Vor der Schaffenszeit von Mathis Grünewald war Europa im Umbruch. Das endende Mittelalter und kulturelle Einflüsse aus Italien läuteten das Zeitalter der Renaissance ein, eine Epoche, welche im späten 14. Jahrhundert eingeordnet wird und als Zeit des Umdenkens bis heute Bestand hat. Man könnte die Renaissance auch als eine Art „Rückkehr zu antiken Traditionen“ bezeichnen, was im Wesentlichen eine geistige Rückbesinnung auf den antiken Geist meint. Aus Italien angestoßen begann die „Europäisierung Europas“, eine Zeit der Reformen und des Umdenkens, aber auch eine Zeit voller Rückschläge, bedenkt man die große Pestwelle und andere seuchenartige Krankheiten.
In meiner Ausarbeitung möchte ich mich jedoch an zwei Grundcharakteristika der Renaissance halten. Natürlich werde ich mich der künstlerischen Epoche der Renaissance und der Spätgotik widmen – eine Zeit, der viele bekannte Künstler entsprungen sind. Aber auch der aufkeimende Gedanke des Humanismus spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung des Wandelaltars im Isenheimer Antoniterkloster. Grundlage meiner Arbeit ist die Erstellung eines groben Unterrichtsentwurfes zum Thema Kreuzestod, unterstützt durch die Kunstwerke von Mathis Grünewald. Hierbei soll eine Art religionspädagogische Nähe zum Thema Leiden und Auferstehung im Vorab beschriebenen Kontext entstehen. Ziel ist es, die Thematik über visuelle Zugänge einer 10. Klasse näher zu bringen und damit die Erlösung als zentrale Glaubensgrundlage herauszuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Altar
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Aufbau und Gestaltung
3. Die Person: Mathis Grünewald
3.1 Kurzbiographie zu Mathis Grünewald
3.2 Grünewalds Werke
4. Das Antoniterkloster in Isenheim
4.1 Der Antoniterorden
4.2 Aufgaben des Klosters
5. Der Isenheimer Altar im Unterricht
5.1 Der leidende Sohn Gottes
5.2 Erlösungsbotschaft des Isenheimer Altars
6. Fazit / Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen praxisorientierten Unterrichtsentwurf zu entwickeln, der den Isenheimer Altar von Mathis Grünewald als bilddidaktisches Medium nutzt, um Schülern der 10. Klasse (sowie anderen Altersstufen) das komplexe Thema Kreuzigung und Auferstehung sowie die damit verbundene Erlösungsthematik zugänglich zu machen.
- Historische Einordnung des Isenheimer Altars im Kontext der Renaissance und des Humanismus.
- Biographische und künstlerische Hintergründe zu Mathis Grünewald.
- Die Funktion und der karitative Auftrag des Antoniterklosters in Isenheim.
- Methoden der Bilddidaktik zur Erarbeitung von Leid und Erlösung im Religionsunterricht.
- Verknüpfung von Kunstbetrachtung und theologischer Deutung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Aufbau und Gestaltung
Wie schon erwähnt, sieht der Betrachter den Isenheimer Altar als Gesamtkunststück aus Schnitzereien und Bildwerken. Als Basis des Altars dient das so genannte dritte Wandbild, welches im Zentrum einer Schnitzplastik den heiligen Antonius im Zentrum, des heiligen Augustinus links und den heiligen Hieronymus auf der rechten Seite darstellt. Da es sich um einen Altar in einem Kloster des Anoniterordens handelt, erübrigt sich die Frage nach der zentralen Darstellung des heiligen Antonius. Augustinus und Hieronymus sind ebenfalls stark mit dem Denken der Antoniter verbunden. Hieronymus wird mit einem Löwen dargestellt, welcher wiederrum für das Heil steht. Augustinus selbst wird als Mitbegründer der Ordensregel der Antoniter gesehen.
Auch die Predella, die für den Betrachter als Fundament des Altares wirkt, ist mit einer detaillierten Schnitzplastik versehen. Sie zeigt Christus mit seinen Aposteln, welche sinnbildlich als Stütze und Ursprung des Glaubens betrachtet werden können. Das dritte und damit unterste Wandbild besitzt darüber hinaus auch Altarflügel, auf welchen zwei Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius dargestellt werden. Dieses dritte Wandbild war jedoch nur am Namenstag des heiligen Antonius, dem 17. Januar, geöffnet. Somit wird die Verehrung des heiligen Antonius deutlich und unterstreicht die pflegerischen Aufgaben des Antoniterordens. Auf den ersten beiden Wandbildern zeigt die Predella die so genannte „Beweinung Christi“, welche den toten Jesus und die trauende Maria, sowie eine gerührte Maria Magdalena zeigt. Als Besonderheit sei gesagt, dass auch der Jünger Johannes abgebildet ist, welcher den leblosen Oberkörper Jesu Christi von hinten anhebt. Nicht verwunderlich ist, dass „der totenstarre Leichnam noch die Spuren der Geißelung und die Wundmale der Kreuzigung trägt.“ Auf dem Predellagemälde steht das Leid definitiv im Vordergrund. Nicht nur der realistisch dargestellte Leichnam, sondern auch Maria, die in flehender Pose – mit verschränken Händen – dargestellt ist, unterstreichen das irdische Leid. Jedoch wird durch Maria Magdalena, welche laut Joh 20,11-18 als Zeugin der Auferstehung Jesu Christi gilt, ein Funke der Hoffnung versprüht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet den Isenheimer Altar in den historischen Kontext der Renaissance und des Humanismus ein und definiert das Ziel, das Kunstwerk als religionspädagogisches Hilfsmittel für den Unterricht zu nutzen.
2. Der Altar: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, den Aufbau des Altars als Wandelaltar und die symbolische Gestaltung der Schnitzereien und Wandbilder.
3. Die Person: Mathis Grünewald: Es wird ein kurzer biographischer Abriss des Künstlers gegeben sowie ein Überblick über seine künstlerischen Schwerpunkte und seine bekanntesten Werke.
4. Das Antoniterkloster in Isenheim: Das Kapitel beschreibt die Aufgaben des Antoniterordens, insbesondere die Pflege von Patienten mit Mutterkornbrand, und die Funktion des Klosters als Hospiz.
5. Der Isenheimer Altar im Unterricht: Hier werden methodische Ansätze für die Bilddidaktik in verschiedenen Altersstufen vorgestellt, um Themen wie den leidenden Sohn Gottes und die Erlösungsbotschaft zu bearbeiten.
6. Fazit / Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Bedeutung des Altars für die Kirchengeschichte zusammen und reflektiert den Nutzen der vorgestellten Unterrichtskonzepte für die Vermittlung religiöser Inhalte.
Schlüsselwörter
Isenheimer Altar, Mathis Grünewald, Religionsunterricht, Kreuzigung, Auferstehung, Erlösung, Antoniterorden, Mutterkornbrand, Bilddidaktik, Renaissance, Hospiz, Antoniusfeuer, Kunstgeschichte, christlicher Glaube, Unterrichtsentwurf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufbereitung des Isenheimer Altars von Mathis Grünewald für den Religionsunterricht, um Schülern Themen wie Leid, Kreuzestod und Erlösung näherzubringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Kunstgeschichte der Renaissance, die Geschichte des Antoniterordens und seines Hospizwesens sowie die bilddidaktische Methode im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung konkreter Unterrichtsentwürfe, die visuelle Zugänge zur Kunst nutzen, um komplexe theologische Glaubensgrundlagen für Schüler verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen religionspädagogischen und bilddidaktischen Ansatz, kombiniert mit kunsthistorischer Analyse, um eine Brücke zwischen historischen Kunstwerken und heutigem Unterricht zu schlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Altars und des Antoniterklosters sowie eine detaillierte Ausarbeitung von Unterrichtsvorschlägen für verschiedene Altersstufen und Firmgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Isenheimer Altar, Grünewald, Bilddidaktik, Religionsunterricht, Erlösung und Antoniterorden.
Warum spielt der Antoniterorden eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Altars?
Der Antoniterorden widmete sich der Pflege von Kranken, insbesondere von Menschen mit Mutterkornbrand. Das Leid Jesu auf dem Altar diente diesen Kranken als Identifikationsfläche, um im eigenen Schmerz Hoffnung auf göttliche Erlösung zu finden.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise bei Schülern der Unterstufe gegenüber jungen Erwachsenen im Firmunterricht?
Während bei jüngeren Schülern der Fokus stärker auf behutsamer Annäherung durch einzelne Bildausschnitte liegt, können junge Erwachsene eher an komplexere Zusammenhänge der Trinitätslehre und der symbolischen Bedeutung von Kirchenraum herangeführt werden.
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- Max Jung (Autor), 2014, Der Isenheimer Altar. Kreuzestod und Erlösung als Thema im Religionsunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433555