Die Erzählung ‚Brigitta‘ von Adalbert Stifter aus dem Jahr 1844 zählt zu den meist gelesenen Erzählungen Stifters. Kurz gesagt geht es um die unbegreifliche Liebe zwischen dem schönen Stephan Murai und der hässlichen Brigitta, um ihre rätselhafte Trennung und schließlich um die Wiedervereinigung des Paares. Zudem behandelt die Erzählung das Thema der inneren Schönheit. Wahrnehmung von Dingen und Beziehungen in dem menschlichen Leben sind uns nicht sogleich klar. Auch Hässlichkeit kann eine Form von Schönheit sein. Doch oftmals ziehen wir schon durch das Aussehen falsche Rückschlüsse die Person betreffend. Wir können dem entgegenwirken, indem wir uns diesem Problem bewusst werden.
In dieser Ausarbeitung möchte ich die Figur Brigitta genauer untersuchen indem ich sie anfangs mit dem Frauenbild des Biedermeier und danach mit den anderen weiblichen Charakteren der Erzählung vergleiche. Im Anschluss daran möchte ich die Veränderung der Figur im Laufe der Erzählung betrachten. Ich beginne die Ausarbeitung indem ich zunächst einmal den groben Inhalt der Erzählung wiedergebe und ihre Besonderheiten herausstelle. Im Anschluss daran stelle ich einen Epochenüberblick des Biedermeier auf. Dabei gehe ich auf die Epoche an sich ein, sowie im nächsten Schritt explizit auf das biedermeierliche Frauenbild.
Dann widme ich mich genauer der Erzählung, indem ich mich zum einen mit Brigittas Schwestern beschäftige, zum anderen nehme ich die Figur der Gabriele unter die Lupe Darauf folgend befasse ich mich intensiv mit der Protagonistin Brigitta. Dabei gehe ich zunächst auf die Rolle an sich ein. Anschließend möchte ich Brigittas Besonderheit darstellen, in Abgrenzung zu der biedermeierlichen Frau sowie zu Brigittas Schwestern und Gabriele, den anderen weiblichen Charakteren der Erzählung. Darauf folgend schaue ich mir die Veränderung Brigittas an, da sich ein Wandel der Protagonistin im Laufe der Erzählung vollzieht. Zum Schluss fasse ich meine Ergebnisse zusammen um sie im Hinblick auf meine Fragestellung auszuwerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Erzählung ‚Brigitta‘
3. Biedermeier
3.1 Epochenüberblick
3.2 Frauen im Biedermeier
4. Frauen in der Erzählung
4.1 Brigittas Schwestern
4.2 Gabriele
5. Brigitta
5.1 Zur Person
5.2 Besonderheit der Figur
5.3 Veränderung der Figur
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur der Brigitta aus Adalbert Stifters Erzählung hinsichtlich ihrer Abgrenzung zum biedermeierlichen Frauenideal sowie ihrer persönlichen Entwicklung im Handlungsverlauf. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Brigitta durch ihren Bruch mit konventionellen Geschlechterrollen eine autonome Identität entwickelt und welchen Wandel sie von der als „hässlich“ wahrgenommenen Außenseiterin zur selbstbestimmten Gutsherrin vollzieht.
- Analyse des biedermeierlichen Frauenbildes im historischen Kontext
- Kontrastive Betrachtung der Nebenfiguren (Schwestern und Gabriele)
- Untersuchung der psychologischen und optischen Transformation der Protagonistin
- Dekonstruktion traditioneller Geschlechterrollen durch die Figur Brigitta
- Darstellung der Emanzipation als zentrales, zukunftsweisendes Motiv
Auszug aus dem Buch
5.2 Besonderheit der Figur
Der Name „Brigitta leitet sich aus dem Keletischen ab und bedeutet so viel wie „die Hohe“, „die Erhabene“. Brigitta soll als heldenhaftes Vorbild dienen; dass ihr Name der Titel der Erzählung ist zeugt von der Selbstständigkeit der Protagonistin. Dank ihrer Lebensgeschichte, die eine selbstbestimmte und unabhängige Frau in den Fokus stellt, lernt der Erzähler neue Aspekte der Gesellschaftsnormen und den Umgang mit ihnen kennen. „Brigitta und ihre Schwestern leben in einer vom Patriarchat bestimmten Gesellschaft, die die Geschlechterrollen und die damit verbundenen soziokulturellen Folgen festlegen“. In dieser Welt gilt die Schönheit als Kategorisierungsmittel, um Frauen gesellschaftlich einzuordnen, Mangel an Schönheit bringt somit gesellschaftliche Einschränkungen mit sich. Die Kategorisierung als hässlich bietet Brigitta jedoch die Möglichkeit zur Individualisierung, ganz im Gegensatz zu ihren Schwestern, welche bezeichnenderweise beide namenlos bleiben. Dies öffnet ihr die Tür zu einem alternativen Lebensstil, der notgedrungen nicht mit Harmonie mit den gängigen Geschlechterrollen steht.
Weil Brigitta ein selbstbestimmtes Leben anstrebt, in dem sie sich nur Aspekte von Geschlechterrollen aneignet, die sie auch erfüllen möchte, erarbeitet sie sich das Recht auf einen Namen. Somit sind ihre Schwestern nur Repräsentantinnen eines Systems, dass einem deutlich umrissenen Gefüge von Regeln und Normen folgt. Durch ihr Verhalten bricht Brigitta aus besagten gesellschaftlichen Schranken aus. Dadurch, dass sie ihren eigenen Weg geht und sich nicht – wie von der Gesellschaft erwartet – wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes in die Einsamkeit flüchtet, erreicht sie letztendlich die Etappe der Personalisierung, „bei der eine Einordnung von Figuren in gespeicherte Kategorien im Prinzip nicht mehr möglich ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Zielsetzung der Arbeit und führt in die Thematik der Erzählung sowie die zentralen Fragestellungen ein.
2. Die Erzählung ‚Brigitta‘: Hier wird der inhaltliche Rahmen der Novelle abgesteckt und der Leser in die historische Entstehungszeit sowie die Struktur der Handlung eingeführt.
3. Biedermeier: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Epoche des Biedermeier, insbesondere unter dem Fokus des gesellschaftlichen Frauenbildes jener Zeit.
4. Frauen in der Erzählung: Die Analyse konzentriert sich auf die kontrastiv zu Brigitta gezeichneten weiblichen Charaktere, namentlich die Schwestern und Gabriele.
5. Brigitta: Der Hauptteil untersucht detailliert die Persönlichkeit der Protagonistin, ihre Besonderheiten und ihren Reifeprozess im Verlauf der Geschichte.
6. Schluss: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Bedeutung von Brigittas Emanzipation gegenüber den biedermeierlichen Normen hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Adalbert Stifter, Brigitta, Biedermeier, Frauenbild, Emanzipation, Geschlechterrollen, Literaturwissenschaft, Selbstbestimmung, Protagonistin, Identität, Sozialisation, Novelle, Ungarn, Individualisierung, Weiblichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Novelle „Brigitta“ von Adalbert Stifter und untersucht, wie sich die Titelheldin von den traditionellen, biedermeierlichen Frauenbildern ihrer Zeit abhebt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Themen Gender-Rollen, Emanzipation, die Konstruktion von Identität und die kritische Auseinandersetzung mit dem Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Brigitta durch Selbstbestimmung und das Aufbrechen patriarchaler Strukturen eine autonome Rolle einnimmt und ihre persönliche Reife erlangt.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche, kontrastive Figuren- und Sozialisationsanalyse, um das Verhalten der Hauptfigur mit den gesellschaftlichen Normen der Epoche zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Epochenbetrachtung des Biedermeier, eine Analyse der Nebenfiguren sowie eine tiefgehende Untersuchung der Transformation Brigittas von einer Außenseiterin zur emanzipierten Frau.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wesentliche Begriffe sind hierbei „biedermeierliches Frauenbild“, „Individualisierung“, „Rollenkonflikt“ und „Selbstbestimmung“.
Warum spielen die Schwestern eine wichtige Rolle als Vergleichsobjekt?
Sie dienen als kontrastive Folie, da sie die traditionellen, anonymen Rollenbilder des Biedermeier perfekt repräsentieren, wohingegen Brigitta sich bewusst davon abgrenzt.
Welche Bedeutung hat Gabriele für die Handlung der Erzählung?
Gabriele fungiert als klassische Schönheit und „Verführerin“, deren Auftreten als notwendiger Auslöser für die Entwicklung der Ehekrise und die spätere Wiedervereinigung des Paares dient.
Welche Rolle spielt die „Hässlichkeit“ Brigittas für ihre Persönlichkeitsentwicklung?
Die Kategorisierung als „hässlich“ bietet Brigitta erst den Freiraum, sich den gesellschaftlichen Erwartungen an Schönheit und Unterordnung zu entziehen und ihre eigene Identität zu entfalten.
Was ist der Wendepunkt in Brigittas Leben innerhalb der Erzählung?
Der Wendepunkt markiert das erste bewusste Zulassen von Emotionen und Tränen nach der Begegnung mit Stephan Murai, was den Prozess der weiblichen Identitätsfindung und inneren Öffnung einleitet.
- Citar trabajo
- Michelle Weiser (Autor), 2017, Inwiefern unterscheidet sich Brigitta von der typischen Frau des Biedermeier und anderen weiblichen Charakteren von Adalbert Stifter?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434869