Interkulturelle Literatur im DaF-Unterricht


Seminararbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interkulturalität
2.1 Interkulturalität in dem DaF Unterricht

3. Interkulturelle Literatur
3.1 Interkulturelle Literatur im DaF Unterricht
3.1.1 Didaktische Vermittlung

4. Didaktisierungsvorschläge

5. Fazit.

1. Einleitung

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der interkulturellen Literatur im Deutsch als Fremdsprachenunterricht. Meine Arbeit besteht aus zwei Teilen: einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Zuerst möchte ich die Bedeutung des Begriffes „Interkulturalität“ erläutern und auf die Kontexte hinweisen, in denen den Begriff erscheinen kann. Eine von diesen ist die Pädagogie, wo der interkulturelle Ansatz auf eine Methodik hinweist. Daneben erscheint der Begriff auch in der Literatur unter der Bezeichnung interkulturelle Literatur. Die Fragen, mit denen ich mich ausführlicher beschäftige, sind: Was verstehen wir unter interkultureller Literatur? Warum ist/könnte es wichtig sein? Welche Vorteile hat der Einsatz der interkulturellen Literatur im DaF-Unterricht? Welche didaktische/methodische Möglichkeiten stehen zur Verfügung zum Umgang mit diesen literarischen Texten?

Im letzten praktischen Teil werde ich einige Didaktisierungsvorschläge darstellen, die ich in der Fachliteratur gelesen habe und mein Interesse geweckt haben.

2. Interkulturalität

Die Konzeption von Interkulturalität hat sich in den letzten zwanzig Jahren verbreitet und in unserem Zeitalter ist es ein zentrales Thema, die in verschiedenen Kontexten auftritt. Das Wort ist ein zusammengesetztes Wort, das aus den lateinischen Wörter inter (= zwischen) und Cultur (= bebauen, pflegen) abgeleitet wurde. Wie schon die Etymologie des Wortes zeigt, muss man sich auch mit dem Wort Kultur befassen, um der Begriff Interkulturalität zu verstehen. Kultur hat mehrere Bedeutungen, deswegen kann man dieses Wort verschiedentlich definieren und beschreiben. Lauf meines Studiums habe ich auch einen kleinen Überblick bekommen, was eigentlich Kultur bedeutet. Erstens haben wir uns mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes befasst (Kulturbetrieb, Kultiviertheit, Gewohnheiten und Anbau/Pflege), dann versuchten wir eine einheitliche Definition zu finden. Alleida Assmann (2006) definiert Kultur als folgende: „Alles, was im Zusammenleben von Menschen der Fall ist“ (S.9f). Edward B. Tylor (1871) bestimmt Kultur in seinem Buch Die Anfänge der Cultur unter Aufnahme der darwinsche Evolutionstheorie:

Kultur ist im weitesten ethnographischen Sinne jener Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Sitte und alle übrigen Fähigkeiten und Gewohnheiten, welche der Mensch als Glied der Gesellschaft sich angeeignet hat. (Edward B. Tylor 1871, S.32).

Der Kulturbegriff von Tylor wurde als Arbeitsgrundlage der modernen Anthropologie. Außer diese zwei Kulturbegriffe gibt es natürlich sehr viele andere, wie z.B.: Hofstede (1991), der die Kultur als mentale Programmierung definiert, oder Hall (1984), der die Kultur mit Hilfe der Sprache charakterisiert, usw.

Man kann also der Begriff Kultur auf verschiedene Weise interpretieren, für jeder Mensch bedeutet Kultur etwas anderes. So ist es auch mit dem Begriff Interkulturalität: hier ergeben sich auch mehrere Definitionen und Erklärungen.

Die Grammatik von Duden definiert das Wort Interkulturalität: einerseits als:

Bewusstsein, das für die kulturelle, sprachliche oder religiöse Verschiedenheit der Mitglieder einer Gesellschaft besonders sensibilisiert ist [und auf den Respekt bzw. die Akzeptanz der Verschiedenheit ausgerichtet ist] und andererseits kann es aber auch ein Wissenschaftszweig sein, „der sich mit den individuellen und gesellschaftlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen verschiedener Kulturen in der globalisierten Welt befasst“ (Duden-Online). Der deutsche online Glossar IKUD behauptet, dass eine Interkultur dann entsteht, wenn verschiedene Kulturen aufeinander wirken und in Interaktion miteinander stehen.

Die Interkultur ist somit stark variabel und dynamisch. Sie beschreibt kein statisches Abhängigkeits- oder Dominanzverhältnis der Kulturen. Die beteiligten Kulturen oder Teile dieser werden in diesem Prozess nicht nur addiert, sondern bilden, sich gegenseitig beeinflussend, eine neue „Kultur“, eine Interkultur. Der Begriff wird positiv verwendet und umschreibt einen konstruktiven Interaktionsprozess. (Ikud-Glossar)

Yousefi/Braun (2011) unterscheidet in seinem Buch mit dem Titel Interkulturalität: Eine interdisziplinäre Einführung drei miteinander verschränkten Orientierungsrahmen um die Struktur, die Funktion und die Aufgaben der Interkulturalität besser zu erklären. Die drei Orientierungsrahmen sind: historische, systematische und vergleichender Interkulturalität. Die historische Interkulturalität untersucht die interkulturellen Begegnungen im Kontext sozial-, geistes- und kulturwissenschaftlicher Geschichtsschreibungen und analysiert deren Kontinuität und Diskontinuität. Die systematische Interkulturalität umfasst solche Begriffsapparate, die für eine gelungene interkulturelle Kommunikation notwendig sind. Die vergleichende Interkulturalität beschäftigt sich einerseits mit den Divergenzen und Konvergenzen in den sozial-, geistes- und kulturwissenschaftlichen Geschichtsschreibungen und andererseits mit den möglichen Beziehungen verschiedener Theorien und Überlegungen zum Thema Interkulturalität (Yousefi/Braun 2011, S.29ff).

Es gibt sehr viele Gebiete bzw. wissenschaftliche Disziplinen, die sich mit Interkulturalität beschäftigen, z.B.: interkulturelle Germanistik, interkulturelle Sprachwissenschaft, interkulturelle Philosophie, interkulturelle Theologie, interkulturelle Pädagogik, interkulturelle Sprachdidaktik, interkulturelle Soziologie, interkulturelle Ethik, interkulturelle Wissenskommunikation, interkulturelles Management, interkulturelle Ikonographie, usw. (Földes 2003, S.21ff)

Wissenschaften wie die Soziologie, die Pädagogik und die Psychologie beschäftigen sich heutzutage sehr viel mit diesem Thema. In der Psychologie geht es um solche Herausforderungen, die bei der Zusammenarbeit in internationalen Teams ergeben, also im Arbeitsleben. Die Soziologie befasst sich im Sinne der Interkulturalität nicht nur mit gesellschaftlichen Faktoren sondern auch mit internationalen Migrationsbewegungen (Asyl - Probleme) und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die Pädagogik konzentriert sich in erster Linie auf die Schule bzw. den Unterricht.

2.1 Interkulturalität in dem DaF Unterricht

Im Weiteren konzentriert sich diese Arbeit auf die Interkulturalität im Bereich der Pädagogik, besonders in dem Fremdsprachenunterricht. In einem effektiven Fremdsprachunterricht kann man zugleich mehrere Methoden verwenden (wie z.B.: die Grammatik-Übersetzungs-Methode, die direkte/natürliche Methode, die audio-visuelle/audio-linguale Methode, der kognitive Ansatz, der kommunikative Ansatz, die interkulturelle Ansatz und andere alternative Methoden wie: Community Language Learning, Silent Way, usw.). Der interkulturelle Ansatz ist nur eine der Methoden, die ich jetzt ausführlicher betrachten werde.

Eine Definition des interkulturellen Ansatzes hat Eva Varga formuliert:

Der interkulturelle Ansatz nimmt die Interaktion von Eigenem und Fremdem und damit den Blick des Lernenden auf die deutsche Sprache und Kultur als Ausgangspunkt seiner didaktischen Überlegungen. Die Fertigkeiten Lesen und Schreiben, ästhetische Texte und generell ein stärker reflektierender und vergleichender Umgang mit Sprache und Kultur spielen im Gegensatz zu den stärker alltagsorientierten Ansätzen wieder eine wichtige Rolle. (Varga, S.82)

Die Schwerpunkte dieses Ansatzes sind nicht mehr alltägliche Dialoge (wie beim kommunikativen Ansatz) sondern der Vergleich zwischen der fremden und der eigenen Kultur, das Verstehen der fremden Welt und die Vorstellung der eigenen Welt (dazu gehören solche Fähigkeiten wie: Wahrnehmungs- oder Empathiefähigkeiten), Themen aus der Landeskunde beider Länder zu behandeln, Sprachenvergleiche und die Fertigkeiten Lesen und Schreiben zu entwickeln (nicht nur die rezeptive sondern auch die produktive). Der interkulturelle Ansatz ist also inhaltorientiert, denn die Diskussionsfäden orientieren sich häufig an Landeskunde und an dem Vergleich zwischen Kulturen. „Damit erhielt die Landeskunde eine Aufwertung, denn Kulturverstehen und Fremdverstehen trat als gleichberechtigtes Lernziel neben das Ziel fremdsprachlich-kommunikativer Kompetenz“ (Zeuner 2009, S.11f).

Interkulturelles Lernen als Unterrichtsprinzip wurde in den neunziger Jahren in den Lehrplänen aller allgemein bildenden Schulen verankert. Damit wurde erreicht, dass die Schüler sich mit Beziehungen zwischen Kulturen beschäftigen und unterschiedliche Kulturen gleichwertig zu behandeln lernen. Die Schule hat die Aufgabe „junge Menschen in ein vernünftiges Zusammenleben von ethnischen, kulturellen und religiösen Mehrheiten und Minderheiten einzuführen“ (Nowitzki 1997, S.2). Beim interkulturellen Lernen ist der Ausgangspunkt die eigene Kultur, nur dann kann man die Wahrnehmungsfähigkeit und die Einfühlungsvermögen bei den Kindern entwickeln. Die Schüler sollen in der Schule über verschiedene Kulturen Kenntnisse erwerben, andere Lebensformen kennenlernen.

3. Interkulturelle Literatur

Unter der interkulturellen Literatur können wir die Werke solcher Autoren verstehen, die aus verschiedenen Ländern bzw. Kulturen stammen und ihre Werke auf Deutsch verfasst wurden. Interkulturelle Literatur entsteht also im „Einflussbereich verschiedener Kulturen und Literaturen” und ist „auf diese durch Übernahmen, Austausch, Mischung usw. [bezogen]” (Esselborn 2007, S 10) Auf Grundlage dieser Definition handelt es sich bei interkultureller Literatur um all jene Schriftstücke, die in irgendeinem Zusammenhang mit mehreren Kulturen stehen. „Interkulturelle Literatur konstituiert sich also aus der Zusammenwirkung von biographischer, thematischer, sprachlicher und ästhetischer Interkulturalität in unterschiedlichen Kombinationsvarianten.” (Cerri 2011, S. 391)

Im Falle der Literatur herrschte lange das aus dem 19. Jahrhundert stammende Konzept einer monolingualen Nationalliteratur vor. Die Bevölkerungsbewegungen des 20. Jahrhunderts brachten eine Vielzahl kultureller Veränderungen mit sich und die in dieser Zeit auftretende sogenannte Gastarbeiterliteratur der Arbeitsimmigranten in Deutschland änderte diese Ansicht hin zu einer mehr interkulturell orientierten deutschsprachigen Literatur. Durch die zunehmende Globalisierung spielt auch der Wert interkultureller Literatur gerade in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle. Von Gastarbeiterliteratur kann aber gegenwärtig nicht mehr die Rede sein, da sich viele der Autoren bereits in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland befinden. Um die stark stigmatisierte und auf den Arbeitswelt bezogene Begriffe wie „Gastarbeitliteratur“ oder „Migranteliteratur“ zu vermeiden, wird der Begriff „interkulturell“ verwendet, der besser die Bedeutung der Aufeinanderwirkung zwei oder mehrerer Kulturen ausdrückt. (Cerri 2011, S. 392)

Esselborn hebt aber hervor, dass die interkulturelle Literatur in Deutschland weit ältere Traditionen als die seit Endre der 70er Jahren ins Blickfeld getretene „Gasarbeiter- oder Ausländerliteratur“ hat. Zur interkulturellen Literatur gehören u.a. die deutsche „Exilliteratur“ und die deutsche Minderheitliteratur im Ausland. (Esselborn 2010, S. 108)

3.1 Interkulturelle Literatur im DaF Unterricht

Cerri zählt in ihrer Arbeit vier Gründe auf, die für den Einsatz interkultureller Literatur im Unterricht sprechen. Laut Cerri die Behandlung von interkulturellen Texten im Unterricht können zu dem interkulturellen Lernen beitragen. Zu den weiteren Vorteilen des Einsatzes interkultureller Literatur im DaF-Unterricht gehören das landeskundliche Potenzial, die experimentelle Ästhetik und das identifikatorische Potenzial. (Cerri 2011, S. 396)

Interkulturelles Lernen ist Vorgang und Ergebnis einer Umstrukturierung selbstorganisierter Ich- und Weltentwürfe an Hand einer Neuinterpretation kulturell Repräsentation, die durch den Rückgriff auf den Verstehenshorizont des Anderen in einer idealen Sprechsituation initialisiert wird. (Dawidowski/Wrobel 2006, S. 25)

Durch interkulturelles Lernen wird Wissen über Werte und Normen über die fremde und eigene Kultur vermittelt. Es trägt auch zur Förderung und Entwicklung der Toleranz und Empathie bei. Voraussetzung für interkulturelles Lernen ist die Begegnung mit anderen Kulturen, die in der Literatur meistens positiv oder negativ thematisiert wird und kommt auf verschieden Weise zum Ausdruck (inhaltlich, ästhetisch). Laut Cerri darin liegt die Besonderheit der interkulturellen Literatur gegenüber der herkömmlichen Literatur, die auch interkulturelle Kompetenz fördern kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Literatur im DaF-Unterricht
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V436038
ISBN (eBook)
9783668775534
ISBN (Buch)
9783668775541
Dateigröße
801 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, literatur, daf-untericht
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Interkulturelle Literatur im DaF-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436038

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Interkulturelle Literatur im DaF-Unterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden