Die Bachelorarbeit setzt sich mit dem Zwangskontext des Jugendstrafvollzugs und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Grenzen von Erziehung auseinander. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Anpassungsprozessen inhaftierter Jugendlicher und Heranwachsenden an das repressive System der Jugendstrafvollzugsanstalt. Die aufgestellte Forschungshypothese wird anhand intensiver Literaturrecherche und der Auseinandersetzung mit Gesetzen, Statistiken und Forschungsstudien untersucht.
Die Autorin stellt sich die Frage, ob der Erziehungsauftrag im Strafvollzug erfüllt werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich klären, was der Erziehungsauftrag im Jugendstrafvollzug bedeutet und ob Erziehung im Kontext von Strafe und Zwang erfolgen kann. Die zentrale Hypothese lautet hierbei: Der Zwangskontext des Jugendstrafvollzugs fördert Anpassungsprozesse und erschwert die Erfüllung des Erziehungsauftrags. Die Überprüfung der Forschungshypothese erfolgt mittels Literaturrecherche, Analyse von Statistiken und Gesetzen sowie der Darstellung verschiedener Forschungsprojekte. Dieser Hypothese folgend wird in den nachfolgenden Kapiteln aufgezeigt, inwiefern sie verifiziert oder falsifiziert werden kann.
Kapitel zwei setzt sich mit der historischen Entwicklung und den gesetzlichen Regelungen der Jugendstrafe auseinander, anschließend werden die Kriminalitäts-, Strafverfolgungs- und Rückfallstatistiken näher beleuchtet. In Kapitel drei erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Theorie Ervin Goffmanns über totale Institutionen und inwiefern diese Anpassungsprozesse fördern. Kapitel vier verdeutlicht die Widersprüche im Erziehungsauftrag und welche Hemmnisse bei der Aufdeckung von Anpassungsprozessen entstehen. Kapitel fünf widmet sich den Forschungsprojekten zum Thema Jugendstrafvollzug. Hierbei wurden Studien ausgewählt, die die Perspektive der Inhaftierten im Fokus des Erkenntnisinteresses haben. Nachfolgend wird in Kapitel sechs die Rolle Sozialer Arbeit in Zwangskontexten diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Jugendstrafrecht
2.1 Historische Entwicklungen
2.2 gesetzliche Regelungen
2.3 Kriminalitäts- , Strafverfolgungs- und Rückfallstatistik
3. Anpassungsverhalten in Totalen Institutionen
3.1 Totale Institutionen
3.2 Anpassungsverhalten
4. Das Erziehungsdilemma im Jugendstrafvollzug
4.1 Widersprüche im Erziehungsgedanken der Jugendstrafe
4.2 Anpassungsverhalten im Jugendstrafvollzug
5. Folgen der Inhaftierung – die Perspektive der Inhaftierten
5.1 Studie: „Straf-Erfahrungen“
5.2 Studie: „Gefängnis und die Folgen“
6. Soziale Arbeit in Zwangskontexten
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Erziehungsauftrag im Kontext des Jugendstrafvollzugs und analysiert, ob Erziehung unter den repressiven Bedingungen von Strafe und Zwang überhaupt möglich ist. Im Zentrum steht die Hypothese, dass die Totalität der Institution zu Anpassungsprozessen führt, die den eigentlichen erzieherischen Zielen entgegenstehen.
- Historische und rechtliche Grundlagen des Jugendstrafrechts
- Analyse von Anpassungsverhalten in totalen Institutionen nach Erving Goffman
- Widersprüche zwischen Erziehungsgedanken und repressiver Haftpraxis
- Subjektive Perspektiven inhaftierter Jugendlicher durch Fallstudien
- Rolle und Dilemmata der Sozialen Arbeit in Zwangskontexten
Auszug aus dem Buch
3.2 Anpassungsverhalten
In totalen Institutionen verändern sich Menschen. Zum Teil ist dies, hinsichtlich des Ziels der Institution, durchaus gewollt und geplant. Goffmann beschreibt Institutionen und die in ihnen stattfindenden Veränderungsprozesse wie folgt: „Sie sind Treibhäuser, in denen unsere Gesellschaft versucht, den Charakter von Menschen zu verändern“ (Goffmann 1973, S. 21).
Goffmann beschreibt den Eintritt in eine totale Institution, wie den Antritt der Jugendstrafe in einer Vollzugsanstalt, und die damit einhergehenden Prozesse als Angriffe auf das Selbst. Die Inhaftierten erleben mit Haftantritt Demütigungen, Kränkungen und Beschränkungen. Diese sind nicht immer beabsichtigt und bewusst gesteuert. Die erste Beschränkung des Selbst und somit den Verlust der Selbstbestimmtheit, erleben die Inhaftierten durch die Abgrenzung der inneren Welt der Jugendstrafanstalt und der Außenwelt. Diese Grenze hat direkten Einfluss auf das Rollenverhalten (ebd. S. 25). Innerhalb der Gesellschaft ist jeder Träger verschiedener Rollen, wie Schüler*in, Partner*in, Mutter oder Vater. Das Ausführen dieser Rollen wird mit Haftantritt unterbrochen, sie können nicht mehr praktiziert werden. Dies bedeutet einen Angriff auf die Identität der Inhaftierten, da sie auch die mit den verschiedenen Rollen einhergehenden Unterstützungen und Anerkennungen nicht mehr erhalten. Goffmann bezeichnet dies als „bürgerlichen Tod“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit motiviert das Thema durch Berichte aus der Praxis und stellt die Forschungsfrage, ob der Erziehungsauftrag im Zwangskontext des Jugendstrafvollzugs realisierbar ist.
2. Das Jugendstrafrecht: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick zur Entstehung des Jugendstrafrechts und beleuchtet aktuelle gesetzliche Regelungen sowie statistische Daten zu Kriminalität und Rückfallraten.
3. Anpassungsverhalten in Totalen Institutionen: Auf Basis von Erving Goffmans Theorie werden die Auswirkungen geschlossener Systeme auf das Selbstbild und die Verhaltensweisen der Inhaftierten analysiert.
4. Das Erziehungsdilemma im Jugendstrafvollzug: Es werden die systemimmanenten Widersprüche zwischen dem erzieherischen Auftrag des Gesetzes und der Realität der Inhaftierung sowie das resultierende Anpassungsverhalten thematisiert.
5. Folgen der Inhaftierung – die Perspektive der Inhaftierten: Anhand zweier Studien wird aufgezeigt, wie Jugendliche die Haft als massiven Einschnitt erleben und welche Bewältigungsstrategien sie entwickeln.
6. Soziale Arbeit in Zwangskontexten: Die Rolle der Sozialen Arbeit wird in diesem Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle kritisch hinterfragt, insbesondere hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur Beziehungsarbeit.
7. Fazit: Die Arbeit verifiziert die Hypothese, dass der Zwangskontext des Jugendstrafvollzugs Anpassungsprozesse fördert und die Erfüllung des Erziehungsauftrags massiv erschwert.
Schlüsselwörter
Jugendstrafvollzug, Soziale Arbeit, Erziehungsauftrag, Zwangskontext, Anpassungsverhalten, totale Institution, Erving Goffman, Jugendstrafe, Resozialisierung, Legalbewährung, Identitätsentwicklung, Inhaftierung, pädagogische Diskurse, Bewältigungsstrategien, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Erziehung junger Menschen in geschlossenen Strafvollzugsanstalten unter Berücksichtigung des gesetzlichen Erziehungsauftrags.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den rechtlichen Rahmenbedingungen, den psychologischen Auswirkungen des Lebens in totalen Institutionen nach Goffman und den Widersprüchen zwischen Strafe und Erziehung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, ob der Erziehungsauftrag im Jugendstrafvollzug unter Bedingungen von Strafe und Zwang tatsächlich erfüllt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturrecherche, der Analyse aktueller Statistiken und Gesetze sowie der Auswertung bestehender Forschungsstudien zur Perspektive Inhaftierter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln, das Anpassungsverhalten der Jugendlichen, die Widersprüchlichkeit des Vollzugsalltags und die Rolle der Sozialen Arbeit innerhalb dieses Zwangskontexts.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind der Zwangskontext, die totale Institution, die Anpassung an Haftbedingungen sowie der Gegensatz zwischen Hilfe und Kontrolle durch die Soziale Arbeit.
Warum betont die Autorin das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle?
Sozialarbeiter im Strafvollzug agieren gleichzeitig als Unterstützer für die Entwicklung des Jugendlichen und als Kontrollorgan des Staates, was die Beziehungsarbeit und das Vertrauensverhältnis stark erschwert.
Welche Bedeutung haben die "totalen Institutionen" für das Anpassungsverhalten?
In totalen Institutionen werden alle Lebensbereiche der Inhaftierten fremdbestimmt, was zu einer "bürgerlichen Tod"-Erfahrung und zur Entwicklung spezifischer Strategien (wie Kolonisierung oder Konversion) führt, um in der Haft zu überleben.
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- Anonym (Author), 2018, Soziale Arbeit in Zwangskontexten. Der Erziehungsauftrag im Jugendstrafvollzug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435288