Bezahlbarer Wohnraum ist ein aktueller gesellschaftlicher Diskurs. Die Mieten- und Wohnungspreise steigen seit einigen Jahren. Die eingeführte Mietpreisbremse hat die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht verbessert. Für viele einkommensschwache oder Mittelschichthaushalte ist es schwer geworden, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Das trifft auch auf bezahlbare Studentenwohnungen zu. Auch hier steigen die Preise kontinuierlich.
Nach Hradil liegt soziale Ungleichheit vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefüge von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten. In Bezug auf die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist nicht nur der Wohnraum an sich ein wertvolles Gut, sondern auch die die finanziellen Mittel, die ein Akteur benötigt, um Wohnraum zu erwerben bzw. zu mieten. Die ungleichmäßige Verteilung dieser Ressourcen führt zur soziale Ungleichheit auf dem Wohnungsmarkt.
Zeitgleich zur Verknappung des bezahlbaren Wohnraums boomt der Städtetourismus. Viele Touristen bevorzugen individuelle Unterkünfte statt Standartunterbringen in Hotels. Aus diesem Grund, werden viele Privatwohnungen in Großstädten wie Berlin als private Ferienunterkünfte angeboten. Es hat sich eine sogenannte „Share Economy“ gebildet, darunter ist das gemeinen Nutzen und Teilen von Gütern, Fähigkeiten, Dienstleitungen und Ressourcen zu verstehen. Bedingt durch den technischen Fortschritt haben sich im Internet Tauschplattformen für verschiedenen Güter, Dienstleistungen und Ressourcen gebildet. AirBnB ist eine dieser Plattformen und handelt mit Wohnraum. Dieser steht dem Wohnungsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Soziale Ungleichheit
2.1 Definition und Entstehung von sozialer Ungleichheit
2.2 Dimensionen sozialer Ungleichheit
3. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt
3.1 bezahlbaren Wohnraum in Deutschland
3.2 Die Wohnungsmarktlage für Studenten in Berlin
4. Share Economy
4.1 Das Phänomen Share Economy
4.2 AirBnB in Berlin
5. Auswirkungen und Herausforderungen auf den studentischen Wohnungsmarkt durch die Shareplattform AirBnB
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von kommerziellen Share-Plattformen, insbesondere AirBnB, auf die soziale Ungleichheit innerhalb des studentischen Wohnungsmarktes in Berlin. Im Zentrum steht dabei die Fragestellung, wie die durch diese Plattformen verstärkte Verknappung von Wohnraum die Lebensbedingungen und den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum für Studierende beeinflusst.
- Soziologische Grundlagen der sozialen Ungleichheit nach Stefan Hradil.
- Analyse der aktuellen Wohnungsmarktlage für Studierende in Deutschland und speziell in Berlin.
- Kritische Beleuchtung des Trends zur Kommerzialisierung innerhalb der „Share Economy“.
- Untersuchung der Auswirkungen von AirBnB auf Mietpreise und Verfügbarkeit von Wohnraum.
- Bewertung der Konsequenzen für die soziale Ungleichheit unter Einbeziehung ökonomischer Ressourcen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Wohnungsmarktlage für Studenten in Berlin
Immer mehr junge Menschen entscheiden sich nach der schulischen Ausbildung für ein Studium. Im Wintersemester 2016/2017 beträgt die Zahl der Studierenden 2,8 Millionen. Bevorzugt werden Groß- und Universitätsstätte, da dort ein großes Kultur- und Freizeitangebot vorhanden ist. Bedingt durch die Zunahme der Zahl der Studenten und der Zuzug von Menschen aus dem Ausland hat sich die Konkurrenzsituation am Wohnungsmarkt in den Universitätsstätten verschärft. Das hat zur Folge, dass die Wohnungspreise stetig steigen und Wohnraum in bestimmten Stadtteilen nicht mehr von allen Bevölkerungsgruppen bezahlt werden kann. Dies trifft vor allem auf Studenten zu, deren Einkommen an die allgemeine Einkommensentwicklung gekoppelt ist. Studenten benötigen kleine, einfache Wohnungen in der Nähe der jeweiligen Universität. Dieser Bedarf stellt eine sozialpolitische Herausforderung dar. Die Wohnungsbaumaßnahmen in Berlin hinken diesem Bedarf hinterher. Zurzeit fehlen 45.000 Wohnungen, um den Bedarf in der Hauptstadt gerecht zu werden. Der fehlende studentische Wohnraum hat eine Preissteigerung bei den Mieten für die bereits vorhandenen Wohnungen zur Folge. Ebenso gibt es eine Ungleichheit zwischen Nachfrage und Angebot. Viele günstige Wohnungen werden ohne offizielle Inserate, im Bekanntenkreis oder über Wartelisten, weitervermietet (vgl. Bauer, 2017, S. 5ff). Daraus lässt sich schließen, dass ein Student in Berlin mehre Ressourcen benötigt, um günstigen Wohnraum in der Stadt zu finden. Abgesehen von der Ressource Geld sind auch Beziehungen und Informationen über den Wohnungsmarkt wichtig, um dem Wohnungssuchenden einen Vorteil auf dem Wohnungsmarkt zu verschaffen.
In Berlin ist die durchschnittliche Nettokaltmiete seit 2010 um mehr als 70 % gestiegen, die Schwelle von 10 € pro m² ist bereits überschritten. Der Preisanstieg ist nicht nur durch die Verknappung am Markt bedingt, sondern auch durch eine Veränderung der Qualität der Wohnungen. In Berlin ist ein Anstieg der Vermietung von möblierten Wohnungen festzustellen. Ebenso zeigt sich, dass mehr Wohnungen inseriert werden, die unter die Kategorie „Wohnraum der gehobenen Ausstattung“ fallen und somit eine höhere Miete rechtfertigen (ebd., S.8 ff). Diese angebotenen Wohnräume erfüllen nicht die Bedürfnisse der Studenten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des knappen und unerschwinglichen Wohnraums in Deutschland ein und verknüpft diese mit dem Aufkommen der Share Economy und soziologischen Ungleichheitsbegriffen.
2.Soziale Ungleichheit: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der sozialen Ungleichheit, insbesondere basierend auf der Definition von Stefan Hradil und den verschiedenen Dimensionen wie materieller Wohlstand, Macht und Bildung.
3. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt: Hier wird der allgemeine Diskurs zum Wohnraummangel in Deutschland dargelegt und die spezifisch angespannte Situation für Studierende in Berlin detailliert analysiert.
4. Share Economy: Dieser Abschnitt definiert den Begriff Share Economy, diskutiert den ursprünglichen sozial motivierten Ansatz gegenüber der heutigen Kommerzialisierung und untersucht die Verbreitung von AirBnB in Berlin.
5. Auswirkungen und Herausforderungen auf den studentischen Wohnungsmarkt durch die Shareplattform AirBnB: Das Kapitel verknüpft die vorangegangenen Theorien und Daten, um den Einfluss von AirBnB auf die soziale Ungleichheit für Berliner Studierende kritisch zu bewerten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die kommerzielle Nutzung von Wohnraum durch Plattformen wie AirBnB die soziale Ungleichheit zulasten von Studierenden verschärft.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Share Economy, AirBnB, studentischer Wohnungsmarkt, Berlin, Wohnraummangel, Mietpreise, Ressourcen, soziale Daseinsvorsorge, Kommerzialisierung, Wohnraum, Lebensbedingungen, soziale Ungerechtigkeit, Wohnungsnot, Verteilungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die kurzfristige Vermietung von Wohnraum über kommerzielle Plattformen wie AirBnB auf die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Wohnraum für Studierende in Berlin auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die soziologische Theorie der sozialen Ungleichheit, die aktuelle Wohnungsmarktsituation in Deutschland und Berlin sowie die Auswirkungen der digitalen „Share Economy“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu beantworten, welchen Einfluss Share-Plattformen auf die soziale Ungleichheit haben, indem sie knappen Wohnraum dem studentischen Markt entziehen und somit die soziale Benachteiligung verstärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und eine Auswertung von Berichten und Datenquellen zur Wohnsituation, um die leitende Fragestellung soziologisch zu fundieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Ungleichheit, die Analyse der Wohnungsmarktlage, eine Erläuterung des Share-Economy-Trends und eine konkrete Überprüfung der Auswirkungen von AirBnB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziale Ungleichheit, Share Economy, studentischer Wohnungsmarkt, Berlin und Ressourcenknappheit.
Wie unterscheidet sich die Situation von Studenten von der allgemeinen Wohnungssuche?
Studenten verfügen meist über ein sehr begrenztes Budget, haben einen speziellen Bedarf an kleinen, zentral gelegenen Wohnungen und profitieren oft nicht von den hohen Mietpreisen, die Touristen über AirBnB bereit sind zu zahlen.
Warum wird AirBnB in der Arbeit kritisch betrachtet?
Die Arbeit kritisiert, dass der ursprüngliche soziale Gedanke des Teilens bei AirBnB durch eine renditeorientierte Kommerzialisierung ersetzt wurde, was zu einem Wettbewerbsungleichgewicht und Preissteigerungen führt.
Was schlussfolgert die Autorin hinsichtlich der Rolle von Geld als Ressource?
Geld wird als zentrales Gut identifiziert; da AirBnB-Vermieter durch Kurzzeitvermietungen höhere Einkünfte erzielen als bei Dauervermietungen, wird das verfügbare Budget für die Mieter zu einem noch exklusiveren Kriterium, was die soziale Kluft vergrößert.
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- Petra Drewitz (Author), 2018, AirBnB als Share Economy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433629