Politische Inhalte und Beeinflussung in sozialen Netzwerken am Beispiel Facebook


Seminararbeit, 2017
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1. Einleitung

"Das Internet ist für uns alle Neuland (...)." - Angela Merkel am 19.06.2013

Dieses Zitat, welches nach mittlerweile 4 Jahren immer noch im Bewusstsein unserer Gesellschaft ist, wurde 2013 unmittelbar nach dessen Äußerung mehrheitlich als Fauxpas bezeichnet. Nicht nur diese Bezeichnung, sondern die vielleicht unverhältnismäßige Bekanntheit des Zitats zeugt von einer Selbstverständlichkeit der festen Integration des Internets in unseren Alltag und speziell in die Politik. Das Internet ist Informationsquelle, es dient der Kommunikation und ist eine Diskussionsplattform. Die Relevanz des Internets stellt zukunftsweisende Fragen an Bildung, Forschung, Politik, Recht, Arbeitsmarkt und Medienkompetenzen. Gerade Letztgenanntes stellt eine besondere Motivation für diese Arbeit dar. Ohne eine kritische Auseinandersetzung mit dem Internet können die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die das Internet mit sich bringt, nachteilig werden. Ein wichtiger Faktor hierbei, der in dieser Arbeit näher betrachtet werden soll, sind die sozialen Netzwerke. Innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren nutzten 2014 12,93 Millionen Personen soziale Netzwerke und ließen andere Nutzer von Ihrem Gefallen an Inhalten in Form von „Likes“ wissen (IfD Allensbach 2014). Die dabei entstehenden Informationen kann von der Präferenz eines bestimmten Fußballvereins bis hin zur offenen Darstellung einer politischen Einstellung reichen. Die automatisierte Sammlung solcher Information birgt ein riesiges Potenzial für die politische Forschung, die automatisierte Anpassung von politscher Werbung für den Endnutzer und den Missbrauch von gespeicherten Daten. Inwieweit Nutzer im Internet und auf sozialen Netzwerken politisch beeinflusst werden können, soll speziell anhand des Beispiels Facebook, des vielleicht größten und einflussreichsten sozialen Netzwerks, diskutiert werden. Zwar sind Begriffe wie „Hasskommentare“, „Filterblase“, „Big Data“ und „Falschmeldung“ in den Medien und in der Wissenschaft präsente Begriffe zu den Themen Internet und soziale Netzwerke, im Alltag wirken sie allerdings noch teilweise fremd, was die Auseinandersetzung mit diesen Begriffen reizvoll und wichtig erscheinen lässt. Neben Privatpersonen nutzen auch Politiker bzw. politische Interessensgruppen soziale Netzwerke, wie z.B. im Wahlkampf und auch die Bundesregierung hat eine offizielle Facebook-Seite. Es ergibt sich eine Zweiteilung in der Diskussion dieser Arbeit in die Verantwortung des Individuums und des Staates. Diese Seminarfacharbeit soll dialektisch und deskriptiv Chancen und Gefahren des sozialen Netzwerkes Facebook als politischen Faktor abwägen und zu Thesen gelangen, die wissenschaftlich untersucht werden können. Diese Formulierung von Desideraten auf dem bisher nur wenig wissenschaftlich betrachteten und erforschten Gebiet der sozialen Netzwerke ist ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Arbeit. Im Sinne des Eingangszitats wagt sich diese Arbeit somit auf "Neuland".

2. Facebook als soziales Netzwerk und Unternehmen

2.1. Allgemeine Betrachtung und Einführung

Die US-amerikanische Facebook Inc. hat sich, seitdem ihr CEO Mark Zuckerberg während seiner Studentenzeit in Harvard den Grundstein der Internetseite Facebook legte, zu einem international agierenden Unternehmen entwickelt. Seit 2004 durchlief das Unternehmen, welches Zuckerberg zum bis dato jüngsten Milliardären der Welt machte, viele Veränderungen. Ein Börsengang, die Gründung von zukunftsweisenden Tochterunternehmen, das Aufkaufen wichtiger Marktkonkurrenten wie Whatsapp und Instagram oder gar eine Verfilmung der Gründungsgeschichte der Seite sind hierbei zu nennen. Das wirtschaftliche Konzept der Seite basiert dabei auf Werbung, die dem Endnutzer als individuell an das Nutzerverhalten angepasste Vorschläge dargelegt werden. Dazu kommen die Auswahl der Freunde und die abonnierten Seiten, die dem Nutzer auf Facebook gefallen. Weiterhin kann er Beiträge mit „Gefällt mir“ markieren, sie kommentieren und mit seinen Freunden teilen. Soziale Netzwerke wie Facebook bieten dem Unternehmen somit eine Datengrundlage, um Unternehmensziele zu gestalten (Heise 2017, S. 38). Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens Facebook ist ein Paradebeispiel für den globalen Siegeszug des Internets. Mit dem Internet einhergehend ist die Aufhebung der Linearität der Informationsaufbereitung, die es dem Nutzer ermöglicht, Information schnell und fragmentarisch nach Belieben zu lesen (Roll 1996). Aus Heise und Roll resultiert folglich der Umstand, dass die Information, mit dem der Nutzer auf Facebook konfrontiert wird, ein Spiegelbild seiner Interessen und persönlichen Einstellungen und zudem schnell und vereinfacht ist. Welche Bedeutung dies für politische Inhalte auf Internetseiten wie Facebook hat, wird später näher beleuchtet. Zum Verständnis werden zunächst noch Schlüsselbegriffe der Thematik der Arbeit definiert.

Filterblase: Der amerikanische Netzaktivist Eli Pariser beschreibt in seinen Büchern, die den Titel „Filter Bubble“ tragen, wie Internetnutzer durch die Analyse ihres Nutzerverhaltens und verschiedenen Algorithmen primär nur mit Inhalten konfrontiert werden, die ihren Interessen entsprechen und damit von alternativen Inhalten isoliert werden.

Wissensmanagement: Das Organisieren von gesammelten Daten und Informationen zur optimalen Gestaltung von Unternehmenszielen (Riggert 2000, S. 267).

Engagement und Reichweite: Der Nutzer interagiert mit Beiträgen und Inhalten (beispielsweise auf Facebook) und erzeugt eine hohe Popularität dieser Beiträge und Inhalte. Dies trägt zur Erfüllung von Unternehmenszielen bei (Heisig 2017, S. 3).

2.2. Die Rolle politischer Inhalte auf Facebook

Selbstverständlich nutzt nicht jeder Nutzer Facebook als Nachrichtendienst und für politische Inhalte und Diskussionen. Primär scheinen der Kontakt zu Bekannten und Freunden, sowie die Unterhaltung im Vordergrund zu stehen. So haben deutsche Unterhaltungsseiten wie "Faktastisch" stand August 2017 3,5 Millionen "Gefällt-mir" Angaben und erscheinen somit auf der Startseite ebenso vieler Nutzer. Spitzenpolitiker wie Angela Merkel haben demgegenüber maximal um die 2,4 Millionen solcher Angaben. Die größten Parteien Deutschlands, CDU und SPD, haben dabei unter 200.000 „Gefällt mir“ Angaben. Die AFD hat hingegen mehr Reichweite mit aktuell über 300.000 Angaben. Diese Reichweiten werden vor dem Hintergrund der zum Zeitpunkt der Erarbeitung dieser Arbeit kurz bevorstehenden Bundestagswahl 2017 zur politischen Werbung oder auch Informierung von potenziellen Wählern über Wahlkampfveranstaltungen genutzt. Dies kann einerseits über die Seiten selbst geschehen oder auch über finanziell erworbene Werbeplätze auf der Startseite des Nutzers. Unter dem Begriff des „digitalen Wahlkampfes“ geben Parteien nicht unerhebliche Teile ihres Wahlkampfbudgets für Werbung im Internet aus. Wie hoch genau die Ausgaben dabei sind und welche Strategien dabei angewendet werden ist hierbei nicht transparent bzw. öffentlich. Jedes Engagement eines Nutzers auf Facebook hingegen ist dabei immer eine öffentliche oder halböffentliche Darlegung der individuellen politischen Überzeugung, die in Form von Information über den Nutzer automatisiert verarbeitet wird. Wendet man die Begriffe der Filterblase und des Wissensmanagements somit auf politische Inhalte an, entsteht die Gefahr einer Konfrontation des Nutzers mit einseitigen politischen Inhalten. Prekär ist in der Folge die wirtschaftliche Vermarktung von an den Nutzer angepasster politischer Werbung. Diese Art von Werbung kann zu einem undemokratischen Wettbewerbsvorteil im Wahlkampf führen, da den Parteien unterschiedliche finanzielle Mittel zu Verfügung stehen. Weiterhin bemerkenswert ist die für die eigentliche Relevanz der Partei überproportional große Reichweite der populistischen Partei „Alternative für Deutschland“ auf Facebook im Vergleich zu anderen etablierten Parteien. Doch nicht nur die politische Präferenz ist politisches Element auf Facebook. Unter öffentlichen politischen Beiträgen auf Facebook finden sich oft politische Diskussionen in Form von Kommentaren verschiedener Nutzer. Diese Kommentare können, wie jeder Beitrag selbst, mit „Gefällt-mir“ markiert werden. Dabei erscheinen populäre Kommentare in dem Verlauf der Diskussion leicht erkennbar oben. Beiträge in den Kommentaren können direkt aufeinander Bezug nehmen. In der Tendenz können viele dieser Beiträge polemisch und vereinfachend sein, in manchen Fällen können selbst Kommentare auf Facebook strafrechtlich verfolgt werden. Der Staat und die Gesetzgebung spielen somit ebenfalls bei der Betrachtung politischer Inhalte auf Facebook eine Rolle. Auf diesen Aspekt werden die Punkte 4 und 5 weiter unten genauer eingehen.

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Politische Inhalte und Beeinflussung in sozialen Netzwerken am Beispiel Facebook
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V435135
ISBN (eBook)
9783668762985
ISBN (Buch)
9783668762992
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
facebook, wahlkampf, filterblase, fake news, social media, soziale medien, politik, manipulation
Arbeit zitieren
Conrad Borchers (Autor), 2017, Politische Inhalte und Beeinflussung in sozialen Netzwerken am Beispiel Facebook, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435135

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