Die Soziale Arbeit und die Lehren der Ökonomie scheinen bis heute keinen Konsens in den Köpfen der meisten Menschen gefunden zu haben.
Die Kontroverse über die „Ökonomisierung des Sozialen“ und ihrer praktischen Auswirkungen legt die Sicht, „Soziales“ und „Wirtschaft“ als eigenständige und getrennte Begriffe zu betrachten. Der Trugschluss, dass die in ihnen enthaltenen einzelnen Faktoren wie Wirksamkeit oder Geld nie eine Rolle in der Sozialen Arbeit gespielt haben, ist jedoch nicht nachvollziehbar.
Einer dieser in Betracht kommenden Orientierungspunkte ist der schulische Bildungsverlauf innerhalb einer Hilfemaßnahme. Eine große Anzahl von Jugendlichen in individualpädagogischen Maßnahmen verbindet mit der Teilnahme am Projekt konkrete Ziele und Hoffnungen. Die Erlangung eines Schulabschlusses steht dabei klar im Vordergrund.
Klärende Betrachtungen und methodisches erforschen von Motivation und Bildung innerhalb der individualpädagogischen Jugendhilfemaßnamen eröffnen eine Perspektive wie Motivation in der Praxis abläuft und ob am Bildungsprozess von Teilnehmern individualpädagogischer Maßnahmen, wie durch den hohen Aufwand ebenjener zu vermuten ist, eine positive Entwicklung beobachtet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Individualpädagogik
3. Bildung
4. Motivation
4.1 Extrinsische Motivation
4.2 Intrinsische Motivation
4.3 Motivationstheorien
4.3.1 Bedürfnistheorie nach Maslow
4.3.2 VIR Theorie nach Viktor Vroom
4.4 Sozialpsychologischer Motivationsgewinn & -verlust
4.4.1 Motivationsmindernde Effekte
4.4.1.1 Der Überrechtfertigungseffekt
4.4.1.2 Soziales Faulenzen
4.4.1.3 Der Entbehrlichkeitseffekt
4.4.1.4 Der Trotteleffekt
4.4.2 Motivationssteigernde Effekte
4.4.2.1 Sozialer Wettbewerb
4.4.2.2 Soziale Kompensation
4.4.2.3 Der Köhlereffekt
Motivation im Bildungskontext, Antworten aus der Praxis
4.5 Forschungsgegenstand und Methodik
4.6 Interview Klaus
4.7 Interview Herr Heiermann
4.8 Interview Frank
4.9 Interview Herr Ludolf
4.10 Interview Maja
4.11 Interview Frau Hansen
5. Auswertung der Interviews
5.1 Klaus
5.1.1 Verlauf des Interviews & wichtige Stellen
5.1.2 Thematischer Überblick
5.1.3 Bezug zum theoretischen Vorbau der Motivation & Bildung
5.2 Frank
5.2.1 Verlauf des Interviews & wichtige Stellen
5.2.2 Thematischer Überblick
5.2.3 Bezug zum theoretischen Vorbau der Motivation & Bildung
5.3 Maja
5.3.1 Verlauf des Interviews & wichtige Stellen
5.3.2 Thematischer Überblick
5.3.3 Bezug zum theoretischen Vorbau der Motivation & Bildung
6. Fazit:
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Prozesse von Motivation und Bildung innerhalb individualpädagogischer Jugendhilfemaßnahmen zu erfassen und zu untersuchen, wie Motivation bei den Teilnehmenden abläuft und ob eine positive Entwicklung hinsichtlich des Bildungsprozesses beobachtet werden kann.
- Analyse der Bedeutung von Bildung im Kontext individualpädagogischer Maßnahmen
- Untersuchung von Motivationstheorien und deren Anwendung in der Praxis
- Betrachtung sozialpsychologischer Motivationsfaktoren (Gewinn und Verlust)
- Erfassung der Lebenswelt und Bildungsbiographien mittels narrativer Interviews
- Synthese von praktischen Erfahrungen und theoretischen Motivationsmodellen
Auszug aus dem Buch
4.6 Interview Klaus
Klaus, 16 Jahre, besucht derzeit die Hauptschule, am 12.02.2018
Ich gehe regelmäßig in die Schule, außer wenn ich verschlafe, dann fährt mich Herr Heiermann. Ich will irgendwann mal ein ‚fettes‘ Auto fahren, weil das Frauen wichtig ist und gut ankommt. Dafür brauche ich einen guten Job und den bekomme ich nicht ohne guten Abschluss. Ich hätte schon Bock in ein paar Berufen zu arbeiten, am liebsten aber Armee am meisten. Vor der Maßnahme hatte ich keine Lust auf Schule. Ich dachte für die Armee ist das egal. Aber Herr Heiermann hat, nachdem ich manchmal ganz zu Anfang die Schule geschwänzt hab, das anders gezeigt. Auf der Internetseite der Bundeswehr haben wir Voraussetzungen um Soldat zu sein nachgeschaut und die gibt es. Der Abschluss bestimmt die Laufbahn in der Armee. Ich will schon Offizier oder was höheres werden. Ich versuche meine Schule jetzt so gut wie möglich zu machen. Danach überlege ich, ob ich zur Armee gehe oder eine Ausbildung mache. Auch weiter Schule machen und einen noch besseren Abschluss zu bekommen kann ich mir vorstellen.“37
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Die Einleitung thematisiert die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und die steigende Relevanz von Bildungsmotivation als Effizienzmerkmal innerhalb individualpädagogischer Maßnahmen.
2. Individualpädagogik: Dieses Kapitel definiert Individualpädagogik als intensive, auf den Einzelfall zugeschnittene Betreuungsform, die darauf abzielt, neuen Lebensstrukturen und Handlungsstrategien Raum zu geben.
3. Bildung: Es wird der Bildungsbegriff als gesellschaftliche Ressource und Schlüssel zur Teilhabe erörtert sowie die Notwendigkeit von Bildungsförderung im schulischen Kontext dargelegt.
4. Motivation: Das Kapitel führt grundlegende Motivationstheorien (Maslow, Vroom) ein und analysiert sozialpsychologische Effekte, die in Gruppen zu Motivationsgewinnen oder -verlusten führen können.
Motivation im Bildungskontext, Antworten aus der Praxis: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Vorgehensweise der qualitativen Forschung mittels narrativer Interviews mit Jugendlichen und Betreuern.
5. Auswertung der Interviews: Hier werden die geführten Interviews dokumentarisch ausgewertet, thematisch geordnet und in Bezug zu den zuvor vorgestellten theoretischen Motivationstheorien gesetzt.
6. Fazit:: Das Fazit fasst zusammen, dass Bildungsmotivation in individualpädagogischen Maßnahmen maßgeblich vom Gelingen der Zielvereinbarungen und der Distanz zu gewohnten Lebensumständen abhängt.
Schlüsselwörter
Individualpädagogik, Bildung, Motivation, Soziale Arbeit, Jugendhilfe, Bedürfnistheorie, Extrinsische Motivation, Intrinsische Motivation, Sozialpsychologische Effekte, Bildungsbiographie, Schulabschluss, Qualitative Sozialforschung, Narrative Interviews, Humankapitaltheorie, Persönlichkeitsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Bildungsmotivation bei Jugendlichen, die in individualpädagogischen Jugendhilfemaßnahmen betreut werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition von Bildung und Individualpädagogik, die Darstellung verschiedener Motivationstheorien sowie die Analyse von sozialpsychologischen Einflüssen auf die Lernmotivation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, methodisch zu erfassen, wie Motivation bei den Teilnehmenden abläuft und ob durch die pädagogische Arbeit eine positive Entwicklung des Bildungsprozesses zu beobachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Studie verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Sozialforschung, konkret die Methode des narrativen Interviews, um die Lebenswelt und die Motivation der Jugendlichen sowie deren Betreuer zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Motivation und Bildung erarbeitet und anschließend durch Interviews mit Jugendlichen und Betreuern aus der Praxis reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Individualpädagogik, Bildungsmotivation, Jugendhilfe, Motivationstheorien und qualitative Sozialforschung.
Warum ist die Motivation im Kontext der Schule für diese Jugendlichen so schwierig?
Wie die Interviews zeigen, wirken oft Faktoren wie Demotivation oder das Fehlen einer persönlichen Zielsetzung, weshalb die Betreuer versuchen, Bildung als Türöffner für spätere Lebensziele (wie den Traumberuf) zu vermitteln.
Welche Rolle spielen die Betreuer bei der Förderung der Bildungsmotivation?
Die Betreuer agieren als Vermittler, die durch Wertschätzung, das Aufzeigen kausaler Zusammenhänge zwischen Schule und beruflichen Wünschen sowie durch eine lebensnahe Gestaltung der Lerninhalte versuchen, die Motivation der Jugendlichen zu stärken.
- Citar trabajo
- Ernest Okon (Autor), 2018, Bildung in individualpädagogischen Maßnahmen. Wirkfaktor Bildungsmotivation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435300