Die Maximierung des Marktwertes eines Unternehmens wird durch das Konzept des Shareholdervalue postuliert. Demnach ist die Unternehmensführung einzig den Aktionären als Besitzern des Unternehmens verpflichtet. Durch die Ausrichtung der Unternehmenspolitik auf dieses Ziel wird sodann der Nutzen aller weiteren Stakeholder maximiert. Während über die Zielsetzung weitestgehend Einigkeit besteht, stellt sich die Frage nach einer adäquaten Messgröße.
In dieser Arbeit soll der Effekt einer wertorientierten Steuerung auf das Akquisitionsverhalten deutscher Unternehmen des Prime Standard untersucht werden. Dabei wird zwischen wertorientierter Steuerung und Vergütung sowie zwischen verschiedenen Kennzahlen-Typen unterschieden. Die grundlegende Annahme ist, dass die Implementierung einer wertorientierten Steuerung oder Vergütung zu einer effizienteren Verwendung des eingesetzten Kapitals führt, da sie die Opportunitätskosten des Eigenkapitals berücksichtigt. Auf diese Weise wird der in einer Periode geschaffene Marktwertzuwachs bzw. die erzielte Rendite unter Beachtung der gesamten Kapitalkosten ermittelt. Durch den Einsatz geänderter Bewertungskriterien für Investitionsprojekte ergeben sich bei deren Beurteilung andere Vorteilhaftigkeiten im Vergleich zu Unternehmen, die zur Steuerung traditionelle Kennzahlen einsetzen. Vermutet wird, dass sich die Akquisitionstätigkeit mit der Implementierung von wertorientierter Steuerung ändert.
Die Untersuchung erfolgt im Rahmen einer Eventstudie mittels Regressionsanalyse. Auf informationseffizienten Kapitalmärkten kann auf diese Weise die Reaktion der Marktteilnehmer auf neue, die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens beeinflussende Informationen gemessen werden. Hierzu wurden Daten über die im Zeitraum von 2002-2010 durch deutsche Unternehmen getätigten Akquisitionen erhoben. Zudem wurden unternehmensspezifische Charakteristika erhoben, von denen vermutet wurde, dass sie einen Erklärungsgehalt auf die abnormalen Renditen am Veröffentlichungstag der Akquisition haben. Die Informationen über die Implementierung wertorientierter Steuerung stammen aus den Geschäftsberichten der Unternehmen und sind somit unabhängig.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Akquisitionsentscheidungen im Kontext der Agency Theory
3 Value Based Management
3.1 Grundlagen des Value Based Management
3.2 Einteilung der Value Based Management Systeme
4 Untersuchungsmethode und Datenbasis
4.1 Eventstudien
4.2 Bestimmung der Renditen
4.3 Effizienzmarkthypothese
4.4 Bestimmung der Stichprobe
4.5 Datenerhebung
4.5.1 Variablendefinition
4.5.2 Identifikation der Implementierung von VBMS
5 Deskriptive & empirische Analyse
5.1 Deskriptive Analyse
5.2 Empirische Analyse
5.2.1 Korrelationsanalyse
5.2.2 Paneldaten
5.2.3 Regressionsanalyse
5.2.4 Test der Ergebnisse auf Robustheit
6 Zusammenfassung & Fazit
Anhang A
Anhang B
Anhang C
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Effekt der Implementierung wertorientierter Steuerungssysteme und Vergütungsmethoden auf das Akquisitionsverhalten deutscher Unternehmen im Prime Standard im Zeitraum von 2002 bis 2010. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob eine solche wertorientierte Ausrichtung zu effizienteren Investitionsentscheidungen führt, die durch den Kapitalmarkt mit positiven abnormalen Renditen honoriert werden, wobei der theoretische Fokus auf der Agency Theory liegt.
- Analyse von Principal-Agent-Konflikten bei Akquisitionsentscheidungen
- Klassifizierung von Value Based Management Systemen (VBMS)
- Empirische Untersuchung mittels Eventstudien und Regressionsanalyse
- Einfluss der Unternehmenssteuerung auf die Marktwahrnehmung von Akquisitionen
- Berücksichtigung von Kontrollvariablen wie Verschuldungsgrad und Unternehmenswachstum
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundlagen des Value Based Management
Wie kann die Performance eines Unternehmens unter der Prämisse der Shareholdervalue-Maximierung bestmöglich gemessen werden? Welche Steuerungsmechanismen sind für eine auf den langfristigen Erfolg ausgerichtete Unternehmenspolitik sinnvoll? Value Based Management (VBM) soll die Frage beantworten, wie die Interessen von Anteilseignern und Managern in Übereinstimmung gebracht werden können. Und darauf aufbauend, welche die geeigneten Kennzahlen zur Beurteilung von Investitionsprojekten sind, die den Manager zu Entscheidungen bringen, die für den Shareholder relativ vorteilhaft sind. Mit dem Ziel der Marktwertmaximierung des Unternehmens sollen all diejenigen Investitionsprojekte realisiert werden, welche die Mindestanforderung, die Erzielung der risikoadjustierten Kapitalkosten, erfüllen (vgl. Schüler, 1998, S. 19). Dabei geht VBM über die reine Bereitstellung von Kennzahlen hinaus. Vielmehr soll ein umfassendes Steuerungssystem errichtet werden, welches Ineffizienzen existierender Kontrollmechanismen überwindet und damit eine Steigerung des Shareholdervalue sowohl messbar macht als auch selbst zu dessen Steigerung beiträgt (vgl. Ameels, Bruggeman und Scheipers, 2003, S. 5). VBM verändert dadurch ebenfalls die Art und Weise der Beurteilung von Investitionsprojekten.
Durch die explizite Berücksichtigung der Opportunitätskosten des durch die Anteilseigner bereitgestellten Eigenkapitals, kommt es im Vergleich zu traditionellen Messgrößen zu anderen Vorteilhaftigkeiten. Diese implizieren andere Investitionsentscheidungen, welche zu einem effizienterer Einsatz des bereitgestellten Kapitals führen. Wertzuwächse werden ausgewiesen, wenn eine Investition Zahlungsströme generiert, die über die Fremdkapitalkosten hinaus, die Eigenkapitalkosten decken und auf diese Weise zu einer positiven Rendite für die Shareholder führen. Diese Weiterentwicklung traditioneller Erfolgsmessung führt zu einer Vermeidung von Interessenskonflikten zwischen Eigentümern und Managern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Shareholdervalue-Maximierung ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Einfluss wertorientierter Steuerungssysteme auf das Akquisitionsverhalten deutscher Unternehmen.
2 Akquisitionsentscheidungen im Kontext der Agency Theory: Das Kapitel beleuchtet verschiedene ökonomische Erklärungsansätze für Unternehmensübernahmen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Agency Theory und den damit verbundenen Interessenkonflikten zwischen Principal und Agent liegt.
3 Value Based Management: Hier werden die Grundlagen sowie die theoretische Einteilung verschiedener wertorientierter Steuerungssysteme in vier Typen erläutert und deren Relevanz für Investitionsentscheidungen diskutiert.
4 Untersuchungsmethode und Datenbasis: Dieses methodische Kapitel beschreibt den Prozess der Eventstudie, die Datenerhebung für den Prime Standard 2002-2010 sowie die Definition der verwendeten Variablen.
5 Deskriptive & empirische Analyse: Das Kapitel präsentiert die deskriptiven Ergebnisse und die empirische Regressionsanalyse, um den Einfluss von VBMS auf das Akquisitionsverhalten und die abnormalen Renditen zu prüfen.
6 Zusammenfassung & Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der empirischen Untersuchung zusammen und reflektiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund der theoretischen Ausgangsannahmen.
Schlüsselwörter
Value Based Management, Agency Theory, Akquisitionsverhalten, Prime Standard, Eventstudie, Kapitalkosten, Shareholdervalue, Principal-Agent-Konflikt, abnormale Renditen, Regressionsanalyse, Unternehmenssteuerung, Investitionsentscheidungen, Kapitalmarkt, Unternehmenswert, Diversifikationsgrad
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Implementierung wertorientierter Steuerungssysteme in deutschen Unternehmen des Prime Standard einen messbaren Einfluss auf deren Verhalten bei Unternehmenskäufen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Value Based Management, die Agency Theory im Kontext von Unternehmenskontrolle, die empirische Methode der Eventstudie sowie die Analyse von Kapitalmarktreaktionen auf Akquisitionsankündigungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob wertorientierte Steuerung und Vergütung zu einer effizienteren Kapitalverwendung führen, was sich in positiven abnormalen Renditen am Kapitalmarkt nach der Ankündigung einer Akquisition widerspiegeln soll.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine Eventstudie, ergänzt durch eine deskriptive Statistik und eine Regressionsanalyse von Paneldaten, um den Effekt von VBMS zu isolieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung in der Agency Theory, die detaillierte Klassifizierung von VBMS-Typen, die methodische Herleitung der Eventstudie und die umfassende empirische Auswertung der Unternehmensdaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Value Based Management, Agency Theory, Akquisitionsverhalten, Eventstudie, Kapitalkosten und Shareholdervalue.
Warum ist der Prime Standard für diese Analyse besonders geeignet?
Unternehmen im Prime Standard unterliegen strengen Transparenzanforderungen, was die Erhebung zuverlässiger Finanzdaten und Informationen über interne Steuerungssysteme für eine empirische Analyse deutlich erleichtert.
Welches Ergebnis liefern die empirischen Modelle hinsichtlich der Performance?
Die Ergebnisse zeigen einen tendenziell schwach positiven Einfluss von wertorientierter Steuerung auf die abnormalen Renditen, wobei insbesondere Unternehmen mit Kennzahlen des Typs 4 einen signifikanten positiven Effekt aufweisen.
- Citar trabajo
- Kathrin Kass (Autor), 2013, Der Effekt wertorientierter Steuerungssysteme auf das Akquisitionsverhalten deutscher Unternehmen. Eine empirische Analyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434802