„Was mich betrifft, kenne ich keinen Vorgang, der stärker befreit, der tiefer das Gefühl von Befreiung und Freiheit schafft, als das Wegfallen oder Wegdenken eines Vorurteils.“
Dieses Zitat von Peter Handke, einem österreichischen Schriftsteller, bezieht sich auf das Denken und die Meinungen vieler Politiker, Experten und Menschen in der Bevölkerung in Bezug auf illegale Substanzen. Viele haben Vorurteile, sie gehen davon aus, dass durch den Konsum zwangsläufig Abhängigkeiten entstehen. Damit wird oftmals etwas Negatives, wie Beschaffungskriminalität, Verwahrlosung und Verelendung oder, dass der Konsument nicht mehr gesellschaftsfähig sei, impliziert. Jedoch ist Drogengebrauch kein Phänomen der Gegenwart. Die Menschheit nimmt seit jeher Drogen zu sich. Die Forschung zeigt, dass viele frühere Kulturen Coffein, Tabak, Alkohol, Opiate oder Kokain konsumiert haben. Es wird in der biologisch-anthropologischen Forschung sogar davon ausgegangen, dass jeder Mensch ein Bedürfnis nach Rausch, Stimulierung und Ekstase hat. Dies spielt vor allem im Jugendalter eine Rolle, da hier der Wunsch nach Erlebnissen und Erweiterungen des eigenen Horizonts im Vordergrund stehen.
Diese Arbeit soll aufzeigen, dass es angeraten ist, die Vorurteile gegenüber verbotenen Substanzen zu hinterfragen. Speziell wird dabei die Frage aufgegriffen, ob Drogen eine Funktion für Jugendliche besitzen und ob die aktuell verbotsorientierte Drogenpolitik sinnvoll oder schädlich für die Jugend oder die Gesellschaft ist. Des Weiteren werden Alternativen aufgezeigt, wie mit Drogen umgegangen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Drogen
2.2 Sucht- und Abhängigkeit
2.3 Prävention und Akzeptanz
2.4 Jugend
3. Drogengebrauch im Jugendalter
3.1 Jugendalter und Abweichung
3.2 Funktion und Motive jugendlichen Drogengebrauchs
3.3 Erklärungsansätze für Drogenkonsum bei Jugendlichen
3.3.1 Lerntheoretischer Ansatz
3.3.2 Neurobiologischer Ansatz
3.3.3 Gesellschaftlicher Ansatz
3.4 Drogengebrauch und Drogenmissbrauch
3.5 Drogenabhängigkeit als Problemfeld
4. Suchtprävention
4.1 Leitideen und Schwerpunkte
4.2 Geschichte und Resultate der Suchtprävention
4.3 Probleme suchtpräventiven Handelns
4.4 Das Betäubungsmittelgesetz und seine Konsequenzen
4.5 Akzeptierende Drogenarbeit
5. Exkurs
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Drogen in der Jugendsozialisation und hinterfragt kritisch die Sinnhaftigkeit der aktuell verbotsorientierten Drogenpolitik. Im Fokus steht dabei die Analyse, ob Drogenkonsum bei Jugendlichen spezifische Funktionen erfüllt und welche Alternativen zu einem rein repressiven Ansatz existieren.
- Soziologische Erklärungsmodelle für jugendlichen Drogenkonsum
- Die funktionale Bedeutung von Drogen als Bewältigungsstrategie im Jugendalter
- Kritik an der aktuellen Prohibitionspolitik und deren Auswirkungen
- Das Konzept der akzeptierenden Drogenarbeit als Alternative
- Untersuchung von Risikoverhalten und Suchtentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.2 Funktion und Motive jugendlichen Drogengebrauchs
In Kapitel 2.4 wurde beschrieben, dass die Lebensphase Jugend sich wie eine Orientierungs- und Entwicklungsphase verhält. Jugendliche müssen versuchen, mit Hilfe einer Struktur und Einordnung ihrer Motive, Gefühle, Denkweisen und Reaktionsmuster den Aufbau ihrer eigenen Identität zu erreichen. Parallel zu diesen biopsychischen Gestaltveränderungen und individuellen Persönlichkeitsformungen werden soziale Integrationsleistungen verlangt. Durch das Aufeinandertreffen dieser beiden Anforderungen ergeben sich hohe Belastungen für die jugendlichen Akteure (vgl. Hurrelmann/Bründel, 1997: 74). Diese Aufgaben müssen erfolgreich und eigenständig bewältigt werden. Das heißt, wie in Kapitel 2.4 beschrieben, muss eine Ich-Identität gebildet werden und der Aufbau eines Werte- und Normensystems, Ausbildungs- und Zukunftsvorstellungen sowie eine Unabhängigkeit von den Eltern erfolgen (vgl. Dreher/Dreher, 1985: 36). Ein wichtiger Sozialisationsprozess für Jugendliche ist die Entwicklung eines Handlungsmusters im Umgang mit Konsumwaren. Besonders wichtig ist hierbei, zu lernen, wie in der Gesellschaft mit Genussmitteln und Drogen umgegangen wird. Andrea Blätter nennt sieben unterschiedliche Gebrauchsfunktionen beim Konsum von Drogen:
- Religiöse Funktion;
- Medizinische Funktion;
- Identitätsbildende und gruppenkohäsive Funktion;
- Hedonistische Funktion;
- Kompensations- und Ventilfunktion;
- Politische Funktion
(Blätter, 1995: 279).
In Bezug auf Jugendliche treffen verstärkt die identitätsbildende und gruppenkohäsive, hedonistische sowie Kompensations- und Ventilfunktion zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Sinnhaftigkeit der Drogenprohibitionspolitik in Bezug auf die Jugendsozialisation auf und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2. Begriffsklärung: Hier werden zentrale Begriffe wie Droge, Sucht, Abhängigkeit, Prävention, Akzeptanz und Jugend soziologisch fundiert und wertneutral definiert.
3. Drogengebrauch im Jugendalter: Dieses Kapitel beleuchtet soziologische Theorien und psychologische Hintergründe, warum Drogen im Jugendalter konsumiert werden und welche Funktionen diese erfüllen.
4. Suchtprävention: Der Fokus liegt auf der Analyse verschiedener Präventionsstrategien, der Problematik des Betäubungsmittelgesetzes und der Vorstellung der akzeptierenden Drogenarbeit.
5. Exkurs: Dieses Kapitel diskutiert das theoretische Szenario einer wissenschaftlich fundierten Drogenlegalisierung und ihre möglichen sozialen und ökonomischen Auswirkungen.
6. Schluss: Der Schlussteil fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und plädiert für einen Paradigmenwechsel weg von der Prohibition hin zu einem reflektierten Umgang mit Substanzen.
Schlüsselwörter
Jugendsozialisation, Drogen, Suchtprävention, Prohibitionspolitik, akzeptierende Drogenarbeit, Drogenkonsum, Abhängigkeit, Jugendalter, Risikoverhalten, Betäubungsmittelgesetz, Soziologie, Lebensbewältigung, Identitätsbildung, Partydrogen, Drogenlegalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Drogengebrauchs im Jugendalter und hinterfragt, ob die bestehende, stark verbotsorientierte Drogenpolitik in Deutschland zielführend für junge Menschen ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition von Drogen und Sucht, die soziologischen Hintergründe jugendlichen Konsums, die Effektivität staatlicher Suchtprävention sowie Konzepte der akzeptierenden Drogenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Drogenkonsum im Jugendalter als Teil einer Entwicklungsphase zu verstehen ist und dass eine einseitig verbotsorientierte Politik der Gesellschaft eher schadet als nützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, psychologischer und jugendforschungsspezifischer Quellen, um das Drogenphänomen differenziert zu betrachten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Analyse von Motiven jugendlichen Drogengebrauchs, die Untersuchung von Suchtpräventionsmodellen und eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Gesetzgebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendsozialisation, Prohibitionspolitik, akzeptierende Drogenarbeit, Risikoverhalten und Lebensbewältigung charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Gebrauch und Missbrauch?
Der Autor betont, dass eine klare Trennlinie schwierig ist und kritisiert, dass der Begriff Missbrauch oft zu stark negativ wertend und nicht wertneutral verwendet wird.
Warum wird die aktuelle Prohibitionspolitik kritisiert?
Die Politik wird kritisiert, weil sie den Schwarzmarkt stärkt, die Qualität von Substanzen unkontrollierbar macht, zur Kriminalisierung führt und Jugendliche nicht als mündige Akteure ernst nimmt.
Was umfasst das Konzept der akzeptierenden Drogenarbeit?
Es umfasst den Verzicht auf Abstinenz als Voraussetzung für Hilfe, das Recht auf Menschenwürde für Drogengebraucher und die Unterstützung zu einem mündigen Umgang mit psychoaktiven Substanzen.
Was schlägt der Exkurs als Alternative vor?
Im Exkurs wird ein Szenario für eine differenzierte Drogenlegalisierung durchgespielt, welches staatliche Regulierung, Preiskontrolle und das Ende der repressiven Kriminalisierung vorsieht.
- Citation du texte
- Marius Dähne (Auteur), 2013, Jugendsozialisation und Drogen. Ist die aktuelle Prohibitionspolitik sinnvoll?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434484