Der Isenheimer Altar. Kreuzestod und Erlösung als Thema im Religionsunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Altar
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Aufbau und Gestaltung

3. Die Person: Mathis Grünewald
3.1 Kurzbiographie zu Mathis Grünewald
3.2 Grünewalds Werke

4. Das Antoniterkloster in Isenheim
4.1 Der Antoniterorden
4.2 Aufgaben des Klosters

5. Der Isenheimer Altar im Unterricht
5.1 Der leidende Sohn Gottes
5.2 Erlösungsbotschaft des Isenheimer Altars

6. Fazit / Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis/Quellen

8. Bildquellen

1. Einleitung

Vor der Schaffenszeit von Mathis Grünewald war Europa im Umbruch. Das endende Mittelalter und kulturelle Einflüsse aus Italien läuteten das Zeitalter der Renaissance ein. Eine Epoche, welche im späten 14. Jahrhundert eingeordnet wird und als Zeit des Umdenkens bis heute Bestand hat. Man könnte die Renaissance auch als eine Art „Rückkehr zu antiken Traditionen“[1] bezeichnen, was im Wesentlichen eine geistige Rückbesinnung auf den antiken Geist meint. Aus Italien angestoßen begann die „Europäisierung Europas“[2], eine Zeit der Reformen und des Umdenkens, aber auch eine Zeit voller Rückschläge, bedenkt man die große Pestwelle und andere seuchenartige Krankheiten. In meiner Ausarbeitung möchte ich mich jedoch an zwei Grundcharakteristika der Renaissance halten. Natürlich werde ich mich der künstlerischen Epoche der Renaissance und der Spätgotik widmen – eine Zeit, der viele bekannte Künstler entsprungen sind. Aber auch der aufkeimende Gedanke des Humanismus spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung des Wandelaltars im Isenheimer Antoniterkloster. Grundlage meiner Arbeit ist die Erstellung eines groben Unterrichtsentwurfes zum Thema Kreuzestod, unterstützt durch die Kunstwerke von Mathis Grünewald. Hierbei soll eine Art religionspädagogische Nähe zum Thema Leiden und Auferstehung im Vorab beschriebenen Kontext entstehen. Ziel ist es, die Thematik über visuelle Zugänge einer 10. Klasse näher zu bringen und damit die Erlösung als zentrale Glaubensgrundlage herauszuarbeiten.

2. Der Altar

2.1 Entstehungsgeschichte

Der Isenheimer Altar gilt als eines der wichtigsten kunsthistorischen Werke seiner Zeit. Sein Erscheinungsbild, wie wir es heute kennen, „fällt mit einer großangelegten Erweiterung und Neuausstattungsphase des Kirchenbaus“[3] des Klosters zu Isenheim zusammen. Vor der Modernisierung besaß das Kloster bereits einen Altar, den so genannten Orlianco-Altar, welcher ebenfalls ein Wandelaltar war. Auf dem alten Altar kamen vor Allem der damalige Klosterpräzeptor Johann von Orliac, sowie eine recht große Schnitzplastik der heiligen Jungfrau zum Vorschein. Vermutlich gründet die Anordnung der Modernisierung auf einen Umbruch in der Zeitepoche. Man befand sich schließlich inmitten der Blütezeit des frühen Humanismus. Außerdem mutmaßen einige Kunst und Kirchenhistoriker, dass man den „Ur-Altar“ schon damals als zu altmodisch empfand. Zwar will ich mich in dieser Ausarbeitung den gemalten Werken widmen, jedoch besteht der Isenheimer Altar auch aus Schnitzereien, welche dem Straßburger Bildhauer Niclas Hagenauer entstammen.

Der plastische, mit Holzskulpturen geschmückte Schrein mit der Predella und der ehemals hochaufragenden geschnitzten Zierarchitektur des Gesprenges ging Grünewalds gemalten Flügeln um zehn bis zwölf Jahre voraus.[4]

Nach neuster Ansicht entstanden die besagten Schnitzereien um 1500 oder noch etwas früher. Eine genaue zeitliche Einordnung ist leider bis heute nicht möglich, da es keinerlei Aufzeichnungen zur Auftragserteilung und Fertigstellung gibt. Die Bildwerke von Mathis Grünewald entstanden also erst nach der Fertigstellung der Schnitzarbeiten. Obwohl es damals üblich war, die eigenen Kunstwerke zu personalisieren, so schafft es Grünewald, seine Malerei und die Schnitzkunst in eine Art Symbiose zu versetzen.

2.2 Aufbau und Gestaltung

Wie schon erwähnt, sieht der Betrachter den Isenheimer Altar als Gesamtkunststück aus Schnitzereien und Bildwerken. Als Basis des Altars dient das so genannte dritte Wandbild, welches im Zentrum einer Schnitzplastik den heiligen Antonius im Zentrum, des heiligen Augustinus links und den heiligen Hieronymus auf der rechten Seite darstellt. Da es sich um einen Altar in einem Kloster des Anoniterordens handelt, erübrigt sich die Frage nach der zentralen Darstellung des heiligen Antonius. Augustinus und Hieronymus sind ebenfalls stark mit dem Denken der Antoniter verbunden. Hieronymus wird mit einem Löwen dargestellt, welcher wiederrum für das Heil steht. Augustinus selbst wird als Mitbegründer der Ordensregel der Antoniter gesehen.

Auch die Predella, die für den Betrachter als Fundament des Altares wirkt, ist mit einer detaillierten Schnitzplastik versehen. Sie zeigt Christus mit seinen Aposteln, welche sinnbildlich als Stütze und Ursprung des Glaubens betrachtet werden können. Das dritte und damit unterste Wandbild besitzt darüber hinaus auch Altarflügel, auf welchen zwei Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius dargestellt werden. Dieses dritte Wandbild war jedoch nur am Namenstag des heiligen Antonius, dem 17. Januar, geöffnet. Somit wird die Verehrung des heiligen Antonius deutlich und unterstreicht die pflegerischen Aufgaben des Antoniterordens. Auf den ersten beiden Wandbildern zeigt die Predella die so genannte „Beweinung Christi“, welche den toten Jesus und die trauende Maria, sowie eine gerührte Maria Magdalena zeigt. Als Besonderheit sei gesagt, dass auch der Jünger Johannes abgebildet ist, welcher den leblosen Oberkörper Jesu Christi von hinten anhebt. Nicht verwunderlich ist, dass „der totenstarre Leichnam noch die Spuren der Geißelung und die Wundmale der Kreuzigung trägt.“[5] Auf dem Predellagemälde steht das Leid definitiv im Vordergrund. Nicht nur der realistisch dargestellte Leichnam, sondern auch Maria, die in flehender Pose – mit verschränken Händen – dargestellt ist, unterstreichen das irdische Leid. Jedoch wird durch Maria Magdalena, welche laut Joh 20,11-18 als Zeugin der Auferstehung Jesu Christi gilt, ein Funke der Hoffnung versprüht.

Das zweite Wandbild des Isenheimer Altars möchte ich hier nur kurz beschreiben. Es zeigt zum einen die so genannte „Verkündung“. Hier wird die anstehende jungfräuliche Geburt angekündigt. Der Mittelteil des zweiten Wandbildes zeigt das „Engelskonzert“, eine sehr schwer zu deutende Szene, welche komplett aus dem Zusammenhang gerissen zu sein scheint. „Ein ähnliches Bild gibt es in der vorhergehenden deutschen Malerei nirgends, es fällt völlig aus dem Rahmen deutscher Ikonographie.“[6] Grünewald hält sein gesamtes Werk hauptsächlich in dunkleren Grautönen, welche mit großer Sicherheit das Leiden Jesu unterstreichen sollen. Der rechte Flügel des zweiten Wandbildes erscheint jedoch in fast prächtigem Glanz. Er zeigt die Auferstehung Jesu. Jesus schwebt vor einer orange glühenden Sonne mit einem bunt schillerndem Tuch bekleidet. Er wirkt fast wie neu geboren und nur die Stigmata an Händen und Füßen erinnern an die Qual des Todes. Wie schon erwähnt, eine sehr schwierig zu deutende Szene, welche vielleicht im weiteren Verlauf meiner Arbeit verständlich zu werden scheint.

Das erste Wandbild und zugleich Hauptthema des Isenheimer Altars berichtet vom Kreuzestod Jesu. Diese Altarseite war hauptsächlich während der Advents- und Fastenzeit geöffnet und zeigt das irdisch-menschliche Leid. Im Zentrum sieht man Jesus Christus am Kreuz hängen. Er erscheint sehr schwach und dem Tode nahe. Er ist gespickt mit Wundmalen und einzig mit einem grau wirkenden Tuch um seine Lenden, sowie einer Dornenkrone bekleidet. Das Bild wirkt eher düster und dunkel, so dass das frische Blut, welches aus Christus Wunden dringt, sehr leuchtend erscheint. Das Blut zeigt dem Betrachter, dass Jesus zwar dem Tode nahe ist, jedoch immer noch lebendig ist. Diese These wird von einem weiteren Teilelement des ersten Wandbildes verdeutlicht.

Zu seinen Füßen befindet sich, dem Gekreuzigten zugewandt, das Opferlamm, dessen Herzblut in den Meßkelch fließt – als Hinweis auf die in der Messe symbolisch nachvollzogene überhistorisch fortdauernde Erlösungstat Christi.[7]

Das Lamm symbolisiert die Reinheit, aber auch die Endlichkeit des irdischen Lebens. Durch das Blut, welches aus seinem Herzen läuft, erkennt man die Parallelität zum gekreuzigten Jesus. Außerdem „trägt“ das Lamm ein kleines Holzkreuz mit sich; Ein Kreuz welches zwar das Leid unterstreicht, Christen aber Hoffnung und Erlösung bringt. Direkt neben dem Opferlamm erkennt man einen etwas älter aussehenden, in ein rotes aus sehr edlem Stoff gewickelten Mann. In seiner linken Hand hält er ein dickes Buch, wahrscheinlich das alte Testament. Mit seiner rechten Hand zeigt er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Jesus am Kreuz. Auffällig ist, dass sein Zeigefinger auf der selben Linie zu sein scheint, wie es der rechte Arm des gekreuzigten Jesus ist. Der Betrachter könnte eine eher mystisch wirkende Verbindung der beiden Männer assoziieren. Diese starke Verbindung der beiden wird von einem Zitat, welches neben dem in rot gekleideten Mann zu lesen ist, unterstrichen.

„Illum oportet crescere, me autem minui“ („Jener muß wachsen, ich aber abnehmen“, Joh. 3,30).

Spätestens jetzt ist klar, dass der Mann nicht einfach nur ein Mann ist, sondern Johannes der Täufer „(der bereits vor Christus den Tod erlitten hatte)“[8]. Er selbst wird als Prophet der Endzeit und als Wegbereiter Jesus Christus angesehen. Grünewald wählte ihn wohl sinnbildlich für alle Propheten, die das „immer wieder beschworene Gesetz zur Erlösung der Menschheit, für das der Sohn geopfert werden muss“[9] verkörpern.

Auf der rechten Seite des gekreuzigten Jesus sind drei weitere Personen zu erkennen. Direkt neben dem Kreuz kniet Maria Magdalena. Sie ist mit einem rot-orangefarbenen Kleid bekleidet, hat ihre Hände in flehender Pose gefaltet und streckt diese in Richtung des sterbenden Jesus. Neben Maria Magdalena steht ein Salbgefäß. Dieses erinnert an „den Bericht im Evangelium des Lukas (7,36): Die reuige Sünderin kniete im Haus des Pharisäers vor Christus nieder und salbte ihm die Füße.“[10] Außerdem lässt das Salbgefäß die anschließende Grablegung Christi vermuten, welche auch im ersten Wandbild auf der Predella abgebildet ist. Ein kleines aber wichtiges Detail ist auf dem Gefäß erkennbar. Die Jahreszahl 1515 ist darauf zu sehen. Diese Zahl weist auf die Fertigstellung der Gemälde von Mathis Grünewald hin. Direkt neben der flehenden Maria Magdalena sieht man eine in weiß gekleidete Frau, welche rücklinks in den Armen eines mit roter Robe bekleideten Mannes liegt. Es sind Maria, Muttergottes, und der Jünger Johannes. Johannes daselbst gilt als einer der vertrautesten Jünger Jesus Christus, weswegen Grünewald ihn mit auf seinem Meisterwerk verewigt hat. Es fällt jedoch auf, dass der Jünger Johannes die einzige Person auf dem Bild ist, die nicht in Richtung des Gekreuzigten blickt. Maria hingegen, welche von Johannes gestützt wird hat Ihre Augen geschlossen. Tränen rinnen Ihr Gesicht hinunter und ihre Lippen wirken blau. Die weiße Tunika unterstreicht die Reinheit der Muttergottes. Alleine durch das Farbenspiel sieht man direkt eine Art Verknüpfung zwischen Maria und Jesus. Beide haben weißliche Kleidung an und bei beiden sind die Lippen eher dunkel gehalten. Auch Maria hat Ihre Hände gefaltet und sie gen Jesus gerichtet.

Neben Predella und Hauptbild, hat auch das erste Wandbild Gemälde auf seinen Flügeln. Auf dem rechten Standflügel erblickt man den heiligen Antonius. Er steht auf einem steinernen Sockel und blickt dem Betrachter des Altars direkt ins Angesicht. Er ist mit einem roten Mantel und einer ebenso roten Mütze bekleidet. Hinter ihm erblickt man einen Dämon, doch Antonius’ Gestalt wirkt sehr gelassen und strahlt Ruhe aus. Die Wahl des heiligen Antonius liegt sehr nahe, da er der Schutzpatron des Antoniterordens ist. Auch die hintergründige Szene des anrauschenden Dämons ist gekonnt ausgesucht und verweist auf die Versuchung des heiligen Antonius. Der heilige Antonius gilt also als Person, die sich erfolgreich gegen Krankheiten, besonders gegen das damals weit verbreitete Antoniusfeuer (Gürtelrose) und auch gegen die Versuchung der Sünde, durchgesetzt hat. Auf dem linken Standflügel ist der heilige Sebastian, Schutzpatron der Sterbenden, abgebildet. Auch er steht auf einem Steinsockel und wirkt dadurch eher erhaben. Gekleidet ist er mit einem roten Tuch, wobei ein Großteil seines mit Einschusswundmalen und Jagdpfeilen gezeichneten Oberkörpers herausragt. Diese Wundmale lassen den Betrachter zuerst eine Verbindung mit dem verwundeten Jesus Christus erkennen, sollen aber in erste Linie die Person des heiligen Sebastian selbst beschreiben. Er war nicht nur Schutzpatron der Sterbenden, sondern auch Schutzpatron der Jäger. Außerdem war Sebastian in jungen Jahren Offizier der Leibwache des römischen Kaisers und ist bis heute als Schutzpatron gegen die Pest bekannt. Mathis Grünewald wählte auch Ihn mit voller Absicht. Sowohl der heilige Antonius, als auch der heilige Sebastian flankieren das erste Wandbild, das auf den ersten Blick voller Leid zu sein scheint. Doch gerade durch die auf den Flügeln abgebildeten Heiligen wird Hoffnung und Zuversicht ausgestrahlt. Sie wirken wie eine Art Schutzwall von den Seiten, als würden sie über die in der Mitte dargestellte Szene wache halten.

[...]


[1] Peter Burke: Die europäische Renaissance; 2. Auflage; C. H. Beck oHG München 2012 S. 14

[2] Peter Burke: Die europäische Renaissance; 2. Auflage; C. H. Beck oHG München 2012 S. 36

[3] Max Seidel: Der Isenheimer Altar von Mathis Grünewald; Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co. KG, Stuttgart 2012 S. 12

[4] Max Seidel: Der Isenheimer Altar von Mathis Grünewald; Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co. KG, Stuttgart 2012 S. 12

[5] Bernhard Strigel: Beweinung Christi: PlacPublishing 2012

[6] Horst Ziermann, Erika Beissel: Matthias Grünewald. Prestel Verlag, München 2001 S.122

[7] Max Seidel: Der Isenheimer Altar von Mathis Grünewald; Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co. KG, Stuttgart 2012 S. 23

[8] Max Seidel: Der Isenheimer Altar von Mathis Grünewald; Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co. KG, Stuttgart 2012 S. 23

[9] Max Seidel: Der Isenheimer Altar von Mathis Grünewald; Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co. KG, Stuttgart 2012 S. 20

[10] Max Seidel: Der Isenheimer Altar von Mathis Grünewald; Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co.KG, Stuttgart 2012 S. 19

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Isenheimer Altar. Kreuzestod und Erlösung als Thema im Religionsunterricht
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V433555
ISBN (eBook)
9783668754249
ISBN (Buch)
9783668754256
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altar, Isenheim, Isenheimer Altar, Mathis Grünewald, Religionsunterrich, Grünewald, Antoniter, Antoniterkloster, Erlösungsbotschaft, Sohn Gottes, Erlösung im Religionsunterricht, Erlösung, Reduktion, didaktische Reduktion, Didaktik
Arbeit zitieren
Max Jung (Autor), 2014, Der Isenheimer Altar. Kreuzestod und Erlösung als Thema im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433555

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