Das Prinzip von Erwin Wurms "One Minute Sculptures" als erweiterter Skulpturbegriff

Werkanalyse in handlungsorientiertem Verfahren


Unterrichtsentwurf, 2017
15 Seiten, Note: 1,25

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kompetenzen / Lernziele

2. Geplanter Unterrichtsverlauf

3. Sachanalyse

4. Didaktische Begründung und Analyse

5. Methodische Entscheidungen

6. Literaturangaben:

1. Kompetenzen / Lernziele

Hauptlernziel

Die Schülerinnen und Schüler erkennen Erwin Wurms „One Minute Sculptures“ als Beispiele eines erweiterten Skulpturbegriffes, da sie einerseits Merkmale traditioneller Skulpturen aufweisen, aber andererseits Merkmale nicht aufweisen oder neue Aspekte hinzufügen, indem die SuS Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu einer traditionellen Skulptur anhand einer Werkanalyse und eines handlungsorientierten Verfahrens erarbeiten.

Teillernziele

Namen: „One Minute Sculptures“

Die SuS

1. erkennen, dass der Name „One Minute Sculptures“ bereits die Skulptur beinhaltet und diesen Status einfordert.
2. erkennen, dass es eine Vielzahl dieser Skulpturen gibt, indem sie das Plural-S interpretieren.
3. erkennen die Vergänglichkeit der OMS, indem sie Vermutungen aufstellen wie beispielsweise, dass die Figuren
4. a) jeweils eine Minute bestehen, da sie danach beispielsweise aufgrund ihres Materials zerfallen (z.B. Schaum)
5. b) der Herstellungsprozess eine Minute beträgt.
6. c) die Skulptur eine Minute lang sichtbar sein könnte.

„One Minute Sculptures“ erfahren

Die SuS erkennen

7. die Skizzen als Teil von Wurms Anweisungen, um sie dem Betrachter zu veranschaulichen und deren Potential, eine Idee schnell und anschaulich zu vermitteln.

8. die Umfunktionalisierung von alltäglichen Objekten als künstlerisches Prinzip, da Wurm sie in seine Skulpturen einbindet und sie somit dekontextualisiert.

9. das Prinzip der „One Minute Sculptures“, bei dem sie selbst eine Skulptur werden, indem sie Wurms Anweisungen folgen und in einer von ihm vorgegebenen Haltung verharren.

10. , dass der Entstehungsprozess eine wesentliche Rolle spielt.

11. das Vorhandensein der „Originale“ als Qualität der Skulptur, da man darüber diese besser sprechen kann als über eine Abbildung.

Vergleich zur Skulptur

Die SuS erkennen

12. Gemeinsamkeiten zur traditionellen Skulptur Davids, wie beispielsweise

13. a) die Allansichtigkeit

14. b) die menschliche Form mit stimmigen Proportionen

15. c) die Objekte, welche beide Skulpturen in der Hand haben

16. d) die allein stehende Figur

17. e) die Statik der Figuren, welche durch die vertikale Linie Ruhe vermitteln (fak.)

18. f) den Entstehungsprozess, der Volumen und Hüllen erschaffen innehat (fak.)

19. g) das Motiv der stehenden menschlichen Figur (fak.)

20. Unterschiede gegenüber der traditionellen Skulptur, wie beispielsweise

21. a) die Nicht-Dauerhaftigkeit

22. b) das weiche und lebendige Material des menschlichen Körpers und der Hose

23. c) die Farbigkeit

24. d) die Größe (lebensgroß statt überlebensgroß)

25. e) den schnellen Entstehungsprozess (nicht abbauendes Verfahren sondern Skulptur durch Handlung)

26. f) die Wichtigkeit der Kleidung, statt der Nacktheit Davids

27. g) die ungewöhnliche und komische Körperhaltung, sowie die Veränderung des Körpers durch die Hose (David hingegen wirkt aufgrund seiner Körperhaltung, Größe und des Podests erhaben)

28. h) die symmetrische Haltung der OMS und die asymmetrische des Davids

i) die

j) die unterschiedlichen Varianten der One Minute Sculpture, die durch jeden Besucher anders dargestellt werden (fak.)

k) die Austauschbarkeit (da kein Gesicht zu sehen ist, die Figur entfremdet und entmenschlicht wird und jeder zur Skulptur werden kann, wohingegen David eine biblische

l) der Betrachter wird zum Akteur und zur Skulptur (der Prozess und nicht (nur) das Endprodukt stehen im Vordergrund) (fak.)

m) die Zeichnung und weitere Objekte, welche zur OMS gehören (fak.)

n) die Ortsunabhängigkeit (kann überall stehen, David ist auf dem Sockel, der eine Landschaft andeutet, verankert) (fak.)

o) die Frage nach dem Original (fak.)

p) die Instabilität (fak.)

Methodisch

Die SuS üben sich in

29. ihrer Körperbeherrschung und ihrem Ausdruck.

30. der Formerörterung und Werkanalyse.

31. der Gruppenarbeit und im Austauschen von Argumenten.

Affektiv

Die SuS…

32. haben einen individuellen Zugang zu dem Thema, indem sie durch den handlungsorientierten Zugang selbst zu einer „One Minute Sculpture“ werden.

33. sind über den humoristischen Ansatz in Wurms Werken belustigt und intensivieren ihr Zeitgefühl.

34. identifizieren sich mit ihrer Rolle, die sie in der Diskussion einnehmen.

Sprachliche Lernziele: One Minute Sculpture, erweiterter Skulpturbegriff

2. Geplanter Unterrichtsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

3. Sachanalyse

Erwin Wurm ist ein bekannter österreichischer Künstler. Dieses Jahr bespielt er den österreichischen Pavillon der Biennale in Venedig. Seine Arbeiten sind humorvoll und hinterfragen die vorherrschenden Meinungen und Vorstellungen. So spielen beispielsweise seine „One Minute Sculptures“ mit dem Begriff der Skulptur, indem Wurm keine Skulpturen anfertigt, sondern diverse Gegenstände und Skizzen ausstellt, durch deren Anweisungen der Rezipient selbst eine vorgegebene Pose einnehmen und in dieser für eine Minute erstarren und zur Skulptur werden soll. „Die bewegungslose Aktion wird zu einer Skulptur auf Zeit, die sich nach einer Minute wieder auflöst und verschwindet. Allein ihr Abbild wird in jenen – für die Skulptur eigentlich unüblichen - Medien überliefert. […] Sie halten die figurative, lebendige und zugleich bewegungslose Live-Performance eines Moments auf Dauer fest und werden so selbst zur Skulptur.“ [2] Egal ob Video, Zeichnung oder Buch – all seine Arbeiten werden von Wurm als Skulpturen bezeichnet, weshalb er sich beispielhaft für den erweiterten Skulpturenbegriff eignet. In manchen Ausstellungen kann die gelungen eingenommene Pose fotografiert, eingeschickt und signiert zurückerhalten werden. [3] Durch die schlichten Skizzen und das reduzierte Material suggerieren Wurms Arbeiten eine Leichtigkeit, die bei der Umsetzung oft zur Anstrengung wird.

Bei der Umsetzung selbst kommen mehrere Faktoren ins Spiel, die bei der bloßen Betrachtung, vor allem von Fotos, nicht direkt auffallen oder nachvollziehbar sind. Mögen Wurms Anweisungen auch banal erscheinen, so ist deren Umsetzung eine Herausforderung, körperlich anstrengend und häufig mit dem Scheitern verbunden. Für die Zuschauer mögen diese komischen Kontraste amüsant sein und sinnfrei wirken, da eine absurde und definitiv nicht alltägliche Situation herbeigeführt wird. „Wenn jemand seinen Kopf in einen Mülleimer oder eine Mauer steckt, steht das dem alltäglichen Erleben verstörend entgegen.“ [4] Denn auch Humor und Freude sollen durch die Werke vermittelt und erzeugt werden, sowie eine spielerische Freude am Ausprobieren einer ungewöhnlichen Haltung, auf die man sich einlassen kann. „Wurm bindet den Besucher aktiv in seine Arbeiten ein und fordert somit eine besonders intensive Teilnahme an der Ausstellung. Neben Spontanität braucht es dazu noch eine ganze Menge Mut, die gelernten Verhaltensweisen im Museum abzulegen und vor aller Augen zu Kunst zu werden. Grenzen werden überschritten, man muss über sich selbst lachen können.“ [5] Andererseits gibt es einen klaren Rahmen, was den Rahmen, das Material, das Vorgehen, die Zeit und das Ziel angeht, welcher von Wurm wie bei einem Gesellschaftsspiel vorgegeben wird. [6]

[...]


[1] Diese Abkürzung steht nun und im Folgenden für Erwin Wurms One Minute Sculpture, beziehungsweise je nach Artikel auch nur für eine von diesen, über welche exemplarisch gesprochen wird.

[2] Ulrike Lehmann: We are ready to remake! - Der erweiterte Skulptur- und Spielbegriff von Erwin Wurm, in: Kunst & Unterricht, Heft 274/275, Aug./Sept. 2003, S. 70.

[3] Vgl. Ebd. S. 71.

[4] Jakob Schwerdtfeger, Erwin Wurms „„One Minute Sculptures““ – Zwischen Komik und Ernst, 01.05.2014. http://blog.staedelmuseum.de/zwischen-komik-und-ernst-erwin-wurms-one-minute-sculptures/ (Stand: 31.10.2017)

[5] Schwerdtfeger, Zwischen Komik und Ernst, 2014.

[6] Vgl. Lehmann: We are ready to remake! 2003, S. 71.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Prinzip von Erwin Wurms "One Minute Sculptures" als erweiterter Skulpturbegriff
Untertitel
Werkanalyse in handlungsorientiertem Verfahren
Note
1,25
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V435426
ISBN (eBook)
9783668786394
ISBN (Buch)
9783668786400
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwin Wurm, One Minute Sculptures, handlungsorientiertes Verfahren, Werkananlyse, achte Klasse, erweiterter Skulpturenbegriff
Arbeit zitieren
Marie Welsche (Autor), 2017, Das Prinzip von Erwin Wurms "One Minute Sculptures" als erweiterter Skulpturbegriff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435426

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Prinzip von Erwin Wurms "One Minute Sculptures" als erweiterter Skulpturbegriff


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden