Akteure und Institutionen des Kunstbetriebs

Kunstzeitschriften, Kunstmessen, Art Consultants und Kunstvereine


Vorlesungsmitschrift, 2011
5 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Akteure des Kunstmarktes –

Kunstzeitschriften, Kunstmessen, Art Consultants und Kunstvereine

Akteur des Kunstmarktes: Kunstzeitschriften

Die Medien haben im Kunstmarkt eine schwierige Rolle. Die Berichterstattung in den großen Tageszeitungen beschränkt sich heutzutage auf einzelne Seiten im Feuilleton, meist nur auf einen Wochentag beschränkt und häufig sehr dürftig. Dabei sind die Medien im Kunstmarkt sehr wichtig, sie können Trends beeinflussen und durch ihre große Reichweite und Leserschaft Künstler, Messen und Galeristen der Öffentlichkeit bekannt machen. Auch die Kunstzeitschriften, die ihren Auftrag in der Kunstvermittlung sehen, sind hierfür wichtige Instrumente. In einer Gruppenarbeit von 2-3 Teilnehmern werden sechs Kunstzeitschriften und ein Katalog nach folgenden Gesichtspunkten analysiert: Besonderheiten, Zielgruppe, Erscheinungsdatum und Layout. Die Ergebnisse werden von den Gruppen anschließend vorgestellt.

ART

– erscheint monatlich und beschäftigt sich hauptsächlich mit zeitgenössischer Kunst und Künstlern
– Thematische Schwerpunkte: Kunstpolitik, Gesellschaft, Diskussionen, Streitfragen
– Ausstellungsankündigungen bzw. -werbung (europaweit, inkl. New York) und Kalender
– Zielgruppe: gehobene Privatsammler und Konsumenten
→ keine Fachzeitschrift, sondern an den Endkunden gerichtet
– ausgesuchtes Layout und hochwertige Ausstattung, um neue Interessenten auf dem unüberschaubaren Zeitschriftenmarkt zu gewinnen und Ansprüchen der Leserschaft gerecht zu werden

Antiques Trade Gazette

– erscheint wöchentlich („the art market weekly“), regional auf London und Umgebung beschränkt
– 80 % Inserate, Kunstgewerbe in unterschiedlichen Preisklassen
– Vorankündigungen für Auktionen und Ausstellungen, keine Fachartikel
– Wöchentlicher Veranstaltungsplan
– Zielgruppe: Hobbysammler, Fachhandel, aber vor allem auch Zwischenhändler, die an der Weitergabe von günstigen Angeboten an den Endkunden interessiert sind
– Layout dem Inhalt angepasst, minderwertiges Papier, da Inserate nach einer Woche ihre Gültigkeit verlieren und die neue Ausgabe folgt

Parnass

– Österreichisches Kunstmagazin, erscheint dreimonatlich
– Beschäftigung mit zeitgenössischer Malerei, Skulptur, Design, Architektur
– Sparten: Kunstmarkt allgemein, Galerieportrait, Sammlung und Museum, Architektur, Design, Ausstellungen, weltweites Auktionsverzeichnis
→ kein eindeutiges, scharfes Profil des Magazins, schwierige Position auf dem Markt
→ jedoch Vorteil: Marktüberblick über drei Monate
– Zielgruppe: Privatsammler, nach eigener Aussage Kunstinteressierte zwischen 30 und 70, im deutschsprachigen Raum, breites Angebot für breites Spektrum an Lesern/Endkunden
– hochwertiges Layout, viele vierfarbige Illustrationen

Sammler Journal

– erscheint monatlich
– Sämtliche Art von Kunst vertreten: Malerei, Skulptur, alte Meister, zeitgenössische Kunst, Möbel, Design (Glas, Silber, Porzellan, etc.), Antiquitäten
– gut recherchierte redaktionelle Beiträge, Auktionsmarkt, Kleinanzeigen und Sammlertermine
– Zielgruppe: ältere Generation von Sammlern und Händlern
→ Handelszeitschrift, für Kunsthandel, Zwischenhandel und Tauschbörsen

Weltkunst

– erscheint 14x im Jahr, Untertitel „Zeitschrift für Kunst und Antiquitäten“
– Besprechungen und Ankündigungen von Auktionen, Messen, Ausstellungen (Trends, Künstler, Spots to be), Terminplan
– viel Werbung
– Zielgruppe: hochwertige Kunst für Händler und Publikum, jedoch Zahlungskraft vorausgesetzt
– hochwertige Ausstattung und Layout
– früher: eigenständige, unabhängige Fachzeitschrift (bestens recherchiert, Präsentation der besten Stücke in Auktionen und Galerien), heute Teil des Medienunternehmens Holtzbrinck
- Wandlung vom Fachmagazin zu Lifestyle-Magazin vom Verlag gewünscht
- jedoch fraglich, ob das Konzept so tragbar ist, da die Zeitschrift seit 1930 existiert und die traditionelle Zielgruppe abgeschreckt werden könnte; Ziel der Verantwortlichen, neue zahlungskräftige Leserschaft zu gewinnen

Artinvestor

– erscheint monatlich, „Anlegermagazin für den Kunstmarkt“ (nach eigener Aussage)
– Zeitschrift legt den Fokus auf den Finanzaspekt (Kunst als Investment, als Wertanlage)
– schlagwortartiger Aufbau, auf Indizes basierend, Name-Dropping
– Zielgruppe: Einkaufsgemeinschaften, Fonds
– hochwertiges Layout

Ausstellungs-/Auktionskatalog

– erscheint zu bestimmten Event, kostenlos
– Beispiel: Benefizauktion von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (Kunstverein)
– Grußworte, Programm der Veranstaltung, Menü, Anzeigen der Sponsoren
– Vorstellung der Auktionsstücke mit Künstlerbiographie und Galeriewert (Schätzwert)
- gesponserte Flachware, Gegengeschäft mit prominenten Anzeigen im Katalog und auf der Veranstaltung
– Zielgruppenmischung: Kataloge im Vorfeld der Veranstaltung für jeden Kunstinteressierten einsehbar, Auktion selbst auch offen für jeden
- spielt in Sponseringbereich hinein (z.B. Erlös für Ohrringe an Kinder in Not)
– Layout sehr hochwertig mit vierfarbigen Illustrationen

Akteur des Kunstmarktes: Kunstvereine

Kunstvereine sind Vermittlungsinstanzen und Interessenvereinigungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Sie sichern der Kunst und vor allem jungen Künstlern ein Forum z.B. in Ausstellungen, in dem diese ausgestellt und breiteren Kreisen der Bevölkerung sowie einem Fachpublikum nahegebracht wird. Weit über eine Million BesucherInnen nehmen jährlich die Angebote der Kunstvereine wahr. Die Geschichte der Vereine reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert und die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, heute finden sich rund 250 Kulturvereine in Deutschland. Bemerkenswert ist ihre dezentrale Präsenz, ihre flächendeckende Verbreitung von den größten Hauptstädten bis weit in den ländlichen Raum hinein, die den kulturellen Austausch der aktuellen Kunstproduktion und der damit verbundenen Diskurse erhalten, national, aber auch international, woran die Förderung durch die Bundesländer, die Kommunen und der Städte einen großen Anteil trägt.

Akteur des Kunstmarktes: Art Consultants

Art Consultants sind relativ neue Player auf dem Kunstmarkt, die Berufsbezeichnung und die Berufsgruppe entstand erst in den 1980-er Jahren. Sie beraten Unternehmen wie Banken und Versicherungen beim Kauf und bei der Sammlung von Kunst und helfen bei der Entwicklung spezieller Kunstprojekte. Auch Privatleute, die sich eine Kunstsammlung anlegen möchten, wenden sich an sie. Das Potential des Berater-Markt scheint hoch und sehr erfolgreich zu sein, was man an den vielfältigen Angeboten verschiedenster Firmen und Selbstständigen sehen kann. Dabei nehmen die Consultants die Stelle der Galeristen ein, die früher in diesen Fragen zu Rate gezogen wurden. Dabei haben die Kunstberater entscheidende Vorteile gegenüber den Galeristen: sie besitzen kein Warenlager oder große Ausstellungsräume, was Kosten spart, da sie je nach Wünschen und Budget des Auftraggebers auf die Suche nach den „richtigen“ Kunstwerken gehen. Auch Kosten für Ausstellungen oder aufwendige Vernissagen fallen weg, nur in seltenen Fällen finden Imageveranstaltungen statt. In München ist z.B. Art Matters zu nennen, weit größer und bekannter ist die Achenbach Kunstberatung GmbH in Düsseldorf, zu deren Kunden unter anderen die Allianz und viele Banken gehören.

Akteur des Kunstmarktes: Messen

Um die Teilnehmer des Seminars auf die besondere Wirkung von Kunstmessen, die seit dem ersten Kunstmarkt in Köln 1967 ein fester Bestandteil des Kunstmarktes sind, einzustimmen, zeigt Frau S. einen Werbefilm der TEFAF (The European Fine Art Fair) auf Youtube und auf der Homepage der Messe einige kurze Messeausschnitte. Die Kunstmesse mit sehr hohem Ansehen und erlesenen Kunstwerken, die jährlich in Maastricht in den Niederlanden stattfindet, vereint eine weite Spanne von ausgewählter Kunst, zeitgenössische, aber auch alte Kunst und klassische Moderne, Malerei, Skulptur, Möbel, Design, Graphik, Zeichnungen und Antiquitäten. Die TEFAF ist insbesondere durch ihre strengen Zulassungskriterien und die Prüfung der Kunstwerke auf Qualität, Zustand und Echtheit bekannt. So sind die Stände auf der Messe überschaubar und auch junge Händler haben die Möglichkeit, sich der Welt zu zeigen und selbst einen Überblick zu bekommen. Doch es darf kein falsches Bild entstehen: Die Kunstmessen sind im Laufe der Zeit zu Großveranstaltungen und Publikumsmagneten geworden, die viele Händler und Kunden zusammenbringen. Für die Galeristen, aber auch für Privatpersonen, Künstler und Sammler stellen die Messen, die international und terminlich übers Jahr verstreut sind, eine Plattform dar, die Journalisten, Fachpublikum und Kunden an einem Ort vereint und Gelegenheit zum Verkauf und zum internationalen Netzwerken gibt, was eine große Beschleunigung der Vorgänge im Marktgeschehen hat. Preise und Angebot können vor Ort verglichen werden, die gefällige Aufmachung und der Event-Charakter der Messen zieht auch fachfremdes Publikum an. Hierbei muss jedoch der hohe Eintrittspreis, häufig 50 € incl. Ausstellungskatalog, kritisiert werden, der immer noch eine Eintrittshürde darstellt, die jedoch von den Messebetreiber auch gewollt sein kann, um den gehobenen und zahlungskräftigen Kunden anzulocken. Trotz dem hohen Anspruch an die Kunstwerke und den Event-Charakter liegt der Hauptfokus der Messen noch immer im Generieren von Umsätzen und im besten Falle von Gewinnen. Trotzdem dienen sie auch als Zugpferde im regionalen Umfeld, viele Satellitenmessen und Veranstaltungen verhelfen der Stadt oder Region zu Bekanntheit und Ansehen. Wohl deswegen steigt die Zahl der Kunstmessen auch jedes Jahr weiter an. Für die Galeristen bedeutet das Ausstellen auf einer der bekannten Messen neben hohem Ansehen in der Branche auch ein hohes finanzielles Risiko und beträchtliche Vorab-Investitionen. Die heimische Galerie muss während des Messebesuchs weiter unterhalten werden, dazu summieren sich die Standkosten, Ausgaben für Versicherung, Logistik, Personal und Marketing. So sehen sich die Galerien unter dem Zwang, Verkäufe generieren zu müssen. Auktionäre sind auf den Messen als Aussteller nicht erwünscht, aber als Besucher vergleichen sie trotzdem Preise und machen sich ein Bild über den Markt. International anerkannt und von großer Bedeutung auf dem Kunstmarkt sind vor allem die nationalen Messen wie die Art Cologne und die Munich Highlights, international im Bereich der zeitgenössischen Kunst sind die Art Basel, die Art Basel Miami (wegen Kundeninteresse auch Angebot von Jachten und Immobilien) und die Frieze Art Fair in London zu nennen. Von Kennern hoch geschätzt ist die Art Show of New York, die einen Bogen von der klassischen Moderne zur Gegenwartskunst spannt. Allgemein ist ein großer Trend von verschiedensten Kunstmessen bemerkbar, die das Spektrum jeden Geschmackes und jeden Alters im Angebot haben.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Akteure und Institutionen des Kunstbetriebs
Untertitel
Kunstzeitschriften, Kunstmessen, Art Consultants und Kunstvereine
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Kunstmarkt heute
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
5
Katalognummer
V435109
ISBN (eBook)
9783668764040
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, 21. Jahrhundert, Kunstmarkt, heute, Kunstzeitschriften, ART, Antiques Trade Gazette, Parnass, Sammler Journal, Weltkunst, Artinvestor, Ausstellungskatalog, Auktion, Kunstvereine, Art Consultants, Kunstberater, Kunstmesse, TEFAF, Art Cologne, Art Basel, Art Basel Miami, Frieze Art Fair
Arbeit zitieren
Laura Köhninger (Autor), 2011, Akteure und Institutionen des Kunstbetriebs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435109

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