AirBnB als Share Economy

Eine Herausforderung für den studentischen Wohnungsmarkt in Berlin


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2.Soziale Ungleichheit
2.1 Definition und Entstehung von sozialer Ungleichheit
2.2 Dimensionen sozialer Ungleichheit

3. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt
3.1 bezahlbaren Wohnraum in Deutschland
3.2 Die Wohnungsmarktlage für Studenten in Berlin

4. Share Economy
4.1 Das Phänomen Share Economy
4.2 AirBnB in Berlin

5. Auswirkungen und Herausforderungen auf den studentischen Wohnungsmarkt durch die Shareplattform AirBnB

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bezahlbarer Wohnraum ist ein aktueller gesellschaftlicher Diskurs. Das Thema erschwinglicher Wohnraum wird häufig kontrovers in Deutschland diskutiert. In der Presse sind immer wieder Berichte zu lesen wie schwierig es ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden und wie hoch die Bewerberzahl bei Besichtigungsterminen ist. Die Mieten- und Wohnungspreise steigen seit einigen Jahren. Die eingeführte Mietpreisbremse hat die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht verbessert. Für viele einkommensschwache oder mittelschichthaushalte ist es schwer geworden, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Das trifft auch auf erschwingliche Studentenwohnungen zu. Auch hier steigen die Preise kontinuierlich (vgl. W-DREF-Studentenwohnpreisindex 2017).

Zeitgleich zur Verknappung des Wohnraums boomt der Städtetourismus. Viele Touristen bevorzugen individuelle Unterkünfte statt Standartunterbringen in Hotels. Aus diesem Grund werden viele Privatwohnungen in Großstädten, wie Berlin, als private Ferienunterkünfte angeboten. Es hat sich eine sogenannte „Share Economy“ gebildet, darunter ist das gemeinen Nutzen und Teilen von Gütern, Fähigkeiten, Dienstleitungen und Ressourcen zu verstehen (vgl. Kaub, 2013, S. 3f) Bedingt durch den technischen Fortschritt haben sich im Internet Tauschplattformen für verschiedenen Güter, Dienstleistungen und Ressourcen gebildet. AirBnB ist eine dieser Plattformen und handelt mit Wohnraum, der dem Wohnungsmarkt dann nicht mehr zur Verfügung steht. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum. Die Ressource Wohnraum ist somit ungleich im gesellschaftlichen Gefüge verteilt.

Formen sozialer Ungleichheit finden sich in allen Gesellschaften, sie unterscheiden sich allerdings in Art und Ausmaß. In hochentwickelten Gesellschaften ist ein Anwachsen der sozialen Ungleichheit zu verzeichnen. Der Rückgang von Arbeitsplätzen, die nur eine geringe Qualifizierung erfordern, führt zu mehr Armut in der Gesellschaft. Anderseits steigt die Zahl der hochqualifizierten und gut Verdienenden. Soziale Ungleichheit betrifft alle alltäglichen Lebenschancen des Einzelnen und wirkt sich auf deren Lebenswelt aus. Die daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme und politischen Auseinandersetzungen haben bereits im 19. Jahrhundert dazu geführt, dass die Soziologie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin entstanden ist, die soziale Ungleichheit erforscht (vgl. Hradil, 2013, S. 142). Nach Hradil liegt soziale Ungleichheit vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefüge von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten (Hradil, 2005, S. 30). In Bezug auf die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist nicht nur der Wohnraum an sich ein wertvolles Gut, sondern auch die finanziellen Mittel, die ein Akteur benötigt, um Wohnraum zu erwerben bzw. zu mieten. Die ungleichmäßige Verteilung dieser Ressourcen führt zur sozialen Ungleichheit auf dem Wohnungsmarkt.

Vor diesem Hintergrund wird dem Sachverhalt nachgegangen, welchen Einfluss die Verknappung des Wohnraums durch Share Plattformen, wie AIRBNB, auf die soziale Ungleichheit im Wohnungsmarkt hat. Die Fragestellung lautet daher: Welchen Einfluss haben Shareplattformen, wie AirBnB, auf die soziale Ungleichheit auf den studentischen Wohnungsmarkt?

Die Arbeit beginnt mit der Definition des Begriffs von sozialer Ungleichheit. Es wird aufgezeigt, wie soziale Ungleichheit entsteht und welche verschiedenen Facetten vorhanden sind. Daraus wird der Bogen zur Lage auf dem Wohnungsmarkt gezogen. Anschließend wird erst der allgemeine Diskurs über bezahlbaren Wohnraum in Deutschland dargestellt und aufgezeigt welche Ressourcen nötigt sind, um bezahlbaren Wohnraum zu finden. Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit der speziellen Wohnungsmarktlage der Studenten in Berlin unter Bezugnahme auf deren finanziellen Mittel. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Phänomen Share Economy. Zuerst erfolgt eine Vorstellung des Trends Share Economy, wobei die positiven und negativen Auswirkungen beleuchtet werden. Im nächsten Abschnitt wird die Plattform AirBnB vorgestellt und aufgezeigt wie weit diese in Berlin verbreitet ist. Im Anschluss daran werden die Auswirkungen und Herausforderungen auf den studentischen Wohnungsmarkt in Berlin durch die Share Plattform AirBnB aufgezeigt und deren Konsequenzen für die soziale Ungleichheit erläutert. Das Fazit rundet die Arbeit ab.

Zugunsten der leichteren Lesbarkeit wird auf die Nennung von beiderlei Geschlechtsbezeichnungen in dieser Hausarbeit verzichtet und lediglich die maskuline Schreibweise benutzt, die gleichwertig für beide Geschlechter steht.

2.Soziale Ungleichheit

2.1 Definition und Entstehung von sozialer Ungleichheit

Menschen leben nicht isoliert, sondern in zwischenmenschlichen Gefügen wie in Familien, Betrieben, Vereinen oder Staaten zusammen. Hieraus ergeben sich kulturelle, wirtschaftliche und politische Verflechtungen, aus denen sich ihre sozialen Positionen herleiten lassen, die wiederum Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen. Die soziale Position ist an die Lebens- und Arbeitsbedingungen des Menschen geknüpft. Aus ihr lassen sich nicht nur Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Menschen ablesen, sondern auch die Höher- oder Tieferstellung im gesellschaftlichen Geflecht und die damit verbundene Besser-und Schlechterstellung bzw. die daraus resultierenden Bevorzugungen bzw. Benachteiligungen. Mit all diesen Unterschieden befasst sich die Soziologie unter dem Begriff „soziale Ungleichheit“ (vgl. Hradil, 2001, S. 15).

Soziale Ungleichheiten sind wesentliche Bestandteile des menschlichen Zusammenlebens. Sie sind menschliche Daseinsbedingungen, die die Vor- und Nachteile im Leben des Einzelnen beeinflussen. Anhand von sprachlichen Ausdrücken wie „Herr / Knecht“, „Macht /Ohnmacht“, „Reichtum / Armut“ wird deutlich wie wichtig die Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit im Alltag sind. Auch politische Konflikte, wie die Mietpreisebremse, stehen im Zusammenhang mit Erscheinungen von sozialer Ungleichheit und werden öffentlich diskutiert (ebd., S. 16).

Soziale Ungleichheit ist kein Phänomen der Moderne, im Gegenteil, sie ist historisch gewachsen. Bereits in dem vorindustriellen Ständegefüge waren die Lebensbedingungen davon abhängig, in welchen Stand die Person geboren wurde. Anders ausgedrückt, ist die familiäre Herkunft ausschlaggeben für die soziale Position in der Gesellschaft. In der Regel gilt die Standesszugehörigkeit ein Leben lang an. Auf- und Abstiegsmöglichkeiten innerhalb der Stände waren kaum vorhanden. Ungleichheiten haben sich an rechtlich festgelegten Privilegien für den jeweiligen Stand gezeigt (ebd., S. 37). In der frühindustriellen Klassenstruktur zeichnet sich soziale Ungleichheit durch das Eigentum von Produktionsmitteln aus, und den damit verbundenen Reichtum, Macht und Einfluss. Besitzt man keine Produktionsmittel, bedeutet es, der Herrschaft der Mächtigen ausgesetzt zu sein und sich dieser unterzuordnen. Daraus resultiert die zwei Klassengesellschaft (Herrschende und Beherrschte). Die Trennung der Klassen erfolgt über rechtliche Privilegien und ökonomisches Kapitel. Die familiäre Herkunft spielt noch eine Rolle, da Eigentum und die damit verbundene Macht vererbt werden kann (ebd., S. 38). Im industriegesellschaftlichen Schichtungsgefüge zeigt sich soziale Ungleichheit an der beruflichen Stellung. Der Beruf hat Besitztum als gesellschaftliche Schlüsselposition abgelöst. Die berufliche Stellung und der damit verbundene Status ist anhängig von der Qualifikation, Einkommen und Arbeitsbedingungen und Berufsprestige. Diese Dimensionen stehen im Zentrum der Erforschung von sozialen Ungleichheit (ebd., S.40). Die postindustriele Gesellschaft bringt einen Wandel der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Bedingt durch die neuen Berufsbilder haben sich die Lebensbedingungen der Menschen geändert und damit auch die Dimensionen von Ungleichheit. Diese zeigen sich nun nicht mehr nur im ökonomischen Bereich, sondern auch in wohlfahrtstaatlichen Instanzen und soziokulturellen Faktoren. Die Lebenslagen der Menschen unterschieden sich deutlich voneinander in der heutigen Gesellschaft und decken dadurch die unterschiedlichen Dimensionen sozialer Ungleichheit auf (ebd., S. 44).

Der kurze historische Abriss zur Entwicklung sozialen Ungleichheit zeigt auf, dass die Soziologie sich schon lange mit der Thematik befasst. Die Soziologie hat wie jede andere Fachdisziplin eigene Grundbegriffe, die nun näher erklärt werden:

Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn die Ressourcenausstattung und Lebensbedingungen von bestimmten Gruppen bessere Lebens-und Verwirklichungschancen aufweisen als andere. Ungleichheit zeigt nicht nur die horizontalen Unterschiede auf, sondern auch die vertikalen, also die Besser- und Schlechterstellung zwischen den Menschen, wobei offengelassen wird, ob diese gerecht oder ungerecht sind (vgl. Hradil, 2013, S. 144) Stefan Hradil hat dies in der folgenden Definition zusammengefasst:

„Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefüge von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten“ (Hradil, 2005, S. 30)

Mit der Definition gibt Hradil auch die Voraussetzungen für soziale Ungleichheit vor. Der Begriff soziale Ungleichheit bezieht sich auf Güter, die für die Gesellschaft wertvoll sind, da bestimmte Werte bestehen d.h. „Vorstellungen von Wünschenswerten“, Zielvorstellungen wie Sicherheit, Wohlstand und Gesundheit. Diese Zielvorstellungen für ein gutes Leben lassen sich nur umsetzen, wenn diese wertvollen Güter in ausreichenden Mengen vorhanden sind. Je mehr der Einzelne von diesen Gütern besitzt, desto positiver gestellten sich seine Lebensbedingungen. Die Verfügung über diese wertvollen Güter hat eine besser- oder höhergestellt sein für den Menschen zur Folge. Die Güter bestimmen somit die Lebens- und Handlungsbedingungen des Menschen. Im Verlauf der Geschichte und im internationalen Vergleich sind nicht immer die gleichen Güter wertvoll. Der Bildungsgrad ist in der moderneren Gesellschaft ein wertvolles Gut. Im Mittelalter spielte Bildung für die Bevölkerung keine große Rolle (vgl. Hradil, 2005, S. 28).

Die Definition gibt nicht nur an, warum bestimmte Güter wertvoll sind, sondern auch wie diese verteilt sein müssen. Daraus ergibt sich eine weitere Voraussetzung für soziale Ungleichheit: die Verteilung der wertvollen Güter . Die Soziologen sprechen immer dann von Ungleichheit, wenn ein wertvolles Gut nicht „absolut gleich verteilt ist“. Soziale Ungleichheit unterscheidet zwischen absoluter und relativer sozialer Ungleichheit. Absolute soziale Ungleichheit liegt demnach dann vor, wenn ein Mitglied der Gesellschaft mehr von einem wertvollen Gut besitzt als andere Mitglieder. Wohnraum ist in der modernen Gesellschaft ein wertvolles Gut, nicht jedes Gesellschaftsmitglied besitzt eigenen Wohnraum. Die ungleichmäßige Verteilung des Gutes Wohnraum ist eine Erscheinungsform sozialer Ungleichheit. Relative Ungleichheit bezieht sich auf die Verteilungskriterien wie Leistung, Alter und Dienstalter. Von relativer Ungleichheit wird gesprochen, wenn der Verdienst einer Person höher ist, als diese ihrer Leistung nach verdienen sollte. Der alltagssprachliche Gebrauch der Terminologie soziale Ungleichheit assoziiert immer Ungerechtigkeit. Die Wissenschaft sieht hingegen nicht immer ein soziales Problem in sozialer Ungleicheit (ebd., S.28-29).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
AirBnB als Share Economy
Untertitel
Eine Herausforderung für den studentischen Wohnungsmarkt in Berlin
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Soziologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V433629
ISBN (eBook)
9783668755925
ISBN (Buch)
9783668755932
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Ungleichheit, AIRBnB, Share Economy
Arbeit zitieren
Petra Drewitz (Autor), 2018, AirBnB als Share Economy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433629

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