E-Commerce in Europa. Umfang und Bedeutung in ausgewählten europäischen Ländern


Bachelorarbeit, 2017

48 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitende Worte, Aufbau der Arbeit und angewandte Methoden

2) Räumliche Diffusion des Internets und E-Commerce in Europa
2.1) Die Entwicklung und Verbreitung des Internets als Basis des E-Commerce
2.2) Räumliche Verbreitung und Entwicklung der Nutzung des E-Commerce
2.3) Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse

3) Das wirtschaftliche Potential des E-Commerce in Europa: Ein Ländervergleich
3.1) Wirtschaftliche Kenndaten des E-Commerce in Europa: Analyse räumlicher Zusammenhänge und Unterschiede
3.2) Die Bedeutung des E-Commerce in Rumänien: Strukturen und Ursachen
3.3) Die Bedeutung des E-Commerce im Vereinigten Königreich: Strukturen und Ursachen
3.4) Die Bedeutung des E-Commerce in Deutschland: Strukturen und Ursachen

4) E-Commerce Binnenhandel in Europa

5) Bedeutende Unternehmen des E-Commerce in Europa – Die umsatzstärksten Unternehmen und ihre Herkunftsländer

6) Fazit und Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen

Abb. 1: EU28: Anstieg des Anteils der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozentpunkten (2007-2016)

Abb. 2: EU28: Anteil der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozent (2016)

Abb. 3: Innovationsrückstand als Faktor unterschiedlicher Entwicklung…

Abb. 4: EU28: Durchschnittsumsatz je Kunde im Jahr 2015 in Euro.

Abb. 5: Unternehmen mit elektronischen Verkäufen an Kunden ins Inland bzw. EU-Ausland im Jahr 2015..

Tabellen

Tab. 1: EU28: Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung in Prozent…..

Tab. 2: EU28: Anteil der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozent

Tab. 3: EU28: Umsätze und Kunden des E-Commerce im Jahr 2015…...

Tab. 4: Demographische und ökonomische Eigenschaften Rumäniens auf einem Blick (2016)..…

Tab. 5: Demographische und ökonomische Eigenschaften des Vereinigten Königreiches auf einem Blick (2016) ...

Tab. 6: Demographische und ökonomische Eigenschaften Deutschlands auf einem Blick (2016) .

Tab. 7: Die 10 umsatzstärksten Unternehmen des E-Commerce in Europa (2015)

1) Einleitende Worte, Aufbau der Arbeit und angewandte Methoden

Das Internet ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Wurde sein Vorgänger nur zu militärischen Zwecken genutzt, hat es seit seiner Öffnung für die kommerzielle Nutzung außerhalb des militärischen Umfelds vor über zwanzig Jahren die Welt stetig verändert. Hätte man unserer Großelterngeneration in ihrer Kindheit erklärt, dass es in der Zukunft möglich sein wird, Texte, Bilder und Videos innerhalb von Sekunden an Orte weltweit zu versenden, bzw. von diesen zu empfangen, wäre ihre Antwort wahrscheinlich ein lautes und ungläubiges Lachen gewesen. Was in den 1960er und 1970er Jahren noch als Science-Fiction bezeichnet wurde, ist in den letzten zwanzig Jahren stetig real geworden. Der dauerhafte Weiterentwicklungsprozess der Möglichkeiten, die uns das Internet bietet, beeinflusst unser Leben in vielen Bereichen. Zu diesen Bereichen gehört zweifelsfrei auch die Art und Weise, wie wir unsere Einkäufe tätigen. Gab es früher (vom Kataloghandel einmal abgesehen) keine anderen Möglichkeiten, als Artikel wie z.B. Bekleidung und Unterhaltungselektronik im stationären Einzelhandel zu erwerben, werden seit der Entstehung des E-Commerce in den frühen 1990er Jahren immer mehr Waren im Internet angeboten.

Diese Arbeit soll daher zum Anlass genommen werden, den E-Commerce aus geographischer Perspektive zu analysieren. Als verändernder und beeinflussender Faktor des Handels stellt der E-Commerce ein Thema großer Relevanz dar, sodass eine Untersuchung in Form einer wissenschaftlichen Untersuchung einen sinnvollen Ansatz darstellt, um den E-Commerce als eine noch vergleichsweise junge und dynamische wirtschaftliche Institution würdigen zu können.

Der Inhalt der vorliegenden Arbeit lässt sich in vier Teilbereiche einteilen, die jeweils in enger Beziehung zueinanderstehen. Das Untersuchungsgebiet wird auf die 28 Staaten der Europäischen Union, inklusive dem ausscheidenden Vereinigten Königreich festgelegt. Einleitend wird die Verbreitung und Nutzung des Internets und des E-Commerce innerhalb der Europäischen Union anhand der aktuell zur Verfügung stehenden Nutzerkennzahlen der jeweiligen Staaten analysiert. Das Ziel besteht darin, räumliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Entwicklung des E-Commerce innerhalb der Europäischen Union charakterisieren zu können (siehe Kapitel 2). Im Anschluss wird im nächsten Teilbereich der Arbeit eine Untersuchung der wichtigsten wirtschaftlichen Kenndaten des E-Commerce vorgenommen, um neben den zuvor gewonnen Erkenntnissen der Nutzerstruktur einen Einblick in den wirtschaftlichen Stand der Entwicklung des E-Commerce in den Mitgliedsländern der Europäischen Union erhalten zu können (siehe Kapitel 3 und 3.1). Die ersten beiden Teilbereiche bilden die Grundlage für den dritten vergleichenden Teil der Arbeit. Auf der Grundlage der festgestellten räumlichen Muster werden drei Staaten ausgewählt, die hinsichtlich ihrer Demographie und Ökonomie näher untersucht werden, um mögliche Gründe für die räumlichen Verbreitungs- und Nutzungsmuster innerhalb der Europäischen Union feststellen zu können (siehe Kapitel 3.2 bis 3.4). Im letzten Teil der Arbeit werden einzelne wichtige Themenschwerpunkte gesondert vorgestellt. Neben einer Analyse des E-Commerce Binnenhandels in Europa, wird eine Untersuchung der bedeutendsten Unternehmen vorgenommen, um die aktuellen Handelsbeziehungen und Marktverhältnisse eingehend untersuchen zu können (siehe Kapitel 4 und 5). Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Fazit, welches die gewonnenen Erkenntnisse kompakt zusammenfasst.

Die gesamte Arbeit stützt sich hauptsächlich auf die Analyse zahlreicher aktuell verfügbarer quantitativer Daten, um eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung durchführen zu können. Auf die Besonderheiten der Methodik, die während der Erstellung der in dieser Arbeit verwendeten Tabellen und Karten angewandt wurde, wird an den entsprechenden Stellen innerhalb der Arbeit eingegangen.

2) Räumliche Diffusion des Internets und E-Commerce in Europa

Innovationen, die z.B. auf Grund ihrer Nützlichkeit eine hohe Akzeptanz aufweisen, breiten sich mit steigenden Nutzerzahlen im Raum aus (Hägerstrand 1973:149f.). Zu diesen Innovationen gehört zweifelsfrei auch der E-Commerce, der seit seiner Entstehung in den 1990er-Jahren die Welt des Handels grundlegend veränderte. In diesem Kapitel werden daher einleitend die raumzeitlichen Diffusionsprozesse des E-Commerce in Europa untersucht, um eine Verständnisgrundlage für die nachfolgenden Kapitel dieser Arbeit zu schaffen. Einzelne Meilensteine, wie z.B. die Gründung bestimmter Unternehmen des Onlinehandels innerhalb Europas, finden bei dieser Untersuchung keine Berücksichtigung. Vielmehr werden anhand von Daten über die Nutzung des Internets und des E-Commerce generelle räumliche Verbreitungsmuster und Unterschiede in der Entwicklung des E-Commerce zwischen den europäischen Staaten analysiert, sodass die raumzeitliche Verbreitung des E-Commerce nachvollzogen werden kann. Der Untersuchungsraum wird dabei auf die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (inklusive des ausscheidenden Vereinigten Königreichs) eingrenzt.

2.1) Die Entwicklung und Verbreitung des Internets als Basis des E-Commerce

Die Entwicklung und Verbreitung des E-Commerce steht in engem Zusammenhang zur Verbreitung und Nutzung des Internets, da dieses die grundlegende Infrastruktur für die Existenz des E-Commerce darstellt. Es ist deshalb sinnvoll, sich an dieser Stelle zunächst der Analyse der raumzeitlichen Diffusion des Internets zu widmen, bevor im nächsten Unterkapitel die Entwicklung des Onlinehandels an sich näher untersucht wird.

Die Tabelle 1 stellt den Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung in Prozent in den jeweiligen Ländern der Europäischen Union (im folgenden EU28) zwischen den Jahren 2003 und 2016 dar, und bildet die Grundlage für die nun folgende Untersuchung (siehe Tab. 1). Auf Grund einzelner fehlender Werte in den Jahren 2003-2006, wird eine vergleichende Analyse erst ab dem Jahr 2007 vorgenommen, damit eine methodische Korrektheit der Untersuchung gewährleistet werden kann. Nichtsdestotrotz bieten die wenigen verfügbaren Daten der Jahre 2003-2006 einen zusätzlichen wertvollen Einblick in die Verbreitungsgeschichte des Internets.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Anzahl der Internetnutzer in allen Staaten der EU28 seit dem Jahr 2007 angestiegen ist. Rumänien erreichte mit 28 Internetnutzern je 100 Einwohnern im Jahr 2007 den niedrigsten Wert, die Niederlande mit 86 Internetnutzern je 100 Einwohnern den höchsten Wert. Der EU28-Durchschnitt lag bei 60%. 2016 lag der Durchschnitt bei 84%, und ist damit innerhalb von neun Jahren um 24 Prozentpunkte gestiegen. Über den geringsten Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2016 verfügte Bulgarien mit 62 Internetnutzern je 100 Einwohnern, Luxemburg erreichte mit 98 Nutzern den höchsten Wert. Zwischen dem niedrigsten und höchsten Wert in den Jahren 2007 und 2016 kann ein deutlicher Unterschied festgestellt werden, und auch der Anstieg des EU28-Durchschnitts macht deutlich, dass das Internet sich zunehmend in Europa etablieren konnte, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden innerhalb Europas.

Untersucht man, welche Staaten zwischen 2007 und 2016 das größte Nutzerwachstum je 100 Einwohnern aufweisen, so fällt auf, dass sich unter diesen Staaten fast ausschließlich Staaten aus dem süd- und südosteuropäischen Raum befinden. Rumänien weist mit 38 Prozentpunkten das größte Wachstum auf, gefolgt von Zypern (35 Prozentpunkte), Griechenland (34 Prozentpunkte), Kroatien (33 Prozentpunkte), Tschechien (31 Prozentpunkte), Malta (31 Prozentpunkte), Italien (30 Prozentpunkte), Portugal (29 Prozentpunkte), Ungarn (28 Prozentpunkte), Bulgarien (28 Prozentpunkte) und Spanien (26 Prozentpunkte). Die west- und nordeuropäischen Staaten weisen insgesamt betrachtet einen deutlich niedrigeren Anstieg der Nutzerwerte auf (die Werte liegen zwischen acht und 24 Prozentpunkten), die osteuropäischen Staaten befinden sich hingegen im Mittelfeld (die Werte liegen hier zwischen 19 und 26 Prozentpunkten, wenn man Tschechien mit seinem vergleichsweise hohen abweichenden Wert von 31 Prozentpunkten aus der Betrachtung ausschließt). Paradoxerweise liegen die oben genannten süd- und südosteuropäischen Staaten mit ihren Nutzerzahlen je 100 Einwohnern weit unter dem EU28-Durchschnitt und am unteren Ende der Rangliste für das Jahr 2016. Über die meisten Internetnutzer je 100 Einwohnern im Jahr 2016 verfügen die west- und nordeuropäischen Staaten Luxemburg (98), Dänemark (97), Schweden (95) und Deutschland (91). Die süd- und südosteuropäischen Staaten Bulgarien (62), Rumänien (66), Griechenland (70), Italien und Portugal (71) verfügen im direkten Vergleich über deutlich weniger Internetnutzer je 100 Einwohnern.

Für die regional unterschiedlichen Nutzerzahlen und Wachstumsprozesse gibt es verschiedene Gründe, von denen in dieser Arbeit jedoch nur die wesentlichsten kurz erläutert werden können. Das hohe Nutzerwachstum in den süd- und südosteuropäischen Staaten ist dadurch bedingt, dass diese Staaten auf Grund ihrer peripheren Lage von EU-Fördermitteln profitieren können, die in den vergangenen Jahren zum generellen Aufbau und Ausbau einer zuvor defizitären Breitbandinfrastruktur genutzt wurden. Die trotzdem, im Vergleich betrachtet, niedrigen Nutzerzahlen, sind auf strukturelle Unterschiede und wirtschaftliche Entwicklungsdefizite zurückzuführen. Den Staaten im Süden und Südosten ist gemein, dass ihr Verstädterungsgrad niedriger ist, als der der westeuropäischen Staaten. Dadurch können weniger Nutzer mit einem Internetzugang versorgt werden, da sich der Aufbau einer Internetinfrastruktur in den ländlichen Gebieten nicht rentiert. Außerdem ist ein Internetzugang auf Grund niedriger Löhne für einige Menschen in dieser Region unerschwinglich.

Das niedrige Nutzerwachstum in den westeuropäischen Staaten ist darauf zurückzuführen, dass, anders als es bei den süd- und südosteuropäischen Staaten der Fall war, bereits zu früher Zeit eine gewisse Basisinfrastruktur zur Verfügung stand, sodass z.B. im Jahr 2003 mehr Menschen die Möglichkeit hatten, bereits das Internet zu nutzen. Durch den Ausbau der Internetinfrastruktur konnten deshalb nur noch relativ gesehen wenige Menschen als neue Nutzer gewonnen werden. Die hohe Wirtschaftskraft und die damit verbundenen höheren Löhne sorgen dafür, dass das Internet für nahezu alle Bevölkerungsgruppen bezahlbar ist. Diese drei Faktoren sind der Grund dafür, weshalb trotz niedrigerem Wachstum der Nutzerzahlen die west- und nordeuropäischen Staaten über mehr Internetnutzer verfügen.

Zusammenfassend kann man den Daten entnehmen, dass zwischen den Staaten West- und Nordeuropas und den Staaten Süd- und Südosteuropas ein Entwicklungsgefälle hinsichtlich der Verbreitung und Nutzung des Internets besteht, dessen Auswirkungen auf den E-Commerce im weiteren Verlauf der Arbeit untersucht werden müssen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: EU28: Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung in Prozent (Eurostat 2017a:Tabelle 1).

2.2) Räumliche Verbreitung und Entwicklung der Nutzung des E-Commerce

Nach dem in Kapitel 2.1 die grundlegenden regionalen Unterschiede der Internetverbreitung und Internetnutzung innerhalb der Europäischen Union beschrieben wurden, wird in diesem Unterkapitel eine ähnliche vergleichende Analyse über die Verbreitung und Nutzung des E-Commerce auf raumzeitlicher Ebene durchgeführt, um erneut Verbreitungsmuster innerhalb der EU28 feststellen und charakterisieren zu können.

Die Tabelle 2 stellt den Anteil der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozent in den jeweiligen Staaten der Europäischen Union im Zeitraum zwischen den Jahren 2003 und 2016 dar, und bildet die Datengrundlage für die folgende Untersuchung (siehe Tab. 2). Um erneut eine methodische Korrektheit der Untersuchung gewährleisten zu können und um Vergleiche zur in Kapitel 2.1 untersuchten Onlinenutzung ziehen zu können, wird ebenfalls nur der Zeitraum zwischen den Jahren 2007 und 2016 betrachtet, wobei auch in diesem Fall gilt, dass die Daten für den Zeitraum zwischen den Jahren 2003 und 2006 einen zusätzlichen wertvollen Einblick in die Nutzungsentwicklung des E-Commerce gewähren.

Auf dem ersten Blick fällt auf, dass die E-Commerce-Nutzerzahlen in allen Staaten der Europäischen Union angestiegen sind, wodurch deutlich wird, dass sich die Innovation des E-Commerce stetig im Raum ausbreiten konnte. Im Jahr 2007 erreichte Rumänien mit drei Nutzern des Onlinehandels je 100 Einwohnern den niedrigsten Wert, Dänemark mit 56 Nutzern je 100 Einwohnern den höchsten Wert. 2016 erreichte Rumänien mit zwölf Nutzern des Onlinehandels je 100 Einwohnern erneut den niedrigsten Wert innerhalb der EU28-Staaten, das Vereinigte Königreich konnte mit 83 Nutzern je 100 Einwohnern den höchsten Wert erreichen. Lag der Durchschnittswert aller EU28-Staaten im Jahr 2007 noch bei 30 Nutzern je 100 Einwohnern, so stieg dieser bis zum Jahr 2016 auf 55 Nutzer je 100 Einwohnern an. Auffällig ist, dass, genau wie bei der Nutzung des Internets (siehe Kapitel 2.1), erhebliche regionale Unterschiede bei der Nutzung des Onlinehandels bestehen, was sowohl bei der Betrachtung des Anstiegs der Nutzerzahlen in Prozentpunkten zwischen den Jahren 2007 und 2016, als auch bei der Betrachtung der Prozentwerte für das Jahr 2016 deutlich wird. Diese Unterschiede werden im Folgenden anhand zweier Karten (Abbildungen 1 und 2) näher untersucht, um räumliche Muster feststellen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: EU28: Anteil der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozent (Eurostat 2017b:Tabelle 1).

Abbildung 1 stellt den Anstieg des Anteils der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozentpunkten im Zeitraum zwischen 2007 und 2016 in kartographischer Form dar, und soll im Folgenden dazu dienen, die regionalen Nutzerzahlenwachstumsunterschiede des E-Commerce zu analysieren und zu visualisieren. Die Karte wurde auf Basis der Daten aus Tabelle 2 angefertigt. Die dargestellten Werte wurden aus der Differenz der jeweiligen Werte des Jahres 2016 und des Jahres 2007 berechnet, um das Wachstum in Prozentpunkten ermitteln zu können. Es wurde eine Klassifizierung in vier Klassen vorgenommen, wobei die jeweils oberste Klassengrenze einem Viertel des höchsten ermittelten Anstiegs in Prozentpunkten entspricht. Die unterste Klassengrenze wurde auf Null festgelegt, die oberste Klassengrenze auf den höchsten ermittelten Anstiegswert. Diese Methodik wurde angewandt, um räumliche Unterschiede hinsichtlich des Nutzerzahlenwachstums übersichtlich darzustellen, und um die Vergleichbarkeit mit den anderen in dieser Arbeit verwendeten Karten zu gewährleisten.

Auf dem ersten Blick fällt bei der Analyse der Karte (Abbildung 1) auf, dass kein prägnant erkennbares räumliches Verteilungsmuster festgestellt werden kann. Anders, als beim im Kapitel 2.1 beschriebenen Raummuster der Internetnutzung, liegt hinsichtlich des Anstiegs der E-Commerce-Nutzerzahlen kein klar erkennbares Gefälle zwischen den Staaten West- und Nordeuropas und den Staaten Ost- und Südosteuropas vor. Ein vielschichtiges Muster wird erst dann erkennbar, wenn man die einzelnen Klassen näher untersucht.

In der untersten Klasse der Staaten, bei denen das Wachstum des Anteils der Kunden des Onlinehandels bei Werten zwischen 0 Prozentpunkten und 11,74 Prozentpunkten liegt, befindet sich lediglich Rumänien. Somit wird deutlich, dass Rumänien nicht nur bei der Nutzung des Internets im gesamteuropäischen Vergleich an letzter Stelle liegt (vgl. Kapitel 2.1), sondern auch bei der Annahme und inländischen Diffusion der Innovation des E-Commerce.

In der nächsten Klasse (Anstiegswerte zwischen 11,75 und 23,49 Prozentpunkten), befinden sich die Staaten Schweden, Finnland, die Niederlande, Deutschland, Österreich, Italien, Portugal, Bulgarien, Griechenland und Zypern. Die niedrigen Anstiegswerte in Italien, Portugal, Bulgarien, Griechenland und Zypern, verglichen mit den ebenfalls niedrigen Anteilen der E-Commerce-Nutzer im Jahr 2016 (siehe Tabelle 2), zeigen erneut, dass eine räumliche Ausbreitung der Innovation des E-Commerce in den südlichen und südöstlichen Staaten Europas im gesamteuropäischen Vergleich langsam verläuft, bzw. sich noch in der Anfangsphase befindet. Die ebenfalls niedrigen Anstiegswerte in den west- und nordeuropäischen Staaten Schweden, Finnland, den Niederlanden, Deutschland und Österreich sind darauf zurückzuführen, dass der Anteil der E-Commerce-Nutzer an der Gesamtbevölkerung bereits im Jahr 2007 im europäischen Vergleich hoch war, sodass, relativ gesehen, nur noch wenige neue Nutzer hinzugewonnen werden konnten. Auf den Aspekt der Diffusion der Innovation des E-Commerce bezogen, lässt sich deshalb schlussfolgern, dass die oben genannten Staaten sich in einer späteren Diffusionsphase befinden, bei der sich das Wachstum beginnt zu verlangsamen. Diese Beobachtungen konnten ebenfalls hinsichtlich der Internetnutzung getroffen werden (vgl. Kapitel 2.1).

Zu den Staaten der dritten Klasse (Wertanstieg zwischen 23,5 und 35,24 Prozentpunkten) gehören die Staaten Irland, das Vereinigte Königreich, Dänemark, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Frankreich und Spanien. Auch in dieser Klasse lassen sich ähnliche Aussagen treffen wie bei der zweiten Klasse. Die süd- bzw. osteuropäischen Staaten Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Ungarn, Spanien, Slowenien und Kroatien weisen zwar ein ähnlich hohes Wachstum auf, wie die west- und nordeuropäischen Staaten Irland, das Vereinigte Königreich, Dänemark und Frankreich, allerdings sind bei letzteren die Anteile der E-Commerce-Nutzer an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2016 (vgl. Tabelle 2) höher. Zusammenfassend kann man also in Bezug auf diese Klassen feststellen, dass erneut eine unterschiedliche Phase des Diffusionsprozesses zwischen den Staaten der beiden europäischen Regionen festgestellt werden kann. Die zuvor genannten west- bzw. nordeuropäischen Staaten befinden sich in einer späteren Phase des Diffusionsprozesses, wodurch sich dieser allmählich verlangsamt. Die zuvor genannten süd- bzw. osteuropäischen Staaten befinden sich in einer früheren Phase des Diffusionsprozesses, allerdings weisen diese eine stärkere Annahme der Innovation des E-Commerce auf, als es bei den Staaten der zweiten Klasse der Fall ist, was durch die höheren Anteile der E-Commerce-Nutzer an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2016 (siehe Tabelle 2) deutlich wird.

In der obersten Klasse (Wertanstieg zwischen 35,25 und 47 Prozentpunkten) befinden sich die drei Staaten Belgien, die Slowakei und Estland. Der Diffusionsprozess in diesen drei Staaten ist auf Grund der ähnlichen E-Commerce-Nutzer Werte in den Jahren 2007 und 2016 miteinander vergleichbar, wobei Belgien als westeuropäischer Staat eine Ausnahme vom zuvor ermittelten Muster darstellt.

Zusammenfassend lässt sich der Analyse von Abbildung 1 entnehmen, dass sich die Diffusionsprozesse der Innovation des Onlinehandels in den Staaten der EU28 in unterschiedlichen Stadien befinden. Während sich die Staaten Süd- und Osteuropas noch in einer vergleichsweise frühen Phase befinden, nähern sich einige der west- und nordeuropäischen Staaten der letzten Phase der Stagnation. Für diese unterschiedlichen Entwicklungen sind, neben dem Faktor des Startzeitpunkts der Ausbreitung der Innovation, viele Faktoren verantwortlich, die im weiteren Verlauf der Arbeit näher erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: EU28: Anstieg des Anteils der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozentpunkten (2007-2016). Eigene Darstellung nach Eurostat (Eurostat 2017b:Tabelle 1).

Die Analyse der Abbildung 1 lieferte einen interessanten und genauen Einblick in die prozesshafte raumzeitliche Ausdehnung der Innovation des E-Commerce innerhalb der Europäischen Union, die, wie bereits zuvor beschrieben, regional in unterschiedlichen Ausprägungen und Geschwindigkeiten stattfand. Doch wie sieht der aktuelle Stand der E-Commerce-Nutzung innerhalb der Europäischen Union aus, und welche regionalen Unterschiede können festgestellt werden? Um diese Frage zu beantworten, wird im Folgenden die Abbildung 2 interpretiert, welche den Anteil der Kunden des Onlinehandels an der Gesamtbevölkerung in Prozent im Jahr 2016 in den jeweiligen Staaten der EU28 kartographisch darstellt. Die Datengrundlage für diese Karte stellt ebenfalls die Tabelle 2 dar. Bei der Erstellung wurden die gleichen Methoden wie bei der Erstellung von Abbildung 1 angewandt, um erneut eine Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit mit anderen Karten zu gewährleisten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
E-Commerce in Europa. Umfang und Bedeutung in ausgewählten europäischen Ländern
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
48
Katalognummer
V434724
ISBN (eBook)
9783668759329
ISBN (Buch)
9783668759336
Dateigröße
2945 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Commerce, Onlinehandel, Europa, Amazon, Innovationen, Diffusionsprozesse
Arbeit zitieren
Stefan Strauß (Autor), 2017, E-Commerce in Europa. Umfang und Bedeutung in ausgewählten europäischen Ländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434724

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