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Humanismus in der arabischen Welt. Aufstieg und Niedergang

Titel: Humanismus in der arabischen Welt. Aufstieg und Niedergang

Facharbeit (Schule) , 2017 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dina Attia (Autor:in)

Orientalistik / Sinologie - Arabistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Die Arabische Liga hätte von ihrer Satzung her viele Möglichkeiten, das zu regeln. Das haben die aber noch nie wahrgenommen und werden das auch jetzt nicht […].“ Hierbei bezog sich der Islamwissenschaftler Jörn Thielmann auf den Entwurf eines ökonomischen Entwicklungsplans für die unter dem IS leidenden arabischen Länder. Auch Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide hatte bereits eine ähnliche Erkenntnis, als er feststellte, dass man inzwischen so weit ist, Mängel wahrzunehmen, diese aber nicht weiter beachtet. Im Zuge seines Befundes lässt sich schlussfolgern, dass die Arabische Liga „antihumanistisch[…]“ ist.

Diesen Zustand wollten die arabischen Völker schon einige Jahre vorher nicht mehr dulden, woraufhin 2011 die sog. Arabellion einsetzte, in deren Zuge einige Diktatoren abgesetzt wurden. Der Versuch, die korrupten und diktatorischen Regime abzusetzen und neue demokratische Regierungen zustande zu bringen, scheiterte, denn diese erst Genannten wurden lediglich durch Ähnliche ersetzt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Humanistisches während der Blütezeit des Islam

2.1 Historischer Hintergrund

2.2 Beispiele für frühes humanistisches Gedankengut im frühen Islam

2.2.1 Ibn Sinas und Ibn Rushds Erkenntnisse

2.2.2 Al-Farabis Rechtfertigung der Vorrangstellung der Philosophie vor der Religion

2.2.3 Al-Ghazalis Argumentation zum Anstreben der Vervollkommnung und sein Verhältnis zur islamischen Mystik

2.2.4 Vergleich der rationalistischen Theologie (Mu´tazila) und der orthodoxen islamischen Theologie (Hanbalismus)

3 Niedergang des Humanismus in der arabischen Welt

3.1 Gründe für den Zerfall des umayyadischen Kalifats in Andalusien und des abbasidischen Kalifats im Orient

3.2 Hoffnung durch eine arabische Renaissance (Nahda)

3.3 Die »Arabellion« als gescheiterter Versuch des Widerstandes

4 Humanistisch aufgeklärte Religionskritik in der arabischen Welt?

4.1 Orientierung der arabischen Denker an der Vernunft im Mittelalter

4.2 Entstehung des Wahhabismus und dessen Lehre

4.3 Al-Afghanis und Abduhs umstrittenes Verhältnis zur Religion

4.4 Tradition des Gehorchens und Nicht-Hinterfragens

4.5 Humanistische Reform des Islam? Vergleich Mouhanad Khorchide – Hamza Yusuf

5 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den gegenwärtigen Zustand humanistischer Geisteshaltungen im Islam, mit dem Ziel, Gründe für die Stagnation in Wissenschaft und Gesellschaft sowie Möglichkeiten einer humanistischen Reform zu identifizieren.

  • Blütezeit des Islams und frühes humanistisches Gedankengut
  • Ursachen für den Niedergang des Humanismus in der arabischen Welt
  • Die Nahda als gescheiterter Modernisierungsversuch
  • Religionskritik und das Spannungsfeld zwischen Vernunft und Tradition
  • Aktuelle Reformansätze im Vergleich (Khorchide vs. Yusuf)

Auszug aus dem Buch

2.2.4 Vergleich der rationalistischen Theologie (Mu`tazila) und der orthodoxen islamischen Theologie (Hanbalismus)

Beim Thema Humanismus denkt man auch an die Vorherrschaft der Vernunft: Die sog. Mu´tazila ist eine im Süden des Iraks im 8. Jahrhundert entstandene Strömung, die wörtlich „die sich Abspaltenden“ oder „diejenigen, die keine Stellung für Sünder beziehen“ heißt. Diese Strömung zeichnet sich vor allem wegen ihrer Orientierung an der Vernunft aus.

Sie leiteten das sog. Gespräch [kalam] ein, das eine an den Lehren des Aristoteles ausgerichtete islamische Theologie ist. Die Mu´tazila war bis zum Jahre 861 die offizielle „Hofideologie“ des Kalifats von Bagdad. Die Mutaziliten sahen den Koran nicht als ewiges Gesetz Gottes, sondern viel mehr als ein an die damalige Zeit angepasstes Wort des Schöpfers und somit gelten sie als „Begründer der spekulativen Dogmatik im Islam“ und vertraten „die Freiheit und Selbstverantwortung des Menschen in der Wahl seiner Optionen und damit dem Lauf seines Lebens“. Dies bildete die beste Voraussetzung dafür, dass sich Philosophie im Islam etablierte, wodurch die Förderung des Strebens nach Wissen zunahm. Zudem sahen die Mutaziliten einen Widerspruch in der Tatsache, dass der Mensch einerseits einen Verstand besitzt andererseits diesen aber nicht zum Hinterfragen oder Verstehen nutzen darf. Außerdem waren sie strikt gegen die Vorstellung des menschlichen Determinismus gemäß der Allmacht des göttlichen Willens und sie sahen den Menschen als „moralisch für sein Handeln verantwortlich“ an.

Im Kontrast zu den Mutaziliten stehen die Hanbaliten. Letztere sind die Anhänger der hanbalitischen Rechtschule, eine der vier Rechtsschulen des sunnitischen Islam. Heute sind diese hauptsächlich auf der arabischen Halbinsel vertreten, vor allem in Saudi-Arabien und der Golfregion. Im Gegensatz zur Mu´tazila ist der Hanbalismus „der Anwendung der Vernunft bei der Auslegung der Religion insgesamt abgeneigt“. Wegen ihrer Ablehnung des Rationalismus und ihrer Hinwendung zum Übernehmen der Traditionen und des Überlieferten entstand das Konzept des „ohne (zu fragen) wie“ (bi-la kaif). Das bedeutet ganz „antihumanistisch“ (s. Einführung) eine Abwendung vom kritischen Hinterfragen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuellen humanitären Defizite in der arabischen Welt und identifiziert eine Stagnation, die den humanistischen Idealen widerspricht.

2 Humanistisches während der Blütezeit des Islam: Das Kapitel zeichnet das Goldene Zeitalter nach, in dem rationalistisches Denken und bedeutende philosophische Erkenntnisse das Aufblühen des Islams begünstigten.

3 Niedergang des Humanismus in der arabischen Welt: Es werden die politischen Zerfallsprozesse sowie die gescheiterte Nahda-Bewegung analysiert, die zu einer langfristigen Phase des Stillstands führten.

4 Humanistisch aufgeklärte Religionskritik in der arabischen Welt?: Hier wird der Gegensatz zwischen rationalistischer Tradition und fundamentalistischen Strömungen wie dem Wahhabismus sowie die Debatte um Reformfähigkeit beleuchtet.

5 Schluss: Das Fazit betrachtet aktuelle Ansätze zur Modernisierung in Ländern wie Saudi-Arabien und Tunesien und thematisiert den fortwährenden Kampf um Freiheit und Menschenrechte.

Schlüsselwörter

Humanismus, Islam, Nahda, Wahhabismus, Aufklärung, Religionskritik, Rationalismus, Mu´tazila, Menschenrechte, Modernisierung, Arabellion, Freiheit, Vernunft, Tradition, Reformation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Präsenz und das aktuelle Fehlen humanistischer Geisteshaltungen im Islam sowie die strukturellen Gründe für die gesellschaftliche Stagnation in der arabischen Welt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der Blütezeit islamischer Philosophie, den Ursachen für den historischen Niedergang dieser Strömungen, dem Scheitern der Nahda-Bewegung und aktuellen Reformdiskursen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen historischen humanistischen Errungenschaften und der heutigen Situation in muslimisch geprägten Ländern zu ergründen und Reformpotenziale aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie philosophische Quellen, historische Ereignisse und aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen vergleichend betrachtet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Aufstieg und Fall des Humanismus, die Rolle des Wahhabismus, die Nahda-Bewegung und den Vergleich moderner muslimischer Denker bezüglich einer Islam-Reform.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wesentliche Begriffe sind Humanismus, Vernunft, Religion, Aufklärung, Tradition, Freiheit und Reform.

Was unterscheidet die Mu´tazila von den Hanbaliten?

Die Mu´tazila betonte die Bedeutung der Vernunft und des kritischen Hinterfragens, während die Hanbaliten den Rationalismus ablehnen und stattdessen auf Tradition und blinden Gehorsam setzen.

Warum wird die Nahda in der Arbeit als gescheitertes Projekt eingestuft?

Die Nahda erreichte laut der Analyse nicht die breite Masse der Bevölkerung und wurde zudem durch den mangelnden Rückhalt sowie aktiven Widerstand der Regierungen und konservativer Kräfte behindert.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Mouhanad Khorchide und Hamza Yusuf?

Khorchide vertritt eine inklusive, reformorientierte Sichtweise auf den Islam, während Yusuf bei der Definition von Prinzipien und Reformmöglichkeiten exklusiver argumentiert und den Reformbegriff skeptisch sieht.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Humanismus in der arabischen Welt. Aufstieg und Niedergang
Note
1,0
Autor
Dina Attia (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V436019
ISBN (eBook)
9783668769502
ISBN (Buch)
9783668769519
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Humanismus Aufstieg und Niedergang Arabische Welt Arabellion Arabischer Frühling Hamza Yusuf Mouhanad Khorchide Ibn Sina Gelehrte Nahda Arabische Renaissance Religionskritik Wahhabismus Umayyaden Abbasiden Sufismus Al Ghazali Reform Entwicklungen Aufklärung Tradition der Gehorsam Islam Reformierung des Islam Mittelalter Ibn Rushd Avicenna Averroës Umayyadisches Kalifat Abbasidisches Kalifat
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Arbeit zitieren
Dina Attia (Autor:in), 2017, Humanismus in der arabischen Welt. Aufstieg und Niedergang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436019
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Leseprobe aus  23  Seiten
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