Die folgende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Soziale Einzelfallhilfe – Ein Verdienst von Mary Ellen Richmond“. Einleitend sollte dazu der Begriff der Einzelfallhilfe, welcher auch als „social case work“ bezeichnet wird, definiert werden. Neben der Gemeinwesenarbeit und der sozialen Gruppenarbeit zählt sie zu den klassischen Methoden der Sozialen Arbeit. Wie der Begriff bereits erahnen lässt, steht der einzelne soziale Problemfall im Mittelpunkt. Wichtig bei der Einzelhilfe ist vor allem der Fokus auf das Gesamtbild des Problems und der Person. Wenn nötig, können je nach Problemlage auch andere Problembenachteiligte involviert werden. Einzelfallhilfe wird weitestgehend in der Sozialberatung angewandt.
Die Wurzeln der „social case work“ liegen in den USA und sind auf die Begründerin Mary Ellen Richmond zurückzuführen. 1917 legte sie erstmalig mit ihrem Werk „Social Diagnosis“ eine systematische Darstellung, wie ein(e) Sozialarbeiter(in) handeln und vorgehen soll, vor. Dieses Buch basierte auf ihren Erfahrungen bei der „Charity Organization Society“ in Baltimore. Trotz dessen, dass ihr Buch in der Wissenschaft keinen Gebrauch fand, beeinflusste es dennoch nachhaltig die Ausbildung der Sozialen Arbeit in den USA.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mary Ellen Richmond
2.1 Biografie
2.2 Mary Ellen Richmonds Verdienste
2.3 Charity Organisation Society
3 Situation der Armen im 19.Jhd. in den USA
4 Soziale Einzelfallhilfe
4.1 Begriffserklärung
4.2 Konzepte der sozialen Einzelfallhilfe
4.3 Elemente der sozialen Einzelfallhilfe
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die historische Bedeutung der sozialen Einzelfallhilfe sowie den maßgeblichen Beitrag von Mary Ellen Richmond zu deren Professionalisierung. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die methodischen Ansätze der Einzelfallhilfe aus der damaligen Armenfürsorge heraus entwickelt haben und welche fachlichen Grundsätze für die heutige Praxis der Sozialen Arbeit prägend sind.
- Biografischer Werdegang und die Verdienste von Mary Ellen Richmond
- Die Entstehung und Arbeitsweise der Charity Organisation Society (COS)
- Historische Analyse der Lebensbedingungen der Armen im 19. Jahrhundert in den USA
- Definition und theoretische Konzepte der sozialen Einzelfallhilfe
- Ethische Prinzipien und methodische Elemente der praktischen Fallarbeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Mary Ellen Richmonds Verdienste
Der Anfang ihres Verdienstes liegt wohl bei der Stelle als Schatzmeisterin bei der COS in Baltimore, welche sie 1889 antrat. Das Talent des Verhandelns und Organisierens wirkte sich sehr positiv auf die Organisation aus, das ein stetiges Wachstum, inklusive vieler Investoren, begann. Ein gut ausgebildetes Personal war ihr sehr wichtig, weshalb sie eine Fachbibliothek einrichtete und Kurse im „friendly vitisitng“ anbot, damit die Ehrenamtlichen und anderen Mitarbeiter ihren Forderungen gerecht wurden.
Die Auszeichnung eines bezahlten Sozialarbeiters lag vor allem in der sozialen Sensibilität, Lebensfreude, Humor, Unbestechlichkeit und Zivilcourage. Für ehrenamtliche Mitarbeiter waren Qualifikationen wie Takt, Lebensklugheit und Geduld hinreichend. Ihr Herzenswunsch nach einer Schule für Wohlfahrtspflege erfüllte sich 1898. Die erste Summer School of Philanthopy wurde von der New Yorker COS eröffnet. Dadurch entstand die Grundlage der späteren Fachhochschule für Soziale Arbeit und ist heute ein Teil der Columbia Universität (School of Social Work).
Lehrplanschwerpunkte waren die Kunst zu ermitteln, die Kunst eine zwischenmenschliche Beziehung zu den Bedürftigen herzustellen und die Kunst, bei Problemen zu beraten. Ein weiterer Verdienst Mary Richmonds war das 1899 veröffentlichte Buch „Friendly Visiting among the Poor“, welches im sozialarbeiterischen Bereich hoch anerkannt wurde.
Ihr Wechsel von der COS zu der Philadelphia Society for Organizing Charity brachte ihren wohl größten Erfolg in Form einer Reform mit sich. Diese Reform beinhaltete die Einführung eines effektiven Managements in Form von korrekter Buchführung und der Errichtung eines Zentralregisters.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der sozialen Einzelfallhilfe ein und erläutert die Bedeutung von Mary Ellen Richmond als prägende Figur für das "social case work" in den USA.
2 Mary Ellen Richmond: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen Weg Richmonds nach, würdigt ihre beruflichen Verdienste und stellt die Arbeit der Charity Organisation Society vor.
3 Situation der Armen im 19.Jhd. in den USA: Hier werden die historischen Lebensbedingungen und die armenpolitischen Strukturen des 19. Jahrhunderts in den USA analysiert.
4 Soziale Einzelfallhilfe: Das Kapitel definiert den Begriff der Einzelfallhilfe, stellt verschiedene methodische Konzepte vor und erläutert die ethischen sowie praktischen Elemente der Methode.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Würdigung Richmonds und betont die Bedeutung der Einzelfallhilfe für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Soziale Einzelfallhilfe, Mary Ellen Richmond, Social Case Work, Charity Organisation Society, Armenfürsorge, Sozialarbeit, Professionalisierung, Fallarbeit, Psychosozialer Ansatz, Problemlösender Ansatz, Friendly Visitors, Soziale Diagnose, Wohlfahrtspflege, Hilfe zur Selbsthilfe, Sozialdarwinismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und die theoretischen Grundlagen der sozialen Einzelfallhilfe, wobei der Fokus auf dem maßgeblichen Beitrag von Mary Ellen Richmond liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Biografie von Richmond, die Geschichte der Charity Organisation Society, die Lebenssituation armer Menschen im 19. Jahrhundert sowie die methodischen Ansätze der modernen Einzelfallhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historische Herleitung der sozialen Einzelfallhilfe zu verdeutlichen und die Methoden zu erläutern, die Richmond zur Professionalisierung dieses Berufsfeldes eingeführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Literaturarbeit, die historische Quellen und fachwissenschaftliche Theorien zur sozialen Einzelfallhilfe analysiert und in einen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext des 19. Jahrhunderts, die Person Mary Ellen Richmond, die methodischen Konzepte (psychosozial, funktional, problemlösend) sowie die ethischen Grundhaltungen in der Einzelfallhilfe detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie soziale Einzelfallhilfe, Mary Ellen Richmond, Professionalisierung und Social Case Work beschreiben den Kerninhalt der Hausarbeit.
Was waren die sogenannten "friendly visitors" der Charity Organisation Society?
Dabei handelte es sich um ehrenamtliche Mitarbeiter, die Hausbesuche bei bedürftigen Familien durchführten, um diese beratend zu unterstützen und den Bedarf für Hilfe zu ermitteln, statt lediglich materielle Almosen zu verteilen.
Warum kritisierte Mary Ellen Richmond die damaligen Arbeitshäuser?
Sie kritisierte, dass diese Häuser nicht zur Korrektur der Armut beitrugen und keine Resozialisierung ermöglichten, sondern vielmehr zu menschenunfreundlichen Bedingungen und einer Verschlimmerung der Situation der Betroffenen führten.
Was bedeutet das "diagnostische Prinzip" nach Gordon Hamilton im psychosozialen Ansatz?
Dieses Prinzip besagt, dass die Hilfestellung auf einer fundierten Erfassung der Probleme des Individuums basieren muss, um eine zielgerichtete und professionelle Unterstützung leisten zu können.
- Arbeit zitieren
- Patricia Neustädter (Autor:in), 2018, Soziale Einzelfallhilfe. Ein Verdienst von Mary Ellen Richmond, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433195