Besitzt ein Individuum auf einmal mehr als nur einen Lebensort - etwa durch Wechsel des Arbeitsplatzes oder durch das Umziehen in eine fremde Stadt zum studieren -, geht dies nicht nur mit Veränderungen im Alltag, sondern auch mit Veränderungen der sozialen Beziehungen einher. Nahe Bekannte, beste FreundInnen und sogar Familie können können mit einem solchen Lebenswandel dem Individuum nicht mehr so nah stehen, wie zuvor. Diese Arbeit analysiert, wie dieser Prozess vor sich geht und welche anderen sozialen Auswirkungen die Multilokalität eines Individuums haben kann.
Inhaltsangabe
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen: Was sind Mobilität und Multilokalität/multilokales Wohnen?
3. Wie kommt es zur Multilokalität?
4. Auswirkungen auf das Individuum, dessen Familie, Freunde und andere soziale Kontakte
4.1. Parallelwelt
4.2. Gegenwelt
5. Zusammenfassung und Blick auf die Zukunft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der durch die Globalisierung und postmoderne Arbeitswelt zunehmend notwendigen räumlichen Mobilität auf das klassische Familienleben und die sozialen Netzwerke des Individuums. Dabei wird insbesondere analysiert, wie verschiedene Formen des multilokalen Wohnens das Individuum prägen und welche sozialen Spannungsfelder hierbei entstehen.
- Grundlagen der Begriffe Mobilität und Multilokalität
- Ursachen und Beweggründe für multilokale Lebensstile
- Sozialpsychologische Analyse der "Parallelwelt"
- Charakteristika der "Gegenwelt" als Lebensentwurf
- Zukunftsperspektiven von Multilokalität und Arbeitswelt
Auszug aus dem Buch
4.1. Parallelwelt
Wie bereits erwähnt, beruht das Entstehen der Parallelwelt auf beruflichen und ausbildungsbedingten Entscheidungen und widerspricht grundsätzlich dem persönlichen Ideal. Ob das Individuum seine Wohnsituation als selbstverständlich ansieht oder daran leidet, hängt von "Dauer, Absehbarkeit und Flexibilität des Arrangements, den akzeptablen (zukünftigen) Alternativen zu einem multilokalen Dasein und den persönlichen Vorstellungen eines guten und richtigen (Familien-)Lebens" (Hilti (2013): 118) ab. Dabei kann man auch in zwei Sorten von Arrangements unterteilen: Das Übergangsarrangement, welches ein klares, absehbares Ende besitzt, und das Dauerarrangement, welches über Jahre hinweg besteht und einen offenen Ausgang besitzt. Letztere führt beim Individuum zu einer schlechteren Grundstimmung als erstere Sorte.
Bei der Betrachtung der parallelweltlichen Lebenswelt werden zahlreiche Vor-, aber auch Nachteile sichtbar. Testpersonen berichten von einer positiv bewerteten Andersartigkeit durch das Dasein als multilokal Lebender in Bewerbungsgesprächen. Des Weiteren wird bemerkt, dass die Testpersonen eher Interesse an Neuem haben, ihre 'normale' Arbeit routiniert und kompetent verrichten und durch die Berufs- und Mobilitätskompetenzen an Selbstbewusstsein gewinnen. Außerdem fühlen sie sich global konkurrenzfähig und steigen beruflich auf.
Durch die ständig notwendige Mobilität des Einzelnen, wird der Wunsch, eine Familie zu gründen, kaum realisierbar. Für bereits bestehende Familien gilt: Da die soziale Norm eine monolokal wohnende Familie vorschreibt und multilokal Lebende dagegen 'verstoßen', widerspricht deren Lebensstil den Erwartungen ihrer Bezugsgruppen, was durch (verbale) Ausgrenzungen sanktioniert wird. Vor Allem Mütter und Väter, die sich für den multilokalen Lebensstil entschieden haben, stoßen auf gesellschaftliche Ablehnung und geraten deshalb unter hohen Rechtfertigungsdruck. Ein Berufswechsel zu einem monolokalen Job mit geringeren Mobilitätsanforderungen würde jedoch zum beruflichen Abstieg und zum Verlust des Status führen, was kaum einer in Kauf nehmen will. Dennoch wird das multilokale Leben nicht als Dauerlösung angesehen, das monolokale Leben ist das Ziel in der Parallelwelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Arbeitsmobilität in der Postmoderne ein und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Begriffserklärungen: Was sind Mobilität und Multilokalität/multilokales Wohnen?: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe räumliche, soziale und kulturelle Mobilität definiert sowie das Phänomen des multilokalen Wohnens erläutert.
3. Wie kommt es zur Multilokalität?: Das Kapitel untersucht die verschiedenen sozioökonomischen Faktoren und beruflichen Gründe, die Individuen zu einem multilokalen Lebensstil bewegen.
4. Auswirkungen auf das Individuum, dessen Familie, Freunde und andere soziale Kontakte: Hier werden die Auswirkungen des multilokalen Lebens anhand soziologischer Theorien auf das soziale Umfeld und die psychische Verfassung der Betroffenen analysiert.
4.1. Parallelwelt: Dieser Unterpunkt befasst sich spezifisch mit der "Parallelwelt" als Typus, der auf beruflichen Kompromissen basiert und häufig zu Spannungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit führt.
4.2. Gegenwelt: Hier wird die "Gegenwelt" als alternativer Typus beschrieben, bei dem beide Wohnorte als gleichwertig wahrgenommen werden und ein bewusster Kontrast besteht.
5. Zusammenfassung und Blick auf die Zukunft: Das Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse und wagt einen Ausblick auf die Entwicklung von Multilokalität im Kontext zukünftiger Arbeitsformen.
Schlüsselwörter
Multilokalität, Multilokales Wohnen, Arbeitsmobilität, Postmoderne, Sozialwissenschaften, Soziale Kontakte, Parallelwelt, Gegenwelt, Lebensstil, Individuum, Familie, Globalisierung, Soziale Mobilität, Räumliche Mobilität, Arbeitswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Auswirkungen der zunehmenden beruflichen Mobilität in der modernen Gesellschaft auf das private Familienleben und soziale Bindungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf die Begriffe der Multilokalität, die verschiedenen Ausprägungen mobiler Lebensstile (insbesondere Parallel- und Gegenwelt) sowie deren sozioökonomische Ursachen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, wie sich die Notwendigkeit eines multilokalen Lebensstils auf die Qualität der sozialen Kontakte und das allgemeine Wohlbefinden von Individuen auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse unter Einbeziehung soziologischer Fachliteratur (u.a. Nicola Hilti, Alfred Schütz) und sozialpsychologischer Konzepte wie der kognitiven Dissonanz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsdefinition, die Analyse von Entstehungsursachen für Multilokalität sowie eine detaillierte Ausarbeitung der Lebenswelten "Parallelwelt" und "Gegenwelt".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Multilokalität, Arbeitsmobilität, Lebenswelten, soziale Integration und Spannungsfeld zwischen Privat- und Arbeitswelt beschreiben.
Was unterscheidet die "Parallelwelt" von der "Gegenwelt"?
In der Parallelwelt wird ein Ort dem anderen vorgezogen (hierarchisches Verhältnis), während in der Gegenwelt beide Orte als gleichwertig, aber kontrastreich wahrgenommen werden.
Wie reagieren Individuen in der "Parallelwelt" auf ihren Lebensstil?
Die Betroffenen neigen dazu, die durch die Trennung von Familie und Beruf entstehenden Dissonanzen durch sozialpsychologische Mechanismen wie das "Herunterspielen" zu mildern.
Warum wird im Text die Theorie der kognitiven Dissonanz erwähnt?
Sie dient zur Analyse, wie multilokal lebende Menschen den Konflikt zwischen ihren Werten (Familie) und ihrer Lebensrealität (berufsbedingte Abwesenheit) mental verarbeiten.
Welche Zukunftsprognose stellt die Autorin auf?
Es wird vermutet, dass die Zahl der multilokal lebenden Personen steigt, wobei technologische Entwicklungen wie Telearbeit einen potenziellen Wandel der Notwendigkeit physischer Mobilität einleiten könnten.
- Citation du texte
- Julia Petersen (Auteur), 2016, Multilokalität. Welche Auswirkungen hat die Arbeitsmobilität in der Postmoderne auf das klassische Familienleben und soziale Kontakte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433464