Das Verständnis von Armut innerhalb einer Gesellschaft bestimmt die Armutspolitik. Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick über die bestehenden Rahmenbedingungen aufzuzeigen, in denen sich Armutspolitik in Deutschland abspielt, um sich anschließend der Frage zu widmen, ob durch die Einführung des Sozialgesetzbuchs II (SGB II) ein Instrument geschaffen wurde, das Armut systematisch zulässt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Armut
2. Der Sozialstaat – Ein kurzer Einblick
3. Aktivierender Staat und aktivierende Arbeitsmarktpolitik
4. Die Hartz IV Reformen
5. Armut trotz Hartz IV?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Hartz-IV-Reformen auf die Armutssituation in Deutschland und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob durch die Einführung des Sozialgesetzbuchs II (SGB II) ein Instrument geschaffen wurde, das Armut systematisch zulässt.
- Theoretische Grundlagen von Armut und dem Sozialstaatsprinzip
- Das Konzept des aktivierenden Staates und seine arbeitsmarktpolitischen Instrumente
- Die Struktur und Zielsetzung der Hartz-IV-Reformen seit 2005
- Kritische Analyse der sozioökonomischen Folgen und der Prekarisierung
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Fördern, Fordern und sozialer Exklusion
Auszug aus dem Buch
1. Armut
Eine eindeutige Definition ist aufgrund der Vielschichtigkeit der Thematik schwierig. Im Diskurs gibt es daher bis heute keine allgemeingültige, sondern „[...] nur eine jeweils zu einem gewissen Zeitpunkt in einer gegebenen Gesellschaft herrschende Definition. Sie prägt die Politik gegenüber den Armen, entscheidet darüber, ob sie das Etikett Armut erhalten, die zur Unterstützung berechtigt, oder ob sie anders etikettiert werden“ (Wagner 1982, S. 31). Wagners Zitat verdeutlicht, dass Armut immer Gegenstand der politischen und gesellschaftlichen Debatte sein muss.
In der Bundesrepublik Deutschland wird Armut als sozial- ökonomische Ungleichheit in extremer Ausprägung diskutiert, die als materielle Armut verstanden wird. Anders als in Ländern in denen die Überlebensfähigkeit durch mangelnde Ressourcen in Frage gestellt ist, und wo von absoluter Armut ausgegangen wird, wird in Wohlstandsgesellschaften wie der BRD von relativer Armut gesprochen. Absolute Armut tritt in Deutschland praktisch kaum auf, dennoch gibt es eine arme Unterschicht. Als relativ arm gilt derjenige, dessen Einkommen weniger als 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Die Grenze zur Einkommensarmut liegt auf dem Niveau der Hilfe zum Lebensunterhalt (seit 01.01.2018 für Alleinstehende 416 Euro) nach SGB XII, der Sozialhilfe. Kritisiert wird die eindimensionale Fokussierung auf das Einkommensniveau, da jener Personenkreis außer Acht gelassen wird, der einen Leistungsanspruch besitzt. Diesen aber aufgrund verschiedenster Umstände (fehlende Informationen, Scham, usw.) nicht wahrnehmen kann. (vgl. Thiersch/Otto 2012, S. 101f).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Verständnis von Armut im Kontext der Sozialpolitik und Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Systematik hinter Hartz IV.
1. Armut: Theoretische Auseinandersetzung mit der Definition von Armut, insbesondere der Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Armut in Wohlstandsgesellschaften.
2. Der Sozialstaat – Ein kurzer Einblick: Erläuterung des Sozialstaatsprinzips als demokratischer Verfassungsauftrag und dessen Zielsetzung zur Herstellung sozialer Gerechtigkeit.
3. Aktivierender Staat und aktivierende Arbeitsmarktpolitik: Analyse des Paradigmenwechsels hin zum Prinzip des „Förderns und Forderns“ sowie der Intention, Arbeitslose durch neue Anreize wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
4. Die Hartz IV Reformen: Detaillierte Betrachtung des SGB II als zentrales Instrument der Grundsicherung und der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.
5. Armut trotz Hartz IV?: Kritische Diskussion darüber, inwiefern die Reformen zu einem massiven Sozialabbau beigetragen haben und ob sie soziale Exklusion und Prekarisierung fördern.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die Hartz IV als ein System identifiziert, das Armutszustände und soziale Prekarisierung innerhalb der Gesellschaft systematisch zulässt.
Schlüsselwörter
Hartz IV, Sozialgesetzbuch II, Armut, Sozialstaat, Aktivierender Staat, Fördern und Fordern, Soziale Exklusion, Prekarisierung, Arbeitsmarktpolitik, Grundsicherung, Soziale Gerechtigkeit, Lebenslagenansatz, Leistungsanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sozialpolitische Entwicklung in Deutschland seit Einführung der Hartz-IV-Gesetzgebung und deren Auswirkungen auf die Lebensrealität betroffener Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Armut, die Rolle des Sozialstaats, die Prinzipien der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik sowie die sozioökonomischen Konsequenzen des SGB II.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die bestehenden Rahmenbedingungen der Armutspolitik aufzuzeigen und zu untersuchen, ob das Instrument Hartz IV Armut nicht nur bekämpft, sondern systematisch zulässt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die Auswertung relevanter sozialwissenschaftlicher und politischer Fachquellen zum Thema Armut und Arbeitsmarktpolitik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Armut, die Einordnung des deutschen Sozialstaats, das Konzept des aktivierenden Staates sowie die konkrete Analyse der Auswirkungen der Hartz-IV-Reformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Hartz IV, soziale Exklusion, Prekarisierung, aktivierender Staat, Grundsicherung und relative Armut beschreiben den Kern der Untersuchung am präzisesten.
Welche Rolle spielt der „Lebenslagenansatz“ in der Argumentation?
Der Lebenslagenansatz wird genutzt, um zu verdeutlichen, dass Armut mehr als nur ein finanzieller Mangel ist; er beleuchtet soziale Zusammenhänge und die Gesamtheit der Lebensumstände, die zur Ausgrenzung führen.
Warum wird im Fazit von einem „Teufelskreis“ gesprochen?
Der Begriff beschreibt die Situation der Betroffenen, die unter Frustrationserfahrungen, Perspektivlosigkeit und einer Stigmatisierung leiden, was oft zu einer sozialen Isolation und der Festigung prekärer Verhältnisse führt.
- Citation du texte
- Tim Kluger (Auteur), 2017, Gibt es mit Hartz IV ein systematisches Zulassen von Armut?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434928