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Das Tocqueville-Paradox. Die Auswirkungen subjektiver Wahrnehmung auf die Ungleichheitsdebatte

Titre: Das Tocqueville-Paradox. Die Auswirkungen subjektiver Wahrnehmung auf die Ungleichheitsdebatte

Dossier / Travail , 2017 , 19 Pages

Autor:in: Marie-Loise Wunderlich (Auteur)

Sociologie - Individu, Groupe, Société
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Alexis de Tocqueville stellte in seinen Veröffentlichungen die Theorie auf, dass ein unterdrückendes Regime eine höhere Gefahr läuft umgestürzt zu werden, sobald es versucht sich zu reformieren. “Der Abbau von Unrecht schärft die Sinne für Ungerechtigkeiten, die noch weiterhin bestehen, und gerade die Reform schlechter Sozialverhältnisse erhöht die Wahrscheinlichkeit ihrer revolutionären Veränderung.”. Reformen, die zur Verbesserung führen, seien somit tödlich für einen alten Staat, die Autorität der Herrschaft wird dadurch untergraben und das Selbstbewusstsein der Opponenten wird gestärkt. Benannt wurde dieses Phänomen als sogenanntes Tocqueville-Paradox nach seinem Entdecker, dem Historiker und politischen Theoretiker Alexis de Tocqueville und stellte früher einen Klassiker der politischen Soziologie und Demokratieforschung dar. So sei eine Erklärung dieses Phänomens, dass die Verringerung von Missständen den Abstand zu den noch bestehenden Missständen markiert. Die vorliegende Hoffnung auf Veränderung verändert somit das Gespür dafür, was noch möglich ist, wodurch die Unzufriedenheit der Gesellschaft steigt, obwohl absolut betrachtet eine Verbesserung der Lebensumstände vorliegt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Tocqueville-Paradox und die Französische Revolution

3.0 Beispiele

3.1 Auflösung der Sowjetunion

3.2 Unzufriedenheit in Ostdeutschland

4.0 Anwendung auf Revolutionen

5.0 Vergleich zu anderen Ungleichheitsmodellen

6.0 Vergleich zu anderen Revolutionstheorien

7.0 Relative Deprivation

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das sogenannte Tocqueville-Paradox, welches beschreibt, dass in unterdrückten Systemen gerade durch beginnende Reformen und eine Verbesserung der Lebensumstände die Unzufriedenheit und die Wahrscheinlichkeit für revolutionäre Bestrebungen steigen kann. Ziel ist es, diesen Mechanismus durch historische und soziologische Fallbeispiele zu analysieren und in den Kontext der Ungleichheitsdebatte sowie bestehender Revolutionstheorien einzuordnen.

  • Analyse des Tocqueville-Paradoxes anhand der Französischen Revolution.
  • Untersuchung der Auflösung der Sowjetunion und der Unzufriedenheit im wiedervereinigten Deutschland.
  • Diskussion der Rolle der subjektiven Wahrnehmung von Ungleichheit.
  • Gegenüberstellung mit anderen Ungleichheitsmodellen und soziologischen Revolutionstheorien.
  • Erörterung des Konzepts der relativen Deprivation.

Auszug aus dem Buch

3.1 Auflösung der Sowjetunion

Zur Veranschaulichung des Tocqueville Paradox und des Prozesses, dass Verbesserungen und Reformen zu Unzufriedenheit und zum Untergang eines Staates führen können, wird das Beispiel der Sowjetunion in genauere Betrachtung gezogen.

Zunächst fing der Auflösungsprozess der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre an und verteilte sich über die weiteren Jahre. Obwohl die Ursachen umstritten sind, scheint es unumgänglich, dass vor allem Gorbatschows Reformen maßgeblich dazu beitrugen, dass der Staat nicht länger beibehalten werden konnte. Gorbatschow war Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU und wird heutzutage von vielen russischen Bürgern für den Zerfall der Sowjetunion und für die folgenden wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht (vgl. Ewgeniy 2015). Zunächst ist zu erwähnen, dass die Bevölkerung bereits von Vornherein mehrere Probleme und Einschränkungen in ihren Lebensumständen sah. Beispielsweise fühlten sich viele Bürger durch die ideologische Bevormundung in ihrer Freiheit beraubt. Das Wettrüsten mit den USA, so wie wirtschaftliche Krisen machten der Bevölkerung zu schaffen. Es bahnten sich mehrere Krisen und Forderung der Bevölkerung an, welche zuletzt dazu führten, dass Gorbatschow zur Verbesserung und Erneuerung des Systems Reformen freisetzte. Mit der sogenannten Perestroika und Glasnost wird ein beispielhafter Prozess des Tocqueville Paradoxes veranschaulicht (vgl. Ewgeniy 2015).

Somit wird vor allem von russischen Altkommunisten die Schuld des Untergangs der Sowjetunion Michail Gorbatschow zugeteilt. Es wurden im Laufe der 80er Jahre durch sein Mitwirken zwei maßgebliche Reformen, zum einen „Glasnost“, welche für mehr Offenheit sorgen sollte, so wie Perestroika, welche sich auf den Umbau und die wirtschaftliche Umstrukturierung der Sowjetunion beziehen sollte (vgl. Ewgeniy 2015).

Zusammenfassung der Kapitel

1.0 Einleitung: Einführung in das Tocqueville-Paradox, das den Zusammenhang zwischen Reformen und steigender revolutionärer Unzufriedenheit thematisiert.

2.0 Tocqueville-Paradox und die Französische Revolution: Analyse, wie gesellschaftliche Verbesserungen vor der Revolution in Frankreich paradoxerweise das Unbehagen steigerten.

3.0 Beispiele: Anwendung der Theorie auf historische Fallbeispiele.

3.1 Auflösung der Sowjetunion: Untersuchung, wie Gorbatschows Reformprozess durch gestiegene Erwartungen zur Instabilität führte.

3.2 Unzufriedenheit in Ostdeutschland: Betrachtung der relativen Ungleichheit und Unzufriedenheit trotz objektiver Verbesserungen nach der deutschen Wiedervereinigung.

4.0 Anwendung auf Revolutionen: Erörterung der Frage, ob das Paradox als Hauptursache für kollektives Handeln und Revolutionen dienen kann.

5.0 Vergleich zu anderen Ungleichheitsmodellen: Diskussion über die Rolle der subjektiven Wahrnehmung gegenüber absoluten Wohlstandsindikatoren.

6.0 Vergleich zu anderen Revolutionstheorien: Abgrenzung zu marxistischen Ansätzen und anderen soziologischen Erklärungsmodellen.

7.0 Relative Deprivation: Vertiefung des Konzepts der relativen Deprivation als psychologische Komponente des sozialen Wandels.

Schlüsselwörter

Tocqueville-Paradox, relative Deprivation, Französische Revolution, Sowjetunion, Perestroika, Glasnost, Unzufriedenheit, Ungleichheitsdebatte, sozialer Wandel, Revolutionstheorien, kollektives Handeln, subjektive Wahrnehmung, Ostdeutschland, Reformen, Erwartungshaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten Tocqueville-Paradox, welches besagt, dass der Abbau von Ungerechtigkeiten oder die Verbesserung der Lebensumstände paradoxerweise zu einer Zunahme der Unzufriedenheit und zu revolutionären Bewegungen führen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die soziologische Ungleichheitsforschung, die Analyse von historischen und aktuellen Revolutionsprozessen sowie die psychologische Komponente der relativen Deprivation im Kontext gesellschaftlicher Reformen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Mechanismus zu ergründen, warum Reformen, die objektiv eine Verbesserung darstellen, subjektiv als unzureichend wahrgenommen werden und somit zur Destabilisierung bestehender Herrschaftssysteme beitragen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretische Analyse soziologischer Konzepte durchgeführt, die anhand von historischen und zeitgenössischen Fallbeispielen illustriert und kritisch diskutiert werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst die detaillierte Untersuchung der Französischen Revolution, der Auflösung der Sowjetunion unter Gorbatschow sowie die Analyse der Unzufriedenheit in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung, ergänzt durch einen Vergleich mit anderen soziologischen Theorien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Tocqueville-Paradox, relative Deprivation, subjektive Wahrnehmung, revolutionäre Prozesse, Reformpolitik und soziale Ungleichheit.

Wie erklärt die Arbeit das Paradoxon bei der Auflösung der Sowjetunion?

Die Arbeit argumentiert, dass Gorbatschows Reformen (Perestroika und Glasnost) die Erwartungen der Bevölkerung massiv steigerten, während die wirtschaftliche Realität diese Erwartungen nicht erfüllen konnte, was in eine Phase der Enttäuschung und den Zusammenbruch des Systems mündete.

Welche Rolle spielt die subjektive Wahrnehmung in der Ungleichheitsdebatte?

Die Arbeit betont, dass nicht das absolute Maß an Not entscheidend für den sozialen Unmut ist, sondern der Vergleich der eigenen Lage mit relevanten Referenzgruppen und die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Verbesserung und der eigenen gestiegenen Erwartungshaltung.

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Résumé des informations

Titre
Das Tocqueville-Paradox. Die Auswirkungen subjektiver Wahrnehmung auf die Ungleichheitsdebatte
Université
University of Wuppertal
Auteur
Marie-Loise Wunderlich (Auteur)
Année de publication
2017
Pages
19
N° de catalogue
V434787
ISBN (ebook)
9783668771321
ISBN (Livre)
9783668771338
Langue
allemand
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Marie-Loise Wunderlich (Auteur), 2017, Das Tocqueville-Paradox. Die Auswirkungen subjektiver Wahrnehmung auf die Ungleichheitsdebatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434787
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