Aufgrund des historischen Bewusstseins jedes Sprachbenutzers ist es ein natürliches Bedürfnis, Einblicke in die Geschichte seiner Sprache zu bekommen. Jedoch auch beim Erlernen einer Fremdsprache entsteht dieses Bedürfnis, um die fremde Sprache besser verstehen zu können vor dem Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte und auch um diese neue Sprache mit der Muttersprache in Bezug zu setzen, um herauszufinden, inwiefern beide Sprachen Ähnlichkeiten aufweisen, welche Gemeinsamkeiten sie in ihrer Entwicklungsgeschichte aufweisen und um festzustellen, inwieweit Entlehnungen in beiderlei Richtungen vorliegen.
Dies ist ein Teil der Sprachwissenschaft, denn mit dieser Arbeit werde ich mich vor allem mit der diachronen Sprachwissenschaft beschäftigen, indem ich auf die verschiedenen zeitlichen Abschnitte und die Sprache zu jener Zeit eingehen werde. In dieser Arbeit wird daher zunächst auf die Entwicklungsgeschichte des Italienischen und Deutschen eingegangen, da man ohne die Kenntnis beider Entstehungsgeschichten nicht vollkommen verstehen kann, inwieweit sich die jeweilige Sprache entwickelt hat und inwiefern aus der anderen Sprache Wörter entlehnt und übernommen wurden in die eigene Sprache. Daher werde ich zunächst im ersten Kapitel geschichtlich ein wenig weiter ausholen müssen, um allein die deutsche Sprache vor dem Hintergrund des Germanischen zu erklären und um beide Sprachen miteinander in Bezug setzen zu können. Auch auf die italienische Sprache werde ich in diesem Essay ein wenig sprachgeschichtlich näher eingehen, bevor ich im zweiten und dritten Kapitel die einzelnen Kapitel der Entlehnungen näher bespreche und anhand von Beispielen die Wege und die Auswirkungen der Entlehnungen in beide Sprachrichtungen erklärbar machen möchte. Im Kapitel der Entlehnungen aus dem Germanischen werde ich mich vor allem auf die Arbeit von Maria Giovanna Arcamone mit dem Titel „Il germanico, le lingue germaniche e l´Italia“ stützen.
Die Entlehnungen aus dem Italienischen in die deutsche Sprache möchte ich anhand der von Egon Kühebacher angeführten Beispiele in „Deutsch- italienischer Lehnwortaustausch“ erklären. Als Exkurs möchte ich dann noch Anglizismen und Arabismen als einflussreiche Lehnwörter auf das Italienische und Deutsche kurz erläutern.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1. Entwicklungsgeschichte der Sprachen Deutsch und Italienisch
II.1.1. Geschichte des Germanischen zum heutigen Deutsch
II.1.1.1. Indoeuropäisch und Urgermanisch
II.1.1.2. Vom Althochdeutschen zum heutigen Deutsch
II.1.2. Geschichte des Italienischen
II.2. Entlehnungen ins Italienische
II.2.1. Aus dem Germanischen
II.2.2. Aus dem Deutschen
II.2.3. Exkurs: Weitere Einflüsse auf die italienische Sprache: Anglizismen und Arabismen
II.3. Entlehnungen aus dem Italienischen ins Deutsche
II.3.1. Italienische Entlehnungen im Mittelalter
II.3.2. Italienische Entlehnungen in der Neuzeit
II.4. Deutsch- italienische Lehnwörter in Pressetexten in „La Stampa“ und in „Süddeutsche Zeitung“. Beispiele und Textanalysen
III. Zusammenfassung
IV. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den diachronen Lehnwortaustausch zwischen der deutschen und der italienischen Sprache, um die gegenseitigen sprachgeschichtlichen Einflüsse und Entwicklungen besser zu verstehen. Die Forschungsfrage widmet sich der Identifikation von Lehnwörtern in beiden Richtungen sowie deren Anpassung an die jeweilige Zielsprache unter Berücksichtigung historischer Kontextfaktoren.
- Historische Entwicklungsgeschichte des Germanischen, Deutschen und Italienischen
- Analyse germanischer Lehnwörter im Italienischen
- Untersuchung italienischer Lehnwörter im Deutschen, unterteilt in Mittelalter und Neuzeit
- Exkurs zu weiteren Einflüssen wie Anglizismen und Arabismen auf das Italienische
- Empirische Veranschaulichung des Lehnwortaustausches anhand aktueller Pressetexte
Auszug aus dem Buch
II.2.1. Aus dem Germanischen
Maßgeblich für Entlehnungen in beiden Sprachen war der Kontakt mit dem Römischen Reich durch Heer, Besiedlung und auch die Völkerwanderung, die in der Entwicklungsgeschichte beider Sprachen wesentlich verantwortlich zeichnet. Insbesondere vom 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. begannen die Völker miteinander in Kontakt zu treten. Wie Arcamone bemerkt, fand ein germanisch- italienischer Lehnwortaustausch durch über 2000 Jahre lange Beziehungen kultureller, ökonomischer, politischer, militärischer und religiöser Art zwischen der italienischen Halbinsel und dem germanischen Resteuropa statt.
„Questo stato di cose è risultato di più di duemila anni di rapporti culturali, economici, etnici, militari, politici, religiosi e sociali fra la penisola italiana e l`Europa germanica ora brevemente delineati.” (Seite 757).
Zahlreiche Entlehnungen aus dem Germanischen ins Italienische fanden zunächst Eingang über die einzelnen Dialekte, die, wie wir schon gesehen haben, anfangs anstelle einer einheitlichen italienischen Sprache standen, das betont auch Arcamone noch einmal, wenn sie schreibt:
„Ne (di una serie di rapporti particolari con le terre di lingua tedesca..) va dimenticato il flusso di idee e oggetti lungo i confini settentrionali d´Italia con genti di lingua tedesca: la maggior parte delle denominazioni relative è rimasta confinata a lungo nei dialetti, ma ora, per la maggiore osmosi che si sta determinando nella peninsola, ne è interessata anche la cultura e la lingua nazionale.” (Seite 753).
Diese Entlehnungen aus den germanischen Sprachen, also aus dem Urgermanischen, dem Gotisch, dem Langobardisch oder auch Fränkisch, kamen nahezu aus allen Bereichen und betreffen nicht nur Substantive, sondern auch Verben und Adjektive.
Zusammenfassung der Kapitel
II.1. Entwicklungsgeschichte der Sprachen Deutsch und Italienisch: Dieses Kapitel erläutert die genetischen Grundlagen und den historischen Wandel, der zur Entstehung der modernen deutschen und italienischen Sprache führte.
II.2. Entlehnungen ins Italienische: Hier wird der Einfluss germanischer Sprachen auf das Italienische analysiert, einschließlich eines Exkurses zu anderen Fremdeinflüssen.
II.3. Entlehnungen aus dem Italienischen ins Deutsche: Dieses Kapitel untersucht die Übernahme italienischer Lexeme ins Deutsche, differenziert nach den Epochen Mittelalter und Neuzeit.
II.4. Deutsch- italienische Lehnwörter in Pressetexten in „La Stampa“ und in „Süddeutsche Zeitung“. Beispiele und Textanalysen: Anhand konkreter Medienbeispiele wird veranschaulicht, wie der Lehnwortaustausch in zeitgenössischen Texten wahrgenommen wird.
Schlüsselwörter
Lehnwortaustausch, Sprachgeschichte, Germanisch, Italienisch, Deutsch, Diachrone Sprachwissenschaft, Sprachkontakt, Lehnübersetzung, Lautverschiebung, Kulturgeschichte, Romanismen, Germanismen, Sprachwandel, Pressetexte, Etymologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem diachronen, also geschichtlichen, Lehnwortaustausch zwischen dem Deutschen und dem Italienischen über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Herkunft der beiden Sprachen, die gegenseitigen Entlehnungsprozesse, die Rolle von Dialekten und die Auswirkungen kultureller Kontakte auf den Wortschatz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und in welchem Umfang Wörter zwischen den Sprachen ausgetauscht wurden und welche soziokulturellen Hintergründe diese Lehnprozesse beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine diachrone sprachwissenschaftliche Herangehensweise, wobei sie sich auf bestehende Fachliteratur stützt und diese durch eigene Textanalysen von Zeitungsartikeln ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entwicklungsgeschichte der Sprachen, die Analyse der Entlehnungen in beide Richtungen (Deutsch-Italienisch und Italienisch-Deutsch) sowie eine Untersuchung des aktuellen Sprachgebrauchs in der Presse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lehnwortaustausch, Sprachkontakt, Etymologie, Germanismen und Romanismen charakterisiert.
Inwiefern unterscheiden sich Entlehnungen im Mittelalter von denen in der Neuzeit?
Im Mittelalter fanden Entlehnungen primär „von unten nach oben“ statt, also über Dialekte und Umgangssprachen, während sie in der Neuzeit durch gefestigte Hochsprachen „von oben nach unten“ direkt in die Standardsprache integriert wurden.
Welche Rolle spielt die Presse für die Analyse des Lehnwortaustausches?
Die Presse dient als aktuelles Fallbeispiel, um zu zeigen, wie Fremdwörter heute verwendet werden und ob sie als solche erkennbar sind oder bereits „eingedeutscht“ beziehungsweise „italianisiert“ wurden.
Was besagt die Autorin zum Thema „falsche Freunde“ (faux amis)?
Die Autorin weist darauf hin, dass bei der Übersetzung von Lehnwörtern Vorsicht geboten ist, da semantische Verschiebungen zu Fehlern führen können, wenn man die unterschiedliche Entwicklung der Wörter in den zwei Sprachräumen nicht beachtet.
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- Daniela Artuso (Author), 2004, Germanisch- italienischer Lehnwortaustausch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43334