Spanien war zur Zeit des 16. Jahrhunderts das einflussreichste Land in Europa. 1519 wurde Karl der V. Kaiser von Spanien. Er erbte Spanien, die Niederlande und einen Teil von Italien und bekam so in Europa die Vormachtstellung. Der spanische Hof wurde durch diese Stellung des Landes zum Zentrum von Macht und Prunk. Spanien war somit auch ein Land, das die Mode regierte und auf das andere Länder aufschauten. Costa Braun schrieb dazu in seinem Buch „La Moda Maschile: Soziologie der vestimentären Mode, Semiotik der italienischen Herrenbekleidungsvertextung und Ästhetik der Herrenmodefotografie im ausklingenden 20. Jahrhundert“, „die Mode aber geht mit der Macht. Deutlich kann man das erkennen, wenn man zurückdenkt an das modische Chaos, das unmittelbar am Ende des Mittelalters in allen europäischen Ländern spontan ausbrach.“ Denn ab dem Zeitpunkt an dem Spanien die Vorherrschaft hatte, wurde die spanische Mode zur Mode für alle. Vor allem Karls Wesen und seine religiösen Ansichten waren maßgeblich für die Entwicklung der spanische Mode. Seine Persönlichkeit wird deutlich durch die Übersetzung eines Abschlussberichtes des venezianischen Gasparo. Dort wurde aufgeführt, Kaiser Karl der V. sei von mittlerer Statur, weißhäutig und von gut proportioniertem Körperbau, seine Nase sei adlerförmig, seine Augen scharf und sein Ausdruck ernst, aber nicht grausam. Contarini beschreibt Karl den V. als sehr religiösen Menschen, der keine Laster hatte und sich kein Vergnügen gönnte. Karl der V. wollte eine religiöse Einheit und dieses Ziel ist zu einem zentralen Punkt in seiner Politik geworden. Vor allen die Mode wurde durch dieses Ziel bestimmt. Die Kleidung wurde zunehmend düsterer und steifer. Die Körperform des Menschen sollte nicht mehr zu erkennen sein. Sie sollte damit „(…) kühle Zurückhaltung, Gemessenheit, bewusste Strenge, ja Steifheit ausstrahlen (…).“
Inhaltsverzeichnis
1. Die spanische Mode im 16. Jahrhundert
1.1 Die Entstehung der spanischen Mode
1.2 Frauenbekleidung
1.3 Männerbekleidung
2. Die Farbe Schwarz
3. Der Einfluss auf Europa
3.1 Der Einfluss auf Frankreich
3.2 Der Einfluss auf England
3.3 Der Einfluss auf Deutschland
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der spanischen Mode des 16. Jahrhunderts auf verschiedene europäische Länder. Dabei wird analysiert, wie politische und religiöse Faktoren die Mode beeinflussten und auf welche Weise diese Modetrends in Frankreich, England und Deutschland adaptiert oder modifiziert wurden.
- Entstehung und Charakteristika der spanischen Mode im 16. Jahrhundert
- Die symbolische und politische Bedeutung der Farbe Schwarz
- Vergleichende Analyse der modischen Adaption in Frankreich, England und Deutschland
- Untersuchung spezifischer Kleidungsstücke wie Manteau, Wams und Halskrause
- Einfluss von Machtverhältnissen und Herrschaftshäusern auf die Modeentwicklung
Auszug aus dem Buch
1.2 Frauenbekleidung
Zur Zeit der Renaissance trugen die Frauen sehr eng anliegende Kleidung. Das Oberteil der Frau wurde um 1480 geöffnet und zum Vorschein kam das Hemd oder ein Brusteinsatz. Außerdem waren die Kleidungsstücke um 1500 noch sehr farbenfroh. Unter der Regierung von Karl des V. bekam die Kleidung ein sehr düsteres und starres Aussehen. Die weiblichen Formen sollten mit dem Auge nicht mehr zu sehen sein und „(…) alles weibliche, vernein[en] bzw. verdeck[en].“
Ein wichtiges höfisches Kleidungsstück für die Frauen war das „Manteau“, was eine Art Mantelkleid darstellte, das “(…) sich aus dem steifen Mieder mit Achselstücken, darunter angenestelten, anliegenden oder offenen Hängeärmeln und hohem Stehkragen sowie dem ebenfalls abgesteiften Rock zusammensetzte.“ Der Mantel wurde zu dieser Zeit noch geschlossen getragen und ab 1570 unten geöffnet, sodass eine Dreiecksform entstand. Die Form wurde ausgefüllt durch einen Rock der unter dem Manteau getragen wurde, namens „Jupe“.
Des Weiteren gab es noch ein einteiliges Kleid aus hochwertigen Stoffen, das meistens aus hellen Materialen bestand und in Spanien „Saya“ genannt wurde. Da das Obergewand der Frau einem Mantel ähnlich war, gab es in Spanien keine oder nur selten Überbekleidung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die spanische Mode im 16. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der spanischen Mode als Ausdruck von Macht und religiöser Strenge unter Kaiser Karl V., inklusive spezifischer Merkmale der Damen- und Herrenbekleidung.
2. Die Farbe Schwarz: Es wird die historische Entwicklung und die soziale Bedeutung der Farbe Schwarz untersucht, die sich von einer bloßen Modefarbe zur „Farbe des Todes“ und zum Ausdruck politischer sowie religiöser Gesinnung wandelte.
3. Der Einfluss auf Europa: Dieses Kapitel analysiert, wie die spanische Mode als prägender Stil auf Frankreich, England und Deutschland wirkte und dort durch länderspezifische Anpassungen in Details und Stoffwahl verändert wurde.
Schlüsselwörter
Spanische Mode, 16. Jahrhundert, Karl V., Modehistorie, Manteau, Halskrause, Farbe Schwarz, europäische Modegeschichte, Renaissance, Hofkleidung, französischer Einfluss, englische Mode, deutsche Tracht, Kleidungspolitik, Kostümkunde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Ausbreitung der spanischen Mode im 16. Jahrhundert und deren Einfluss auf die europäischen Nachbarländer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung der spanischen Hoftracht, die Symbolik der Farbe Schwarz und die länderspezifische Adaption spanischer Modetrends.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie politisch-religiöse Gegebenheiten die Mode in Spanien beeinflussten und wie diese Trends in anderen europäischen Nationen modifiziert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse historischer Kostümkunde und der Auswertung von zeitgenössischen Bildquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Kleidung von Frauen und Männern, die Bedeutung der Farbe Schwarz sowie den Einfluss Spaniens auf Frankreich, England und Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie spanische Mode, 16. Jahrhundert, Renaissance, höfische Kleidung und Modetransfer charakterisiert.
Warum war die Farbe Schwarz für die spanische Mode so prägend?
Schwarz reflektierte die strengen religiösen Ansichten von Kaiser Karl V. und wurde zum Ausdruck von Eleganz sowie politischer Macht.
Wie unterschied sich die Mode in Deutschland von der in Spanien?
In Deutschland kamen die Trends deutlich später an und wurden oft als eher düstere, starre Formen in die fürstliche Kleidung integriert, wobei lokale Bezeichnungen wie „Harzkappe“ oder „Heuke“ entstanden.
Welche Rolle spielte die Halskrause?
Die Halskrause war ein markantes Accessoire, das von beiden Geschlechtern getragen wurde und sich im Laufe der Zeit von einem schlichten Stehkragen zum aufwendigen Mühlsteinkragen entwickelte.
- Citation du texte
- Sarah Sophiee (Auteur), 2018, Der Einfluss der spanischen Mode auf Europa im Jahre 1600, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434917