Die Bedeutsamkeit des Sportvereins im Kindes- und Jugendalter

Der Beitrag von Übungsleiterinnen und Übungsleitern zur Entwicklungsförderung


Bachelorarbeit, 2017

122 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

A: Theoretischer Bezugsrahmen

2. Der Sportverein
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Leistungen eines Sportvereins
2.3 Die Übungsleiter/innen
2.4 Gegenwärtige sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen im Verein

3. Aufgaben und Herausforderungen junger Menschen der heutigen Gesellschaft
3.1 Entwicklungsaufgaben der Heranwachsenden
3.2 Sozialisationsinstanzen im Kindes- und Jugendalter
3.2.1 Familie
3.2.2 Schule
3.2.3 Peer-Group
3.2.4 Freizeit
3.3 Gesundheitliche Aspekte
3.3.1 Psychische Gesundheit
3.3.2 Bewegungsmangel und Essverhalten
3.4 Gewalt unter Kindern und Jugendlichen

4. Auswirkungen von Vereinssport auf Kinder und Jugendliche
4.1 Die Bedeutung der Bewegung für die Gesundheit
4.2 Stärkung des Selbstkonzeptes
4.3 Informelles Lernen und Kompetenzerwerb
4.4 Integration durch Sport
4.5 Gewaltprävention

B: Empirischer Teil - eine qualitative Erhebung

5. Fragestellungen

6. Auswahl der Methode - das Experteninterview
6.1 Interviewleitfaden
6.2 Auswahl der Expertinnen und Experten
6.3 Durchführung der Interviews
6.4 Datenaufbereitung und Auswertung

7. Ergebnisse der Auswertung

8. Diskussion

9. Zusammenfassung und Fazit

10. Literatur

11. Anhang

12. Ehrenwörtliche Erklärung

Abstract

Kinder und Jugendliche werden heutzutage mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Veränderte Familienformen, zunehmender Medienkonsum, gesundheitliche Veränderungen sowie die zunehmende Gewalt untereinander sind Schwierigkeiten, denen sich die Heranwachsenden in der heutigen Gesellschaft stellen müssen. Die Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen ist von hoher Relevanz, da eine misslungene Bewältigung zu Entwicklungsproblemen führen kann. Der Sportverein zählt zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Kindes- und Jugendalter und somit stellt sich die Frage, ob dieser einen Beitrag zur Entwicklungsförderung leisten kann. Im Rahmen dieser Arbeit wurden Experteninterviews mit sechs Übungsleiterinnen und Übungsleitern durchgeführt. Darin wurde untersucht, ob für alle Heranwachsenden die Möglichkeit zur Teilnahme am Sportverein besteht und inwiefern die Übungsleiter/innen ein Bewusstsein über die Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen besitzen, sodass sie diese bei deren Bewältigung unterstützen und in ihrer Entwicklung fördern können. Junge Menschen besitzen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund die Möglichkeit zur Teilnahme an Angeboten des Sportvereins. Die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund kann jedoch aufgrund individueller Schwierigkeiten gehemmt werden und gelingt somit nur bedingt. Es konnte ermittelt werden, dass der Sportverein einen Ort darstellen kann, in dem viele verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen angeeignet werden, welche auf andere Kontexte transferiert werden können. Dies kann die jungen Menschen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen unterstützen und zu einer gelungenen Entwicklung beitragen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Regelmäßige Gruppenaktivität und Mitgliedschaft in Vereinen

Abbildung 2: Häufige Freizeitbeschäftigungen im Laufe einer Woche

Abbildung 3: Prävalenz von Essstörungen bei Elf- bis Siebzehnjährigen in Deutschland

Abbildung 4: Hierarchisches Modell des Selbstkonzeptes

1. Einleitung

Der sich in den letzten Jahren vollzogene gesellschaftliche Wandel führt zu einer Vielzahl von Aufgaben und Herausforderungen, welche Kinder und Jugendliche heutzutage bewältigen müssen. Die Familienkonstellationen haben sich im Laufe der Jahre stark verändert. Die Scheidungsrate nimmt weiterhin zu und die in den 60er Jahren vorherrschende traditionelle Familienform bestehend aus Vater, Mutter und in der Regel zwei Kindern ist immer seltener vertreten. Daraus resultieren viele alleinerziehende Elternteile und den Heranwachsenden fehlt oftmals die zweite wichtige Bezugsperson in ihrem Zuhause. Auch im schulischen Kontext bestehen Herausforderungen für die jungen Menschen, da der dortige Leistungsdruck kontinuierlich steigt. Bei Schülern und Schülerinnen nimmt die Bedeutung der Bildung zu. Viele möchten die Hochschulreife erwerben, denn sowohl Leistungsverhalten als auch Bildungsgrad sind heutzutage ausschlaggebend für die soziale Positionierung im Leben. Der dadurch entstehende Druck, entsprechend gute Noten zu erhalten, kann zu körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen führen. In ihrer Freizeit müssen sich Kinder und Jugendliche gegenüber Gleichaltrigen häufig beweisen und unterstehen dort ebenfalls einem hohen Druck, da sie bei mangelnden Fähigkeiten Opfer von Stigmatisierungen, Aggressionen oder verbaler Gewalt werden können. Dadurch können schwerwiegende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung entstehen und auch gewaltbereites Verhalten innerhalb der Peergroup zunehmen. Des Weiteren gewinnt der Medienkonsum zunehmend an Bedeutung, sodass im Vergleich zu den letzten Jahren von einer verminderten Bewegung im Kindes- und Jugendalter zu sprechen ist. Diese kann gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. Die motorische Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt und dadurch erfahren junge Menschen häufig Zurückweisung, was zum Rückzug bis zur sozialen Isolation führen kann. Diese daraus resultierende Unzufriedenheit kann sich negativ auf das Essverhalten der Kinder und Jugendlichen auswirken und sich schlimmstenfalls in einer Essstörung manifestieren. Ebenfalls beeinflusst dies das Selbstkonzept der Heranwachsenden. Ein Scheitern bei der Bewältigung dieser bestehenden Herausforderungen kann sich negativ auf die Entwicklung auswirken. Delinquentes Verhalten, Depressionen bis hin zu Suizidversuchen können Folgen einer gescheiterten Bewältigung sein.

Trotz der in den letzten Jahren sinkenden Bewegung im Alltag der Heranwachsenden zählt das Sporttreiben zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Dies erklärt die hohe Anzahl an Mitgliedschaften in einem Sportverein. 82 % der Jungen und 62 % der Mädchen im Alter von sieben bis vierzehn Jahren nehmen an Angeboten des Vereinssports teil (vgl. Deutscher Olympischer Sportbund 2016). Aus diesem Grund wird sich diese Arbeit mit der Bedeutsamkeit des Sportvereins im Kindes- und Jugendalter beschäftigen. Unter besonderer Betrachtung steht die Fragestellung, ob der Sportverein durch den Einfluss von Übungsleiterinnen und Übungsleitern einen Ort darstellen kann, der zu einer gelingenden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen kann.

Um diese Frage beantworten zu können, wird sich die vorliegende Arbeit zunächst mit dem Setting Sportverein befassen. Es erfolgt eine Begriffsbestimmung und die verschiedenen Leistungen werden dargelegt. Anschließend wird die Tätigkeit als Übungsleiter/in näher erläutert und die aktuellen Zahlen einer sportlichen Betätigung von Heranwachsenden im Sportverein dargestellt.

Nachfolgend werden die Aufgaben und Herausforderungen geschildert, die Kinder und Jugendliche heutzutage bewältigen müssen. Hierbei werden zunächst die Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter aufgezeigt. Anschließend werden die Sozialisationsinstanzen und die damit in Verbindung stehenden Schwierigkeiten aufgeführt. Ebenfalls wird auf gesundheitliche Aspekte wie psychische Gesundheit der Heranwachsenden, der zunehmende Bewegungsmangel sowie das Essverhalten eingegangen.

Darauf aufbauend werden die möglichen Auswirkungen von Sport auf die jungen Menschen vorgestellt. Zunächst wird darauf hingewiesen, welche Bedeutung die Bewegung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat. Anschließend werden die Effekte des Sporttreibens auf das Selbstkonzept von Heranwachsenden vorgestellt und die Möglichkeit des informellen Lernens sowie des Kompetenzerwerbs im Sportverein aufgezeigt. Die Integrationsmöglichkeiten durch den Vereinssport werden erläutert und Sport als Mittel zur Gewaltprävention dargestellt.

Für den empirischen Teil dieser Arbeit wurde eine qualitative Erhebung durchgeführt. Zu Beginn wird die dafür verwendete Methode des Experteninterviews vorgestellt. Anschließend wird der für die Interviews verwendete Leitfaden erläutert und die Auswahl der Expertinnen und Experten begründet. Die Durchführung der Interviews wird beschrieben und der Vorgang der Datenaufbereitung und Auswertung erläutert. Zuletzt werden die daraus gewonnenen Erkenntnisse dargestellt und mit der bestehenden Literatur verglichen.

In dieser Arbeit wird von Heranwachsenden im Alter von sechs bis vierzehn Jahren gesprochen. Die Kinder und Jugendlichen befinden sich somit in der Lebensphase der mittleren Kindheit bis zur frühen Adoleszenz (vgl. Oerter/Dreher 2002: 259ff).

A: Theoretischer Bezugsrahmen

2. Der Sportverein

Für die Bearbeitung der Fragestellung ist ein einheitliches Verständnis bezüglich des Settings Sportverein notwendig. In diesem Kapitel soll zunächst definiert werden, was unter einem Sportverein zu verstehen ist. Nach dieser Begriffsbestimmung wird auf das Leistungsspektrum eingegangen. Anschließend wird die Tätigkeit als Übungsleiter/in näher erläutert und die aktuellen Zahlen von Kindern und Jugendlichen in diesen Vereinen werden dargestellt.

2.1 Begriffsbestimmung

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist die größte Sportorganisation weltweit und der Dachverband des organisierten Sportes. Ihm unterstehen mehr als 91.000 Sportvereine mit ca. 28 Millionen Mitgliedern (vgl. Borger et al. 2015: 89). Ein Sportverein ist eine freiwillig organisierte Vereinigung von Personen, welche sich zusammen sportlich betätigen möchten (vgl. Neuber 2007: 151). Die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft, die Orientierung an den Interessen der Mitglieder, die demokratischen Entscheidungsstrukturen, die Unabhängigkeit gegenüber Dritten sowie die ehrenamtliche Mitarbeit gehören zu den Strukturmerkmalen eines solchen Vereins (vgl. Neuber et al. 2010: 29f.).

2.2 Leistungen eines Sportvereins

Der Sportverein bietet für alle Generationen ein umfassendes, regelmäßig stattfindendes Bewegungsangebot. Schon in frühen Jahren kann man an Kursen wie Eltern-Kind-Turnen oder Kinderturnen teilnehmen sowie eine Ballsportart erlernen. Gerade bei Jungen bleibt die aktive Teilnahme an der beliebten Sportart Fußball häufig bis ins Jugendalter erhalten. Mädchen sind überwiegend in Sportstunden wie Akrobatik oder Turnen vertreten. Die jeweilige Kurseinteilung kann nach Alter, Geschlecht oder Leistungsstand erfolgen. Im Erwachsenenbereich nimmt neben diversen Fitnesskursen der Gesundheitssektor zu und Präventionskurse gewinnen zunehmend an Bedeutung. Des Weiteren bieten Vereine auch häufig wettkampforientierte Sportangebote an (vgl. Deutscher Olympischer Sportbund o.J. a).

Nach dem Sportentwicklungsbericht des Jahres 2011/2012 tragen die deutschen Sportvereine erheblich zum Gemeinwohl bei. Sie unterscheiden sich in hohem Maße von anderen Sportanbietern, denn sie legen besonders viel Wert auf Fair Play und die Vermittlung von Toleranz. Ebenfalls bieten sie benachteiligten und finanziell eingeschränkten Menschen die Möglichkeit, vergünstigt an den Sportangeboten teilzunehmen. Die Gemeinschaft ist den Sportvereinen besonders wichtig und sie setzen sich für die gleichberechtigte Beteiligung von Mädchen und Frauen sowie Jungen und Männern ein (vgl. Breuer/Feiler 2013: 15f.).

2.3 Die Übungsleiter/innen

Eine kompetente Anleitung ist ausschlaggebend dafür, dass das Sporttreiben im Verein positive Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben kann. Demzufolge nehmen Übungsleiter/innen bei der Gestaltung und Durchführung ihrer Sportstunde eine wichtige Rolle ein (vgl. Schütte 2008: 74).

Übungsleiter/innen betreuen verschiedene Gruppen im Sportverein, abhängig von ihren jeweiligen Ausbildungen und Lizenzen (vgl. Mrazek/Rittner 1992: 279). Auf der ersten Lizenzstufe „Übungsleiter/in-C“ werden zunächst allgemeine pädagogische und sportfachliche Fertigkeiten vermittelt sowie die neuesten Trends und Sportarten aufgezeigt. Des Weiteren beinhaltet diese Ausbildung die Bereiche Konfliktmanagement, kulturelle Unterschiede, verschiedene Altersthematiken sowie Leistungs- und Genderfragen. In der zweiten Lizenzstufe „Übungsleiter/in-B“ erfolgt eine Spezialisierung auf die verschiedenen Sportarten und Altersklassen. Beispiele hierfür sind Sport im Elementarbereich, Bewegungserziehung im Kleinkind- und Vorschulalter, Programme mit Älteren und Hochaltrigen sowie Sport in der Prävention (vgl. Deutscher Olympischer Sportbund o.J. b).

In den Sportstunden mit Kindern und Jugendlichen entscheiden Übungsleiter/innen individuell, in welchem Maße sie einen pädagogischen Einfluss auf die jungen Menschen ausüben und welcher Führungsstil in der jeweiligen Sportstunde herrscht (vgl. Brinkhoff 1998: 301ff). Es ist erforderlich, dass Übungsleiter/innen auf die Interessen der Vereinsmitglieder eingehen, sowie diversen Anforderungen und Erwartungen nachkommen. Die Sportstunde kann nach Belieben gestaltet werden, sollte jedoch sportliche, pädagogische sowie moralische Hintergründe besitzen. Da Übungsleiter/innen einen Überblick auf die verschiedenen Sichtweisen, Interessen und Problemlagen der Kinder und Jugendlichen erhalten, können sie wichtige Bezugspersonen für die Heranwachsenden darstellen und als Vorbild fungieren (vgl. Schütte 2008: 74f.).

2.4 Gegenwärtige sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen im Verein

In der 2. World Vision Kinderstudie wurden Eltern über die regelmäßige Teilnahme ihrer sechs- bis elfjährigen Kinder in Organisationen befragt. Die nachfolgende Abbildung zeigt, dass eine regelmäßige Teilnahme an Aktivitäten außerhalb von Elternhaus und Schule in dieser Altersgruppe nur gering vertreten ist. Eine Ausnahme bildet der Sportverein. Wie schon zwei Jahre zuvor, befindet er sich im Jahr 2009 mit 62 % an erster Stelle. Eine weitere aufgeführte sportliche Betätigung ist der Tanzclub bzw. Ballett mit einer Teilnahme von 10 %, womit er sich gleichauf mit der Kirchengruppe befindet. Dies macht deutlich, dass der Sportverein zu den beliebtesten organisierten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen gehört (vgl. Leven/Schneekloth 2015: 102).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Regelmäßige Gruppenaktivität und Mitgliedschaft in Vereinen

Quelle: Leven/Schneekloth (2010), S. 104.

Die Zahlen der aktuellen Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sportbundes belegen, dass insgesamt 29 % der deutschen Bevölkerung eine Mitgliedschaft in einem Sportverein besitzen. Im Alter von bis zu sechs Jahren hat mit 24 % rund jedes vierte Mädchen eine solche Mitgliedschaft. Bei den Jungen sind es 27 %. In der Gruppe der Sieben- bis Vierzehnjährigen ist die sportliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Verein am häufigsten vertreten. 82 % der Jungen und 62 % der Mädchen sind in dieser Altersgruppe Mitglied in einem Sportverein (vgl. Deutscher Olympischer Sportbund 2016).

3. Aufgaben und Herausforderungen junger Menschen der heutigen Gesellschaft

Das folgende Kapitel befasst sich mit der Frage, welche Aufgaben und Herausforderungen Heranwachsende heutzutage bewältigen müssen. Dazu werden zunächst die verschiedenen Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter aufgezeigt. Anschließend werden die Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Peergroup sowie die Freizeitgestaltung erläutert und auf die dortigen Schwierigkeiten eingegangen. Nachfolgend werden gesundheitliche Probleme der Heranwachsenden dargestellt und das Thema Gewalt unter Kindern und Jugendlichen behandelt.

3.1 Entwicklungsaufgaben der Heranwachsenden

Unter dem Begriff Entwicklungsaufgabe versteht man die gesellschaftlichen Erwartungen bezüglich der altersbezogenen Entwicklung, welche bis zum Übergang in den nächsten Lebensabschnitt bewältigt werden müssen (vgl. Freund 2003: 234).

Nach Robert J. Havighurst (1953: 25ff) , welcher das Konzept der Entwicklungsaufgaben Ende der 1940er Jahre erarbeitet hat, gehören folgende Entwicklungsaufgaben zur mittleren Kindheit, welche sich von sechs bis zwölf Jahren vollzieht:

- Erlernen körperlicher Geschicklichkeit, die für gewöhnliche Spiele notwendig ist
- Aufbau einer positiven Einstellung zu sich als einem wachsenden Organismus
- Lernen, mit Altersgenossen zurechtzukommen
- Erlernen eines angemessenen männlichen oder weiblichen sozialen Rollenverhaltens
- Entwicklung grundlegender Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen
- Entwicklung von Konzepten und Denkschemata, die für das Alltagsleben notwendig sind
- Entwicklung von Gewissen, Moral und einer Werteskala
- Erreichen persönlicher Unabhängigkeit
- Entwicklung von Einstellungen gegenüber sozialen Gruppen und Institutionen

In der Phase der Adoleszenz, welche das Alter elf bis einundzwanzig umfasst, nennt Havighurst (1953: 111ff) folgende acht Entwicklungsaufgaben:

- Aufbau von neuen und reiferen Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts
- Übernahme der männlichen oder weiblichen Geschlechtsrollen
- Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers
- emotionale Unabhängigkeit von den Eltern und von anderen Erwachsenen
- Vorbereitung auf Ehe und Familienleben
- Vorbereitung auf eine berufliche Karriere
- Werte und ein ethisches System erlangen, das als Leitfaden für Verhalten dient sowie Entwicklung einer Ideologie
- sozial verantwortliches Verhalten erstreben und erreichen

Aufbauend auf dem Konzept von Havighurst unterscheiden Hurrelmann und Quenzel (2013: 28) vier zentrale Entwicklungsaufgaben in der Phase der Adoleszenz. Die Entwicklungsaufgabe „Qualifizieren“ beinhaltet die Entfaltung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz für die Bewältigung von sozialen und schulischen Anforderungen. Die Entwicklungsaufgabe „Binden“ umfasst das Akzeptieren der körperlichen Veränderung sowie den Aufbau einer Geschlechtsidentität, die emotionale Ablösung von den Eltern und den Aufbau einer Partnerbeziehung als potentielle Basis für eine Familienplanung. Eine weitere Entwicklungsaufgabe wird als „Konsumieren“ benannt. Hierbei geht es um die Entwicklung einer Fähigkeit zum Umgang mit Wirtschafts-, Freizeit- und Medienangeboten. Der Aufbau einer Werte- und Normenorientierung und der Fähigkeit eines politischen Bewusstseins wird dem Begriff „Partizipieren“ zugeordnet.

Es besteht eine enge Verbindung zwischen der Bewältigung einer Entwicklungsaufgabe in der Kindheit und der späteren erfolgreichen Auseinandersetzung mit einer darauf aufbauenden Entwicklungsaufgabe in der Jugendphase (vgl. Oerter/Dreher 2002: 270). Zum Beispiel muss in der Kindheit erst eine Einstellung gegenüber sozialen Gruppen und Institutionen entwickelt werden, um in der Phase der Adoleszenz ein sozial verantwortliches Verhalten erreichen zu können (vgl. Neuber 2007: 122).

Die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter kann durch verschiedene Herausforderungen im Alltag der Heranwachsenden beeinträchtigt werden. In den für die jungen Menschen wichtigen Sozialisationsinstanzen können Schwierigkeiten entstehen, welche zur Belastung werden. Diese gilt es zu bewältigen, damit die Entwicklungsaufgaben erfolgreich absolviert werden können. Im Folgenden werden die diversen Sozialisationsinstanzen sowie die darin auftretenden Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen vorgestellt.

3.2 Sozialisationsinstanzen im Kindes- und Jugendalter

Die Sozialisationsinstanzen im Kindes- und Jugendalter haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, was einerseits als Chance angesehen werden kann, aber andererseits auch Risiken birgt. Zu den Sozialisationsinstanzen zählen die Familie, die Schule, die Peergroup sowie die Freizeit.

3.2.1 Familie

Die Familie ist der wichtigste Ort der Sozialisation und wird deshalb als primäre Sozialisationsinstanz bezeichnet. Die traditionelle Familienform bestehend aus Vater, Mutter und in der Regel zwei Kinder befindet sich seit Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts im ständigen Wandel (vgl. Schneewind 2010: 54). Eine Begründung hierfür geben Hurrelmann und Bauer (2015: 148ff). Nach ihnen sind u.a. die hohe Trennungs- und Scheidungsrate und die hierdurch bedingte wachsende Anzahl an Alleinerziehenden ausschlaggebend. Des Weiteren lassen sich die Eltern oftmals nach der Trennung auf eine neue Partnerschaft ein und es entsteht eine Patchwork-Familie. Auch die Anzahl an gleichgeschlechtlichen Paaren, welche sich für ein Kind entscheiden, ist im Laufe der Jahre gestiegen. Weiterhin gibt es immer mehr Familien mit einem Migrationshintergrund. Dies kann für viele Heranwachsende ebenfalls eine Herausforderung dar­stellen. Ca. 17 Millionen Migrantinnen und Migranten lebten im Jahre 2015 in Deutschland. Dies macht 21 % der deutschen Gesamtbevölkerung aus. Jedes dritte Kind bis zu sechs Jahren hat einen Migrationshintergrund (vgl. Statistisches Bundesamt 2016). Ein beachtlicher Teil der Kinder und Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund wächst unter ausgesprochen schwierigen Lebenssituationen auf. Sie stehen vor der großen Herausforderung der Integration und haben mit herkunftsbedingten sozialen Ungleichheiten zu kämpfen. Der Bewältigungsprozess bezüglich dieser Ungleichheiten sowie die Integration stellen für Heranwachsende oftmals große Schwierigkeiten dar (vgl. Deutsches Jugendinstitut e.V. 2006: 22f.). Heutzutage herrscht eine Vielfalt von familiären Veränderungen und Schwierigkeiten, welche die individuellen Entwicklungsbedingungen der Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen. Diese sind häufig mit starken psychischen und sozialen Belastungen verbunden.

Eine weitere Herausforderung stellt die seit den 80er Jahren zunehmende Anzahl benachteiligter Familien dar. Eine Langzeitarbeitslosigkeit ist nicht selten die Ursache für eine solche Benachteiligung und gefährdet die Entwicklungsbedingungen erheblich. Jedes sechste Kind lebt heutzutage in einer Familie, die von Arbeitslosigkeit betroffen ist, in der unzureichende Wohnbedingungen gegeben sind und ein niedriges Bildungsniveau vorhanden ist (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2013: 149f.). Laut der 16. Shell Jugendstudie hat die soziale Schichtzugehörigkeit einen großen Einfluss auf das Verhältnis zwischen den Eltern und ihren Kindern. Während in der Oberschicht 39 % der Jugendlichen angaben, bestens mit den Eltern auszukommen, so sind es in der Unterschicht nur noch 14 %. Dies sind bereits 6 % weniger als im Jahr 2006 und macht deutlich, dass die Eltern-Kind-Bindung erheblich von der sozialen Stellung der Familie beeinflusst wird (vgl. Leven et al. 2010: 66f.).

Es sind allerdings nicht nur „wirtschaftliche Krisenlagen und Trennungen, die Ausgangspunkte für Störungen der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen in ihren Elternhäusern sein können. Auch dauerhaft gestörte Partnerbeziehungen der Eltern, Alkohol- und Drogenprobleme und psychische Krankheiten der Eltern gehören dazu“ (Hurrelmann/Quenzel 2013: 153).

Außerdem werden Kinder und Jugendliche immer wieder Opfer von sexuellem Missbrauch, welcher häufig von einem Familienmitglied begangen wird. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gab es im Jahr 2014 22.422 Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen. Neben diesen aufgeklärten Fällen ist jedoch von einer hohen Dunkelziffer auszugehen (vgl. Bundesministerium des Inneren 2015: 71). Als Folgen können emotionale Störungen wie Depressionen oder Angststörungen entstehen sowie Drogenmissbrauch oder eine Traumatisierung aufgrund des Vertrauensbruchs auftreten (vgl. Moggi 2002: 117f.).

Trotz dieser Veränderungen und den dadurch entstehenden Schwierigkeiten stellt die Familie für Kinder und Jugendliche heute immer noch die wichtigste Sozialisationsinstanz dar, denn keine andere Sozialisationsinstanz bietet so viel emotionale und soziale Intensität. Allerdings wird die Schule sowie die Freizeitgestaltung mit der Peergroup ebenfalls als wichtig erachtet, denn diese bieten neben der Familie die Möglichkeit, gesellschaftlich erwartete Verhaltensweisen einzuüben und soziale Sicherheit zu erlangen.

3.2.2 Schule

Neben der Wandlung der Familienformen hat sich auch die Aufgabenzuordnung von Erziehung und Bildung in den letzten Jahrzehnten verändert, denn sie wurden immer mehr auf spezialisierte Institutionen übertragen. Gegenwärtig existiert ein ausdifferenziertes Erziehungs- und Bildungssystem von der Kindergrippe bis hin zur Hochschule. Diese begleiten die gesamte Lebensphase der Kindheit und Jugend (vgl. Hurrelmann/Bauer 2015: 165).

Die Bedeutung der Bildung nimmt bei Schülerinnen und Schülern zu. Die große Mehrheit möchte die Hochschulreife erwerben, denn das Leistungsverhalten und der Bildungsgrad sind ausschlaggebend für die soziale Positionierung im Leben. Das Bewusstsein der Jugendlichen ist im Bezug auf das Arbeitslosigkeitsrisiko bei einem niedrigen Schulabschluss gestiegen (vgl. Leven et al. 2010: 75f.). Aufgrund dessen sind die Kinder und Jugendlichen häufig einem hohen Druck ausgesetzt. Die schulischen Erfolge bzw. Misserfolge beeinträchtigen die Psyche sowie das körperliche Befinden der Kinder und Jugendlichen. Schlechte Schulleistungen setzen das Selbstwertgefühl herab und es entstehen Anerkennungsdefizite. Dieser Druck, häufig auch durch das Elternhaus verstärkt, kann weiterhin zu körperlichen und psychischen Belastungssymptomen, Drogenkonsum sowie delinquentem Verhalten oder psychosomatischen Beeinträchtigungen führen (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2013: 118f.).

3.2.3 Peer-Group

Ein Mangel an Freundschaften kann sich negativ im Sinne von sozialer Isolation und Einsamkeit auswirken und depressive Stimmungen sowie ein negatives Selbstbild verursachen (vgl. Fend 2005: 315f.). Darauf aufbauend stellen Hurrelmann und Quenzel (2013: 172ff) die Bedeutsamkeit der Sozialisation durch die Freundes- und Gleichaltrigengruppe, den sogenannten Peers, fest. Ihnen wird neben Familie und Schule eine signifikante Rolle bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter zugeschrieben. Die Peergroup bietet Kindern und Jugendlichen Chancen zur Teilnahme und Selbstverwirklichung außerhalb des familiären und schulischen Kontextes sowie die Möglichkeit, Handlungskompetenzen zu entwickeln. Sie stellt einen Lernort für das Sozialleben in der modernen Gesellschaft dar und ist ein unterstützendes Netzwerk für die Kinder und Jugendlichen.

Allerdings können in einer Gleichaltrigengruppe auch negative Verhaltensweisen wie Hänseleien, Stigmatisierungen, Aggressionen oder Beleidigungen auftreten. Oftmals kann dies zu schwerwiegenden Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung führen. Schulverweigerung, delinquentes Verhalten oder Depressionen bis hin zur Suizidgefährdung können häufig durch eine solche Demütigungserfahrung ausgelöst werden und beeinflussen eine erfolgreiche Bewältigung der Entwicklungsaufgaben.

Dadurch, dass die Peergroup für Kinder und Jugendliche immer mehr an Bedeutung gewinnt, erfolgt die Erweiterung des Freundeskreises zunehmend über das Internet, wie zum Beispiel durch Facebook. Eine große Anzahl an Freunden wird mit Beliebtheit assoziiert und demzufolge entsteht für viele junge Menschen der Druck, ein möglichst breites und großes Netzwerk von Kontakten zu entwickeln. Durch Kommunikationsnetzwerke können ebenfalls diverse negative Verhaltensweisen erfolgen. Gerade Mobbing im Internet ist eine weit verbreitete Form, seine Abneigung gegenüber einer bestimmten Person öffentlich zu machen. Diese negative Erfahrung kann einer positiven Entwicklung ebenfalls im Wege stehen (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2013: 177ff).

3.2.4 Freizeit

Für Kinder und Jugendliche besteht heutzutage eine Vielzahl von Möglichkeiten in ihrer Freizeitgestaltung. Die 16. Shell Jugendstudie untersuchte die Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen ab zwölf Jahren. Diese wurden hierbei aufgefordert, ihre fünf häufigsten Aktivitäten, welche sie im Laufe einer Woche ausüben, anzugeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Häufige Freizeitbeschäftigungen im Laufe einer Woche

Quelle: Leven et al. (2010), S. 96.

Die dazugehörige Abbildung zeigt auf, dass die Freizeitaktivitäten von jungen Menschen in den Jahren 2002 bis 2010 mit einer Ausnahme relativ konstant geblieben sind. Während die Aktivitäten „Musik hören“ und „Fernsehen“ einen leichten Rückgang aufweisen, hat „Im Internet surfen“ sehr an Bedeutsamkeit im Alltag von Kindern und Jugendlichen gewonnen und gehört zur häufigsten Freizeitbeschäftigung der Heranwachsenden. Die Attraktivität des Internets lässt sich durch eine Vielzahl von Unterhaltungs- und Informationsmöglichkeiten erklären, aber auch durch die immer wichtiger werdende Freundschaftsgestaltung auf diversen Plattformen.

Die soziale Herkunft der Jugendlichen spiegelt sich auch in ihrem Freizeitverhalten wider. Jugendliche aus der Unterschicht bevorzugen eher passive Aktivitäten wie Fernsehen, im Internet surfen, Musik hören und Computerspiele. Dies fördert ihre Persönlichkeitsentwicklung nur sehr gering und die schulische Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt. Bei Jugendlichen aus höheren sozialen Schichten dominieren sportliche Aktivitäten, das Lesen von Büchern sowie Unternehmungen mit der Familie. Dies macht deutlich, dass die soziale Herkunft einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der jungen Menschen ausübt und diese eine besondere Unterstützung zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben benötigen (vgl. Leven et al. 2010: 98ff).

3.3 Gesundheitliche Aspekte

Durch den vom Robert-Koch-Institut ins Leben gerufene Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) wurden erstmals repräsentative Daten zum Gesundheitszustand von jungen Menschen von null bis siebzehn Jahren in Deutschland erhoben (vgl. Starker et al. 2007: 776). Diese KiGGS-Studie wurde in den Jahren 2003 bis 2006 mit einer Teilnahme von 17.641 Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Die Studie untersuchte u.a. die psychische Gesundheit sowie Verhaltensauffälligkeiten von Heranwachsenden, ihr Essverhalten sowie die Auswirkungen des Bewegungsmangels im Kindes- und Jugendalter. Ebenfalls wurde die körperlich-sportliche Aktivität der jungen Menschen untersucht. Die aus der Studie gewonnenen Ergebnisse werden nun im Folgenden dargestellt.

3.3.1 Psychische Gesundheit

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Wandel der Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter vollzogen. Man spricht heutzutage von der „neuen Morbidität“, unter der eine Zunahme an chronischen Erkrankungen und eine Verschiebung von den körperlichen zu den psychischen Störungen zu verstehen ist (vgl. Ravens-Sieberer et al. 2007: 871).

„Psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter stellen gesundheitliche Beeinträchtigungen mit zum Teil schwerwiegenden Konsequenzen für das individuelle Wohlbefinden sowie die alltägliche und soziale Funktionsfähigkeit der Betroffenen dar [...]“ (Hölling et al. 2007: 784).

In der KiGGS-Studie wird zwischen internalisierenden und externalisierenden Störungen differenziert. Internalisierende Störungen beinhalten u.a. Ängste und Depressionen und sind somit auf die eigene Person gerichtet. Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung gehören zu den externalisierenden Störungen (vgl. Hölling et al. 2007: 784). Diese können zu einem geringen Selbstwertgefühl beitragen und die Akzeptanz der Gleichaltrigengruppe beeinflussen. Somit wird die Aneignung von sozialen Kompetenzen deutlich erschwert. Des Weiteren kann eine solche Erkrankung Auswirkung auf die schulische Leistungsfähigkeit haben (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 98).

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der weit verbreitetesten Verhaltensauffälligkeiten von Heranwachsenden. Charakterisiert wird diese durch Unaufmerksamkeit, körperliche Unruhe sowie Impulsivität. Wie viele psychische Störungen beeinflusst ADHS neben den Betroffenen selbst auch die Sozialisationsinstanzen Familie, Schule sowie die Peer-Group. Oftmals kommt es zu einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung oder einem erhöhten Stresserleben der Eltern. Auch Geschwister können durch die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung beeinträchtigt werden. Außerdem fällt es den Betroffenen schwer soziale Kontakte aufzubauen und diese zu halten. In Verbindung mit ADHS ist auch die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Lernstörung und eines delinquenten Verhaltens erhöht (vgl. Schlack et al. 2007: 827f.).

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey untersuchte die Häufigkeit psychischer Störungen und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen. Hierbei wurde größtenteils jedoch nicht nach Diagnosen gefragt, sondern nach Verhaltensweisen, die als auffällig bzw. grenzwertig eingeordnet werden können. Somit sollten die folgenden Daten als Risikogruppenidentifizierung betrachtet werden (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 110). Im Rahmen der KiGGS-Studie zum Thema Verhaltensauffälligkeiten nahmen 7.102 Mädchen und 7.376 Jungen an der Befragung teil. Insgesamt konnten 7 % als auffällig und 8 % als grenzwertig in Bezug auf eine Auffälligkeit in ihrem Verhalten eingestuft werden. Eine emotionale Auffälligkeit wie Ängste oder Depressionen wurde bei 9 % der Befragten klassifiziert, weitere 7 % wurden als grenzwertig eingeschätzt. 12 % der Kinder und Jugendlichen zeigten ein auffälliges sowie problematisches Verhalten im Umgang mit Gleichaltrigen. Bei 11 % wurde dieses Verhalten als grenzwertig interpretiert. Mit 13 % waren hierbei die Elf- bis Dreizehnjährigen am meisten betroffen. Jungen haben häufiger Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen als Mädchen. Hyperaktivitätsprobleme treten bei 8 % der Heranwachsenden in Deutschland auf. Bei 6 % wird das Verhalten als grenzwertig beschrieben. Hierbei ist jedoch nochmal festzuhalten, dass es sich nicht um klinische Diagnosen, sondern um die Beschreibung der Merkmale in dieser Studie handelt (vgl. Hölling et al. 2007: 785ff).

Diese Daten wurden von der BELLA-Studie, welche im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys durchgeführt wurde, durch vertiefende Daten zur psychischen Gesundheit vervollständigt. An dieser Studie beteiligten sich 2.855 Familien, die sich neben den KiGGS‑Untersuchungen zu einer Zusatzuntersuchung bereit erklärten. In dieser Studie wurden allgemeine und spezifische psychische Auffälligkeiten untersucht. Zu den allgemeinen psychischen Auffälligkeiten zählen externalisierende Störungen wie Verhaltensprobleme, Hyperaktivität und Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen. Ängste und Depressionen werden den spezifischen psychischen Auffälligkeiten zugeordnet. Insgesamt wurden bei 22 % der Befragten Anzeichen einer allgemeinen psychischen Auffälligkeit festgestellt. Ravens-Sieberer et al. (2007: 874) bestätigen die bereits geschilderten Ergebnisse der KiGGS-Studie von Hölling et al., denn auch hier weisen Jungen eine signifikant höhere Auftretenswahrscheinlichkeit auf als Mädchen. Anzeichen einer psychischen Auffälligkeit zeigen 23 % der sieben bis zehn Jahre alten Jungen sowie jeder vierte Junge der Elf- bis Dreizehnjährigen. Mädchen hingegen leiden im Alter von sieben bis zehn Jahren sowie von elf bis dreizehn Jahren zu 18 % an einer solchen Störung. Bei 65 % der Betroffenen mit Anzeichen einer allgemeinen psychischen Auffälligkeit wurden Hinweise für eine spezifische psychische Auffälligkeit entdeckt. 5 % der Kinder und Jugendlichen zeigten Merkmale einer Depression und bei 10 % der Befragten konnten Ängste erkannt werden (vgl. Ravens-Sieberer et al. 2007: 875).

Die Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland wurde in einer weiteren separaten KiGGS-Studie untersucht. Hieran nahmen 14.836 Kinder und Jugendliche teil. Laut den Ergebnissen wurden bei 5 % der Heranwachsenden in Deutschland eine solche Störung ärztlich oder psychologisch festgestellt. Der Anteil der Jungen mit ADHS ist mit 8 % bedeutend höher als bei Mädchen mit 2 %. Zu diesen Ergebnissen kommt hinzu, dass weitere 5 % Anzeichen einer solchen Störung aufweisen, welche noch nicht durch einen Arzt oder Psychologen diagnostiziert wurde. Im Grundschulalter sind die Anzeichen einer solchen Störung mit 6 % am häufigsten (vgl. Schlacke et al. 2007: 830f.).

Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit haben einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität von jungen Menschen sowie auf deren Entwicklung. Aus diesem Grund ist das Ausmaß äußerst schwerwiegend, dass die Hälfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen keine Behandlung erhalten (vgl. Ravens-Sieberer et al. 2007: 876).

3.3.2 Bewegungsmangel und Essverhalten

Es wurde bereits aufgezeigt, dass Sporttreiben eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Kindes- und Jugendalter darstellt und ein Großteil der Heranwachsenden eine Mitgliedschaft in einem Sportverein besitzt. Nach Lampert et al. (2007: 634) ist jedoch eine Reduktion der körperlichen Betätigung im Alltag und der Freizeit bei jungen Menschen festzustellen. Als mögliche Ursache kann die zunehmende Beliebtheit von elektronischen Medien angesehen werden. Die 2. World Vision Kinderstudie belegt, dass Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren über mehrere technische Geräte verfügen. Einen eigenen Fernseher respektive Computer besitzen 26 % der Kinder, eine Spielkonsole ist zu 28 % in den Kinderzimmern vorhanden und bereits 18 % haben Zugang zu einem eigenen Video- bzw. DVD-Player (vgl. Leven/Schneekloth 2010: 118f.). Graf et al. (2006: 221) sehen ebenfalls einen Zusammenhang bezüglich dem Bewegungsmangel und dem steigenden elektronischen Konsum in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen, jedoch dürfe dies nicht als alleinige Ursache angesehen werden. Einen weiteren Grund für den vermehrten Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen erläutert der 13. Kinder- und Jugendbericht. Demnach können auch fehlende Spiel- und Bewegungsräume das Freizeitverhalten der Heranwachsenden beeinflussen.

Der Bewegungsmangel führt u.a. zu einer Beeinträchtigung der motorischen Leistungsfähigkeit. Hierzu zählen konditionelle und koordinative Fähigkeiten sowie die Beweglichkeit (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 95). Das Motorik Modul (MoMo) ist ein Teilmodul des KiGGS und bietet erstmalig Daten zur motorischen Leistungsfähigkeit in Verbindung mit der körperlich-sportlichen Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (vgl. Opper et al. 2007: 882). Die Ergebnisse zeigen eine Reduktion der körperlichen Leistungsfähigkeit, welche die motorischen Beeinträchtigungen aufgrund des Bewegungsmangels bestätigen (vgl. Opper et al. 2007: 886). Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2009: 96) zeigt auf, dass junge Menschen durch eine eingeschränkte körperliche Aktivität oft Zurückweisung erfahren oder von Gleichaltrigen ausgeschlossen werden. Aufgrund dieser unangenehmen Erfahrung ziehen sich die Heranwachsenden häufig zurück, was meist eine zusätzliche Einschränkung ihres Bewegungsverhaltens nach sich zieht. Des Weiteren wird körperliche Leistungsfähigkeit negativ mit Übergewicht sowie Adipositas in Zusammenhang gebracht.

Auf der ganzen Welt steigt die Anzahl von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen. Neben dem Bewegungsmangel und den zum Teil daraus resultierenden Schwächen in der motorischen Leistungsfähigkeit, tragen auch Fehlernährung sowie die Präferenz von inaktiven Betätigungen zur Entstehung dieser Erkrankungen bei (vgl. Graf et al. 2006: 220). Adipositas, auch als Fettleibigkeit bekannt, ist eine chronische Erkrankung und kann die Lebenserwartung vermindern. Übergewicht und Adipositas sind vermehrt im Jugendalter vorzufinden (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 134). Durch die KiGGS-Studie stehen auch für diese Erkrankungen erstmalig repräsentative Datensätze zur Verfügung. Insgesamt nahmen 14.747 Kinder und Jugendliche an der Befragung bezüglich Übergewicht und Adipositas teil. Insgesamt sind 15 % der befragten Heranwachsenden übergewichtig und 6 % an Adipositas erkrankt. Hochgerechnet sind das ca. 1,9 Millionen übergewichtige und davon 800.000 adipöse Kinder und Jugendliche in Deutschland. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Anteil beider Erkrankungen verdoppelt. Besonders auffällig ist, dass ein Wachstum des Anteils nach dem Schuleintritt zu verzeichnen ist. Diese Ergebnisse bestätigen, dass auch in Deutschland der Anteil von jungen Menschen mit Übergewicht sowie Adipositas wächst (vgl. Kurth/Schaffrath Rosario 2007: 737f.). Kinder und Jugendliche, welche von einer solchen Erkrankung betroffen sind, haben häufig mit Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung zu kämpfen und leiden an einer niedrigen gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Neben der schon beschriebenen sinkenden körperlichen Aktivität zählen auch genetische Faktoren wie elterliches Übergewicht oder ein erhöhtes Geburtsgewicht zu den Risikofaktoren dieser Krankheiten. Auch psychische Faktoren sowie die falsche Ernährungsweise können hierfür ausschlaggebend sein (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 136). Kurth und Schaffrath Rosario (2007: 740) bestätigen diese Risikofaktoren und ergänzen diese durch das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft sowie durch unzureichenden Schlaf.

Neben den beiden genannten Erkrankungen im Essverhalten gibt es noch weitere Essstörungen, welche bei den Heranwachsenden vorzufinden sind. Bei Anorexia nervosa (Magersucht) wird durch eine drastische Reduzierung der Nahrung ein absichtlicher Gewichtsverlust herbeigeführt. Kennzeichnend sind die auffällige Beschäftigung mit dem eigenen Körpergewicht und die Angst vor einer Zunahme des Gewichts. Betroffene leiden unter einer Körperschemastörung und zeigen häufig zwanghaftes Verhalten. Bulima nervosa (Ess-Brech-Sucht) zählt ebenfalls zu den Essstörungen. Anders als bei der Magersucht wird hierbei eine große Menge an Nahrung über einen kurzen Zeitraum aufgenommen. Durch anschließendes Erbrechen wird eine Gewichtszunahme verhindert. Die eigene Wahrnehmung ihrer Figur und die Zufriedenheit bezüglich ihres Gewichtes sind ausschlaggebend für das Selbstwertgefühl der Betroffenen (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 133). Nach Hölling und Schlack (2007: 794) sind die Ursachen dieser Essstörungen multifaktoriell bedingt. Zum einen kann das derzeitige gesellschaftlich anerkannte Schönheitsideal und dessen mediale Verbreitung einen Impuls für eine Essstörung geben. Zum anderen haben aber auch die familiären Verhältnisse und der Schulalltag einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung einer solchen Erkrankung. Weiterhin kann sich der Beginn der Pubertät, Bewältigungsschwierigkeiten bei den Entwicklungsaufgaben, Perfektionismus sowie ein geringes Selbstwertgefühl negativ auf das körperliche Befinden auswirken und eine Essstörung begünstigen (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009: 134). Anorexie und Bulimie gehören zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen bei den Heranwachsenden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Prävalenz von Essstörungen bei Elf- bis Siebzehnjährigen in Deutschland

Quelle: Statista (2016).

Abbildung 3 verdeutlicht die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Demnach lassen sich bei mehr als einem Fünftel der Elf- bis Siebzehnjährigen in Deutschland Anzeichen einer Essstörung erkennen. Während der Anteil der betroffenen Mädchen in der älteren Altersgruppe höher ist, trifft bei den Jungen das Gegenteil zu. Insgesamt war ca. ein Drittel der an der KiGGS-Studie beteiligten Migrantinnen und Migranten von einer Essstörung betroffen. Weiterhin ist auffällig, dass in der Altersgruppe der Elf- bis Dreizehnjährigen die benachteiligten Heranwachsenden häufiger ein gestörtes Essverhalten zeigen, als Kinder und Jugendliche mit einem höheren sozioökonomischen Status. Laut den Ergebnissen dieser Studie sind vor allem Migrantinnen und Migranten, Mädchen sowie Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Milieus besonders anfällig für eine solche Erkrankung (vgl. Hölling/Schlack 2007: 795).

3.4 Gewalt unter Kindern und Jugendlichen

Unter Gewalt und aggressivem Verhalten von jungen Menschen werden mutwillige Übergriffe auf andere Personen verstanden, welche ihre physische, psychische, sexuelle sowie soziale Unversehrtheit beeinträchtigen (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2013: 235).

Erfahrungen mit Gewalt können aus unterschiedlichen Positionen gemacht werden. Es gibt Gewalttäter, Gewaltopfer und diejenigen, die sowohl schon mal Täter als auch Opfer waren. Gewalttäter werden durch eine hohe Aggressivität in ihrem Verhalten und eine körperliche Stärke charakterisiert. Sie haben zu delinquentem Verhalten eine positive Einstellung und kommen oft aus Familien, in denen diese Verhaltensweisen vorgelebt werden und meist eine körperliche Bestrafung erfolgt. Gewaltopfer hingegen haben ein geringes Selbstwertgefühl und sind von ihrem Wesen eher ängstlich und zurückhaltend. Die Personen, die sowohl Täter- als auch Opfererfahrungen gesammelt haben, sind häufig von innerfamiliärer Gewalt und Vernachlässigung betroffen (vgl. Schlack/Hölling 2007: 819).

Als Ursache für dieses abweichende Verhalten von den Tätern kann die gescheiterte Bewältigung der Entwicklungsaufgaben als auch Probleme mit den jeweiligen Sozialisationsinstanzen angesehen werden. Die Familie spielt als primäre Sozialisationsinstanz eine maßgebliche Rolle im Bezug auf das Gewaltverhalten von Heranwachsenden. Die Kriminalität der Eltern kann durch deren Vorbildfunktion Auswirkungen auf die Delinquenz der Kinder und Jugendlichen haben. Elterliche Gewalt und Aggressivität gegenüber ihren Kindern , aber auch fehlende Zuneigung und Unterstützung , können ein gewaltbereites Verhalten fördern (Eisner/Ribeaud 2003: 193). Raithel und Mansel (2003: 26) bestätigen die familiären Einflüsse bezüglich Gewalt und Aggressionen im Kindes- und Jugendalter. Heranwachsende, die bereits in ihrer Kindheit Opfer familiärer Gewalt waren, zeigen im späteren Verlauf eine erhöhte Gewaltbereitschaft. Delinquentes Verhalten kann jedoch auch durch die Peer-Group begünstigt werden, da im Anschluss häufig Anerkennungen und Wertschätzungen erfolgen (vgl. Raithel/Mansel 2003: 26). Auch Gewalt an Schulen wird immer mehr von der Öffentlichkeit thematisiert. Anlässe für das gewaltbereite Verhalten in dieser Sozialisationsinstanz können eine schlechte Schulleistung oder das Wiederholen einer Klasse sein. Das Gefühl des Scheiterns verursacht bei jungen Menschen erhebliche Belastungen und führt nicht selten zu Gewaltausübungen. Mobbing tritt oftmals schon in der Grundschule auf. Dies ist eine besondere Form der Gewaltausübung, welche wiederholt und über einen längeren Zeitraum erfolgt und durch Diskriminierung und Stigmatisierung geprägt ist (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2013: 235f.).

Nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey haben Erfahrungen mit Gewalt erhebliche Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit. Diese negativen Erlebnisse können Auslöser für Depressionen, psychosomatische Erkrankungen und Verhaltensstörungen sein und auch Suizidversuche werden häufig in Verbindung mit Gewalterlebnissen benannt (vgl. Schlacke/Hölling 2007: 819). Neben diesen Folgen erweitern Koglin und Petermann (2008: 134) die Auswirkungen von Gewalterfahrungen auf Leistungsschwierigkeiten in der Schule, ein geringes Selbstwertgefühl und mögliche auftretende Traumatisierungen. Des Weiteren kann die Entwicklung negativ beeinträchtigt werden.

Nach Angaben der 1. World Vision Kinderstudie wurden Kinder in Deutschland im Alter von acht bis elf Jahren im Jahre 2006 zu 7 % „oft“ und zu 17 % „manchmal“ Opfer von Hänseleien und seltener Opfer von Sachbeschädigungen. Allerdings gaben 2 % der Heranwachsenden an „oft“ und 7 % „manchmal“ bedroht oder körperlich verletzt worden zu sein (vgl. Schneekloth/Leven 2007: 158f.). 1% der Kinder und Jugendliche waren „oft“ und 13 % „manchmal“ von elterlicher Gewalt betroffen (vgl. Schneekloth/Leven 2007: 103). Nach den Ergebnissen der KiGGS-Studie waren insgesamt 15 % der Befragten gegenüber anderen einmal oder mehrmals gewalttätig und 5 % waren Opfer einer Gewalttat. Die Betroffenen, die Täter- und Opfererfahrungen gemacht haben, waren zu 6 % vertreten. Des Weiteren konnte ermittelt werden, dass die Gewaltbereitschaft mit zunehmendem Alter steigt. Auffallend ist, dass besonders bei Hauptschülern ein hohes Maß an Gewalt und Aggression vorherrscht. Die Opferrate ist bei Schülern und Schülerinnen aus Gesamtschulen am höchsten (vgl. Schlack‍‍‍/‍‍‍Hölling 2007: 822f.).

4. Auswirkungen von Vereinssport auf Kinder und Jugendliche

Im Vorangegangenen wurde dargestellt, dass Heranwachsende heutzutage einer Vielzahl von Herausforderungen ausgesetzt sind, welche ihre Entwicklung negativ beeinträchtigen können und der erfolgreichen Bewältigung der Entwicklungsaufgaben im Wege stehen. Darauf aufbauend werden in diesem Kapitel die Auswirkungen von Sport im Verein auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dargestellt. Nach Neuber et al. (2010: 11) bietet der Vereinssport ein Betätigungsfeld, welches ein großes Erlebnispotenzial beinhaltet und die Entwicklung von jungen Menschen maßgeblich beeinflusst.

4.1 Die Bedeutung der Bewegung für die Gesundheit

Eine sportliche Betätigung wird häufig mit einer Leistungsorientierung in Verbindung gebracht. Durch den Sport wird eine Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit ermöglicht, welche in Wettkämpfen präsentiert oder mit anderen gemessen werden kann (vgl. Baur/Braun 2001:93). Mit der Kampagne des DOSB „Sport tut Deutschland gut“ soll darauf hingewiesen werden, dass nicht nur die Leistungsorientierung im Vordergrund des Sporttreibens steht, sondern auch gesundheitliche Aspekte eine signifikante Rolle spielen.

Bewegung im Kindes- und Jugendalter ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche körperliche Entwicklung und trägt zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben bei (vgl. Opper et al. 2007: 879). Laut Laging (2014: 14) führt der nachgewiesene Rückgang an Bewegung im Freizeitverhalten der Heranwachsenden zu Entwicklungsdefiziten. Neben negativen Folgen für die soziale und emotionale Entwicklung würde auch das Selbstkonzept der Kinder und Jugendlichen unter einem Bewegungsmangel leiden. Deshalb sei eine bewegungsorientierte Entwicklungsförderung unabdingbar.

Durch den Sportverein wird ein zielgerichtetes und situationsgerechtes Bewegungsverhalten ermöglicht und die Entwicklung motorischer Fähigkeiten gefördert. Die Bewältigung der sportlichen Anforderungen im Verein trägt zu einer gesunden Entwicklung bei und minimiert den in der heutigen Gesellschaft überwiegend vorliegenden Bewegungsmangel im Kindes- und Jugendalter. Somit wird dem Vereinssport eine Präventionsfunktion bezüglich Bewegungsmangelerkrankungen zugeschrieben (vgl. Brinkhoff 1998: 109). Körperliche Beeinträchtigungen wie Übergewicht, Haltungsschäden oder motorische Einschränkungen können durch eine aktive Beteiligung im Sportverein vermieden bzw. verbessert werden (vgl. Opper/Wagner 2008). Des Weiteren wird durch eine frühe Teilnahme am Vereinssport eine ausreichende Bewegung für eine gesunde Entwicklung der Organ- und Sinnessysteme gewährleistet. So kann dies dazu beitragen, dass das zentrale Nervensystem, der Bewegungsapparat sowie das Herz-Kreislauf-System ordnungsgemäß ausgebildet werden können (vgl. Weineck 2007: 57ff). Auch Lampert et al. (2007: 634) schreiben der Bewegung von Heranwachsenden eine bedeutsame Rolle bezüglich der Auswirkungen auf die Gesundheit zu. Sie weisen darauf hin, dass sich ein sportlicher Lebensstil in jungen Jahren positiv auf die Gesundheitschancen im Erwachsenenalter auswirkt und dadurch einer Entstehung von Osteoporose, Rückenschmerzen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegengewirkt werden kann. In ihren Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys weisen sie darauf hin, dass Bewegung eine notwendige Voraussetzung im Kindes- und Jugendalter darstellt, damit eine positive Entwicklung gewährleistet werden kann.

4.2 Stärkung des Selbstkonzeptes

Kinder und Jugendliche machen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen Erfahrungen, welche anschließend einer Bewertung und Interpretation ausgesetzt sind. Dadurch entstehen Denkweisen über die eigenen Kompetenzen und Verhaltensweisen sowie über deren Bedeutsamkeit und Qualität. Die Gesamtheit dieser Denkweisen und Auffassungen, die eine Person von sich hat, wird als globales Selbstkonzept definiert. Ein stabiles Selbstkonzept gilt als Ressource zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und Belastungen (vgl. Sygusch 2007: 54f.). Das Selbstkonzept hat somit Aussagekraft darüber, ob die Entwicklung von Heranwachsenden positiv verläuft oder scheitert und ist somit von maßgeblicher Bedeutung. Es ist hierarchisch aufgebaut und ist in verschiedene Teilkonzepte gegliedert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Hierarchisches Modell des Selbstkonzeptes

Quelle: Sygusch (2007), S. 55.

Die in Abbildung 4 dargestellten Teilkonzepte bestehen aus dem kognitiven, körperlichen, sozialen und emotionalen Selbstkonzept. Das körperliche Selbstkonzept, auch Körperkonzept genannt, kann durch die Subkonzepte „Attraktivität“ und „Leistungsfähigkeit“ differenziert werden. Die zwei Subkonzepte „sozialer Rückhalt“ und „soziale Kompetenzen“ unterstehen dem sozialen Selbstkonzept. Das Selbstwertgefühl ist das Ergebnis dieser verschiedenen Sichtweisen und Einschätzungen. Es trägt dazu bei, ob man einer Situation zuversichtlich und offen entgegentritt oder diese als negativ einschätzt (vgl. Brettschneider/Kleine 2002: 275). Gerade für Heranwachsende spielt das Körperkonzept und das soziale Selbstkonzept eine wichtige Rolle, welche im Folgenden näher erläutert wird. Der Sportverein stellt ein mögliches Setting für die Gestaltung des Selbst- und Körperbildes dar.

Unter dem Körperkonzept ist die Summe aller Denkweisen und Bewertungen einer Person über ihren eigenen Körper zu verstehen. Besonders für Heranwachsende in der Phase der Adoleszenz steht der Körper im Mittelpunkt ihrer Handlungen, denn durch ihn werden soziale sowie individuelle Erfahrungen gesammelt. Außerdem bietet er die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung (vgl. Brandl-Bredenbeck 2010: 122). Im Sportverein sind Gelegenheiten zur Darstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie zur Selbstdarstellung des eigenen Körpers und seiner Attraktivität gegeben. Beide Aspekte ermöglichen es den jungen Menschen Anerkennung und Lob von Außenstehenden zu erhalten sowie Erfolgserlebnisse zu schaffen. Dies kann zu einer positiven Beeinflussung des Selbstkonzeptes und des Selbstwertgefühls führen (vgl. Brettschneider 2003: 221). Das Körperkonzept spielt für die Heranwachsenden somit eine wichtige Rolle, denn dieses beeinflusst die Entwicklungsaufgabe „Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers“.

Die Ansichten über die eigenen Beziehungen und den sozialen Fähigkeiten einer Person werden als soziales Selbstkonzept definiert. Die Sichtweise über die eigenen sozialen Kompetenzen ist ein Bestandteil des sozialen Selbstkonzeptes und wird als Schlüsselqualifikation für eine gelungene soziale Interaktion bezeichnet. Nach Sygusch (2007: 84f.) kann diese Kompetenz durch den Sportverein gefördert werden. Die Kommunikationsfähigkeit ist ein Teil der sozialen Kompetenz. Diese kann im Sport durch das Deuten von verbaler und nonverbaler Kommunikation wie Bewegungshinweise, Kommandos oder gegenseitige Motivation in der Gruppe erworben werden. Auch die soziale Verantwortung wird durch das Erlernen sozialer Kompetenzen vermittelt. Hierbei lernen die Teilnehmer/innen im Sportverein das Einhalten von Regeln, die Unterstützung der anderen Mitglieder sowie die persönlichen Interessen dem Nutzen und den Zielen der Gruppe unterzuordnen. Dies kann zu einer erfolgreichen Bewältigung der Entwicklungsaufgabe „Entwicklung von Gewissen, Moral und einer Werteskala“ bei den Heranwachsenden in der mittleren Kindheit führen und sich positiv in der Adoleszenz auf die Entwicklungsaufgabe „sozial verantwortliches Verhalten erstreben und erreichen“ auswirken. Ein weiterer Bestandteil der sozialen Kompetenz ist die Perspektivübernahme. Darunter versteht man die Fähigkeit zur Erfassung von Einstellungen und Gefühlen anderer Gruppenmitglieder. Die Stärken und Schwächen der einzelnen Teilnehmer/innen müssen vorab erkannt werden, damit eine entsprechende Motivation gelingen kann. Aber auch das Erkennen von Sorge, Verunsicherung oder Ärger ist Voraussetzung, um emotionale Unterstützung zu leisten. Ein weiteres Element des sozialen Selbstkonzeptes ist der soziale Rückhalt. Dieser wird durch ein soziales Netzwerk, d.h. durch alle zur Verfügung stehenden Kontakte und Beziehungen gewährleistet und ist weiterhin durch soziale Unterstützung charakterisiert. Der Vereinssport bietet günstige Konditionen zur Freundschaftsentwicklung mit sozialem Unterstützungspotenzial (vgl. Sygusch 2007: 75ff).

Im Vereinssport entstehen körperliche und soziale Anforderungen sowie Erfahrungen, welche einen Beitrag zur Bildung und Stärkung des körperlichen und sozialen Selbstkonzeptes leisten können. Verschiedene Studien bezüglich des Selbstkonzeptes zeigen auf, dass sich Vereinsmitglieder vor allem in diesen beiden Teilkonzepten von Nicht-Mitgliedern unterscheiden. Brettschneider und Kleine (2002: 15f.) untersuchten die Selbstkonzeptentwicklung von Heranwachsenden im Verein sowie von Kindern und Jugendlichen ohne Vereinsmitgliedschaft. In ihrer Querschnittsuntersuchung kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Vereinsmitglieder bessere soziale Kontakte zu Gleichaltrigen aufbauen würden und sie weniger Schwierigkeiten im sozialen Umgang hätten. Des Weiteren wären die Beziehungen zu den Eltern harmonischer. Der Sportverein hätte somit einen positiven Einfluss auf das soziale Selbstkonzept seiner jungen Mitglieder. Außerdem hätte dieser auch günstige Auswirkungen auf ihr Körperkonzept. Die Heranwachsenden würden eine größere Zufriedenheit bezüglich ihres Körpers zeigen und halten sich für attraktiver. Brettschneider (2003: 223) ergänzt, dass der Körper insgesamt eine höhere Beachtung erfährt, als bei Kindern und Jugendlichen ohne Vereinszugehörigkeit. Brandl-Bredenbeck (2010: 128) bestätigt ebenfalls, dass das Sporttreiben positive Aspekte für das Selbstkonzept bereithält. Das ausgeprägte Selbsterleben im Sportverein würde Einfluss auf die Stärkung des Selbstwertgefühls sowie auf das Körperkonzept nehmen. Darüber hinaus können die dort möglichen Erfolgserlebnisse sowie die Handhabung von Sieg und Misserfolg zu einer emotionalen Stabilität führen. Weiterhin würde der Sportverein zur Unterstützung beim Aufbau eines sozialen Netzwerkes beitragen und den Gruppenzusammenhalt stärken. Demnach wäre auch hier eine positive Beeinflussung auf das soziale Selbstkonzept gegeben. Sygusch (2007: 59) kommt zu dem Schluss, dass direkte sowie indirekte Rückmeldungen und soziale Vergleiche das Selbstkonzept formen. Im Sportverein können Rückmeldungen durch die Übungsleiter/innen sowie von den anderen Mitgliedern des Sportkurses erfolgen. Direkte Rückmeldungen sind verbale Informationen bezüglich des Verhaltens einer Person oder deren Technik. Indirekte Rückmeldungen können in Form von Anerkennung, Lob oder Kritik erfolgen. Kinder und Jugendliche bewerten sich, indem sie sich mit anderen Heranwachsenden vergleichen. Dies kann z.B. das eigene Talent oder die eigene Leistungsfähigkeit betreffen. Hierbei spricht man von einem sozialen Vergleich. Diese drei Aspekte, welche im Sportverein Verwendung finden, wirken sich auf das Selbstkonzept aus. Auch Sygusch und Herrmann (2010: 247ff) sind sich einig, dass das Selbstkonzept bei Wettkämpfen oder im allgemeinem Training gestärkt werden kann, indem Gelegenheiten zur Mitverantwortung gegeben und Lernsituationen inszeniert werden sowie Rückmeldungen erfolgen. In einer Längsschnittstudie weisen Brettschneider und Kleine (2002: 232) jedoch darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Sportverein und der Beziehung zu den Eltern und Gleichaltrigen zeitweise bestehen kann, eine nachhaltige Wirkung auf das soziale Selbstkonzept allerdings nicht nachgewiesen werden konnte. Somit können die Ergebnisse aus ihrer Querschnittsstudie nicht bestätigt werden.

4.3 Informelles Lernen und Kompetenzerwerb

Kinder und Jugendliche unterstehen einem kontinuierlichen Lernprozess. Hierbei werden drei verschiedene Arten des Lernens unterschieden: das formale, das nicht-formale sowie das informelle Lernen. Das formale Lernen findet in schulischen Kontexten statt. Es verfolgt ein bestimmtes Ziel und führt zu einer Zertifizierung. Für das nicht-formale Lernen erhält man keine Zertifizierung, da es außerhalb von Bildungseinrichtungen stattfindet. Es ist jedoch ebenfalls auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet (vgl. Overwien 2010: 42). Des Weiteren ist die Freiwilligkeit charakteristisch für diese Form des Lernens. Unter dem informellen Lernen wird das Lernen in der Lebenspraxis verstanden und es geschieht zufällig. Ihm wird eine große Bedeutsamkeit bezüglich der Kompetenzbildung zugewiesen, welche für eine positive Entwicklung von jungen Menschen ausschlaggebend ist (vgl. Neuber 2010: 13f.).

In der aktuellen Bildungsdebatte steigt die Erkenntnis, dass Lernprozesse von Heranwachsenden nicht nur auf staatliche Institutionen zurückzuführen sind. Das informelle Lernen und der dadurch entstehende informelle Kompetenzerwerb gewinnt zunehmend an Bedeutung (vgl. Neuber et al. 2010: 40). Der 12. Kinder- und Jugendbericht macht darauf aufmerksam, dass „dem Sport insgesamt eine maßgebliche Bildungswirksamkeit zugesprochen wird, die zunächst die unmittelbar körperbezogenen Kompetenzen (Körpererfahrung, -ästhetik, -ausdruck), aber auch nicht unmittelbar sportbezogene Kompetenzen im sozialen, politischen und kognitiven Bereich erschließt (Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstorganisation, Verantwortungsfähigkeit)“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2006: 376).

Eine sportliche Betätigung im Verein bietet die Gelegenheit, informelle Lernprozesse zu gewährleisten und die Ausbildung verschiedener Kompetenzen zu fördern. Bewegung, Spiel und Sport im Verein bieten Möglichkeiten des Lernens, welche sich sichtbar von anderen Handlungsfeldern differenzieren. Zunächst gehört das Sporttreiben zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen. Die dadurch entstehende Identifikation wird als günstige Voraussetzung für Lernprozesse verstanden. Außerdem führen die bereits erwähnten direkten Rückmeldungen, welche von den Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie von anderen Mitgliedern der Sportstunde mitgeteilt werden, zu unmittelbarem Lernen bezüglich der eigenen Verhaltensweisen. Heranwachsende können Erfahrungen über sich und das Verhalten anderer sammeln. Die Verbindung von sportlicher Betätigung und emotionalen Prozessen stellt eine weitere Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse dar. In einem Sportverein kann somit informelles Lernen stattfinden und dadurch die Förderung von Kompetenzen ermöglicht werden (vgl. Neuber 2011: 145f.).

Den Kompetenzerwerb im Sportverein untersuchten Neuber et al. (2010: 54ff) im Rahmen einer Gruppendiskussion von Kindern und Jugendlichen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass neben den bereits genannten sozialen Kompetenzen aus Kapitel 4.2 „Stärkung des Selbstkonzeptes“ vor allem personale Kompetenzen gebildet werden könnten. Ein positiver Aufbau der eigenen Persönlichkeit, des Selbstvertrauens sowie des Selbstbewusstseins könnten gewährleistet werden. Ebenfalls würde durch eine Teilnahme am Sportverein ein Bewusstsein eigener Grenzen entwickelt und der Umgang mit Sieg und Niederlage erlernt werden. Außerdem fördere der Vereinssport die Autonomie, die Belastbarkeit sowie die Konzentrationsfähigkeit. Der Erwerb von personalen Kompetenzen im Vereinssport kann somit zu einer erfolgreichen Bewältigung der Entwicklungsaufgabe „Aufbau einer positiven Einstellung zu sich selbst als wachsender Organismus“ beitragen. Weiterhin wurde in der Gruppendiskussion ermittelt, dass die Heranwachsenden spezifisches Wissen über sportliche Techniken erhalten und eine Beobachtungskompetenz entwickeln würden. Außerdem könnten sich Kinder und Jugendliche Kenntnisse über Gesundheit und Erste Hilfe aneignen. Somit stellt der Sportverein ein Setting dar, indem sich die jungen Mitglieder kognitive Kompetenzen aneignen können. Des Weiteren verdeutlicht diese Untersuchung, dass die Heranwachsenden ebenfalls sportliche Kompetenzen im Vereinssport entwickeln können. Hierbei würden sie Bewegungsabläufe erlernen, diverse Sportarten kennenlernen und sich sportliche Fertigkeiten aneignen. Darüber hinaus bekämen sie ein besseres Verständnis für ihren Körper. Sie könnten diesen besser zum Einsatz bringen und würden ein größeres Bewusstsein über die eigenen Leistungsgrenzen erlangen. Somit kann im Sportverein ein breites Spektrum an Kompetenzen erworben werden.

4.4 Integration durch Sport

Integration ist bereits seit längerem ein Bestandteil der politischen Diskussion. Hierbei wird dem Vereinssport eine große Erwartungshaltung entgegen gebracht und häufig eine Integrationsfunktion zugeschrieben (vgl. Klinkhammer/Zajonic 2014: 107). Der Sport würde

„die Integration von Migranten und Personen fremder Herkunft in die Gesellschaft erleichtern und den interkulturellen Dialog fördern. Sport fördert das Gefühl der Zugehörigkeit und Teilhabe und kann daher ein wichtiges Instrument für die Integration von Zuwanderern sein“ (Europäische Kommission 2007: 14).

Auch Kirchhammer (2014: 49) zeigt auf, dass es kaum vergleichbare Bereiche gibt, in denen die Integration so erfolgreich ermöglicht wird wie durch den Sportverein. Mit dem Slogan „Sport spricht alle Sprachen“ machen auch Sportverbände auf ihre Integrationsmöglichkeiten aufmerksam. Dadurch soll verdeutlicht werden, dass der Sport nicht primär auf die sprachliche Verständigung angewiesen, sondern durch eine körperliche Interaktion gekennzeichnet ist.

Betrachtet man den Profisport wird die Vermutung bestärkt, dass der Sport ein Integrationspotenzial besitzt. Sowohl in der Basketball- als auch in der Fußball-Nationalmannschaft gibt es Spieler mit Migrationshintergrund. Aber auch die im Breitensport bestehenden Initiativen zur Integration können als vielversprechend angesehen werden (vgl. Breuer et al. 2011: 59f.).

Thiel und Seiberth (2007: 39) stellen zwei Grundannahmen auf. Zum einen wird dem Sportverein eine Integrationskraft zugewiesen, da in diesem Setting der Herkunft, Religion sowie Ethnie keine Relevanz zugeschrieben wird. Dadurch wird die Eingliederung für die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vereinfacht, da die Beteiligung im Sportverein keinerlei Auswirkungen auf ihre Kultur sowie Identität haben. Die zweite Annahme basiert auf der Argumentation, dass die sprachliche Verständigung nur bedingt eine Rolle im Vereinssport spielt. Vorwiegend sollen Sprachbarrieren abgebaut werden und die körperbetonte Kommunikation im Mittelpunkt des Sporttreibens stehen. Dies wird ebenfalls durch den bereits erwähnten Slogan „Sport spricht alle Sprachen“ vermittelt. Kirchhammer (2014: 51) stellt weitere Annahmen zu den integrativen Potenzialen des Sports auf. Zunächst bestätigt er die Sprachunabhängigkeit des Sporttreibens und die Fokussierung der körperlichen Interaktion. Des Weiteren wird auf die im Sportverein stattfindende Chancengleichheit aufmerksam gemacht, welche aufgrund der für alle geltenden Regeln, Werte und Normen ermöglicht wird. Diese kurzfristige Interaktion auf Augenhöhe begünstigt die Verringerung von Distanzgefühlen und ermöglicht den Aufbau der Kommunikationsfähigkeit. Im Vereinssport kann soziales Handeln erprobt und soziale Fähigkeiten entwickelt werden. Außerdem kann eine sportliche Betätigung für Heranwachsende im Verein die Gelegenheit bieten, Vorurteile und Stigmatisierungen zu beseitigen. Dies wird durch die frühere Integrationsbeauftragte Maria Böhmer bestätigt. Demnach ist das Gute am Sport,

„dass für alle die gleichen Regeln gelten. Sprache, Herkunft und Religion spielen im Training oder im Wettkampf kaum eine Rolle. Der Sport bietet sich also geradezu dafür an, Vorurteile abzubauen und den Migrantinnen und Migranten die Integration in unsere Gesellschaft zu erleichtern“ (Deutscher Olympischer Sportbund 2007a).

Neben diesen dargestellten Integrationspotenzialen weisen Balz und Kuhlmann (2012: 76) darauf hin, dass die Wirkung des Sporttreibens ambivalent ist und auch negative Reaktionen wie Konflikte oder Aggressionen entstehen können. Bereits in den 90er Jahren weist Bröskamp (1994: 9) darauf hin, dass gerade die kulturell unterschiedliche Auffassung der Bedeutung des Körpers und die im Sportverein stattfindende körperliche Interaktion zu einem Konflikt führen können. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Konflikt ist im Sport wesentlich höher als in anderen Bereichen. Vor allem für muslimische Mädchen stellt die Präsentation des Körpers häufig ein Problem dar, nicht nur durch die sportlichen Aktivitäten an sich, sondern z. B. auch aufgrund der Sportbekleidung oder dem Aus- und Umziehen in den Umkleidekabinen. Der Sportverein ist folglich nicht nur ein Begegnungsfeld, welches kulturelle Differenzen nivelliert und neutralisiert.

Die Auffassung des früheren DOSB-Präsidenten Thomas Bach „Sport ist nicht Mittel zur Integration, Sport ist Integration“ (Deutscher Olympischer Sportbund 2007b) ist somit kritisch zu hinterfragen. Der Sportverein kann die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund fördern. Allerdings ist die Signifikanz der Thematisierung physischer Differenzen erforderlich, um ethnisch-kulturelle Konflikte zu verhindern.

4.5 Gewaltprävention

Wie bereits im Kapitel 3.4 „Gewalt unter Kindern und Jugendlichen“ dargestellt, ist unter Gewalt eine beabsichtigte Verletzung eines Mitmenschen durch die Anwendung von Körperkraft oder Waffen zu verstehen. Nach Zajonic und Pilz (2014: 65) können sportliche Aktivitäten eine unterstützende Wirkung auf die Prävention von Gewalt im Kindes- und Jugendalter haben. Langeweile, Frust oder Perspektivlosigkeit können dazu führen, dass die Bereitschaft zur Gewaltausübung steigt. Der Vereinssport würde eine geeignete Möglichkeit für den Abbau von Aggressionen, den gezielten Einsatz physischer Fähigkeiten sowie den Erwerb von Erfolgserlebnissen bieten. Auch die Europäische Kommission (2007: 7) ist der Meinung, dass die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten zu einer Reduzierung des Gewaltverhaltens führen kann und der Sportverein somit einen gewalteindämmenden Einfluss auf Kinder und Jugendliche ausübe.

Mutz (2012: 191) kommt zu dem Schluss, dass gewaltbereites Verhalten vor allem dann auftritt, wenn junge Menschen unbeaufsichtigt sind und strukturlosen Freizeitbeschäftigungen nachgehen. In einem Sportverein werden die Heranwachsenden von einer erwachsenen Person beaufsichtigt, welche auf ihre Verhaltensweisen achtet und gegebenenfalls Sanktionen erteilt. Die Gewaltprävention besteht nach dieser Auffassung darin, dass den Kindern und Jugendlichen schlichtweg die Möglichkeiten für unstrukturierte, unbeaufsichtigte Aktivitäten fehlen. Hierbei kann man von einer Beaufsichtigungsfunktion des Sportvereins sprechen. Ein weiteres Argument für die Reduzierung von Gewalt durch den Vereinssport ist das dort stattfindende Erlernen von Verhaltensweisen, welche sowohl pro-sozial, fair und regelkonform sind. Dies würde ebenfalls die Gewaltbereitschaft senken. Auch das Kennenlernen von nicht delinquenten Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie das Schließen von neuen Freundschaften kann Auswirkungen auf das gewaltbereite Verhalten haben. Ein weiterer hilfreicher Aspekt ist, dass der Sport das Trainieren von Selbstkontrolle ermöglicht. Der Sportverein stellt daher nicht nur eine gesellschaftlich geschätzte und akzeptierte Aktivität dar, sondern verfügt auch über die Möglichkeit, Bezugspersonen kennenzulernen, welche eine gewaltfreie Denk- und Handlungsweise befürworten (vgl. Mutz 2012: 192ff).

Laut Gerlach und Brettschneider (2013: 12) handelt es sich bei den bisher aufgestellten positiven Effekten des Sportvereins in Bezug auf Gewaltprävention allerdings nur um Vermutungen und keinesfalls um Fakten. Nach Schütte (2008: 73) wirkt sich der Sportverein positiv auf Heranwachsende aus, delinquentes Verhalten würde sich allerdings dadurch nicht verhindern lassen. Die von Mutz aufgestellte Theorie, dass Kinder und Jugendliche in strukturierten und beaufsichtigten Aktivitäten ein weniger gewaltbereites Verhalten zeigen, kann Schütte nicht bestätigen. Brettschneider und Kleine (2002: 335) bekräftigen dies mit ihrer Querschnittsuntersuchung zur jugendlichen Delinquenz. Vereinsmitglieder seien zwar seltener an einer Schlägerei beteiligt, betrieben weniger Urkundenfälschung und hätten weniger Fehltage in der Schule, jedoch wären sie genauso häufig an Gewaltanwendungen oder Sachbeschädigungen beteiligt wie Kinder und Jugendliche, die nicht in einem Sportverein angemeldet sind. Schütte (2008: 70ff) kommt zu dem Schluss, dass die Auswirkungen von Sport auf das Gewaltverhalten junger Menschen ambivalent zu betrachten sind, denn die sportliche Tätigkeit im Verein kann Aggressionspotenziale nicht nur abbauen, sondern auch aufbauen. Im Sportverein können die Aggressionen nicht nur gefördert, sondern auch gefordert werden. Oftmals ist der Erfolg häufig bedeutsamer als das Befolgen von Regeln. Nicht selten fordern Übungsleiter/innen von ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Einsatz von taktischen Fouls, um einen Sieg zu erlangen. Dies lässt sich häufig im Vereinsfußball bemerken. Eine zunehmende Leistungsorientierung kann sich somit auf das Fair-Play-Verständnis von jungen Menschen auswirken. Mutz (2012: 195) bestätigt, dass es in manchen Sportarten sogar notwendig ist, ein gewisses Aggressionspotenzial vorzuweisen. Im Kampfsportbereich handelt es sich um einen intensiven Körperkontakt mit dem Gegner. Um sich diesem gegenüber behaupten zu können, wird ein gewisses Maß an Aggressivität abverlangt. Daraus schließend stellt Mutz zwei Annahmen auf. Zum einen würden die Heranwachsenden feststellen, dass sie durch ihre Aggressionen im Sport Erfolgserlebnisse erzielen. Hierfür erhalten sie Wertschätzung und Respekt aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche ihre erlernten und anerkannten negativen Verhaltensweisen im Sportverein weiter ausbauen und verfestigen. Zum anderen ist davon auszugehen, dass die jungen Menschen ihre erlernte Aggressivität auf Kontexte außerhalb des Sportvereins übertragen, da sie diese als zulässiges Mittel für die Erreichung ihrer Ziele erachten (vgl. Mutz 2008: 196).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Sport nicht nur zur Gewaltprävention beitragen, sondern unter Umständen auch eine gewaltverstärkende Wirkung haben kann. Der Sportverein kann als Frustrationsventil genutzt werden, um bestehende negative Gefühle und Aggressionen abzubauen, aber er kann diese auch fördern und ein falsches Bild von Fair Play und der eigenen Zielerreichung vermitteln. Sport kann zur Prävention von gewaltbereitem Verhalten eingesetzt werden, allerdings wirkt er nicht automatisch präventiv. Eine positive Wirkung kann nur durch qualifizierte Interventionen erzielt werden.

B: Empirischer Teil - eine qualitative Erhebung

5. Fragestellungen

Wie eingangs dargestellt, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Forschungsfrage, wie bedeutsam der Sportverein im Kindes- und Jugendalter ist. Es soll ermittelt werden, ob der Sportverein durch den Einfluss von Übungsleiterinnen und Übungsleitern einen Ort darstellen kann, der zu einer gelingenden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen kann.

Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen:

- Haben alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit zur Teilnahme am Sportverein, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund?
- Haben Übungsleiter/innen ein Bewusstsein über die Herausforderungen, welche die Heranwachsenden bewältigen müssen?
- Inwiefern kann der Sportverein mit seinen Übungsleiterinnen und Übungsleitern die jungen Menschen bei der Bewältigung der Herausforderungen unterstützen?

Um diese Fragen beantworten zu können, wurden Experteninterviews mit Übungsleiterinnen und Übungsleitern durchgeführt. Auf diese empirische Methode wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

6. Auswahl der Methode - das Experteninterview

Die empirische Sozialforschung untersucht bestimmte Aspekte der sozialen Welt. Durch die daraus resultierenden Beobachtungen können bereits bestehende Theorien weiterentwickelt werden. Anwendung finden hierbei die qualitative und die quantitative Sozialforschung (vgl. Gläser/Laudel 2010: 24).

Um der Forschungsfrage nachzugehen bedient sich die vorliegende Arbeit der qualitativen Sozialforschung in Form von Experteninterviews. Hierbei handelt es sich um ein leitfadengestütztes Interview. Die vorab entwickelten Leitfäden zur Fragestellung dienen der Strukturierung und können als Hilfsmittel verstanden werden (vgl. Bogner et al. 2014: 27). Somit wird die Planung und Gestaltung des Kommunikationsprozesses sowie die Gewinnung von Informationen, welche für die Untersuchung notwendig sind, ermöglicht (vgl. Gläser/Laudel 2010: 114). Charakteristisch für ein leitfadengestütztes Experteninterview ist die offene Fragestellung, welche einen Freiraum über den Inhalt der Antworten ermöglicht. Die dort befragten Expertinnen und Experten weisen ein technisches, Prozess- und Deutungswissen auf, welches sich auf ein konkretes Handlungsfeld bezieht (vgl. Bogner et al. 2014: 17ff).

6.1 Interviewleitfaden

Zur Unterstützung für die Durchführung der Interviews wurde ein Leitfaden erstellt. Dieser wurde mit Hilfe des SPSS-Verfahrens entwickelt. Hierbei werden zunächst alle Fragen gesammelt, die das Thema dieser Arbeit betreffen. Anschließend werden diese Fragen auf ihre Eignung überprüft und ungeeignete Fragen gestrichen. Die verbliebenen Fragen werden sortiert und abschließend subsumiert (vgl. Kruse 2015: 227).

Der Interviewleitfaden ist in eine Eröffnungsphase, einen Befragungsteil, den Dank und Ausblick gegliedert. Der Befragungsteil des Interviewleitfadens und somit der zentrale Bestandteil der Interviews besteht aus sieben Kategorien. Zu Beginn des Interviews wird eine Einstiegsfrage zum Werdegang der Übungsleiter/innen gestellt, welche keine inhaltlich wichtige Funktion besitzt. Dies soll einerseits mögliche Gesprächsbarrieren abbauen und andererseits als Themeneinstieg dienen. Die nächste Kategorie bezieht sich auf die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen im Verein, wobei die jeweilige Gruppenzusammensetzung sowie das Verhalten der Heranwachsenden näher erläutert werden sollen. Ein weiterer Punkt des Leitfadens bildet die Rolle der Übungsleiter/innen. Hierbei soll ihr Einfluss auf das Verhalten der jungen Menschen aufgezeigt werden. Weitere Kategorien beziehen sich auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, welche Kinder und Jugendliche heutzutage bewältigen müssen und auf den möglichen Einfluss des Vereinssports. Ebenfalls soll der Umgang mit Konflikten innerhalb der Sportstunde näher erläutert werden. Die letzte Kategorie beinhaltet eine Abschlussfrage, bei welcher den Befragten die Möglichkeit gegeben wird, weitere Punkte anzusprechen, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwähnt wurden.

6.2 Auswahl der Expertinnen und Experten

Die Auswahl der Expertinnen und Experten basierte auf den Kriterien von Gläser und Laudel (2010: 117). Zunächst musste in Erfahrung gebracht werden, wer über das notwendige Wissen verfügt bzw. in der Lage ist, relevante Informationen zu geben. Des Weiteren musste die Bereitschaft zur Teilnahme an einem solchen Interview sowie die Verfügbarkeit der gewünschten Personen geklärt werden.

Da sich die vorliegende Arbeit auf den Sportverein bezieht, wurden Übungsleiter/innen ausgewählt, die Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis vierzehn Jahren betreuen und trainieren. Des Weiteren sollten diese über eine langjährige Erfahrung in diesem Bereich verfügen. Um mögliche Unterschiede festzustellen wurden sowohl drei Übungsleiterinnen als auch drei Übungsleiter befragt. Weiterhin wurden Interviewpartner und -partnerinnen ausgewählt, die unterschiedliche Sportarten im Verein anbieten, sodass auch hier die Möglichkeit bestehen konnte, eventuelle Unterschiede zu ermitteln. Es stellten sich Übungsleiter/innen aus den Bereichen Kinderturnen, Crossminton, Taekwondo, Judo, Kinderleichtathletik sowie aus einer Ballschule für die Interviews zur Verfügung.

6.3 Durchführung der Interviews

Vor der Durchführung der Interviews wurde ein Pretest absolviert, um die Funktionalität des vorab erstellten Leitfadens im Vorfeld zu testen. Dies führte zu einer deutlicheren Formulieren diverser Fragen und eine Einschätzung des zeitlichen Rahmens wurde ermöglicht.

Die Kontaktaufnahme zu den Expertinnen und Experten erfolgte per Email. Hierin wurden diese zunächst über das Thema der vorliegenden Arbeit informiert und über ihre Rolle als Interviewpartner/in aufgeklärt. Des Weiteren wurde um ein Einverständnis bezüglich der Aufnahme des Interviews mit einem Diktiergerät gebeten. Die Terminvereinbarung erfolgte ebenfalls schriftlich per Email. Die Interviews wurden in den jeweiligen Geschäftsstellen der Vereine oder bei den Befragten zu Hause absolviert.

Vor dem Interview wurde den Interviewpartnern und -partnerinnen zunächst für die Gesprächsbereitschaft gedankt. Das Thema sowie die Ziele der Untersuchung wurden erneut erläutert und es erfolgte eine Schilderung über den Ablauf des Interviews. Anschließend wurde der zeitliche Rahmen des Interviews geklärt und auf die Anonymisierung des Gesprächs verwiesen, welche auch in der nachfolgenden Transkription gewahrt wurde. Nach dieser Eröffnungsphase wurde das Diktiergerät eingeschaltet.

Die Interviews wurden anhand des erstellten Leitfadens durchgeführt. Zu Beginn wurden die Expertinnen und Experten mit einer Einstiegsfrage zu ihrem Werdegang befragt. Die weiteren Leitfragen aus dem zuvor erarbeiteten Leitfaden wurden nicht der Reihe nach gestellt, sondern an die jeweilige Situation und den Gesprächsverlauf angepasst. Dadurch sollte vermieden werden, dass der Gesprächsfluss unterbrochen wird und ein sprunghafter Themenwechsel stattfindet. Durch das Paraphrasieren konnte sichergestellt werden, dass die Erzählungen der Befragten richtig verstanden wurden. Der Ablauf der Interviews verlief erfolgreich. Während der Befragung traten keine Störungen oder Verständigungsprobleme auf. Zum Schluss wurde eine offene Frage gestellt. Hier konnten die Interviewpartner/innen entscheiden, ob sie noch relevante Aspekte des Themas ergänzen möchten, welche nicht ausreichend besprochen wurden. Zuletzt wurde den Übungsleiterinnen und Übungsleitern für die Teilnahme gedankt und über den weiteren Ablauf bezüglich der erhobenen Daten informiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 122 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutsamkeit des Sportvereins im Kindes- und Jugendalter
Untertitel
Der Beitrag von Übungsleiterinnen und Übungsleitern zur Entwicklungsförderung
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
122
Katalognummer
V434920
ISBN (eBook)
9783668766563
ISBN (Buch)
9783668766570
Dateigröße
1528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportverein, Entwicklungsförderung, Kindes- und Jugendalter, Übungsleiter
Arbeit zitieren
Natalie Ruhland (Autor), 2017, Die Bedeutsamkeit des Sportvereins im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434920

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