Bruder Klaus und die Frömmigkeit im späten Mittelalter. Leben und Einfluss des seligen Nikolaus von Flüe


Hausarbeit, 2017

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Quellenkundliche Einordnung der Edition

3 Aussagekraft der Quellenedition in Bezug auf die Frömmigkeitsgeschichte
3. 1 Heiligkeit im Mittealter und Askese
3. 2 Pilgerfahrten
3. 3 Schenken und Stiften
3. 4 Fazit Aussagekraft zur Frömmigkeitsgeschichte

4 Einordnung der Edition in den Forschungskontext
4. 1 Vergleichbare Quellen in anderen Landschaften
4. 2 Nutzung der Quellenedition in der Forschung

5 Interpretation eines Quellenauszuges

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

9 Anhang

1 Einleitung

2017 - ein ganz besonderes Jahr. Wir feiern nämlich nicht nur 500 Jahre Reformation, sondern man gedenkt und erinnert vor allem in der Schweiz einem großen Heiligen aus dem 15. Jahrhundert: Niklaus von Flüe.

Geboren ist der „lebendige Heilige“ 1417 als Sohn eines wohlhabenden Bergbauers in Flüe. 1444 heiratete er Dorothea Wyss und hatte zehn Kinder mit ihr. Als Soldat und späterer Hauptmann nahm er an mehreren Kriegen teil.1 Seine Hände waren von schwerer Arbeit gezeichnet2 und sein Leben war früh von mystischen Visionen geprägt. Mit der Einwilligung seiner Frau begab er sich mit 50 Jahren zu Gott in die Einsamkeit.3 Ab diesem Zeitpunkt spricht man von Bruder Klaus. Seinen Frieden fand er nach einer kurzen, schmerzhaften Krankheit am 21. März 1487.4

Grundlage für seine Weltberühmtheit und sein späteres politisches Ansehen lag in dem Wunderfasten.5 Schon kurz nach seinem Tod wurde er zum politischen Programm, Symbol altväterischer Biederkeit und Einfachheit, anti-imperialistischer Gesinnung und bundesbrüderlicher Treue. Heute ist Bruder Klaus der Nationalheilige des Schweizerlandes.6 Er war beteiligt am Zustandekommen eines modernen Staatswesens in der Schweiz. Sie war damit lange Zeit ein Hort des Friedens und ist es auch heute noch.7 Auch aufgrund seiner Bemühungen gilt er als Vorbild für das europäische Zusammenwachsen und wird von seinen Eidgenossen als Landesvater verehrt.8 Die Erinnerung an ihn ist bis heute lebendig und wird über den ganzen Erdball hinweg in einer großen Vielfalt und Breite gepflegt. 9 Außerdem kann er neben anderen wirkungsmächtigen Leitfiguren wie Franziskus, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Mutter Teresa uvm., als Prophet und Mittler des Friedens verstanden werden.10

Dieses Gedenkjahr wurde ebenso von der Wissenschaft genutzt und als Ausgangspunkt gesehen, um sich mit spezifischen Themen zu Bruder Klaus auseinanderzusetzen. Dank der großen Quellenausgabe von Dr. Robert Durrer, die meine Grundlage für diese Hausarbeit bildet, und der von Rupert Amschwand, sind wir über das Leben des Niklaus von Flüe, sowie seinem öffentlichen Wirken und seiner inneren Entwicklung besser informiert als über andere Persönlichkeiten im 15. Jahrhundert.11

Die vorliegende Hausarbeit bezieht sich, wie bereits oben erwähnt, auf die Quellenedition von Dr. Robert Durrer. Es wird insgesamt ein Versuch unternommen, sich der Edition auf rein formaler aber auch inhaltlicher Seite zu nähern. Besondere Berücksichtigung findet das Thema der Frömmigkeit im späten Mittelalter. Zu Beginn soll es um die quellenkundliche Einordnung der Edition gehen. Dabei werden außerdem die Besonderheiten der beiden Bände aufgezeigt. Nach dieser einführenden Aufgabe geht es um die Aussagekraft der Quellenedition in Bezug auf die Frömmigkeitsgeschichte. In diesem Abschnitt werden die Themen der Frömmigkeit dargestellt, welche sich mit Hilfe der Edition beantworten lassen. Dabei sollen besonders 3 Schwerpunkte im Mittelpunkt stehen. Diese sind zum einem besonders wichtig für die Frömmigkeit im Mittelalter und zum anderen nehmen sie auch eine besondere Stellung in der Edition ein. Hierbei hätte man jedoch noch weitaus mehr als nur die Heiligkeit im Mittelalter und die Askese, die Pilgerfahrten und das Schenken/Stiften mit einbeziehen können. Im Anschluss daran wird die Edition in den Forschungskontext eingeordnet. Hierbei wird versucht, Niklaus von Flüe mit der Johanna von Orléans aus Frankreich in Verbindung zu setzen und deren Quellenlage zu prüfen. Außerdem wird aufgezeigt, wie die Forschung bereits die Quellenedition von Durrer genutzt hat. Der abschließende Abschnitt beinhaltet das Interpretieren eines Quellenauszuges in Bezug auf die Frömmigkeit im Mittelalter. Dazu wird eine Quelle behandelt, in der der Bischof Hermann von Konstanz den Weihbischof Thomas beauftragt, die Enthaltsamkeit des Bruders Klaus zu prüfen.

2 Quellenkundliche Einordnung der Edition

Die beiden Bände, die von Robert Durrer herausgegeben wurden, tragen den Titel „Bruder Klaus. Die ältesten Quellen über den seligen Nikolaus von Flüe sein Leben und seinen Einfluss.“ Durrer sammelte hierbei die Geschichtsquellen zu Bruder Klaus und veröffentlichte sie im Auftrag des Kantons Unterwalden. Die einzelnen Quellen zu dem Eremiten werden durch einen umschließenden Kommentar, den Übersetzungen und Verweisungen zu einem Ganzen verbunden.“ 12 Robert Durrer gibt uns damit nicht nur die Quellen an die Hand, sondern es finden einleitende Bemerkungen statt und wir erhalten Hintergrundinformationen zu jeder einzelnen Quelle. In den beiden Bänden greift sich jede Quelle ein gewisses Moment aus dem Leben von Bruder Klaus heraus und berichtet darüber. Hierbei kann man festhalten, dass eine chronologische Wiedergabe der Ereignisse stattfindet. Trotz allem ist das Werk keine Biographie.13 Die allererste Quelle bezieht sich auf die Geburt des Nikolaus von Flüe 1417, sowie auf seine Taufe in Kerns und die Herkunft. Weitere Themen innerhalb der kritischen Quellenausgabe drehen sich alle um das Leben und Wirken von Nikolaus von Flüe. Man erfährt etwas über sein politisches Handeln, über seine Familie und über seinen Tod. Themen der Frömmigkeit im Mittelalter kommen im Werk eine besondere Bedeutung zu. Die letzte Quelle zu Bruder Klaus stammt aus dem Jahr 1671. In ihr wird die Erlaubnis erteilt, dass von nun an Bruder Klaus kirchlich verehrt werden kann. Auffällig ist hiermit, dass die beiden Bände nicht nur Quellen bis zum Tod des Bruders Klaus enthalten, sondern auch weit über seinen Tod hinausreichen. Damit wird also klar, dass sich in der Edition Legende und Geschichte berühren. Schließlich liegt die Bedeutung einer Persönlichkeit nicht nur darin wie sie wirklich war, sondern auch, welches Bild auf die Nachwelt wirkt. Das Leben eines Heiligen schließt nicht mit dem Tod ab, es erreicht zu diesem Zeitpunkt seinen eigenen Ausgangspunkt der Bedeutung.14 In beiden Bänden lassen sich zwei Tendenzrichtungen in der Darstellung des Bruder Klaus erkennen. Auf der einen Seite überliefert man den politischen und pazifistischen Bruder Klaus. Er ist ein weltkluger Mann und vaterländischer Prophet und Vermittler. Auf der anderen Seite stellt sich der Glaubensheld dar. Er ist der Welt abgewandt und ein bloß auf das Jenseitige gerichteter heiliger Faster. 15

Das besondere an den beiden Bänden zu Bruder Klaus sind die zum Teil selbstgezeichneten Abbildungen und die Auswahl der Tafeln. Durch diese bildlichen Darstellungen erhält man einen noch genaueren Einblick in das Leben und Wirken des Bruder Klaus. Robert Durrer konnte außerdem seine Forscherarbeit für die Statistik der Kunstdenkmäler Unterwaldens mit einbeziehen. 16

Der Ergänzungsband zum Quellenwerk von Robert Durrer erschien sechs Jahre später von Rupert Amschwand. Durch die neuen Funde dehnt sich das Bild von Nikolaus von Flüe um ein wichtiges Stück. Besonders die gewonnenen Funde zur Passionsfrömmigkeit des Nationalheiligen bieten eine wertvolle Bereicherung. Dieser Ergänzungsband erweitert die ersten beide Bände und stellt zum Teil ganz neue und ergänzende Quellen dar.17 Das zugrundeliegende Quellenwerk lässt sich hiermit aufgrund der oben aufgeführten Merkmale als eine historisch-kritische Quellenausgabe verstehen. Da die Quellenausgabe nun formal dargestellt wurde, geht es im Folgenden um den wesentlichen Inhalt in Bezug auf die Frömmigkeitsgeschichte.

3 Aussagekraft der Quellenedition in Bezug auf die Frömmigkeitsgeschichte

Die Bevölkerung des späten Mittelalters hatte viele Möglichkeiten, ihre Frömmigkeit zum Ausdruck zu bringen. So konnte man zu Lebzeiten auf Pilgerfahrt gehen, einer religiösen Gemeinschaft beitreten oder lokalen Einrichtungen Dinge spenden oder stiften.18 Die Quellensammlung von Robert Durrer kann in diesem Hinblick auch Auskunft über die Frömmigkeitsgeschichte im Mittelalter geben. Besondere Themen, die in der Edition aufgegriffen werden, sind die Funktion der Heiligen, die Askese sowie die Pilgerfahrten und das Schenken und Stiften. Im Folgenden wird kurz auf die einzelnen Elemente der Frömmigkeit eingegangen und dabei der Bezug zu Bruder Klaus beibehalten. Es ist jedoch schwierig, die oben genannten Bereiche voneinander abzutrennen, da sie miteinander unweigerlich verbunden sind.

3.1 Heiligkeit im Mittelalter und Askese

Heilige spielen im Mittelalter eine äußerst wichtige Rolle und geben den Menschen u.a. den Anlass zur Verehrung. Heilig bezieht sich nicht auf den Durchschnittschristen, sondern auf jemand Herausragenden, Besseren. In dieser Weise herausragend galten anfangs nur die Märtyrer, die Jesus bis in den Tod nach den Christenverfolgungen folgten, aber auch die Asketen, die sich „abtöteten“. Das Abtöten kann in unterschiedlicher Weise erfolgen. So z.B. der Nahrungs- und Schlafentzug, die Kasteiung, Vernachlässigung der Körperhygiene oder die Erstickung des Geschlechtsempfindens. Auf Grund dieses Handelns waren die Asketen ein Freund Gottes, welche die Himmelskraft vergegenwärtigten und deshalb verehrt und angefleht wurden. Die Heiligen galten als himmlische Mittler.19 Auch der Züricher Reformator Huldrych Zwingli stellte schon zu Lebzeiten Bruder Klaus als einen guten Christ heraus und damit als einen wahren Heiligen. 20 Als Erwachsener fastete und betete Nikolaus von Flüe bereits viel. Außerdem beschäftigte er sich mit den Übungen der Abtötung und der Weltflucht. Mit 50 Jahren rief ihn Gott in die Einsamkeit und damit verließ er seine Frau und seine Kinder. Sein zukünftiges Leben verbrachte er entfernt von seinem Hof als Einsiedler. Seit seinem ersten Tag als Eremit verweigerte er die Nahrungsaufnahme komplett. Dies überprüfte der Bischof, indem er Wein und drei Brotstücke Bruder Klaus anbot, er jedoch nur ein kleines Stück Brot verzehrte und dabei große Schmerzen verspürte. Daraufhin wurde seine Nahrungslosigkeit bestätigt. 21 Dieses Fasten bedeutet im Gegenzug zur partiellen Nahrungsaskese die komplette Enthaltung von Speise und Trank. Somit nähert man sich etymologisch einem Zustand der Leere und der Nüchternheit an. Das Motiv, welches dahintersteckt, ist, dass man durch Speise und Trank sich besonders leicht Dämonen und anderen schlechten Kräften ausliefert. Das Fasten hingegen soll schützende Geister herbeirufen.22 Bruder Klaus wurde mager, trug nur eine Kutte, keine Kopfbedeckung und keine Schuhe. Er schlief auf seiner Bank und hatte kein Bett und keinen Tisch. Im Winter bedeckte er sich mit alten Decken. Klaus ging oft zu einer Höhle, dort wollte er im Gebet allein sein. Jeden Sonntag besuchte er die Pfarrkirche in Sachseln. Bald kamen nun Menschen von nah und fern in den Ranft, um den „lebendigen Heiligen“ zu sehen. Sie suchten Rat und Trost bei ihm und Klaus war freundlich und redselig.23 Er berichtete von seinen symbolischen Visionen und Erscheinungen.24

3.2 Pilgerfahrten

Bereits zu Lebzeiten des Heiligen begaben sich viele Menschen in den Ranft, um den Mann zu sehen, der hier lebte. Das „unerhörte Fasten“ verbreitete den Namen des Einsiedlers am schnellsten und weitesten. Besucher geistlichen und weltlichen Standes wurden von ihm angezogen.25 Er versuchte sich stets von den neugierigen Fragestellern fernzuhalten, wollte sich jedoch mit den Besuchern beschäftigen, welche Hilfe, Rat und Seelenbeistand suchten. So wurde der Eremit durch übereinstimmende Zeugenaussagen bekannt.26 Der erste fremde Besucher in der Ranftzelle war der elsässische Prediger Johannes Geiler von Kaisersberg. Er besuchte Bruder Klaus entweder 1471 oder 1472 und bei ihm hinterließ der Eremit einen besonderen Eindruck aufgrund seines Fastens.27 Den interessantesten Bericht über Bruder Klaus verdanken wir jedoch Hans von Waldheim, dem Bornmeister der Stadt Halle. Er interessierte sich besonders für den „lebendigen Heiligen“. Seine Reise nach Frankreich wollte er auf dem Heimweg mit der Wallfahrt zum Eremiten verbinden. Bruder Klaus begrüßte jedoch nicht jeden. Daraufhin wurde Hans von Waldheim gebeten, dass er den Beichtvater von Bruder Klaus mit in den Ranft nehmen möge. Gegenüber dem Beichtvater äußerte Waldheim seine Neugier den Mann kennenzulernen, der seitdem er seine Frau und seine Kinder verließ, nichts mehr gegessen und getrunken hatte. Schließlich empfing Bruder Klaus den Besucher am 26. Mai 1474 freundlich. Die Fragen des Mannes zu seinem Fasten beantwortete Klaus mit den Worten: „Gott weiß“.28 Auch der Reiseschriftsteller Felix Fabri sah den Eremiten im Jahr 1475. In seinem Reisewerk „Evagatorium in terrae sanctae, Arabiae et Aegypti peregrinationem“ verlor er einige Worte über seinen Besuch bei Bruder Klaus und betonte dessen Fasten.29 Auch der Dekan Albrecht von Bonstetten besuchte den Einsiedler am 31. Dezember 1478.

Doch besonders nach seinem Tod am 21. März 1487 begannen die Wallfahrten in den Ranft.30 Die Motivationen für jene Pilgerfahrten waren zu dieser Zeit im Mittelalter sehr vielfältig. „Sie reichten von der imitatio Christi, über den Wunsch nach Heilung von Krankheit, die Erwartung, Wunder zu sehen bis hin zur Erfüllung eines Wallfahrtsgelübdes aus Zeiten der Not.“31 Zu Beginn wallfahrtet man zu den Gräbern, um den Heiligen direkt vor Ort zu verehren. Schließlich war die Verehrung und Anrufung des Heiligen dort am wirksamsten, wo sich seine Gebeine befanden. Doch bereits in frühchristlicher Zeit wurde es üblich, die Gebeine in die Kirche zu bringen.32 Die allererste Wallfahrt nach dem Tod von Bruder Klaus, laut den Quellen von Durrer, fand am 20. Oktober 1493 statt. Graf Philipp von Hochberg, Herr zu Neuenburg, ordnete die Wallfahrt an.33 1540 fand nun eine jährliche Landesprozession der Niwaldner zum Grabe des Bruders Klaus statt. Hierbei wurde vor allem auf seine Wundertaten, sein politisches Engagement und die Askese verwiesen.34 Im Jahr 1558 kam es zu einer Landeswallfahrt von Obwalden zu Bruder Klaus. Das zum Nationalheiligtum gewordene Grab des Seligen verdrängte andere Wallfahrtsstätten fast komplett. Mit der Zeit entschied sich jede Gemeinde des Landes dafür, jährlich zwei Prozessionen durchzuführen. Seit dem 16. Jahrhundert wurden aufgrund außergewöhnlicher Anlässe auch schon gemeinsam Prozessionen bei außergewöhnlichen Anlässen gehalten. Veranlassungen waren u.a. schlechte Witterung, Krankheiten und Viehseuchen oder auch innenpolitische Themen und Verfassungsfragen.35 Auch Einzelpersonen von hoher Stellung pilgerten immer wieder zum Grabe des Nationalheiligen, so auch u.a. Karl Borromeos am 22. August 1570. Von Zeitgenossen wurde die Wallfahrt des Kardinals und Erzbischofs von Mailand als Anerkennung der Verehrung des Einsiedlers aufgefasst. Über diesen Besuch besitzen wir jedoch keine Originalberichte.36

Auch 600 Jahre später finden Menschen im Ranft Rat, Ruhe, Hoffnung und Mut. Pilgerinnen und Pilger bringen jedoch oft auch viel Leid und Schmerz mit.37 Viele Besucherinnen und Besucher kommen aus allen Teilen der Schweiz und aus Deutschland. Die Gründe für die Reise hierher sind unterschiedlich. Man wallfahrtet gern zum „Nationalheiligen“ oder man schätzt Bruder Klaus als Friedensheiligen. Es gibt keinen Tag in der Woche, an dem keine Besucher kommen. Besonders am Wochenende erscheinen viele Familien. Der Ranft, ein Ort am „Ende der Welt“, lädt dazu ein, neu anzufangen. Ständig ist das Tal von Naturgewalten bedroht, Bruder Klaus bildet jedoch einen stabilen Fels, der mit Zuflucht und Halt verbunden ist.38

3.3 Schenken und Stiften

Stiftungen und Schenkungen hatten im Mittelalter eine sehr große Bedeutung. Sie dienten dem Zweck „soziale Netzwerke“ zwischen den Lebenden und Toten aufzubauen bzw. fortzuführen und die Verstorbenen durch Memoiren zu erinnern. Die gehaltenen Messen und Gebete dienten jedoch nicht nur der Vergegenwärtigung der Wohltäter, sondern vor allem der Bußableistung. Die Seelen der Verwandten sollten möglichst schnell aus dem Fegefeuer entlassen werden.“39 Die Gläubigen suchten ihr eigenes Seelenheil mithilfe der Spenden und Stiftungen an Klöster und Kirchen zu befördern.40 Doch besonders war auch die Pfarrkirche ein Ort der alltäglichen Frömmigkeit. Die Pfarrkinder gaben Geld für die bäuerlichen Ausschmückungen des Gebäudes, aber auch für die Errichtung von Altären. Neben dem Dienst für das eigene Seelenheil bot sich hiermit die Möglichkeit, den eigenen Namen oder den der Familie in der Pfarrkirche zu verewigen. So wurde ein kunstvolles Altarbildbild in Auftrag gegeben oder man stiftete für das regelmäßige Lesen einer Messe.41 Aufgrund des politischen Einsatzes Nikolaus von Flüe wurden zu Lebzeiten des Eremiten Schenkungen an ihn überreicht. Im Folgenden etwas zu besonderen Stiftungen und Schenkungen. 1473 schenkte der Erzherzog Sigmund einen vergoldeten Messkelch in die Ranftkapelle.42 Außerdem sendete er 7 Jahre später Bruder Klaus hundert Gulden an eine ewige Messe.43 Als ein Geschenk erhielten Bruder Klaus und sein Gefährte Bruder Ulrich vom Rat von Freiburg am 4. Mai 1482 ein Stück weißes und graues Tuch. Dieses Tuch war Erzeugnis der berühmten Freiburger Tuchfabrikation gewesen und damit etwas sehr Besonderes.44

[...]


1 Brems, Franz Josef: Maria Einsiedeln. Sachseln - Flüeli - Ranft, Bamberg: St.-Otto- Verlag, 1995, 44. (Brems: Maria Einsiedeln)

2 Nigg, Walter: Große Heilige. Franz von Assisi; Jeanne d’Arc; Niklaus von Flüe; Katharina von Genua; Theresia von Avila; Johannes vom Kreuz; Franz von Sales; Joseph von Copertino; Gerhard Tersteegen; Vianney, der Pfarrer von Ars; Therese von Lisieux, Zürich 1986, 145. (Nigg: Große Heilige)

3 Brems: Maria Einsiedeln, 45.

4 Ebd., 48.

5 Durrer, Robert (Hg.): Bruder Klaus. Die ältesten Quellen über den seligen Nikolaus von Flüe, sein Leben und seinen Einfluss, 2 Bände, Sarnen 1981 (Nachdruck der Ausgabe 1917 -1921), Band 1, 20. (Durrer: Bruder Klaus)

6 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 7.

7 Pernoud, Régine: Die Heiligen im Mittelalter. Frauen und Männer, die ein Jahrtausend prägten, Bergisch Gladbach 1988, 293 f. (Pernoud: Die Heiligen)

8 Brems: Maria Einsiedeln, 44.

9 Gröbli, Roland u.a. (Hgg.): Mystiker, Mittler, Mensch. 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Zürich 2017. (Gröbli: Mystiker)

10 Hartmann, Stefan: Persönliche Skizzen über einen provokativ Unzeitgemässen. In: u.a. Gröbli, Roland (Hgg.): Mystiker, Mittler, Mensch. 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417- 1487, Zürich 2017, 85. (Hartmann, Persönliche Skizzen)

11 Gröbli: Mystiker, 19.

12 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 6.

13 Ebd., 8.

14 Ebd., 8.

15 Ebd., 9.

16 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 6.

17 Amschwand, Rupert (Hg.): Bruder Klaus. Ergänzungsband zum Quellenwerk von Robert Durrer, Sarnen 1987, VII- IX. (Amschwand: Bruder Klaus)

18 Speer, Christian: Frömmigkeit und Politik. Städtische Eliten in Görlitz zwischen 1300 und 1550, Berlin 2011, 211. (Speer: Frömmigkeit und Politik)

19 Angenendt, Arnold: Grundformen der Frömmigkeit im Mittelalter. München 2004, 30. (Angenendt: Grundformen)

20 Gloor, Fritz: Bruder Klaus und die Reformierten. Der Landesheilige zwischen den Konfessionen, Zürich 2017, 14. (Gloor: Bruder Klaus)

21 Brems: Maria Einsiedeln, 45-47.

22 Lutterbach, Hubertus, Die Fastenbusse im Mittelalter. In: Schreiner, Klaus (Hg.), Frömmigkeit im

Mittelalter. Politisch-soziale Kontexte, visuelle Praxis, körperliche Ausdrucksformen, München 2002, 400. (Lutterbach: Fastenbusse)

23 Brems: Maria Einsiedeln, 45 ff.

24 Dinzelbacher, Peter: N. (Niklaus) v. Flüe(li). Lexikon des Mittelalters, Band 6, München 1993, 1179. (Dinzelbacher: Niklaus)

25 Schneider, Reinhold: Vom Tun der Wahrheit. München 1948, 9. (Schneider: Wahrheit)

26 Pernoud: Die Heiligen, 296.

27 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 47 f.

28 Ebd., 58-64.

29 Ebd., 71 f.

„Novimus enim eremitam Nicolaum, commorantem in solitudine montuosa super Luceriae lacum, jam ad xx anno vixisse sine omni cibo et potu. Quod tamen auditu est mirable. Hunc ego vidi anno 1475.“

30 Brems: Maria Einsiedeln, 47 f.

31 Speer: Frömmigkeit und Politik, 298.

32 Miedema, Nine: Reliquienverehrung und Wallfahrt. Rom als Beispiel und Vorbild. In: Jackson, Timothy R./ Palmer, Nigel F./ Suerbaum, Almut (Hgg.), Die Vermittlung geistlicher Inhalte im deutschen Mittelalter. Internationales Symposium, Roscrea 1994, Tübingen 1996, S. 218 f. (Miedema: Reliquienverehrung)

33 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 499.

„Und dann geht ebenfalls nach Bruderklausen und lasset dort auch drei Messen lesen und ein ezu Ehren von Sankt Johann.“

34 Ebd., Band 2, 698.

„Der Wohn und Ruef seiner Heiligkeit rüehre nicht von seiner Freündschafft oder andern, so ein Interesse darvon zue gewarthen, sonder von seinen Wunderthaten, bevorab weilln er der Eidtgnoßschafft so vihl heilsambe Räth erthailt, allß das man Freyburg und Solothurn zum Bundt einnemmen solle, und das er so lange Jahr ohne menschliche Speiße gelebt.“

35 Ebd., Band 2, 730 f.

36 Ebd., Band 2, 760.

37 Boutellier, Iva: Sigristendienst im Ranft: Viele Wege führen zu Bruder Klaus. In: u.a. Gröbli, Roland (Hgg.): Mystiker, Mittler, Mensch. 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-1487, Zürich 2017, 106 f. (Boutellier: Sigristendienst)

38 Boutellie: Sigristendienst, 107.

39 Speer: Frömmigkeit und Politik, 209.

40 Müller, Harald: Mittelalter. Studienbuch Geschichte, Berlin 2008, 120. (Müller: Mittelalter)

41 Ebd., 122.

42 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 50.

43 Ebd., 98.

44 Durrer: Bruder Klaus, Band 1, 192 f.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Bruder Klaus und die Frömmigkeit im späten Mittelalter. Leben und Einfluss des seligen Nikolaus von Flüe
Hochschule
Universität Leipzig  (Sächsische Landesgeschichte)
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V434398
ISBN (eBook)
9783668782860
ISBN (Buch)
9783668782877
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bruder, klaus, frömmigkeit, mittelalter, leben, einfluss, nikolaus, flüe
Arbeit zitieren
Stephanie Mütterlein (Autor), 2017, Bruder Klaus und die Frömmigkeit im späten Mittelalter. Leben und Einfluss des seligen Nikolaus von Flüe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434398

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