Das Black Mountain College. Eine neue Schulform

Ein Vergleich zum Bauhaus


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Das Black Mountain College

1. Einführung

2. Das Black Mountain College
2.1. Das Black Mountain College – eine neue Schulform
2.1.1. Hierarchien und Strukturen
2.1.2. Die Gemeinschaft am College
2.2. Das Black Mountain College als Imitation des Bauhauses
2.2.1. Hierarchien und Strukturen des Bauhauses
2.2.2. Das alltägliche Leben am Bauhaus
2.2.3. Ein Vergleich des Black Mountain Colleges mit dem Bauhaus

3. Der Stellenwert des Black Mountain Colleges in der amerikanischen Geschichte
3.1. Die Bedeutung des Colleges in der Kunstgeschichte
3.2. Die Bedeutung des Colleges in der Geschichte der Pädagogik

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Nach der Schließung des Bauhauses in Berlin am 11.4.1933 haben sich diverse Nachfolge-Schulen gegründet wie beispielsweise die Hochschule für Gestaltung in Ulm, das new bauhaus in Chicago oder das Black Mountain College aus der Nähe von Asheville. Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise, die Große Depression, erstmalige Ausstellungen europäischer Kunst in Amerika sowie ein großer Zustrom deutscher Immigranten hinterließen in den Vereinigten Staaten ihre Spuren – Aufregung, Reformwille und Veränderungsdynamik. Im Folgenden soll an Hand des Black Mountain Colleges, welches von 1933 - 1956 existierte, aufgezeigt werden, was mit diesem Potential hinsichtlich Lehr- und Schulformen, eines Gefühl des Zusammenlebens und der amerikanischen Kunst erreicht werden kann. Da das Black Mountain College wie gesagt aber auch im Anschluss an das Bauhaus entstand und einige Lehrkräfte dessen aufnahm, soll ein Vergleich zum Bauhaus nicht fehlen.

2. Das Black Mountain College

Die Geschichte des Black Mountain Colleges in seiner Gänze darzustellen, bedarf es der Rückschau auf ein anderes College, das Rollins-College aus Florida. Die Gründer des Black Mountain Colleges waren an diesem Rollins-College zuvor als Lehrende tätig und wurden Teil der Umsetzung eines pädagogischen Versuchs. Das Rollins-College hat unter der Leitung von Hamilton Holt um 1925 „praktische Projektarbeit[en]“[1] mit in den Unterrichtsplan aufgenommen, die den Lerneffekt steigern sollten. Jedoch hat die Gruppe von Stundenplankoordinatoren bereits acht Jahre später den alten „Conference Plan“[2] abschaffen wollen. Ein Philosophie-Professor namens John Andrew Rice, der sich zuvor immer als „Sprachrohr der fortschrittlichen Kräfte“[3] sah, konnte diese Entscheidung nicht tragen und wurde daraufhin gekündigt. Ein paar solidarische Kollegen verließen gemeinsam mit ihm das Rollins-College. Eine Wiedereinstellung, egal ob am Rice-College oder an anderen Schulen, war undenkbar. John Andrew Rice hatte noch immer eine Idee bzw. das Ideal eines Reform-Colleges im Hinterkopf, welches er nun realisieren wollte. Gemeinsam mit Theodor Dreier, einem ehemaligen Kollegen, mietete er ein altes Gebäude abgelegen vom Dorf Asheville am Black Mountain in North Carolina. Das Black Mountain College war gegründet.[4]

Ein Artikel in der „Herald Tribune“ im August 1933 machte Ziele und Strukturen dieses neuen Colleges bekannt und so fanden sich schließlich Schüler und Lehrende im Black Mountain College ein, darunter viele Ehemalige des Rollins-Colleges.[5] Ebenso wie in diesem Artikel soll hier im Folgenden beleuchtet werden, welche Leitbilder die Pädagogik dieser Schule hatte und wie sich die Strukturen und Hierarchien des Lehrplans und auch der organisatorischen Ebenen darstellen.

2.1. Da s Black Mountain College – eine neue Schulform

Das Black Mountain College lässt sich nach Andi Schoon in seiner Schulform auf zwei Leitlinien zurückführen; „[…] [die] der Neuausrichtung der Pädagogik auf demokratische Ideale und [die] der Idee von Kunst als Mittel zur Bildung des Charakters.“[6] Gerade der zweitgenannte Aspekt ist auf einen zu dieser Zeit bekannten Pädagogen, John Dewey zurückzuführen. Seiner Ansicht nach führe eine künstlerische Erziehung zur Ausbildung sozialer Kompetenz. Deweys Reformen, dazu zählt auch die Aufforderung die „individuelle[n] Neigungen“[7] zu fördern, wurden zuvor nur in Grundschulen umgesetzt. Das Black Mountain College gehörte zu den ersten höheren Schulen, die seine Ideen in ihre Organisation mit aufnahmen und einen flexiblen Unterrichtsplan erstellten.[8]

2.1.1. Hierarchien und Strukturen

Am thematisierten College haben die Lehrkräfte zu bestimmten Zeiten ihre Kurse angeboten und jeder Schüler konnte sich seinen individuellen Stundenplan mit Hilfe von Betreuern zusammenstellen. Die Kurse wurden aus den Bereichen Kunst, Natur- und Geisteswissenschaften angeboten. Zu Beginn hatten jedoch alle Schüler ein zweijähriges Studium generale zu vollführen. Daran knüpfte die „junior division“[9] an, die man mit einer Prüfung abschloss, um an der „senior division“[10] teilzunehmen, die zur Spezialisierung der Schüler mittels Studierens außerhalb des collegeeigenen Kursangebotes führen sollte. Der Abschluss des Black Mountain Colleges, welches als Bindeglied zwischen Mittel- und Hochschule fungierte, wurde über ein Examen getätigt. Dabei wurden stets externe Prüfer eingeladen, die oftmals bekannte Künstler waren (z.B. Marcel Breuer) oder die als Lehrkraft an der Hochschule tätig waren, die der Geprüfte im Anschluss an das Black Mountain College besuchen wollte. Dies kann entweder als individuelle Förderung nach John Dewey oder auch als Zeichen des Gemeinschaftssinnes, der im folgenden Punkt behandelt wird, gedeutet werden. Der am College erworbene Abschluss ist mit dem heutigen Bachelor of Arts vergleichbar. Tatsächlich wurde der Abschluss staatlich nicht anerkannt, man konnte sich ihn jedoch an den Universitäten anrechnen lassen.[11]

Auf der Organisations- und Finanzebene agierte das Black Mountain College als non-stock corporation, was ungefähr einer Non-profit Personengesellschaft entspricht. Da es keine Sponsoren oder richtungsweisende Ministerien gab, hatte das Lehrpersonal die Entscheidungskraft über Fragen der Verwaltung und der Lehrpläne. Zur Wahrung der „Freiheit und eine[s] unhierarchischen Charakter[s]“[12] unter den College-Mitgliedern gab es für diese Entscheidungsfragen nur wenige Ämter. Eines davon war das „Board of Fellows“[13], ein Finanz- und Personalmanagementkomitee bestehend aus Lehrkräften. Die Sitzungen, in denen auch über Verträge der Lehrkräfte gesprochen wurde, waren auch Studentenvertreter geöffnet, die ab 1937 sogar Mitspracherecht via eines eigenen Sitzes im Board of Fellows hatten. Ein weiteres Amt ist das des Rektors. Er leitet die Gremiensitzungen und hat die Aufgabe der Repräsentanz nach außen. Dieselbe Aufgabe erfüllt auch das Advisory Council, eine Art „Freundeskreis“. Ihm gehörten unter anderem John Burchard, Albert Einstein, Walter Gropius, Carl Jung und Franz Kline an. Hinsichtlich der Unternehmensform und auch in pädagogischen Angelegenheiten wie der persönlichen Lehrplanerstellung hat das Black Mountain College sich an den Universitäten aus Oxford und Cambridge orientiert.[14]

Das College an sich wurde über die Schulgebühren finanziert. Für mittellose Schüler gab es Förderprogramme. Diese Angelegenheiten wurden mit höchster Diskretion behandelt, um einen möglichen Zwiespalt innerhalb der Schülerschaft zu verhindern. Da die Schule offensichtlich wenige finanzielle Mittel zur Verfügung hatte, wurden Lehrer mit „Unterkunft und Spesen“[15] bezahlt.[16]

2.1.2. Die Gemeinschaft am College

Oftmals wurde das Black Mountain College rückblickend als Kommune bezeichnet, ein Begriff der sich erst in den 1960ern geformt hat, also noch Jahre nach der Schließung des Colleges. Ob diese Bezeichnung dann zutreffend ist, sei dahin gestellt. Im Folgenden soll jedenfalls aufgezeigt werden, wie Schüler und Professoren im Alltag miteinander arbeiteten und auf dem Gelände gemeinsam lebten – als eine Gemeinschaft. Denn die „Teilnahme am öffentlichen Leben außerhalb des Unterrichts gehörte zum erzieherischen Konzept“[17] des Colleges.

Unter „Hierarchien und Strukturen“ wurde bereits angeführt, dass die Lehrkräfte mit ihrer Unterkunft bezahlt worden sind. Genauer gesagt wohnten diese, teilweise mit ihren Familien, direkt auf dem Campus. Auch die Schüler hatten Wohnräume auf dem Black Mountain Gelände, die nach Geschlecht separiert waren. Das zeigt die eher konservative Einstellung des Colleges, welches somit mit den zu dessen Zeit üblichen Moralvorstellungen konform ging. Über die getrennten Schlafsäle hinaus waren Besuche des anderen Geschlechts nur im Krankheitsfall erlaubt, Beziehungen hatten verantwortungsvoll geführt zu sein und auch Homosexualität war an der Schule noch ein umstrittenes Thema, dass eher tabuisiert und negiert wurde. Allerdings könnte das auch die Folge enormer Rücksichtnahme und Vorsicht sein, da North Carolina bekannt für Religiösität und Konservativismus war und man sich unauffällig verhalten wollte, um sich Handlungsoptionen für die Folgegenerationen offen zu halten.[18]

Zwei Orte auf dem Collegegelände mögen die Schulmitglieder wohl am meisten zueinander gebracht und verbunden haben: Die dining hall und die Farm.

Der Speisesaal ist vergleichbar mit der Küche in einem Einfamilienhaus, es ist ein Treffpunkt zur Kommunikation. Auch im Black Mountain College war dieser Raum nicht bloß für die gemeinsame Aufnahme von Mahlzeiten gedacht. Oft wurden dort nach dem Abendessen Klavier- oder andere Konzerte gegeben, denen kurze Einführungen (zum inhaltlichen Thema) vorausgingen. Abgesehen von den selbstverfassten Einführungen, arrangierte man auch die Programmhefte und Berichte zu den Konzerten. Es entwickelte sich sogar die Zusammenarbeit mit regionalen Theatern und Rundfunkanstalten, sodass Schüler des Black Mountain Colleges deren Radio-und Theaterprogramme gestalteten. Sporadisch gab es auch Themenabende, beispielsweise pro Jahr jeweils einen Abend für Bach, Beethoven und Mozart, oder auch kleine mehrtägige ‚Festivals‘.[19]

Ähnlich wie am Bauhaus gab es auf die Jahreszeit abgestimmte Feste, die sich hier in amerikanischer Tradition auf Halloween und Thanksgiving beriefen. Eine musikalische Festlichkeit im persönlicheren Rahmen begab sich ab 1944 sonntäglich im Hause der Familie Lowinsky. Hier wurden kleine Konzerte mit anschließenden Diskussionen gehalten. An dieser Stelle zeigt sich die Nähe von Lehrenden und Schülern, man lebt und lernt miteinander. Ein weiteres Beispiel dafür gibt Josef Albers, der unter den Schülern zwar als eher streng und dogmatisch galt, aber seinen Eleven gestattete seinen Vorbereitungen zu Ausstellungen oder Gesprächen mit Galleristen beizuwohnen und ihnen somit eine Vorkenntnis für die Berufswelt mitgab.[20]

Der zweite Knotenpunkt war die Farm, die von allen Lehrenden und Schülern bewirtschaftet wurde. Auch dies war ein Ort, an dem alle gleichwertig waren und gleichermaßen zu arbeiten hatten. Es gab keine Hierarchie, die vorschrieb, wer auf Grund welcher Stellung wie viel zu arbeiten hatte. Das ist eine Folge des Demokratiegedankens, den man an diesem College sehr hoch gehalten hat. Das gemeinsame Bewirtschaften der Farm hat einen großen Beitrag zum Wachsen des Zusammengehörigkeitsgefühls der College-Mitglieder geleistet. Der Großteil der Lebensmittel, die in der Großküche des Colleges eintrafen, stammte aus dem eigenen Anbau.[21]

Zum außerschulischen Vergnügen können noch Chöre und Ensembles genannt werden und den Schülern zur Verfügung stehende Proberäume, so wie eine Bibliothek für den Fachbereich Musik im Round House.[22]

Der Gemeinschaftssinn der Black Mountain College Mitglieder mag durch die Aufzählung von Fakten wenig augenscheinlich sein. Ein ehemaliger Assistent dieser Schule, Anatole Kopp, aber schreibt in einem Artikel von einer Atmosphäre, die von „offene[m] Interesse für alle Probleme, […] tiefwurzelende[n] Liberalismus, de[m] Wissensdurst und […] [der] Freude am Vermitteln, die Lehrern und Schülern gemeinsam waren“[23], geprägt war.

2.2. Das Black Mountain College als Imitation des Bauhauses?

Das Black Mountain College schließt mit seinem Gründungsjahr 1933 direkt an die Schließung des Bauhauses in Berlin an. Viele ehemalige Bauhäusler haben am Black Mountain College Sommerkurse gegeben oder über mehrere Jahre dort unterrichtet und gelebt wie das Ehepaar Albers. Man lebte und lernte am Black Mountain College. Eine neue Reform der Pädagogik wurde umgesetzt. Es wurde gefeiert und diskutiert. Es gab Kunst, Musik, Theater – Fachbereiche, die sich über die Existenz der Schule emanzipiert haben und andere Bereiche wie die Naturwissenschaften überdeckt haben. So vieles erinnert an das Bauhaus aus Weimar, Dessau und Berlin, an die Pädagogik von Walter Gropius. Doch inwiefern diese Schulen miteinander vergleichbar sind, wo es wirkliche Gemeinsamkeiten oder gar große Diskrepanzen gibt, soll in Folge geklärt werden.

2.2.1. Hierarchien und Strukturen des Bauhauses

Die Ideologie und Struktur der Bauhaus-Schule darzustellen gestaltet sich weitaus schwieriger als die Darstellung jener Fakten des Black Mountain Colleges. Auf Grund von wechselnden Rektoren des Bauhauses haben sich Bildungsphilosophie und Lehr- und Unterrichtspläne stets verändert. In der kommenden Ausführung wird sich aus verschiedenen Gründen auf die Hierarchien und Strukturen des Bauhauses unter der Leitung des ersten Direktors Walter Gropius konzentriert.

Unter der Leitung von Gropius hatte die Bauhaus-Schule zwei Ziele: die „Integration aller Kunstgattungen und Handwerkssparten unter dem Primat der Architektur“[24] und die „Ausrichtung der ästhetischen Produktion auf die Bedürfnisse breiter Bevölkerungskreise und nicht exklusiv auf die Nachfrage einer dünnen Schicht sozio-ökonomisch Privilegierter“[25]. Diese Ziele wurden über die Jahre von den anderen Direktoren stets in Details verändert und somit Sinn verschoben[26]. Bei Walter Gropius stand jedoch die Lehre des Handwerks an oberster Stelle, da Kunstsinn und Kreativität sich seiner Ansicht nach nicht vermitteln ließen. Mit Hilfe seiner reformierten Hochschule sollte ein „Künstlerproletariat“[27] ausgebildet werden, dass durch seine kunsthandwerklichen Fähigkeiten im Anschluss an das Studium einen Arbeitsplatz gesichert hatte.[28]

In einem Programm von 1919 ist festgehalten, dass sich die Ausbildung am Bauhaus auf die Elemente handwerkliche Ausbildung, künstlerische Ausbildung und wissenschaftlich-theoretische Ausbildung stützt. Die handwerkliche Lehre konnte in verschiedenen Fachbereichen vollzogen werden. Beispiele für diese Bereiche sind Bildhauer, Keramiker, Schmiede, Schlosser, Radierer oder Weber. Diese Bereiche haben sich im Verlaufe der Existenz des Bauhauses noch minimiert. Die künstlerische Lehre, die sich später Formlehre nannte, beschäftigte sich unter anderem mit der Lehre von den elementaren Stoffen, der Lehre von Grundformen und dem eigenen Gestalten. Der wissenschaftlich-theoretische Aspekt der Lehre hingegen bedeutete die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Materialien, der physikalischen und chemischen Farbenlehre, der Theorie von Gestaltungstechniken sowie mit betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen, um die Studierenden ausreichend auf das Agieren in der Wirtschaft vorzubereiten.Diese Struktur des Studiums änderte sich jedoch 1922, sodass es am Bauhaus drei Lehrgänge gab, die Vorlehre, die Werklehre und die Baulehre. Hier wird allein am Aufbau wieder einmal der Leitspruch Gropius‘ ersichtlich: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeiten ist der Bau“[29]. Die Vorlehre, auch Vorkurs genannt, institutionalisierte sich 1921 durch Johannes Itten. Zumeist wurde dieser Kurs von Josef Albers oder László Moholy-Nagy geführt. Der Vorkurs war das Instrument, um alle Studenten auf den gleichen Wissensstand zu bringen und auch zur Entwicklung Interessengebiete eines jeden Studenten. Anfänglich war der Kurs nur auf ein halbes Jahr begrenzt, im Wintersemester 1924/25 jedoch hatte man diesen schließlich auf ein ganzes Jahr verlängert. Im Folgejahr begann der Vorkurs in Form- und Werkgrundlehre erstmalig mit fest vorgegebenen Inhalten. Damit ging die Einschränkung der Lehrplanflexibilität der Studenten einher. Das Bauhaus-System hatte sich verschult. Im Anschluss an die Vorlehre stand die Werklehre, die sich über 3 Jahre erstreckte. Während man 1922 noch zwischen einer Vielfalt an Werkstätten wie „Stein, Holz, Metall, Ton, Glas, Farbe […] [oder] Gewebe“[30] wählen konnte, beschränkten sich diese ab 1925 auf die Holz- und Metallwerkstatt, Farbe, Gewebe und den Buch- und Kunstdruck. Die Lehre in einer Werkstatt schloss mit einem Gesellenbrief ab. Die folgende Baulehre war zu Beginn zeitlich nicht begrenzt, ihre Dauer war abhängig von der Qualifikation des Studenten und anderen externen Faktoren. Doch hat man sie ebenso 1925 restringiert, sodass sie sich auf drei Halbjahre erstreckte. Dieser letzte Schritt schloss mit einem Meisterbrief ab. Aus der Struktur des Studiums wird eine Parallele zur Handwerksausbildung augenscheinlich, beide „Lehren“ schließen sowohl mit Gesellen- und Meisterbrief ab, was den erwünschten Eintritt in handwerkliche Berufe nach dem Studium erleichtert.[31]

Ein Punkt, der sowohl Struktur als auch Hierarchie der Lehrform am Bauhaus betrifft, ist der über die Frauenklassen. Ab 1920 ließ Gropius die Web- und Frauenklasse zusammenlegen aus Angst, die Studentinnen würden dem Ansehen der Schule schaden oder gar die männlichen Studenten um „deren“ Werkstattplätze berauben. Nur einer Frau gelang es zur Zeit des Bauhauses Anerkennung für ihr Schaffen zu gewinnen und sogar Jungmeisterstatus zu erhalten: Gunta Stölzl.[32]

Sowohl Walter Gropius als auch Hannes Meyer nutzten die Werkstätten zur Produktion für Aufträge. Trotzdem vollzogen sich unter Hannes Meyers Schulleitung Veränderungen, wie die Einführung von Pflichtklassen die wieder einmal die Verschulung des Studiums bedeuteten. Des Weiteren beschreibt Meyer seine Leitung rückblickend selbst als „polytechnische […] Pädagogik“, was einen eindeutigen Hinweis auf den marxistischen Einfluss auf seine Person – und dadurch zugleich auf die Schule – gibt.[33]

In Mies van der Rohes Amtszeit ab 1930 verblassen die damaligen Vorgaben Gropius‘. Die einzelnen Lehren werden als Stufen von 1 bis 3 bezeichnet, die auch nicht mehr mit Gesellen- oder Meisterbrief abschlossen. „Zweck des Bauhauses ist die handwerkliche, technische und künstlerische Durchbildung der Studierenden“[34], so die Satzung des Bauhauses um 1930. Auch die ehemalige Werklehre, jetzt zweite Stufe wurde in anderen Werkstätten vollführt. Zur Wahl standen den Studierenden Bau und Ausbau, Bildende Kunst, Foto, Reklame und Weberei. Die Baulehre in Gropius‘ Sinne ist nicht mehr erkennbar.[35]

2.2.2. Das alltägliche Leben am Bauhaus

Im vorgehenden Punkt wurde bereits die Stellung der Frau am Bauhaus thematisiert. Obwohl das Bauhaus Teil einer Avantgardebewegung war und sich somit ebenfalls im Wandel der Geschlechterrollen befand, stand man den Frauenanteil von einem Drittel der Studierenden anfänglich nicht positiv gegenüber. Die unterschiedlichen Kriegserfahrungen, der Enthusiasmus der Frauen, die erst seit der Weimarer Republik ein Studienrecht besaßen und die Unklarheit darüber, wie viel körperliche Arbeit die Frauen in der Lehre tragen konnten und darüber, ob sie im Anschluss überhaupt Chancen in der Berufswelt haben würden, ließen die männlichen Kommilitonen und Lehrmeister zweifeln.[36]

[...]


[1] Schoon (2006): S.92.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Vgl.: Ebd.

[5] Vgl.: Ebd.

[6] Ders.: S.89f.

[7] Ders.: S.90.

[8] Vgl.: Ebd.

[9] Ders.: S.93.

[10] Ebd.

[11] Vgl.: Ders.: S.93f.

[12] Ders.:S.94.

[13] Ebd.

[14] Vgl.: Schoon (2006): S.94,122f.; Vgl.: Wick, Grawe (2000): S.352.

[15] Schoon (2006): S.120.

[16] Vgl.: Ders.: S.120.

[17] Ders.: S.95.

[18] Vgl.: Ders.: S.94f.,124f.

[19] Vgl.: Ders.: S.95,110-113.

[20] Vgl.: Schoon (2006): S.111; Vgl.: Thomas, Albers (1988): S.61.

[21] Vgl.: Schoon (2006): S.95.

[22] Vgl.: Ders.: S.111.

[23] Kopp (1979): S.399.

[24] Wick, Grawe (2000): S.52.

[25] Ebd.

[26] Vgl.: Dies.: S.69.

[27] Dies.: S.58.

[28] Vgl.: Dies.: S.57f.

[29] Dies.: S.68.

[30] Dies.: S.68.

[31] Vgl.: Dies.: S.60,65-70.

[32] Vgl.: Költzsch, Tupitsyn (2000): S.49; Vgl.: Fiedler (2007): S.120.

[33] Vgl.: Wick, Grawe (2000): S.59,70f.

[34] Bauhaus-Archiv Berlin (Hrsg.) (1983): Satzungen Bauhaus Dessau; zit. Nach Wick, Grawe (2000): S.71.

[35] Vgl.: Dies.: S.71f.

[36] Vgl.: Fiedler (2007): S.97f.,102.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Black Mountain College. Eine neue Schulform
Untertitel
Ein Vergleich zum Bauhaus
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Philosophie und Kunstwissenschaft)
Veranstaltung
Neue Positionen der Kunsttheorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V433549
ISBN (eBook)
9783668759404
ISBN (Buch)
9783668759411
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bauhaus, Black Mountain College, Moderne, Kunsttheorie, Kunstpädagogik, Design, Kunstschule, Kunsthochschule, Kunst, Kunstgeschichte, Pädagogik, Neues Sehen
Arbeit zitieren
Laura Kowalewski (Autor), 2009, Das Black Mountain College. Eine neue Schulform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433549

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Black Mountain College. Eine neue Schulform



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden