In den letzten zehn Jahren erscheint der Begriff Nachhaltigkeit einen inflationär. Seither gibt es auch Nachhaltigkeitskünstler, die sich nur mit diesem Thema auseinandersetzen. Im Seminar Kunst und Nachhaltigkeit, in dessen Rahmen diese Ausarbeitung verfasst wurde, wurden Positionen von Wissenschaftlern und Künstlern sowie einzelne sich der Nachhaltigkeit oder ihr verwandten Themen verschriebenen Ausstellungen diskutiert.
Nach einer kurzen Zusammenfassung der bedeutendsten UN-Konferenzen und Reporte sollen exemplarisch Hildegard Kurts, Rasheed Araeens, Helen Mayer und Newton Harrison sowie Sacha Kagans Theorien einer nachhaltigen Kultur und der Funktion des Künstlers darin dargelegt werden. Im Anschluss werden Werke von Robert Smithson und Hans Haacke als Land und Earth Artists, die dem Titel ihrer Strömung nach zu vermuten nah an und mit der Umwelt gearbeitet haben, präsentiert und auf die zuvor benannten Elemente einer künstlerischen Praxis nach Araeen, Harrison und Harrison, Kagan und Kurt überprüft. Zusätzlich zu den Werken werden dabei auch Schriften, Vorträge von und Interviews mit den Künstlern herangezogen, um mögliche Erkenntnisse über die Intentionen ihres kreativen Schaffens zu erlangen.
Da die Applikation des Terminus Nachhaltigkeit auf die künstlerischen Positionen nur exemplarisch an wenigen Werken und Schriften festgemacht wird, stellt sie keinerlei Anspruch auf einer vollständigen Erfassung ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Nachhaltigkeit im Diskurs
a. Reporte und Konferenzen zur Nachhaltigkeit
b. Perspektiven zu „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltiger Entwicklung
3. Künstlerische Positionen der Land und Earth Art im Kontext der Nachhaltigkeit
a. Robert Smithson
b. Hans Haacke
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des modernen Nachhaltigkeitsbegriffs auf die künstlerischen Praktiken von Robert Smithson und Hans Haacke im Kontext der Land und Earth Art. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern diese historischen künstlerischen Ansätze als Vorläufer oder Wegbereiter einer ökologisch bewussten Kunst betrachtet werden können, indem sie soziale, ökonomische und ökologische Systeme in ihre Arbeit integrierten.
- Historischer Diskurs um Nachhaltigkeit und UN-Konferenzen
- Theorien nachhaltiger Kultur (u.a. Sacha Kagan, Hildegard Kurt)
- Künstlerische Strategien der Land und Earth Art
- Systemtheoretische Ansätze in der Kunst von Haacke und Smithson
- Kritik an der Naturvergessenheit und Institutionalisierung von Kunst
Auszug aus dem Buch
3. Künstlerische Positionen der Land und Earth Art im Kontext der Nachhaltigkeit
Als Gerry Schum 1969 den Begriff Land Art einführte, sollte er Kunstformen beschreiben die den institutionellen Rahmen verließen. Seither ist im europäischen Kreise eher von Land Art die Rede, wohingegen im amerikanischen Raum von Earthworks oder Earth Art gesprochen wird. Die Earth Art jedoch ist häufig so kleinformatig, dass sie noch im Innenraum ausgestellt werden könnte.
Im Folgenden sollen exemplarisch Werke von Robert Smithson und Hans Haacke, die zur Land und Earth Art gezählt werden, beschrieben und auf ihren Bezug zur nachhaltigen Entwicklung sowie der damit in Verbindung ‚empfohlenen‘ Künstlerpraxen untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den inflationären Gebrauch des Nachhaltigkeitsbegriffs und definiert das Ziel, künstlerische Positionen von Smithson und Haacke auf ihre ökologische Relevanz zu untersuchen.
2. Nachhaltigkeit im Diskurs: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über bedeutende UN-Konferenzen, Reporte sowie theoretische Perspektiven auf eine nachhaltige Kultur und die Rolle der Kunst darin.
3. Künstlerische Positionen der Land und Earth Art im Kontext der Nachhaltigkeit: Hier werden die Werke von Robert Smithson und Hans Haacke exemplarisch analysiert und mit den im vorherigen Kapitel erarbeiteten Nachhaltigkeitskriterien abgeglichen.
4. Schluss: Das Fazit stellt fest, dass die Nachhaltigkeitskonzepte zeitlich versetzt auf die 1970er Jahre angewendet werden, und ordnet die künstlerischen Ansätze eher als Kritik an der Nicht-Nachhaltigkeit ein.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Land Art, Earth Art, Robert Smithson, Hans Haacke, Ökologische Kunst, Nachhaltige Entwicklung, Systemtheorie, Naturvergessenheit, Entropie, Kulturwissenschaft, Kunst und Nachhaltigkeit, Institutionenkritik, Lebensnetz, Soziale Systeme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des heutigen Begriffs der Nachhaltigkeit auf die Kunstwerke von Robert Smithson und Hans Haacke, die in den Kontext der Land und Earth Art eingeordnet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs durch internationale Gremien, theoretischen Ansätzen zur Nachhaltigkeit in der Kultur sowie der Analyse konkreter Kunstwerke unter ökologischen und systemkritischen Aspekten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob und wie die Arbeiten von Smithson und Haacke als Vorläufer für eine nachhaltige, umweltbewusste Kunstpraxis gewertet werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse zu Diskursen über Nachhaltigkeit und kombiniert diese mit der exemplarischen Analyse ausgewählter Kunstwerke, deren Schriften sowie Künstlerinterviews.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Experten wie Sacha Kagan und Hildegard Kurt sowie die detaillierte Untersuchung spezifischer Arbeiten wie Spiral Jetty oder die Rheinwasseraufbereitungsanlage.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Nachhaltigkeit und Land Art auch der Entropie-Begriff bei Smithson sowie die Systemtheorie und der Künstler als Akteur/Entrepreneur bei Haacke.
Wie steht Smithsons Konzept der Entropie im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?
Smithson versteht Entropie als physikalisches Gesetz des energetischen Verfalls, welches er als Kulturkritik an der Verschwendung und als Warnung vor dem unaufhaltsamen Zustand des energetischen Ungleichgewichts interpretiert.
Welche Rolle spielt die Institutionalisierung von Kunst in dieser Untersuchung?
Die Arbeit kritisiert, dass viele der Land-Art-Werke trotz ihres Anspruchs, den Ausstellungsraum zu verlassen, letztlich in der „Kunstwelt“ verblieben und somit ihre Wirkung auf die breite Gesellschaft eingeschränkt blieb.
Was unterscheidet Hans Haackes Ansatz von rein ästhetischer Kunst?
Haacke fokussiert sich auf realzeitliche, biologische oder soziale Systeme und macht Prozesse (wie Verschmutzung oder Machtstrukturen) sichtbar, womit er die rein ästhetische Betrachtungsweise hinter sich lässt.
Bleibt nachhaltige Kunst in der heutigen Gesellschaft möglich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass dies ein komplexes, weiterhin zu erforschendes Thema bleibt, da die Untersuchung von Arbeitsbedingungen und Materialien einer tieferen Recherche bedarf als die hier vorgenommene Analyse.
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- Laura Kowalewski (Autor), 2012, Land Art und Earth Art als ökologische Kunst, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433522