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Erzeugt das Mehrheitswahlrecht Zweiparteiensysteme?

Title: Erzeugt das Mehrheitswahlrecht Zweiparteiensysteme?

Essay , 2004 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sven Diekmann (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Wahlen sind für viele Bürger die einzige genutzte Möglichkeit, ihren politischen Willen auszudrücken. Das Wahlsystem ist das entscheidende, fundamentale institutionelle Element zur Umrechnung von Stimmen in Mandate. Diese Mandate fallen verschiedenen Parteien zu, welche eine entscheidende Rolle im politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß innehaben. Daher liegt es nahe zu untersuchen, ob das Wahlsystem einen Einfluss auf das Parteiensystem hat. In der Wahl- und Parteiensystemforschung gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, welchen Effekt das Wahlsystem auf das Parteiensystem hat.

In dem vorliegenden Essay werde ich mich auf die theoretischen Auswirkungen des Mehrheitswahlrechts auf das Parteiensystem beschränken, da die Untersuchung aller Wahlsysteme den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Folgende These soll anhand der Aussagen von Dieter Nohlen (2004) und Arend Lijphart (1994,1999) diskutiert werden: Das Mehrheitswahlrecht erzeugt Zweiparteiensysteme.

Die Literatur zu diesem Thema ist sehr umfangreich, deshalb werde ich mich hauptsächlich auf die beiden genannten Autoren beziehen. Die Begründer der Wahlsystemforschung wie Duverger und Rae haben normative Aussagen wie die obige These aufgestellt, die noch heute viel zitiert, aber auch kritisiert werden.

Dieter Nohlen gehört zu den Kritikern und vertritt die These, dass „das Wahlsystem in der Tat nur ein Faktor unter anderen ist, die auf die Gestalt eines Parteiensystems einwirken. “ (Nohlen, 1990, S. 294)

Arend Lijphart hingegen bewertet den Einfluss des Wahlsystems etwas stärker und beruft sich immer wieder auf die Forschungsergebnisse Duvergers und Raes: „Electoral Systems are also a crucial determinant, though by no means the sole determinant, of party systems“ (Lijphart 1999, S. 144)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsansätze

3. Mehrheitswahl und Verhältniswahl

4. Parteiensysteme

5. Effekte von Wahlsystemen

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob und inwiefern das Mehrheitswahlrecht tatsächlich Zweiparteiensysteme hervorbringt, indem sie die konträren wissenschaftlichen Positionen von Dieter Nohlen und Arend Lijphart vergleichend analysiert.

  • Vergleich zwischen institutionellen und historisch-empirischen Forschungsansätzen
  • Differenzierung der Auswirkungen von Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen
  • Bedeutung der Disproportionalität für die Parteienanzahl
  • Unterscheidung zwischen Wähler-, Kandidatur- und Mandatsebene im Parteiensystem
  • Analyse der Bedeutung externer Kontextfaktoren für die Entstehung von Parteiensystemen

Auszug aus dem Buch

Effekte von Wahlsystemen

Nach dieser kurzen Übersicht über die verschiedenen Forschungsansätze zur Entstehung von Parteiensystemen und der Differenzierung zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen, sowie der Definition des Parteiensystems muss die Frage geklärt werden, welchen Einfluss das Mehrheitswahlrecht auf die Entstehung von Zweiparteiensystemen hat.

Lijphart und Nohlen gehen auf Duvergers „soziologische Gesetze“ und Raes statistisch-empirische Bestätigung derselben ein. Diese besagen unter anderem, dass das Mehrheitswahlrecht ein Zweiparteiensystem und das Verhältniswahlrecht ein Mehrparteiensystem fördert. Auf Grund von mechanischen Effekten werden alle bis auf die zwei starken Parteien benachteiligt, da sie jeden Wahlkreis verlieren. Hinzu kommt der psychologische Faktor, welcher den mechanischen verstärkt, da die Wähler ihre Stimme nicht durch die Wahl der drittstärksten Partei „vergeuden“ wollen. In folge dessen entscheiden Sie sich für eine der zwei großen Parteien und wählen das geringste Übel. Duverger relativiert diese Gesetze jedoch selbst:

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Dieser Abschnitt führt in die Thematik der Wahlsystemforschung ein und formuliert die zentrale Fragestellung zur Wirkung des Mehrheitswahlrechts auf das Parteiensystem anhand der Autoren Nohlen und Lijphart.

Forschungsansätze: Hier werden die methodischen Herangehensweisen der beiden Wissenschaftler gegenübergestellt, wobei zwischen dem empirisch-statistischen Ansatz von Lijphart und dem historisch-empirischen Ansatz von Nohlen differenziert wird.

Mehrheitswahl und Verhältniswahl: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe definiert und das theoretische Kontinuum zwischen Proporz- und Majorzsystemen sowie deren Repräsentationsprinzipien erläutert.

Parteiensysteme: Dieser Teil widmet sich der Definition des Parteien- und Zweiparteiensystems und beleuchtet die Notwendigkeit, bei Untersuchungen zwischen verschiedenen Ebenen wie der Kandidatur- und Mandatsebene zu unterscheiden.

Effekte von Wahlsystemen: Das Kapitel analysiert die mechanischen und psychologischen Wirkungen des Mehrheitswahlrechts sowie die empirischen Befunde zur Disproportionalität und den Einfluss auf die Parteienanzahl.

Fazit: Die Arbeit schließt mit einer differenzierten Antwort auf die Eingangsfrage und betont die Bedeutung von Kontextfaktoren anstelle einer rein deterministischen Sichtweise.

Schlüsselwörter

Mehrheitswahlrecht, Verhältniswahlrecht, Zweiparteiensystem, Parteiensystem, Disproportionalität, Wahlsystemforschung, Dieter Nohlen, Arend Lijphart, Mechanische Effekte, Psychologische Effekte, Mandatsebene, Wahlformel, Sperrklausel, Regierungsbildung, Kontextfaktoren

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den theoretischen und empirischen Zusammenhang zwischen der Anwendung eines Mehrheitswahlrechts und der Herausbildung von Zweiparteiensystemen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die vergleichende Wahlsystemforschung, die Definition und Messung von Parteiensystemen sowie die Auswirkungen institutioneller Faktoren auf politische Prozesse.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob das Mehrheitswahlrecht tatsächlich und zwingend Zweiparteiensysteme erzeugt oder ob dieser Zusammenhang durch andere Faktoren relativiert wird.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, die die empirisch-statistische Methode von Arend Lijphart dem historisch-empirischen Ansatz von Dieter Nohlen gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Wahlsystemen, der Unterscheidung verschiedener Analyseebenen (Wähler-, Kandidatur-, Mandatsebene) und der Debatte über die Determinanten von Parteiensystemen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Mehrheitswahlrecht, Disproportionalität, Parteiensysteme, mechanische und psychologische Effekte sowie die Autoren Nohlen und Lijphart beschreiben.

Warum wird im Fazit von einem "Jein" gesprochen?

Die Antwort lautet "Jein", weil das Mehrheitswahlrecht zwar Tendenzen zum Zweiparteiensystem verstärken kann, jedoch keine absolute Gesetzmäßigkeit besteht, da soziopolitische Kontextfaktoren ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen.

Welche Rolle spielen die soziostrukturellen Ansätze?

Soziostrukturelle Ansätze, wie die Cleavage-Theorie, betrachten das Wahlsystem eher als abhängige Variable, die von tieferliegenden gesellschaftlichen Konfliktlinien geprägt wird.

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Details

Title
Erzeugt das Mehrheitswahlrecht Zweiparteiensysteme?
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Course
Parteiensystem und Wahlen in der BRD
Grade
1,3
Author
Sven Diekmann (Author)
Publication Year
2004
Pages
13
Catalog Number
V43383
ISBN (eBook)
9783638411981
Language
German
Tags
Erzeugt Mehrheitswahlrecht Zweiparteiensysteme Parteiensystem Wahlen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sven Diekmann (Author), 2004, Erzeugt das Mehrheitswahlrecht Zweiparteiensysteme?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43383
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