Kinder und Jugendliche werden heutzutage mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Veränderte Familienformen, zunehmender Medienkonsum, gesundheitliche Veränderungen sowie die zunehmende Gewalt untereinander sind Schwierigkeiten, denen sich die Heranwachsenden in der heutigen Gesellschaft stellen müssen. Die Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen ist von hoher Relevanz, da eine misslungene Bewältigung zu Entwicklungsproblemen führen kann. Der Sportverein zählt zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Kindes- und Jugendalter und somit stellt sich die Frage, ob dieser einen Beitrag zur Entwicklungsförderung leisten kann.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden Experteninterviews mit sechs Übungsleiterinnen und Übungsleitern durchgeführt. Darin wurde untersucht, ob für alle Heranwachsenden die Möglichkeit zur Teilnahme am Sportverein besteht und inwiefern die Übungsleiter/innen ein Bewusstsein über die Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen besitzen, sodass sie diese bei deren Bewältigung unterstützen und in ihrer Entwicklung fördern können. Junge Menschen besitzen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund die Möglichkeit zur Teilnahme an Angeboten des Sportvereins. Die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund kann jedoch aufgrund individueller Schwierigkeiten gehemmt werden und gelingt somit nur bedingt. Es konnte ermittelt werden, dass der Sportverein einen Ort darstellen kann, in dem viele verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen angeeignet werden, welche auf andere Kontexte transferiert werden können. Dies kann die jungen Menschen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen unterstützen und zu einer gelungenen Entwicklung beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
A: Theoretischer Bezugsrahmen
2. Der Sportverein
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Leistungen eines Sportvereins
2.3 Die Übungsleiter/innen
2.4 Gegenwärtige sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen im Verein
3. Aufgaben und Herausforderungen junger Menschen der heutigen Gesellschaft
3.1 Entwicklungsaufgaben der Heranwachsenden
3.2 Sozialisationsinstanzen im Kindes- und Jugendalter
3.2.1 Familie
3.2.2 Schule
3.2.3 Peer-Group
3.2.4 Freizeit
3.3 Gesundheitliche Aspekte
3.3.1 Psychische Gesundheit
3.3.2 Bewegungsmangel und Essverhalten
3.4 Gewalt unter Kindern und Jugendlichen
4. Auswirkungen von Vereinssport auf Kinder und Jugendliche
4.1 Die Bedeutung der Bewegung für die Gesundheit
4.2 Stärkung des Selbstkonzeptes
4.3 Informelles Lernen und Kompetenzerwerb
4.4 Integration durch Sport
4.5 Gewaltprävention
B: Empirischer Teil - eine qualitative Erhebung
5. Fragestellungen
6. Auswahl der Methode - das Experteninterview
6.1 Interviewleitfaden
6.2 Auswahl der Expertinnen und Experten
6.3 Durchführung der Interviews
6.4 Datenaufbereitung und Auswertung
7. Ergebnisse der Auswertung
8. Diskussion
9. Zusammenfassung und Fazit
10. Literatur
11. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutsamkeit des Sportvereins im Kindes- und Jugendalter und analysiert, inwieweit Übungsleiterinnen und Übungsleiter einen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklungsförderung von jungen Menschen leisten können. Dabei liegt der Fokus auf der Unterstützung bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen durch das soziale Setting des Vereins.
- Bedeutung des Sportvereins für die Gesundheits- und Persönlichkeitsentwicklung.
- Einfluss von Übungsleitern als Bezugspersonen und Vorbilder.
- Herausforderungen durch sozialen Wandel, schulischen Leistungsdruck und Medienkonsum.
- Förderung von Integration und Gewaltprävention im Vereinssport.
- Qualitative Erhebung mittels Experteninterviews mit Übungsleitern.
Auszug aus dem Buch
4.5 Gewaltprävention
Wie bereits im Kapitel 3.4 „Gewalt unter Kindern und Jugendlichen“ dargestellt, ist unter Gewalt eine beabsichtigte Verletzung eines Mitmenschen durch die Anwendung von Körperkraft oder Waffen zu verstehen. Nach Zajonic und Pilz (2014: 65) können sportliche Aktivitäten eine unterstützende Wirkung auf die Prävention von Gewalt im Kindes- und Jugendalter haben. Langeweile, Frust oder Perspektivlosigkeit können dazu führen, dass die Bereitschaft zur Gewaltausübung steigt. Der Vereinssport würde eine geeignete Möglichkeit für den Abbau von Aggressionen, den gezielten Einsatz physischer Fähigkeiten sowie den Erwerb von Erfolgserlebnissen bieten. Auch die Europäische Kommission (2007: 7) ist der Meinung, dass die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten zu einer Reduzierung des Gewaltverhaltens führen kann und der Sportverein somit einen gewalteindämmenden Einfluss auf Kinder und Jugendliche ausübe.
Mutz (2012: 191) kommt zu dem Schluss, dass gewaltbereites Verhalten vor allem dann auftritt, wenn junge Menschen unbeaufsichtigt sind und strukturlosen Freizeitbeschäftigungen nachgehen. In einem Sportverein werden die Heranwachsenden von einer erwachsenen Person beaufsichtigt, welche auf ihre Verhaltensweisen achtet und gegebenenfalls Sanktionen erteilt. Die Gewaltprävention besteht nach dieser Auffassung darin, dass den Kindern und Jugendlichen schlichtweg die Möglichkeiten für unstrukturierte, unbeaufsichtigte Aktivitäten fehlen. Hierbei kann man von einer Beaufsichtigungsfunktion des Sportvereins sprechen. Ein weiteres Argument für die Reduzierung von Gewalt durch den Vereinssport ist das dort stattfindende Erlernen von Verhaltensweisen, welche sowohl pro-sozial, fair und regelkonform sind. Dies würde ebenfalls die Gewaltbereitschaft senken. Auch das Kennenlernen von nicht delinquenten Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie das Schließen von neuen Freundschaften kann Auswirkungen auf das gewaltbereite Verhalten haben. Ein weiterer hilfreicher Aspekt ist, dass der Sport das Trainieren von Selbstkontrolle ermöglicht. Der Sportverein stellt daher nicht nur eine gesellschaftlich geschätzte und akzeptierte Aktivität dar, sondern verfügt auch über die Möglichkeit, Bezugspersonen kennenzulernen, welche eine gewaltfreie Denk und Handlungsweise befürworten (vgl. Mutz 2012: 192ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels für Kinder und Jugendliche ein und erläutert die Bedeutung des Sportvereins als Setting für die Entwicklungsförderung.
2. Der Sportverein: In diesem Kapitel werden der Sportverein definiert, seine Leistungen dargelegt sowie die Rolle und Ausbildung der Übungsleiter/innen beschrieben.
3. Aufgaben und Herausforderungen junger Menschen der heutigen Gesellschaft: Hier werden die Entwicklungsaufgaben, verschiedene Sozialisationsinstanzen, gesundheitliche Aspekte sowie das Phänomen Gewalt bei Heranwachsenden detailliert analysiert.
4. Auswirkungen von Vereinssport auf Kinder und Jugendliche: Dieses Kapitel thematisiert die positiven Einflüsse von Sport auf Gesundheit, Selbstkonzept, informelles Lernen sowie Möglichkeiten der Integration und Gewaltprävention.
5. Fragestellungen: Hier werden die konkreten Forschungsfragen formuliert, die im qualitativen Teil der Arbeit untersucht werden.
6. Auswahl der Methode - das Experteninterview: Es wird die methodische Vorgehensweise erläutert, angefangen bei der Wahl des Experteninterviews über die Leitfadenentwicklung bis hin zur Durchführung und Auswertung.
7. Ergebnisse der Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus den Interviews und verknüpft diese mit den theoretischen Inhalten.
8. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und in den theoretischen Kontext eingeordnet, wobei auch Unterschiede zwischen Theorie und Praxis beleuchtet werden.
9. Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Gesamtschau der Ergebnisse und formuliert Empfehlungen für die Praxis.
Schlüsselwörter
Sportverein, Kindesalter, Jugendalter, Entwicklungsförderung, Übungsleiter, Sozialisation, Integration, Gewaltprävention, Selbstkonzept, Gesundheit, Medienkonsum, Bewegungsmangel, Experteninterview, Pädagogik, soziale Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle der Sportverein bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter spielt und wie Übungsleiter/innen dabei unterstützen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Sozialisation junger Menschen, die Auswirkungen von Sport auf das Selbstkonzept und die Gesundheit sowie Möglichkeiten der Integration und Gewaltprävention im Sportverein.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob der Sportverein durch den Einfluss von Übungsleiterinnen und Übungsleitern als Ort fungieren kann, der die gelingende Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Erhebungsmethode, bei der Experteninterviews mit sechs Übungsleiterinnen und Übungsleitern aus verschiedenen Sportbereichen geführt wurden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt sowohl theoretische Grundlagen zur Lebensphase Jugend und zum Setting Sportverein ab als auch die Analyse von Herausforderungen der heutigen Gesellschaft (z.B. Leistungsdruck, Gewalt, Medienkonsum) und deren Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Sportverein, Entwicklungsförderung, Übungsleiter, Integration, Gewaltprävention und Selbstkonzept.
Wie bewerten die befragten Experten das Integrationspotenzial von Sportvereinen?
Die Experten betrachten das Integrationspotenzial als grundsätzlich hoch, weisen jedoch darauf hin, dass es durch kulturelle Hürden (insbesondere bei Mädchen mit Migrationshintergrund) und örtliche Gegebenheiten beeinflusst werden kann.
Welchen Einfluss hat der Medienkonsum laut den Ergebnissen auf die Kinder?
Die befragten Experten identifizieren einen starken Zusammenhang zwischen hohem Medienkonsum, mangelnder Bewegung, motorischen Defiziten und einer Zunahme an Aggressionspotenzial.
- Arbeit zitieren
- Natalie Ruhland (Autor:in), 2017, Die Bedeutsamkeit des Sportvereins im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434920