Integration von erlebnispädagogischen Ansätzen in die stationäre Heimerziehung


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist stationäre Heimerziehung?

3. Was wird unter Erlebnispädagogik verstanden?
3.1 Ziele der Erlebnispädagogik

4. Warum sind erlebnispädagogische Ansätze in der Heimerziehung wichtig?

5. Integrationsmöglichkeiten

6. Fazit

7. Abbildungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In vielen Bereichen der Sozialpädagogik gewinnt die Erlebnispädagogik immer mehr an Bedeutung. Auch im Rahmen eines Seminars zu „Erlebnispädagogische Arbeit mit Gruppen“ konnte ich einen Einblick in die Erlebnispädagogik gewinnen. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema habe ich erkannt, dass erlebnispädagogische Ansätze äußerst sinnvoll sind und gut in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen integriert werden kann. Auf Grund meiner Arbeit in einem Kinder- und Jugendheim, habe ich besonderes Interesse daran, diese zwei Komponenten miteinander zu verknüpfen. Daher möchte ich einige Integrationsmöglichkeiten von erlebnispädagogischen Ansätzen in die stationäre Heimerziehung darstellen.

Angefangen mit einem Einblick in die stationäre Heimerziehung und die Erlebnispädagogik. Des Weiteren möchte ich verdeutlichen aus welchen Gründen erlebnispädagogische Ansätze in der stationären Heimerziehung wichtig sind. Schließlich werden einige Integrationsmöglichkeiten ausgeführt.

2. Was ist stationäre Heimerziehung?

Heimerziehung ist ein Leistungsangebot der Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist gesetzlich im Achten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VIII) §34 geregelt und gehört zu den Hilfen zur Erziehung.

-34 Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform

„Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) oder in einer sonstigen betreuten Wohnform soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern. Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie

1. eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder

2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder

3. eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vorbereiten.

Jugendliche sollen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt werden (Dejure 2015)“.

In Kinder- und Jugendheimen sind Kinder und Jugendliche untergebracht, die „wegen Ausfall der Primärerzieher (in der Regel die Eltern), aufgrund vorhandener Sozialisationsdefizite oder Verhaltensauffälligkeiten eine Fremdunterbringung benötigen“ (W. Heidemann/ H. Greving 2011: 35) oder Kinder und Jugendliche die zu verwahrlosen drohen. Diese Kinder und Jugendliche leben dort für eine gewisse Zeit. In manchen Fällen auch auf Dauer, wenn die Herkunftsfamilie die erforderlichen Lebensumstände nicht bieten kann oder, wenn laut § 1666 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), andere öffentliche Hilfen nicht ausreichen. Es gibt vielfältige Formen der stationären Heimerziehung. Heimerziehungsformen auf die, die im Kap. 5 beschriebenen Interventionsmöglichkeiten vorrangig abzielen, sind die Binnenwohngruppen, die Außenwohngruppen, die Integrativen Gruppen und die Intensivgruppen. Diese Gruppen werden von Erzieherinnen und Erziehern im Schichtdienst betreut. In der Regel leben bis zu zehn Kinder und Jugendliche in einer Gruppe. Die Gruppen sind teils Geschlechter und Altersklassen getrennt, teils sind es aber auch Geschlechter und Alters gemischte Gruppen. Das Besondere der Integrativen Gruppen ist, dass auch Kinder und Jugendliche, die eine geistige und/oder körperliche Behinderung haben, in dieser Heimerziehungsform leben.

3. Was wird unter Erlebnispädagogik verstanden?

„ Erlebnispädagogik ist in den letzten Jahren zunehmend in das öffentliche Interesse gerückt“ (F. Hartmut Paffrath 2013: 14). Sie kommt immer öfter in der Sozial- und Jugendarbeit, in der Aus- und Weiterbildung und in weiteren Einrichtungen der Bildungslandschaft vor. Kurt Hahn, der als Urvater der Erlebnispädagogik gilt, hat mit seiner Erlebnistherapie die Entwicklung der Erlebnispädagogik geprägt. Eine eindeutige Definition des Begriffs Erlebnispädagogik gibt es jedoch nicht, da Teilbegriffe konkurrierend bzw. synonym genutzt werden. Ein Versuch die Erlebnispädagogik umfassend zu beschreiben ist die Definition von Heckmair und Michl:

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten“ (G. Polz 2009: 13f).

Andere Autoren halten diese Definition zu eingegrenzt und versuchen die Erlebnispädagogik durch Eigenschaften wie Grenzerfahrung, Natur Verbundenheit, Handlungsorientierte Methode, Aktion und Reflexion, Ganzheitlichkeit oder soziale Interaktion zu beschreiben.

Bei allen Versuchen eine Definition zu finden, ist jedoch ein zentraler Begriff bei allen übereinstimmend, das „Erlebnis“. Durch Erlebnisse kann im inneren eines Individuums etwas bewegt werden. Allerdings sprechen wir „erst dann von Erlebnispädagogik, wenn nachhaltig versucht wird, die Erlebnisse durch Reflexion und Transfer pädagogisch nutzbar zu machen“ (W. Michel 2009: 10). Das Bild „die Waage der Erlebnispädagogik“ verdeutlicht das Verhältnis zwischen Ereignis, Erlebnis und Transfer (Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Waage der Erlebnispädagogik (W. Michel 2009: 10)

Ereignisse (linke Waagschale) werden von Erlebnispädagoginnen und -pädagogen angeboten. Diese werden vom Individuum, je nach Stimmung, Einstellung, Lebensalter und Biografie unterschiedlich interpretiert und zu einem Erlebnis verarbeitet (Waagen Fuß). Das Erlebte wird mit Hilfe der Erlebnispädagoginnen und -pädagogen durch Reflexionsmethoden wieder zum Ausdruck gebracht (rechte Waagschale), um es später in den Alltag transferieren zu können. Fragen wie ‘‘Was habe ich gelernt, was nehme ich mit in meinen Alltag?“ sind dabei zentrale Fragen. Dabei ist es wichtig, dass beide Waagschalen (Ereignis und Reflexion) sich im Gleichgewicht befinden. Denn bei einer Überbelastung der linken Waagschale befänden wir uns in der Freizeitpädagogik. Bei einer Überbelastung der rechten Waagschale hingegen im Bereich der Selbsterfahrung.

3.1 Ziele der Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogische Programme sind heutzutage sehr unterschiedlich und unterliegen demnach unterschiedlichen Strukturen und auch Zielen. Zudem können erlebnispädagogische Aktionen nicht komplett geplant werden. Es gibt immer Spontane Ereignisse, nicht vorhersehbare Schwierigkeiten und unterschiedliche Charakteristika der Teilnehmenden. Daher wäre es besser von einer Zielorientierung zusprechen anstatt von Zielen. „Zielorientierungen berücksichtigen die Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums und entsprechen (entgegen Zielsetzungen) […] der Ressourcenorientierung“ (G. Polz 2009:24). Zu den Zielorientierungen der Erlebnispädagogik zählen die Persönlichkeitsbildung, die soziale Interaktion und Kommunikation, die Integration und Emanzipation und das erleben der Natur. Je nachdem welche Aktionen angeboten werden gibt es Teilzielorientierungen z.B. Aufbau von Selbstvertrauen und Teamfähigkeit, Rollenübernahme, kulturelle/gesellschaftliche Mit- und Neugestaltung oder auch Wahrnehmung der Natur als Lebensraum und Lebensgrundlage. Um diese Lernerfahrungen zu erschaffen, braucht es ein gewisses Lernszenarium. In welchem Szenarium die Erlebnispädagogik am besten wirkt, verdeutlicht das Komfortzonenmodell. Demnach gibt es eine Komfortzone, in der wir uns sicher fühlen, mit der wir vertraut sind und in der Bekanntes stattfindet. Diese müssen wir jedoch verlassen um neues zu Lernen. Wir müssen in die Lernzone. In der Lernzone geht es um die Auseinandersetzung mit dem Fremden, noch Unbekannten und Unsicheren. Bei einer Überforderung, wenn wir Angst bekommen oder wenn die Anforderungen, die an uns gestellt werden, zu hoch sind, gelangen wir in die Panikzone. „Lernen wird unmöglich. Deshalb arbeitet die Erlebnispädagogik mit […] Lernszenarien, die zwischen Komfort- und Panikzone liegen“ (F. Hartmut Paffrath 2013: 59).

4. Warum sind erlebnispädagogische Ansätze in der Heimerziehung wichtig?

Heimkinder weisen meist, aus den unterschiedlichsten Gründen, Verhaltensstörungen auf. Kinder und Jugendliche „mit sogenannten Verhaltensstörungen, sind Kinder, die Probleme machen, weil sie selber Probleme haben“ (W. Heidemann/ H. Greving 2011: 65). Diese Verhaltensstörungen prägen sich in vielfältiger Weise aus. Gewöhnlich tritt eine bestimmte Störung bzw. ein bestimmtes Symptom nicht alleine auf. Es sind Komplexe Symptome, die sich in unterschiedlicher Weise und Stärke äußern. Nicht selten haben die Kinder und Jugendlichen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Dadurch verpassen sie wichtigen Unterrichtsstoff und scheitern in der Schule. So entsteht bei den Kindern und Jugendlichen der Eindruck, dass sie nicht gut genug bzw. nicht intelligent genug seien, um einen guten Abschluss zu machen und sich einem Berufsziel zu widmen. Das Selbstwertgefühl sinkt und ihr Selbstvertrauen lässt nach. Außerdem tragen Heimkinder schwere Ängste mit sich. Angst davor (wieder) verlassen zu werden, vor der Schule, vor der Dunkelheit und noch vieles mehr. So werden diese Kinder und Jugendliche ständig mit schulischen und außerschulischen Misserfolgserlebnisse konfrontiert. Es zeigt sich mangelndes Selbstvertrauen, welches sich auf den Alltag auswirkt. Des Weiteren sind sie häufig egozentrisch und nicht fähig sich einer Gruppe anzupassen. Sie zeigen sich Aggressiv und grenzen sich von anderen ab, wodurch sich Bezugspersonen wiederum von ihnen abwenden. Dabei wird dem Kind oder dem Jugendlichem/ der Jugendlichen sein/ihr negatives Selbstbild bestätigt. Dieser Kreislauf wiederholt sich immer wieder und es ist nicht leicht diesen Kreis zu durchbrechen. Und dementsprechend entstehen Kontakt- und Beziehungsstörungen. Zudem kennen sie oftmals wenige soziale Normen und Werte. Auch Regeln haben sie selten gelernt, wodurch sie sich anderen gegenüber manchmal ungewollt unangebracht verhalten. Und dies sind nur wenige Störungen bzw.

[...]


Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Integration von erlebnispädagogischen Ansätzen in die stationäre Heimerziehung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Gruppenpädagogik
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V434389
ISBN (eBook)
9783668758469
ISBN (Buch)
9783668758476
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gruppenpädagogik, Erlebnispädagogik, Stationäre Jugendhilfe, Heimerziehung, Kinderheim
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Integration von erlebnispädagogischen Ansätzen in die stationäre Heimerziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434389

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