation“ (Gogolin 2009, 270) sowie einen hohen Grad der Versprachlichung und Explizitheit (vgl. Riebling 2013, 120). Nach Roelcke betrifft das das die konzeptionelle Dimension des Textes (vgl. Roelcke 2014, 172). Bevor die zwei anderen Dimensionen angesprochen und in Bezug auf die unterschiedlichen Textsorten in dem Lehrwerk differenziert dargestellt werden, möchte ich zunächst das Layout der Textsorten beschreiben. Dabei unterscheiden sich die beiden Seiten deutlich.

Auf der linken Seite befindet sich ein dreispaltiger Instruktionstext, ein nicht kontinuierlicher Text, in dem sich zehn Aufgaben (A1-A10) unterschiedlich verteilt vorfinden. Es bilden sich 5 Aufgabengruppen, die von einer bis drei Aufgaben hintereinander variieren und sich auf die ersten zwei Abschnitten „Algenblüte“, ein biologisches Phänomen, und „Sumpfdotterblume“, eine Pflanze, beziehen. Zu dem dritten Abschnitt „Trottellumme“, einem Tier, gibt es keine Aufgaben. Auf dieser Seite befinden sich außerdem noch drei fotografische Abbildungen, die jeweils zu den drei Abschnitten Bezug nehmen.

Auf der rechten Seite habe wir es mit einem kontinuierlichen Text zu tun, der wie die Überschrift „Der Klimawandel in Norddeutschland“ besagt den Klimawandel in Augenschein nimmt. Irreführend ist in der Überschrift der Zusatz „in Norddeutschland“, da wirklich nur im ersten Absatz darauf Bezug genommen wird und die anderen Absätze sich allgemein mit den Auswirkungen des Klimawandels beschäftigen.

Nach Roelckes Textsortengliederung in drei Dimensionen (vgl. Roelcke 2014, 172) würde man die blau markierten Aufgabenstellungen auf Seite 180 der appellativen Dimension zuordnen, da die Texte anweisenden Charakter haben. Die Aufgabenstellungen, die als Vorschlag durchgeführt werden können, besitzen jedoch eine geringe Verbindlichkeit und sind daher regulierend.

Der schwarzen Texteinschübe auf Seite 180 sowie der Fachtext auf Seite 181 sind der symbolischen Dimension zuzurechnen. Die Texte besitzen informierenden Charakter, der gemäß der Interaktionssituation in der Schule didaktisch aufbereitet wurde und somit konfirmierend ist. Da der Klimawandel ein allseits bekanntes Thema ist und mit seinen Auswirkungen verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens beeinflusst, kann man davon ausgehen, dass in diesem Lehrwerk „bereits bekannte Infos für ein weniger spezialisiertes Publikum“ (Kniffka/Roelcke 2016, 96), nämlich den Schülerinnen und Schülern erklärt und vermittelt werden.

Didaktisch aufbereitet ist wohl auch die Reihenfolge der Texte, die auf eine induktive Lehr- und Lernmethode schließen lässt. Die Schülerinnen und Schüler sollen zuerst mithilfe von Experimenten eigene Daten gewinnen, um dann auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten schließen (S. 180) und so die Auswirkungen des Klimawandels besser nachvollziehen zu können (S. 181). In dem Modell der ‚Sequenzierung‘ von Kniffka/Roelcke (2016, 142), das eine Planungshilfe für fachsprachliche Unterrichtsplanung darstellt, ist hier die fachlich-inhaltlichen Ebene angesprochen, die einen Vorgang von der konkreten Anschauung zu einer abstrahierenden Distanz favorisiert.

Wenn wir nun die Typologie dieser Texte in eine horizontale und vertikale gemäß Roelcke untergliedern wollen, würde die Gliederung folgendermaßen aussehen (vgl. Roelcke 2014, 174f.):

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Schriftliche Analyse des Lehrwerkes "Natura Biologie 9/19" zum Thema 'Klimawandel'
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Deutsch als Fach- und Wissenschaftssprache
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V433094
ISBN (eBook)
9783668757158
ISBN (Buch)
9783668757165
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fachsprachliche Register und Merkmale, Förderung bildungssprachlicher Potentiale
Arbeit zitieren
Christiane Oswald (Autor), 2017, Schriftliche Analyse des Lehrwerkes "Natura Biologie 9/19" zum Thema 'Klimawandel', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433094

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