Multilokalität. Welche Auswirkungen hat die Arbeitsmobilität in der Postmoderne auf das klassische Familienleben und soziale Kontakte?


Hausarbeit, 2016

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen: Was sind Mobilität und Multilokalität/ multilokales Wohnen?

3. Wie kommt es zur Multilokalität?

4. Auswirkungen auf das Individuum, dessen Familie, Freunde und andere soziale Kontakte
4.1. Parallelwelt
4.2. Gegenwelt

5. Zusammenfassung und Blick auf die Zukunft

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch die Globalisierung hat jeder Mensch unendlich viele und immer mehr werdende Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Man kann zum Beispiel ein Berufspraktikum in Australien machen, eine Berufsausbildung in einem angesehenen Konzern in der Schweiz absolvieren oder für den berufli­chen Aufstieg und/oder den Job, für den man bestens qualifiziert ist, von der ländlichen Heimat in die Großstadt ziehen, dabei spielt die soziale, räumliche und kulturelle Mobilität des Individuums eine große Rolle.

Da es sich bei der Mobilität der Menschen um ein großes Phänomen der Moderne handelt, wird dieses Thema sehr weitgehend behandelt. Multilo­kalität und multilokales Wohnen sind sozusagen Produkte dieses Phäno­mens und werden ebenso viel ausgearbeitet und das nicht nur von der Soziologie, sondern auch von Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Bereiche wie Geografie, Verkehrswissenschaften, Psychologie, Kultur- und Sozialanthropologie, Kulturwissenschaften und Philosophie auf der ganzen Welt.

Aber was hat dieser Wandel für Auswirkungen auf das klassische Fami­lienleben und auf die sozialen Kontakte des Individuums? Auf diese Frage werde ich in der folgenden Arbeit eingehen.

Zunächst will ich dabei auf die Begriffe Mobilität und Multilokalität einge­hen, die sowohl wichtig für meine Arbeit sind als auch einen guten Über­blick für den Leser/ die Leserin auf die Thematiken bieten. Im nächsten Kapitel will ich über die Ursachen für die Multilokalität in der Postmoderne schreiben und erläutern, wieso die Mobilität eines Menschen in diesem Zeitalter von so großer Wichtigkeit ist. Danach werde ich mithilfe u.a. von Statistiken und den ersten zwei Typen mobiler Lebensstile von der Sozio­login Nicola Hilti auf die positiven und negativen Auswirkungen des multi­lokalen Lebensstils auf das Individuum und auf dessen Familie, Freunde und andere soziale Kontakte eingehen. Abschließend werde ich meine Arbeit kurz zusammen fassen und einige Vermutungen über die Zukunft im Bezug auf die steigenden Zahlen der Personen, die multilokal leben, machen.

2. Begriffserklärungen: Was sind Mobilität und Multilokali­tät/multilokales Wohnen?

Zunächst will ich die zwei wichtigsten Begriffe meiner Arbeit, Mobilität und Multilokalität bzw. multilokales Wohnen, definieren.

Der Begriff der Mobilität lässt sich in verschiedene Typen einteilen: die räumliche, die soziale und die kulturelle Mobilität, welche alle Vorausset­zungen für multilokales Wohnen sind. Bei der räumlichen Mobilität handelt es sich um die Fähigkeit, geografische Strecken hinter sich legen zu kön­nen, das heißt dazu in der Lage zu sein, nicht nur an einem Ort zu verhar­ren, sondern auch zu anderen Orten reisen zu können. Die soziale Mobili­tät beschreibt die "Bewegungsvorgänge von Einzelpersonen, Gruppen und Kollektiven innerhalb einer Gesellschaft in sozialer und regionaler Hinsicht" (Hillmann (2007): 578). Sie ist bestimmt durch individuelle Le­bensschicksale, Traditionen sowie zeit- und schichtspezifische Umstände. Die soziale Mobilität wird anhand des Grades der "Offenheit oder Ge­schlossenheit" (ebd.) gemessen, das heißt, es werden die individuellen "sozialen Entwicklungschancen oder sozialen Bindungen in einer Gesell­schaft" (ebd.) beobachtet. Die letze Form der Mobilität, die kulturelle Mobi­lität, befasst sich mit einem Aspekt des sozialen Wandels: "die Bewegung von Kulturelementen wie Ideen, Werten, Symbolen, Wörtern [und] Gegen­ständen" (ebd.: 579).

Multilokales Wohnen ist ein aktiv und selbst gewählter Lebensstil, durch welchen die Akteure und Akteurinnen über zwei oder mehr Wohnstandorte hinweg leben und sowohl dort als auch hier mindestens einen ganzen Tag am Stück verbringen. Multilokalität ist nicht nur ein Phänomen der Post­moderne, sondern lässt sich auch in vormodernen Gesellschaften, zum Beispiel bei Landhausaufenthalten der Oberschicht oder Seefahrern be­obachten. Dieses Phänomen breitet sich zunehmend über alle gesell­schaftlichen Schichten und Altersklassen aus. So leben die Menschen heute nicht nur aus beruflichen Gründen multilokal, sondern auch Schei­dungskinder, die zum Beispiel unter Woche bei der Mutter und am Wo­chenende beim Vater leben, oder Studenten und Auszubildende, die für ihre Fortbildung in eine andere Stadt ziehen müssen und nur in den Ferien die Heimat besuchen, sind betroffen.

3. Wie kommt es zur Multilokalität?

Da der Begriff der Multilokalität nun klar ist, ist es an der Zeit, zu ermitteln, weshalb es zur einem multilokalen Lebensstil kommt. Dafür gibt es viele verschiedene Faktoren, die sich von Individuum zu Individuum unterschei­den: Für einige liefert zum Beispiel ein Zweitwohnsitz einen Erholungsort, der einen Kontrast zu dem stressigen Arbeitsalltag bildet. Dann gibt es noch zum Beispiel die Eisverkäufer, die sich nur im Sommer hier in Deutschland aufhalten und den Winter in ihrer Heimat in Italien verbringen. Auch die soziale und räumliche Herkunft spielt dabei eine Rolle: wenn die Eltern auch schon mobil waren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Kinder es ihnen nachmachen werden. Da höhere Bildungsabschlüsse meistens nur in Mittel- bis Großstädten möglich sind, werden die Kinder aus ländlichen Regionen eher weit wegziehen, als Stadtkinder. Je höher das somit erlangte Bildungsniveau ist, desto weiter entfernt leben die Kin­der von den Eltern und somit der Heimat. (Vgl. Lauterbach (1998))

Für meine Arbeit will ich mich auf die beruflich bedingten Gründe zur Multi­lokalität befassen. Hier kommen drei Typen auf: Der erste Typ ist geprägt durch die zwingende Mobilität, z.B. bei Piloten, die ständig für den Job um die Welt reisen müssen. Dann gibt es die Menschen, die nur häufig mobil sein müssen, wie zum Beispiel Berufsmusiker, die auf Tour gehen oder Professoren und Professorinnen, die auch in anderen Städten und Univer­sitäten Vorträge halten. Zu guter Letzt gibt es noch Berufe wie global täti­ge UnternehmungsberaterInnen, die durch die neuen Mobilitätsanforde­rungen multilokal leben müssen. Hinter Typ 2 und Typ 3 liegen noch wei­tere persönliche Gründe, die zur Multilokalität führen können, wie zum Beispiel der eigene berufliche Aufstieg und den Erhalt des somit resultie­renden Status. (Vgl. Hilti (2013): 58)

4. Auswirkungen auf das Individuum, dessen Familie, Freunde und andere soziale Kontakte

Alfred Schütz war einer der ersten, der sich dem Thema der Multilokalität gewidmet hat, auch wenn es damals noch nicht als solche bezeichnet wurde. In seinem Aufsatz "Der Heimkehrer" befasst sich der Soziologe mit dem Phänomen des 'wieder-zurück-in-die-Heimat-Kommens' nach einer bestimmten Zeit der Abwesenheit. Hier nimmt der Heimkehrer an, in der Heimat wäre alles beim Alten geblieben und dass die Routine, die sich vor seinem Abschied gebildet hatte, auch jetzt von Relevanz ist. Auch die Hin­terbliebenen vermuten, dass der Heimkehrer dieselbe Person geblieben ist, dieselben Dinge für ihn relevant sind. Der Heimkehrer hat jedoch neue Erfahrungen gemacht, was zu neuen Auslegungen geführt hat und da­durch seinen Bewusstseinsstand mehr oder weniger verändert hat. Da­durch wurden "alte Erfahrungen [...] neu bewertet; neue Erfahrungen, die bislang dem anderen unerreichbar waren, tauchten im Leben beider Part­ner auf" (Schütz, Brodersen (1972): 77.). Dadurch wird die Wiederkehr des Individuums erschwert, da er nicht mehr dasselbe Ausdrucks- und Auslegungsschema der "in-group"1 besitzt. Auch die Hinterbliebenen ha­ben einen Wandel durchlebt, aber als ein ganzes System, was einen Zu­sammenbruch verhindert hat. Durch den neuen Bewusstseinsstand des Individuums fällt es ihm/ihr schwer, alte Beziehungen wieder aufzugreifen und damit fortzufahren, er/sie muss sich regelrecht anstrengen, diese auf­recht zu halten.

Auch heute befassen sich viele Wissenschaftler mit diesen Phänomenen und sind unter anderen zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Zwischen Privat- und Arbeitswelt entstehen Spannungsfelder, welche durch folgende drei Achsen untersucht werden sollen:

Die zeitliche Achse verweist auf den Entstehungskontext des Lebensstils, also die Entstehung durch vergangene, gegenwärtige und zukünftige Er­eignisse, und das Selbstverständnis, welches das Individuum dem eige­nen Lebensstil gegenüber entwickelt.

[...]


1 als "in-group" versteht man eine soziale Gruppe, der die Individuen angehören "und durch die sie in ihren Wertorientierungen, Anspruchshaltungen und Verhaltensweisen beeinflusst oder sogar geprägt werden." (Hillmann (2007): 169).

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Details

Titel
Multilokalität. Welche Auswirkungen hat die Arbeitsmobilität in der Postmoderne auf das klassische Familienleben und soziale Kontakte?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V433464
ISBN (eBook)
9783668757417
ISBN (Buch)
9783668757424
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
multilokalität, ursache, auswirkungen
Arbeit zitieren
Julia Petersen (Autor:in), 2016, Multilokalität. Welche Auswirkungen hat die Arbeitsmobilität in der Postmoderne auf das klassische Familienleben und soziale Kontakte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433464

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