„When I first experienced Eyes Wide Shut, it left me empty. I became Bill Harford, wandering the streets of a cardboard New York, desperately trying to connect with all that I was presented with on (and off) screen.” So beschreibt der Filmwissenschaftler Randolph Jordan die Wirkungsmacht des letzten, im Jahre 1999 posthum erschienen Filmes von Kult-Regisseur Stanley Kubrick. Zwölf Jahre hatte es gedauert bis die Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle aus dem Jahre 1925 in die Kinos kam. Eyes Wide Shut ist keine klassische Adaption, sondern mehr eine Neuinterpretation von Schnitzlers Prosaerzählung.
In den Fokus rückt ein grundlegender Diskurs „über das Sehen, den Film und das Kino.“ Kubrick verlagert den Plot aus dem Wien der 1920er Jahre in das moderne New York und wählt in der Besetzung das damalig verheiratete Hollywood-Paar Nicole Kidman und Tom Cruise. Die filmische Handlung kreist um den Arzt Bill Harford und seine Frau Alice. Ihre Ehe gerät in eine Krise als Alice ihrem Mann offenbart, dass sie ihre Familie für außerehelichen Sex mit einem Marineoffizier verlassen hätte. Für Bill beginnt daraufhin eine nächtliche Odyssee durch die Straßen von New York, die in einem Alptraum endet. Er landet auf einer Party, auf der „die oberen Zehntausend, hinter venezianischen Masken verborgen, eine Orgie“ feiern. Bill wird als Eindringling entlarvt und von den „geheimnisvollen, Sexspielchen‘“ ausgeschlossen. Er entgeht nur knapp dem Tod und kehrt zu Alice zurück.
Der genderthematische Diskurs von Laura Mulvey über männlich besetzte Schaulust und die Objektivierung der Frau rückt in den Fokus des Films. Wie setzt Kubrick die filmischen Mittel ein, um das Motiv von Blick und Auge aufzuzeigen? Welche Bedeutung hat die Motivik auf der Figurenebene? Und wie gelingt ihm die Einbindung des Zuschauers? Diesen und weiteren Fragen soll in der hier vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Der Regisseur Stanley Kubrick und sein Film Eyes Wide Shut
3.1 Leben und Werk
3.2 Themen und Motive
3.3 Rezeption von Eyes Wide Shut
3.4 Inhalt des Films Eyes Wide Shut
4. Theoretische Grundlagen
4.1 Das Augenmotiv
4.1.1 Die Geschichte und Bedeutung des Augenmotivs
4.1.2 Voyeurismus und das Auge im Kino
4.2 Das Blickmotiv
4.2.1 Sigmund Freud: Ödipuskomplex und Kastrationskomplex
4.2.2 Sigmund Freud: Fetischismus
4.2.3 Sigmund Freud: Der Begriff der Skopophilie
4.2.4 Laura Mulvey: Visuelle Lust und narratives Kino
4.2.5 Jacques Lacan: Das Blickmodell
4.2.6 Die Maske: Zwischen Schaulust und Scham
5. Das Blick- und Augenmotiv in Stanley Kubricks Eyes Wide Shut
5.1 Alices Enthüllung
5.2 Im Badezimmer der Harfords
5.3 Die Prostituierte auf Zieglers Weihnachtsfeier
5.4. Das Vorspiel im Spiegel
5.5 Alices Geständnis
5.6 Rainbow Fashions und die Orgienfeier
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Motive von Blick und Auge in Stanley Kubricks letztem Spielfilm Eyes Wide Shut. Ziel der Analyse ist es, durch eine Verknüpfung psychoanalytischer Theorien mit ausgewählten Schlüsselszenen des Films aufzuzeigen, wie Kubrick die filmischen Mittel nutzt, um den Zuschauer als Voyeur in das System seines Films einzubinden und dabei philosophische Fragen über Liebe, Begehren und die Grenze zwischen Traum und Realität zu verhandeln.
- Die psychoanalytische Deutung des Augen- und Blickmotivs
- Kubricks Inszenierung von Voyeurismus und Schaulust im Kino
- Die Funktion der Maske als Instrument der Verhüllung und Entlarvung
- Die genderthematische Perspektive und die Objektivierung der Frau
- Die Rolle des Zuschauers als "Komplize" im filmischen System
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„When I first experienced Eyes Wide Shut, it left me empty. I became Bill Harford, wandering the streets of a cardboard New York, desperately trying to connect with all that I was presented with on (and off) screen.” So beschreibt der Filmwissenschaftler Randolph Jordan die Wirkungsmacht des letzten, im Jahre 1999 posthum erschienen Filmes von Kult-Regisseur Stanley Kubrick. Zwölf Jahre hatte es gedauert bis die Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle aus dem Jahre 1925 in die Kinos kam. Eyes Wide Shut ist keine klassische Adaption, sondern mehr eine Neuinterpretation von Schnitzlers Prosaerzählung. In den Fokus rückt ein grundlegender Diskurs „über das Sehen, den Film und das Kino.“ Kubrick verlagert den Plot aus dem Wien der 1920er Jahre in das moderne New York und wählt in der Besetzung das damalig verheiratete Hollywood-Paar Nicole Kidman und Tom Cruise. Die filmische Handlung kreist um den Arzt Bill Harford und seine Frau Alice. Ihre Ehe gerät in eine Krise als Alice ihrem Mann offenbart, dass sie ihre Familie für außerehelichen Sex mit einem Marineoffizier verlassen hätte. Für Bill beginnt daraufhin eine nächtliche Odyssee durch die Straßen von New York, die in einem Alptraum endet. Er landet auf einer Party, auf der „die oberen Zehntausend, hinter venezianischen Masken verborgen, eine Orgie“ feiern. Bill wird als Eindringling entlarvt und von den „geheimnisvollen ,Sexspielchen‘“ ausgeschlossen. Er entgeht nur knapp dem Tod und kehrt zu Alice zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die filmische Ausgangssituation von Eyes Wide Shut ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die forschungsleitenden Fragen zum Motiv von Blick und Auge.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die medienwissenschaftliche Literatur zu Stanley Kubrick und setzt das Werk in den Diskurs der Filmtheorie und Psychoanalyse.
3. Der Regisseur Stanley Kubrick und sein Film Eyes Wide Shut: Es werden die Biografie Kubricks, seine Arbeitsweise sowie die zentrale Motivik und die Rezeption seines letzten Films analysiert und der Inhalt zusammenfassend dargestellt.
4. Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen Begriffe Auge und Blick definiert und in Bezug auf die Theorien von Freud, Lacan und Mulvey theoretisch fundiert.
5. Das Blick- und Augenmotiv in Stanley Kubricks Eyes Wide Shut: Der Hauptteil verknüpft die theoretischen Grundlagen mit der detaillierten Analyse von sechs zentralen Filmszenen, um die Motivik innerhalb der Handlung zu untersuchen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und verdeutlicht die zentrale Bedeutung der Inszenierung des Sehens als Vermittler zwischen Realität und Imagination.
Schlüsselwörter
Stanley Kubrick, Eyes Wide Shut, Filmtheorie, Psychoanalyse, Voyeurismus, Schaulust, Augenmotiv, Blickmotiv, Sigmund Freud, Jacques Lacan, Laura Mulvey, Maske, Identität, Geschlechterdiskurs, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Masterarbeit analysiert die visuelle Motivik von Auge und Blick im Spätwerk Stanley Kubricks, insbesondere in seinem letzten Film Eyes Wide Shut.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Sehen und Nicht-Sehen, die Psychoanalyse der Schaulust, der Voyeurismus des Publikums sowie die Rolle der Maske als identitätsstiftendes oder -verhüllendes Element.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kubrick durch die gezielte Steuerung des Zuschauerblicks die Erfahrung des Films als "Lernprozess des Sehens" inszeniert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine medienwissenschaftliche Filmanalyse, die durch psychoanalytische Theorien von Freud und Lacan sowie feministische Filmtheorien von Laura Mulvey untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von sechs ausgewählten Szenen des Films, von Alices Enthüllung bis zur Orgienfeier in Somerton.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Voyeurismus, Fetischismus, Skopophilie, der männliche Blick (male gaze) und die Spiegelung als narrative und visuelle Technik.
Inwiefern spielt das Motiv des Spiegels eine besondere Rolle?
Der Spiegel dient als Symbol der Identitätsspaltung und wird von Kubrick genutzt, um den narzisstischen Selbstbezug der männlichen Hauptfigur Bill Harford visuell zu verdeutlichen.
Was bedeutet der Filmtitel "Eyes Wide Shut" im Kontext dieser Analyse?
Der Titel wird als Oxymoron interpretiert, das den Zustand zwischen bewusster Wahrnehmung und der Verweigerung der Einsicht – einer Art psychischer Blindheit gegenüber der Realität – markiert.
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- Lauretta Fontaine (Autor), 2018, Das Blick- und Augenmotiv in Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434764