Die Deutsche Frage bei König Wilhelm I. und Kronprinz Friedrich Wilhelm

"Großpreußen" oder "Wiederherstellung alter Reichsherrlichkeit"


Masterarbeit, 2016
69 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Das Kaisertum – Zwischen preußischem Absolutismus, konstitutioneller Monarchie und mittelalterlichem Heerkönigtum
1. Das preußische Königtum
a. Der preußische Absolutismus im 19. Jahrhundert
b. Die Verfassung von 1848
c. Das Amtsverständnis Wilhelms I. und die Krönung in Königsberg
d. Die Verfassungskrise
e. Die Danziger Rede des Kronprinzen
f. Preußens Aufgabe in Deutschland
2. Der Kaiserplan von 1870
3. Die Kaiserproklamation in Versailles
a. Die Reichstagsdelegation
b. Die Titelfrage
c. Die Zeremonie
d. Reichsinsignien, Adler, Fahnen und Wappen

II. Die Habsburger – Konkurrenten um die Vorherrschaft im Deutschen
Bund
1. Der alte Dualismus
a. Das Kaisertum der Habsburger
b. Katholische Habsburger und protestantische Hohenzollern
c. Gleichrangigkeit und Partnerschaft
2. Königgrätz – Schonung oder Demütigung des Gegners?
3. Die Hohenzollern als Erben der Habsburger?

III. Die deutschen Fürsten – Verbündete oder Lehnsleute des Kaisers?
1. Preußen und die anderen Mitgliedsstaaten im Deutschen Bund nach 1848
a. Die Verwandten und Freunde
b. Die Gegner
2. Der Frankfurter Fürstentag
3. Die Hohenzollern und die deutschen Fürsten nach Königgrätz
a. Die Unglücklichen – Der König von Hannover, der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Nassau
b. Die neuen Verbündeten – Der Großherzog von Baden und die Könige von Württemberg und Bayern
c. Der Norddeutsche Bund
4. Die Reichsgründung
a. Die Novemberverträge
b. Der Kaiserbrief
c. Die Huldigung der Fürsten in Versailles
d. Der Kaiser als primus inter pares ?

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Quellen

2. Forschungsliteratur

Einleitung

Es war einer der berühmtesten Momente der deutschen Geschichte: die Kaiserproklamation am 18. Januar 1871. An diesem Tag wurde König Wilhelm I. von Preußen in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Der berühmte Historienmaler Anton von Werner hat die Szene in seinem bekannten Gemälde für die Nachwelt festgehalten. Noch heute wird es häufig zur Illustration der Reichsgründung verwendet. Wilhelm I. war allerdings nicht in allen Augen der erste deutsche Kaiser. Viele Zeitgenossen erinnerten sich selbst noch an das untergegangene Alte Reich oder hatten aus Erzählungen davon gehört. Außerdem wurde durch die an Deutungsmacht gewinnenden Historiker des 19. Jahrhunderts zunehmend das Bild einer glanzvollen mittelalterlichen Kaiserzeit verbreitet.[1]

Auch Otto von Bismarck hatte das erkannt und brachte schon Anfang des Jahres 1870 eine Wiederbelebung des Kaisertums ins Gespräch. Das erwies sich zwar noch als verfrüht, aber ein Jahr später gelang das Vorhaben. Das neue Reich musste nicht nur politisch fest zusammengefügt werden, sondern bedurfte auch der Unterstützung breiter Volksschichten, zumal Deutschland nun ein für die damalige Zeit sehr demokratisches Wahlrecht hatte. Jeder männliche Deutsche über 25 Jahren durfte den Reichstag wählen. Da war es wichtig, das Volk hinter einer gemeinsamen Idee zu vereinen. Der Kaisergedanke – das sah Bismarck sehr deutlich – konnte eine solche Idee sein.

Dass nach dem Sieg über Frankreich der deutsche Nationalstaat gegründet werden würde, stand eigentlich schon bei Kriegsbeginn im Juli 1870 fest. Nur eine Niederlage der deutschen Heere hätte das noch verhindern können. Als die französische Kriegserklärung in Berlin übergeben worden war, hatten sich die drei süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern mit dem Norddeutschen Bund solidarisiert und ihre Truppen dem Oberbefehl des preußischen Königs Wilhelm unterstellt. Durch die Novemberverträge wurde die staatliche Einheit Deutschlands dann besiegelt. Darüber, wie dieses neue Deutsche Reich gestaltet werden sollte, gingen die Meinungen allerdings auseinander. Das galt selbst für das deutsche Hauptquartier.

In dieser Arbeit sollen zwei wichtige Persönlichkeiten und ihre Vorstellungen von der
Ausgestaltung der deutschen Verfassung und des politischen Lebens im neuen Reich, insbesondere im Hinblick auf das Kaisertum, genauer betrachtet werden. Es handelt sich dabei um König Wilhelm I. selbst und seinen Sohn, Kronprinz Friedrich Wilhelm. Diese beiden Persönlichkeiten sind deshalb interessant, weil sich über die Beschäftigung mit ihnen ein neuer Zugang zu diesem Thema ergibt. Traditionell stand bisher vor allem Bismarck im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es hat zwar im Kaiserreich auch ein reges Interesse an der Geschichte der beiden späteren Kaiser gegeben, aber das liegt inzwischen lange zurück, und in jüngerer Zeit sind hauptsächlich weitere Bismarckbiographien entstanden.[2] Aber auch diese können einiges zum Verständnis des in dieser Arbeit behandelten Themas beitragen.

Inzwischen ist außerdem erkennbar, dass zumindest Friedrich III. wieder ein gewisses Interesse entgegengebracht wird und nicht mehr nur dessen Sohn Wilhelm II.[3] Der erste Deutsche Kaiser findet dagegen heute jenseits der Militärgeschichte nur wenig Aufmerksamkeit. Die letzte wissenschaftliche Biographie wurde 1984 von Karl-Heinz Börner veröffentlicht.[4] Sie ist allerdings relativ knapp gehalten, weshalb für diese Arbeit auch das umfangreiche Buch von Erich Marcks zu dem Thema hinzugezogen werden muss, um Lücken zu füllen, die es bei Börner aufgrund der Kürze seiner Monographie gibt.[5] Allerdings ist die Biographie von Marcks deutlich älter. Die letzte Auflage stammt aus dem Jahr 1943, das Werk wurde aber bereits 1897 veröffentlicht. Gerade angesichts dieser doch eher dürftigen Auswahl an Fachliteratur zu Wilhelm I. erscheint es sinnvoll, sich wieder mehr mit ihm zu beschäftigen.

Obwohl also der Forschungsstand teilweise noch stark ergänzungsbedürftig ist, stehen Quellen in großer Zahl zur Verfügung. Wilhelm I. hat im Lauf seines langen Lebens einige Reden gehalten (wenn auch nicht in gleicher Zahl wie sein Enkel) und unzählige Briefe geschrieben, die erhalten geblieben sind. Dasselbe gilt für seinen Sohn, der überdies noch umfangreiche Tagebücher geführt hat. Alle diese Quellen sollen zum Verständnis der politischen Vorstellungen beider Hohenzollern und ihrer eigenen Antworten auf die „Deutsche Frage“ beitragen.

Die Arbeit ist dabei analytisch in drei Kapitel eingeteilt, die wiederum jeweils chronologisch untergliedert sind. Der erste Teil befasst sich mit der Rolle, die König und Kronprinz dem Monarchen im neuen Reich zugedacht hatten. Dabei wird auch ihre Auffassung vom preußischen Königtum von Bedeutung sein. Vor allem soll es in diesem Abschnitt um ihre Vorstellungen vom künftigen Kaisertum gehen, dem beide unterschiedliche Bedeutung zumaßen. Die beiden folgenden Kapitel wiederum behandeln ihre Haltung gegenüber anderen Herrscherhäusern. Auch dabei soll das Kaisertum den zentralen Bezugsrahmen bilden. Daher wird den Habsburgern – immerhin bis 1806 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation – entsprechend ihrer Bedeutung als einer der mächtigsten europäischen Dynastien etwas mehr Raum gewidmet als den übrigen deutschen Herrscherhäusern. Sie werden deshalb in einem eigenen Kapitel behandelt. Im letzten Abschnitt geht es dann um die übrigen deutschen Fürsten. Dabei wird zentral der Frage nachzugehen sein, inwiefern der preußische König als Deutscher Kaiser tatsächlich als „Reichsmonarch“ betrachtet wurde oder eher – wie die Verfassung von 1871 es nahe legte – nur ein „Erster unter Gleichen“ war.

Um eine sinnvolle Begrenzung des Umfangs zu ermöglichen, soll sich der Zeitraum der Darstellung hauptsächlich auf das wichtige Jahrzehnt von 1861 bis 1871 konzentrieren, das am Anfang durch die Thronbesteigung Wilhelms I. und am Ende durch die Reichsgründung markiert ist. Gelegentliche Blicke in die Zeit davor oder danach sind aber dennoch sinnvoll und lassen sich auch nicht vermeiden. So werden u.a. auch die Jahre 1848 oder 1888 hin und wieder eine Rolle spielen.

Diese Arbeit soll dazu beitragen, das Verständnis der Reichsgründung und ihrer Vorgeschichte zu vertiefen. Dabei stehen statt Bismarck in diesem Fall Kaiser und Kronprinz im Vordergrund. Der vergleichende Zugang soll Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennbar werden lassen und dies gerade vor dem Hintergrund einer von vielen Zeitgenossen postulierten grundsätzlichen Verschiedenheit der beiden Charaktere. Während der Vater als „altpreußischer Heldenkönig“ bezeichnet wurde, galt sein Sohn als liberaler Hoffnungsträger. Ob die Vorstellungen von Vater und Sohn aber tatsächlich in allen Punkten so stark differierten und ob es nicht doch manche Gemeinsamkeit gab, soll im Folgenden herausgearbeitet werden. Am Ende soll eine differenzierte Antwort auf die Frage stehen, inwiefern sich König Wilhelm I. und Kronprinz Friedrich Wilhelm in ihren Vorstellungen vom Kaisertum und vom Reich unterschieden.

Dabei ist der Untertitel der Arbeit u.a. an zeitgenössische Deutungen der Reichsgründung angelehnt. Wilhelm I. z.B. nannte das neue Deutsche Reich selbst ein „verlängertes Preußen“.[6] Sein Sohn wiederum betrachtete sich und seine Dynastie als legitime Erben der mittelalterlichen Kaiser, die nun die alte „Reichsherrlichkeit“ wiederhergestellt hätten. Vater und Sohn standen jeweils für eine der beiden Deutungen, wobei sich im öffentlichen Diskurs bald die Interpretation des Kronprinzen durchsetzte. Wilhelm II. wiederum würdigte seinen Großvater später für dessen Rolle als Reichsgründer. Zwar wurde nicht vergessen, dass dieser auch in Personalunion als preußischer König geherrscht hatte, aber in der Öffentlichkeit wurde er bald hauptsächlich als erster Deutscher Kaiser wahrgenommen.

I. Das Kaisertum – Zwischen preußischem Absolutismus, konstitutioneller Monarchie und mittelalterlichem Heerkönigtum

1. Das preußische Königtum

a. Der preußische Absolutismus im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert war das Königreich Preußen starken politischen Veränderungen unterworfen. Das begann schon während der Antinapoleonischen Kriege. Nach den verheerenden Niederlagen von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 war die nachfriderizianische Monarchie gezwungen, sich zu erneuern. Es schlug die Stunde der großen Reformer um den Freiherrn vom Stein, August von Hardenberg, Wilhelm von Humboldt, Gerhard von Scharnhorst und August Neidhardt von Gneisenau.[7] Die Wirksamkeit der Reformen in Staat und Heer sollte sich in den entscheidenden Feldzügen der Jahre 1813-1815 erweisen. Die Antinapoleonischen Kriege, die in Deutschland bald schon „Freiheitskriege“ oder „Befreiungskriege“ genannt wurden, prägten eine ganze Generation, auch die jungen Prinzen aus dem Haus Hohenzollern.

Der zweite Sohn des preußischen Königs, Prinz Wilhelm, nahm damals als junger Mann an einzelnen Kampfhandlungen teil. Diese Erfahrung beeindruckte ihn stark und ließ auch in seinen Augen die „Befreiungskriege“ zur „Wiedergeburt“ des preußischen Staats werden.[8] Für ihn blieb der Krieg gegen Napoleon der „glorreiche Krieg“. Sein ältester Sohn, Kronprinz Friedrich Wilhelm, erfuhr von diesen Ereignissen nur noch aus Erzählungen und historischen Abhandlungen. Er war erst im Jahr 1831 geboren worden, wuchs also in einer Zeit auf, in der der Historismus in Kunst und Kultur an Bedeutung gewann. Seine Generation war stark durch die Geschichtsdarstellungen eines Leopold von Ranke oder Heinrich von Sybel geprägt. Das bedingte auch eine intensive Beschäftigung mit der deutschen Geschichte.

Der Historiker Wilhelm von Giesebrecht etwa veröffentlichte 1855 den ersten Band seiner monumentalen „Geschichte der deutschen Kaiserzeit“.[9] Die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer erschien darin als eine Epoche der Blüte deutscher Macht und deutscher Kultur. Die Lebensgeschichten bedeutender Persönlichkeiten aus dem hohen Mittelalter wurden dadurch einem breiten Publikum bekannt. Giesebrechts monumentale „Geschichte der deutschen Kaiserzeit“, deren erster Band 1855 erschien, wurde bis zu seinem Tod fünfmal aufgelegt, was die Popularität seines Werkes verdeutlicht.[10] Auch der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm gehörte zu den Lesern derartiger Werke. Er träumte bereits von der Errichtung eines großen Deutschen Reiches, das dem der Staufer an Glanz und Größe ebenbürtig sein würde.[11]

Möglicherweise spielte die Abstammung der Hohenzollern von den Kaisergeschlechtern des Mittelalters dabei auch eine Rolle. Schon 1707 hatte der höfische Genealoge Johannes Heineccio nachgewiesen, dass die brandenburgische Linie der Hohenzollern sich bis auf die Karolinger zurückführen ließ.[12] Auch die spätere Darstellung Wilhelms I. als „Barbablanca“ und Erbe Kaiser Barbarossas dürfte teilweise durch genealogische Überlegungen gespeist sein. Allerdings stammten tatsächlich nahezu alle Mitglieder des europäischen Hochadels von den Kaisergeschlechtern des frühen und hohen Mittelalters ab. Das galt also ebenfalls für die Habsburger, aber z.B. auch für die französischen und spanischen Bourbonen.

Die politische Wirklichkeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ nicht darauf schließen, dass die Wiedererrichtung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation unmittelbar bevorstehen könnte. Die preußische Innenpolitik wurde von dezidiert konservativen Politikern bestimmt. Dieser Kurs wurde von König Friedrich Wilhelm III. unterstützt, der nach den Wirren der Napoleonischen Kriege seinem Land Ruhe und Frieden erhalten wollte und darum allen Neuerungen skeptisch gegenüber stand. Zeit seines Lebens wurde kein Landtag einberufen und keine Verfassung eingeführt. Erst unter seinem Sohn und Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV., sollte sich das ändern.

b. Die Verfassung von 1848

Das Jahr 1848 brachte in großen Teilen Europas erhebliche politische Erschütterungen für die Monarchien mit sich. Im Deutschen Bund sahen Liberale und Demokraten ihre Zeit gekommen. Das galt auch für Preußen, das bis dahin zu den konservativsten Staaten gehört hatte und im Gegensatz zu Ländern wie Baden oder Bayern weder Verfassung noch Landtag hatte. Nachdem es in Berlin zu Zusammenstößen von Polizei und Armee auf der einen sowie Barrikadenkämpfern auf der anderen Seite gekommen war, versuchte König Friedrich Wilhelm IV. die Lage zu beruhigen und ließ das Militär aus der Stadt abziehen.[13] Diese Entscheidung wurde in der unmittelbaren Umgebung des Königs scharf kritisiert. Insbesondere dessen Bruder, Kronprinz Wilhelm, betrachtete dieses Verhalten als Ausdruck der Schwäche. Er selbst wurde in dieser Zeit aufgrund seines entschlossenen Vorgehens gegen alle revolutionären Erhebungen von seinen Gegnern als „Kartätschenprinz“ geschmäht. Aber auch der junge Bismarck war seiner Ansicht, was den Umgang mit der Revolution anging. Schon damals zeigte sich, dass die beiden in entscheidenden Fragen viel verband. Der Landjunker aus Schönhausen hatte sich als treuer Diener der Krone erwiesen. Das dürfte ihm 1862 geholfen haben, das Vertrauen Wilhelms I. zu gewinnen.

Die Revolution von 1848 hatte auch das bisher sehr konservative Preußen erschüttert. Nachdem die Gründung eines deutschen Nationalstaats an der Ablehnung der Herrscher in Berlin und Wien gescheitert war, wurde der Deutsche Bund, wie er vor der Revolution bestanden hatte, wiederhergestellt. Auch das Projekt einer Union der deutschen Staaten unter Führung des preußischen Königs und unter Ausschluss der Habsburgermonarchie scheiterte am Widerstand der Großmächte. In dieser Frage schienen alle Entscheidungen auf unbestimmte Zeit vertagt worden zu sein. Innenpolitisch aber hatte die Revolution doch einige Spuren hinterlassen – auch in Preußen.

Friedrich Wilhelm IV. erließ, nachdem die Stellung des Königtums in Preußen wieder gefestigt war, im Dezember 1848 eine Verfassung für das bisher absolutistisch regierte Königreich.[14] Außerdem gab es nun einen ständigen Landtag, der aus Ober- und Unterhaus bestand. Während sich ersteres aus vom König auf Lebenszeit ernannten Mitgliedern zusammensetzte, wurde letzteres von der männlichen Bevölkerung über 25 Jahren nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt. Das Volk wurde in drei unterschiedliche Steuerklassen eingeteilt. Die zahlenmäßig kleinste Klasse bestand aus den reichsten Staatsbürgern, die zusammen ein Drittel der Steuern zahlten. Die zweite und dritte Klasse waren entsprechend deutlich größer als die vorhergehende. Die dritte Klasse umfasste sogar den Großteil der gesamten wahlberechtigten männlichen Bevölkerung.

Nichtsdestotrotz hatte Preußen nun ein ständiges Parlament und eine Verfassung – für viele liberale Zeitgenossen Kennzeichen des modernen Staates. Bei der Gesetzgebung und der Festlegung des Haushalts waren der König und seine Regierung auf die Zustimmung des Landtags angewiesen. Dieser Umstand sollte insbesondere im Verfassungskonflikt eine wichtige Rolle spielen. Dennoch blieb die Richtlinienkompetenz beim Monarchen, der den Ministerpräsidenten ernannte und damit die Regierungsbildung entscheidend beeinflusste.

c. Das Amtsverständnis Wilhelms I. und die Krönung in Königsberg

Als Prinzregent und später als König betrachtete Wilhelm seine Stellung vor allem als Pflicht zum Dienst an seinem Land. So hatte er es im Lauf seiner langen Militärkarriere gelernt. Dem Königtum soviel Macht und Ansehen zurückzugewinnen, wie es seit 1848 eingebüßt hatte, war dabei eines seiner wichtigsten Anliegen. Das Gottesgnadentum der Hohenzollernkönige nahm er sehr ernst. Darin ähnelte er seinem Enkel.[15] Für ihn handelte es sich hierbei nicht nur um eine Formel, sondern um die Grundlage seiner Legitimation als Herrscher. Im Gegensatz zu den Kritikern der konservativen politischen Ordnung in Preußen war der Monarch für ihn nicht nur der politische Repräsentant des Staates, sondern vor allem der direkt von Gott eingesetzte Herrscher.[16] Die Treue zum Königtum sollte daher nicht nur der Institution, sondern auch dem Träger der Krone gelten.

Diese Staatsauffassung hatte in Preußen eine lange Tradition und wurde von den Konservativen bis ins späte Kaiserreich bewahrt: Als im Zuge der Daily-Telegraph-Affäre Wilhelm II. im Reichstag von einer großen Zahl der Abgeordneten kritisiert wurde, erhob Elard von Oldenburg-Januschau, Abgeordneter der Deutschkonservativen Partei, das Wort und erklärte unter dem Spott der Linken, dass er und seine Fraktionskollegen in einem persönlichen Treueverhältnis zum Kaiser stünden. Dieser sei eben nicht nur der Vertreter einer Institution, sondern der legitime Herrscher von Gottes Gnaden.[17]

Diese Auseinandersetzung lässt sich in Verbindung mit Max Webers Herrschaftstypologien bringen. Für Wilhelm I. war die preußische Monarchie nach Webers Modell eindeutig traditionell legitimiert und bedurfte keiner anderen Rechtfertigung als der unmittelbaren Einsetzung durch Gott selbst.[18] Schon in seiner Rede anlässlich der Krönung in Königsberg am 18. Oktober 1861 erklärte er, woher das Königtum seine Legitimation bezog. Deshalb soll diese hier im Wortlaut wiedergegeben werden[19]:

„Von Gottes Gnaden tragen Preußens Könige seit 160 Jahren die Krone. Nachdem durch zeitgemäße Einrichtungen der Thron umgeben ist, besteige ich als erster König denselben. Aber eingedenk, daß die Krone nur von Gott kommt, habe ich durch die Krönung an geheiligter Stätte bekundet, daß ich sie in Demut aus seinen Händen empfangen habe. Die Gebete meines Volkes, ich weiß es, haben mich bei diesem feierlichen Akt umgeben, damit der Segen des Allmächtigen auf meiner Regierung ruhe. Die Liebe und Anhänglichkeit, welche mir seit meiner Thronbesteigung erwiesen wurde, und die mir soeben in erhebender Weise bekundet wird, sind mir Bürge, daß ich unter allen Verhältnissen auf die Treue, Hingebung und Opferfreudigkeit meines Volkes rechnen kann. Im Vertrauen hierauf habe ich den althergebrachten Erbhuldigungs- und Untertaneneid meinem treuen Volke erlassen können. Die wohltuenden Beweise einer Liebe und Anhänglichkeit die mir jüngst bei einem verhängnisvollen Ereignis [das Attentat vom 14. Juli 1861] zuteil wurden, haben dieses Vertrauen bewährt. Gottes Vorsehung wolle die Segnungen des Friedens dem teuren Vaterlande lange erhalten. Vor äußeren Gefahren wird mein tapferes Heer dasselbe schützen. Vor inneren Gefahren wird Preußen bewahrt bleiben, denn der Thron seiner Könige steht fest in seiner Macht und in seinen Rechten, wenn die Einheit zwischen König und Volk, die Preußen groß gemachte hat, bestehen bleibt. So werden wir auf dem Wege beschworener Rechte den Gefahren einer bewegten Zeit, allen drohenden Stürmen widerstehen können. Das walte Gott!“

Tatsächlich war der Akt der Krönung ein deutliches Signal an die Opposition im Landtag: Souverän des preußischen Staates blieb der König. Der Verzicht auf die Huldigung seiner Untertanen und der Verweis auf die „zeitgemäßen Einrichtungen“, namentlich die Verfassung von 1848, waren ein Zugeständnis, aber Wilhelm I. gedachte keinesfalls, die Rechte seines Hauses auf Ausübung der Herrschaft schmälern zu lassen.

Dennoch war eine Krönung des neuen Monarchen weder zwingend noch in allen Staaten üblich. Nach Friedrich I. hatte sich kein Hohenzoller mehr krönen lassen. Viele Herrscher verzichteten inzwischen darauf, zumal die Krönung von vielen liberalen Kritikern als ein Relikt vergangener Epochen betrachtet wurde. Gerade deshalb bestand Wilhelm I. auf einer solchen Zeremonie, um an den Ursprung der preußischen Monarchie zu erinnern. Daher fand sie auch in Königsberg statt und nicht in Berlin. Schon Friedrich I. hatte sich 1701 in der Stadt am Pregel und nicht in der Hauptstadt krönen lassen. Zwar konnte der 18. Januar als Datum, das an die Krönung seines Ahnherrn vor 160 Jahren erinnert hätte, nicht mehr gewählt werden, schließlich war König Friedrich Wilhelm IV. erst am 2. Januar gestorben. Aber der neue Monarch fand ein anderes gut geeignetes Datum: den 18. Oktober. Er maß dem Jahrestag der „Völkerschlacht“ bei Leipzig große Bedeutung zu.[20] Schließlich war der Sohn der Königin Luise 1813 selbst Zeitzeuge der Schlacht gewesen, deren Ausgang ihn mit großer Genugtuung erfüllt hatte.[21]

Der neue Monarch setzte mit seiner Krönung gegenüber den Tendenzen der Zeit ein deutliches Zeichen: Der König war erster Mann und Oberhaupt des Staates. Die „Macht der Krone“ müsse erhalten werden, damit der Staat gedeihen könne.[22] Darin lag auch der Grund für die prunkvolle Krönungszeremonie, die eigentlich nicht zum eher bescheidenen Charakter des Königs passte.[23] Auch im 19. Jahrhundert waren derartige Ereignisse ein wichtiges Mittel, um der Bevölkerung einen visuellen Eindruck vom Glanz des Herrscherhauses zu vermitteln und zu betonen, wer an der Spitze des Staates stand. Die „Sichtbarkeit von Herrschaft" spielte für die Legitimation der Monarchie eine große Rolle.[24] Derartige Traditionen hatten sich aus dem Mittelalter erhalten und sind in manchen Ländern bis in die Gegenwart bewahrt worden. Auch der sakrale Charakter der Zeremonie spielte für eine Gesellschaft, in der die Mehrheit der Menschen der Kirche eng verbunden war, eine große Rolle. Schließlich wurde die Krönung in der Schlosskirche und mit dem Segen der evangelischen Amtskirche vollzogen.

Wilhelm selbst betonte später, dass er gegen seine „Neigung“ zur Krönung nach Königsberg gezogen sei.[25] Schließlich war er als zweiter Sohn Friedrich Wilhelms III. ursprünglich nicht für die Thronfolge vorgesehen. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder liebte er das Militär und war mit seiner Rolle als ranghoher preußischer Offizier zufrieden. Erst als abzusehen war, dass die Ehe Friedrich Wilhelms IV. kinderlos bleiben würde, begann er, sich auf eine mögliche Thronbesteigung vorzubereiten. Allerdings bedeutete das nicht, dass er sich nicht auch für Politik interessierte. Im Gegenteil: Bereits lange vor seiner Thronbesteigung gehörte er zu den einflussreichsten politischen Akteuren in Preußen und trat insbesondere 1848 und 1849 als entschlossener Verteidiger der monarchischen Macht in Erscheinung. An seinen Einstellungen hatte sich seit damals wenig geändert. Zwar erkannte er durchaus, dass er mit dem neuen Machtfaktor, den das Parlament nun darstellte, rechnen musste, aber er gedachte keinesfalls, weitere Rechte der Krone an dieses abzutreten.

Die oben erwähnte „Einheit zwischen König und Volk“ war Wilhelm I. aber trotz seiner ablehnenden Haltung gegenüber einer Parlamentarisierung Preußens sehr wichtig. Nur sollte sich die Zustimmung des Volkes nicht hauptsächlich in guten Wahlergebnissen für die Regierungspartei ausdrücken, sondern in der Liebe und der Unterstützung durch die Untertanen. Regelmäßig betonte er, wie wichtig die Eintracht von König und Regierten sei. Dadurch bleibe der preußische Staat stark und handlungsfähig und könne den inneren und äußeren Gefahren erfolgreich begegnen.

Der Kronprinz war dem königlichen Vater in seinem Amtsverständnis nicht so unähnlich, wie viele Zeitgenossen vermuteten. Ein starkes Königtum betrachtete er als Grundlage des preußischen Staates. Seine Sympathien für den Liberalismus hatten auch ihre Grenzen und hätten spätestens an dem Punkt ein Ende gefunden, an dem die Liberalen seinen Einfluss auf die Politik des Landes hätten empfindlich beschneiden wollen. Bismarck äußerte deshalb später, dass sich die liberalen Anschauungen des Kronprinzen sehr schnell verflüchtigen würden, wenn dieser einmal die Herrschaft angetreten hätte.[26] Friedrich Wilhelm wollte keine parlamentarische Monarchie, in der dem Monarchen eine rein zeremonielle Stellung zugekommen wäre, sondern eine konstitutionelle, in der die Exekutive in der Hand des Herrschers lag.

Wie Wilhelm hatte auch er ein ausgeprägtes Gespür für die „Symbolik der Macht“.[27] Er begrüßte daher den Plan seines Vaters, sich zum König krönen zu lassen, „als politischen Akt, wichtig für ganz Deutschland, dessen Zukunft [die Hohenzollern] doch einmal in Händen haben“ würden.[28] Da Preußen seiner Meinung nach eines Tages die Führungsrolle in Deutschland übernehmen werde, sei es allerdings sinnvoll, als Krönungsort die Hauptstadt Berlin zu wählen. Denn Königsberg habe außerhalb Preußens keine derart große Bedeutung wie die Residenz an der Spree. Hieran lässt sich gut erkennen, dass Friedrich Wilhelm die spezifisch preußischen Traditionen nicht so wichtig waren wie seinem Vater. Für ihn spielte stattdessen die Außenwirkung des preußischen Königtums eine große Rolle. In dieser Hinsicht erschien ihm das im östlichsten Winkel der Monarchie gelegene Königsberg weit weniger für eine prachtvolle Krönungszeremonie geeignet als die rasch wachsende und erheblich größere Stadt Berlin, die schließlich dem geografischen Zentrum Preußens – und auch Deutschlands – deutlich näher lag.

d. Die Verfassungskrise

Der preußische Verfassungskonflikt lässt sich zum Teil auf das oben skizzierte Amtsverständnis Wilhelms I. zurückführen, denn gerade die praktischen Auswirkungen seines „Regierungsprogramms“ bargen viel Stoff für Auseinandersetzungen mit der liberalen Opposition. Der König, der sich als „über den Parteien“ stehend begriff, betonte dabei stets den Vorrang der Krone vor dem Landtag.[29] Das Parlament habe dem König zur Seite zu stehen sowie seine Regierung zu unterstützen und solle diese nicht lähmen. Wenn dieser Fall aber eintrete, für den die Verfassung keine Lösung anbiete, müsse „der König kraft des von Gott ihm verliehenen Rechts“ diese „Lücke der Verfassung“ füllen.[30] Dies sei durch den Konflikt mit dem Parlament notwendig geworden. Die Erklärung Wilhelms I. für das Verhalten der Regierung dürfte bereits durch Otto von Bismarck inspiriert worden sein, dem am 22. September als neuem Ministerpräsidenten vom König volle Handlungsfreiheit gewährt worden war, um die Krise zu bewältigen.[31]

In Bezug auf Bismarcks Berufung ist es bemerkenswert, dass er bei seiner Ankunft in Berlin zuerst zum Kronprinzen bestellt wurde.[32] Das zeigt, dass der Kronprinz durchaus einen gewissen Einfluss auf die Regierung seines Vaters auszuüben beabsichtigte. Deshalb wollte er mit dem potenziellen neuen Ministerpräsidenten vorab schon einmal sprechen. Der König argwöhnte aus diesem Grund offenbar, Bismarck hätte sich mit seinem Sohn verständigt und wolle sich diesem zur Verfügung stellen, wenn er selbst demnächst abdanken würde.[33] Davon konnte allerdings keine Rede sein. Friedrich Wilhelm wollte selbst einen Thronverzicht seines Vaters vermeiden, denn er fürchtete, dadurch würde die augenblickliche Krise nur noch weiter verschärft werden. Er hätte es stattdessen lieber gesehen, wenn der König in einigen Punkten der Opposition nachgeben und nicht abdanken würde.[34] Er könnte wohl überlegt haben, ob eine derartige Machtübernahme seine eigene Regentschaft nicht für die Zukunft schwer belasten würde. Lothar Gall will hinter dieser Haltung des Kronprinzen jedenfalls eine geschickte Taktik erkennen. Friedrich Wilhelm habe abwarten wollen, bis ihm der Thron unter günstigeren Umständen zufalle. Das scheint allerdings nicht der entscheidende Grund für den Verzicht des Kronprinzen gewesen zu sein.

Hans-Joachim Neumann dagegen dürfte die eigentlichen Beweggründe Friedrich Wilhelms sehr gut erfasst haben, wenn er in seiner Biographie schreibt, dass der Kronprinz 1862 weder „geeignet schien“ noch „willens“ gewesen sei, König zu werden.[35] Es ist unwahrscheinlich, dass er seinen Vater tatsächlich jemals in einer solchen Weise hätte beerben wollen. Schließlich sollten alle Krisen im Verhältnis von Vater und Sohn immer wieder zeigen, dass Friedrich Wilhelm – auch wenn er in einer Sache anderer Meinung war als Wilhelm – letztlich in seiner oppositionellen Haltung niemals die Grenze zur echten Rebellion überschritt. Dafür war er seinem Vater und König gegenüber zu loyal.[36] Allein der Gedanke, dass sein Vater abdanken könnte, erschreckte ihn.[37] Auch Gall nimmt zwar Bezug auf diesen Charakterzug des Kronprinzen, räumt ihm aber einen zu geringen Stellenwert ein.

Als der König Bismarck am 22. September in Babelsberg empfing, erklärte er diesem ausdrücklich, dass er nicht gegen seine „Überzeugung“ regieren könne.[38] Es lag grundsätzlich nicht in der Natur Wilhelms I., in einer Sache, von der er fest überzeugt war, nachzugeben. Umso schwerer sollte es dem neuen Ministerpräsidenten später fallen, den König von seinen Ansichten zu überzeugen. Einstweilen aber hatten beide dasselbe Ziel. Bismarck konnte seinen Monarchen dazu bewegen, ihn zum Ministerpräsidenten zu ernennen. Er war bereit, die Vergrößerung des Heeres gegen die Mehrheit des Landtags durchzusetzen. Zunächst schien ihrer Zusammenarbeit also nichts mehr im Weg zu stehen.

Aber schon Anfang Oktober kehrte der König von einem Aufenthalt in Baden-Baden in geknickter Stimmung nach Berlin zurück. Liberal gesinnte Familienmitglieder hatten offenbar versucht, ihn dahingehend zu bearbeiten, dass er den eingeschlagenen Kurs aufgebe. Sonst drohe der Monarchie eine Katastrophe. In jedem Fall hatte der neue Ministerpräsident am Hof einflussreiche Gegner, und das wusste er. Daher musste Bismarck seinem Souverän den Rücken stärken. Er fuhr ihm entgegen und stieg in Jüterbog in sein Abteil. Da er den pflichtbewussten Monarchen inzwischen besser kannte, wusste er, wie er dessen Entschlossenheit stärken konnte. Ein preußischer Offizier – Wilhelm I. hatte selbst lange Jahre als solcher gedient – würde sich schließlich stets dem Feind stellen und auf Befehl auch in einer aussichtslosen Position bis zum Tod ausharren. Er selbst sei ebenfalls bereit, „im Kampf“ für die Sache seines Herrn zu sterben.[39] Tatsächlich gelang es Bismarck, die Entschlusskraft des Königs zu stärken.

Der Kronprinz hingegen war mit dem Kurs des neuen Ministerpräsidenten, der ja schließlich die Unterstützung seines Vaters hatte, nicht einverstanden. Dabei hielt er grundsätzlich die Pläne zur Heeresreorganisation für sinnvoll. In dieser Hinsicht war er mit seinem Vater einer Meinung. Außerdem hätten seiner Ansicht nach Parlamentarier, „die nichts von Militaria“ verstünden, über solche Fragen nicht zu entscheiden.[40] Diese Angelegenheiten sollten stattdessen von Fachleuten, also Angehörigen des Heeres, diskutiert werden. Schließlich teilte der Kronprinz die Auffassung des Königs, dass der Armee ein besonderer Platz innerhalb des Staates zukomme. Ihn störte allerdings die Art und Weise, wie Bismarck seine Pläne durchsetzen wollte. Seiner Ansicht nach schade diese Konfrontation mit dem gewählten Parlament langfristig dem Ansehen der Monarchie. Die Stimmung in Parlament und Öffentlichkeit schien ihm dabei recht zu geben.[41] Auch innerhalb der königlichen Familie hatte Bismarck in Königin und Kronprinzessin zwei entschiedene Gegnerinnen. Dem Ministerpräsidenten war daher klar, dass er den eingeschlagenen Kurs gegen so viele Widerstände nur mit der uneingeschränkten Unterstützung des Monarchen halten konnte.

e. Die Danziger Rede des Kronprinzen

Der Kronprinz vertrat in vielen Punkten andere Ansichten als sein Vater. Es ist offensichtlich, dass die liberalen Anschauungen Friedrich Wilhelms stark dem Einfluss seiner Mutter und seiner Ehefrau sowie nicht zuletzt seines Schwiegervaters, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, zuzuschreiben waren. Der Kronprinz befand sich in der unangenehmen Situation, dass ein Teil der eigenen Familie sowie die Vertreter der liberalen Opposition die Politik Bismarcks und damit indirekt den König kritisierten und von ihm als dem nächsten Träger der Krone entsprechende Aktionen erwarteten.[42] Sein Pflichtgefühl dem eigenen Vater gegenüber hinderte ihn aber in der Regel, sich offen in Opposition zur offiziellen Regierungspolitik zu stellen. Daher muss dem Urteil Winfried Baumgarts widersprochen werden, der den Kronprinzen als einen Mann beschreibt, der praktisch immer nur auf seine Ehefrau gehört habe und sonst zu keinem eigenen politischen Konzept fähig gewesen sei.[43] Wäre es tatsächlich so gewesen, hätte er sich viel häufiger mit seinem Vater streiten müssen, da die Kronprinzessin ihn immer zur Konfrontation drängte und ihn im September 1862 sogar zur Thronbesteigung aufforderte.[44] Tatsächlich hat es eine wirklich ernste Auseinandersetzung mit König Wilhelm nur einmal gegeben, worauf im Folgenden kurz eingegangen werden soll.

In Danzig hielt Friedrich Wilhelm am 5. Juni 1863 eine Ansprache, in der er sich deutlich vom Kurs der Regierung distanzierte, und die Störung des Verhältnisses von König und Volk, die er zu erkennen meinte, bedauerte.[45] Damit beschrieb er eine Situation, die Wilhelm I. immer hatte vermeiden wollen, denn die „Einheit zwischen König und Volk“ war für diesen schließlich die Grundlage des preußischen Staates. Daher musste er diese Rede seines Sohnes als Affront auffassen. Es entwickelte sich ein regelrechter Skandal. Der König war empört über den Vorstoß seines Sohnes, den er als direkte Kritik an der Politik seiner Regierung auffassen musste. Schließlich musste Bismarck ihn sogar davon abbringen, den Kronprinzen allzu offensichtlich zu maßregeln.[46] Eine solche öffentliche Entzweiung in der königlichen Familie hätte schließlich am Ende nur der Opposition genutzt.

Friedrich Wilhelm war sich selbst bewusst, dass er mit seiner Ansprache offensichtlich zu weit gegangen war.[47] Auch wenn er versuchte, zwischen dem Ministerium Bismarck und der Person des Königs zu unterscheiden, hatte letzterer die Ansprache sehr wohl als Kritik an ihm selbst aufgefasst. Offensichtlich war dem sonst stets loyalen Thronfolger die Politik der Regierung aber derart zuwider, dass er seine Meinung nicht mehr länger für sich behalten wollte. Was er durch anderthalb Jahre „Enthaltung, Neutralität und Zurückhaltung zu verhindern“ gehofft hatte, war nun doch geschehen: Er hatte seinen Vater „gekränkt“.[48] Aus seinen Tagebucheinträgen lässt sich dieser innere Kampf des Kronprinzen sehr gut dokumentieren.

Es sollte bei dieser einen öffentlichen Äußerung gegen den Kurs der Regierung bleiben. Friedrich Wilhelm eignete sich offensichtlich nicht zum Opponenten. Dafür war seine Loyalität gegenüber dem König und Vater zu stark ausgeprägt. Interessanterweise trat diese Eigenschaft bei ihm noch deutlicher hervor als bei König Wilhelm, der seinem eigenen Vater mitunter nur äußerst widerstrebend gehorcht hatte und im März 1848 die Grenze zum direkten Ungehorsam gegenüber seinem königlichen Bruder bereits überschritten hatte.[49]

f. Preußens Aufgabe in Deutschland

Grundsätzlich war König Wilhelm ein gewisses deutsches Nationalbewusstsein nicht fremd. Er war zwar „König von Preußen“, sah sich aber immer auch als Angehörigen der deutschen Kulturnation und als deutschen Fürsten. Das erklärte er schon bei seiner Thronbesteigung im Januar 1861: „Meine Pflichten für Preußen fallen mit meinen Pflichten für Deutschland zusammen.“[50] Sein Königreich sei der „Träger des deutschen Geistes“. Er war Preußens Staatsoberhaupt, und Preußen war Teil des Deutschen Bundes. Mit den übrigen Fürsten teilte er Sprache und Kultur. Auch gewisse gemeinsame Sicherheitsinteressen verbanden die einzelnen Souveräne miteinander. Als Glied des Deutschen Bundes nahm Preußen eine bestimmte Stellung „unter den deutschen Staaten“ ein, die er als König zu wahren hatte. Daher erklärte er 1862 während des Konflikts um die Reorganisation des Heeres, dass Preußens Macht der „Einigung Deutschlands“ diene.[51] Allerdings betonte er gleichzeitig, dass er nicht von der „Einheit Deutschlands“ spräche. Offenbar bezog er sich also nicht auf die staatliche Einigung Deutschlands, sondern auf die militärische Zusammenarbeit zwischen den deutschen Staaten. Das preußische Heer müsse stark und kriegsbereit sein, damit er als deutscher Fürst seinen Aufgaben innerhalb des Deutschen Bundes nachkommen könne.

Das schloss seit dem Wiener Kongress auch die „Wacht am Rhein“ ein. Während Österreich auf einen Teil seiner deutschen Territorien verzichtet und dafür umfangreiche Gebiete in Italien erworben hatte, verschob sich der Schwerpunkt des preußischen Staates nach Westen. Das Königreich musste im Osten auf einen Großteil seiner polnischen Territorien, die erst in den 1790er Jahren preußisch geworden waren, verzichten, gewann aber gleichzeitig Gebiete in Vorpommern, Sachsen, Westfalen und dem Rheinland.[52] Preußen war nun endgültig zur Vormacht in Norddeutschland und, zusammen mit Bayern und Baden, zum direkten Nachbarn Frankreichs geworden. Wilhelm I. nahm seine Aufgabe, den Deutschen Bund im Westen vor etwaigen französischen Aggressionen zu schützen, sehr ernst. Gegenüber dem britischen Gesandten in Berlin äußerte er im Januar 1863, dass es sein „fester Wille unter allen politischen Eventualitäten“ sei, „keinen Fleck deutschen Bodens“ an Frankreich abzutreten.[53]

Die Westverschiebung des Landes hatte die Prämissen der preußischen Deutschlandpolitik entscheidend verändert. Während für Friedrich den Großen die von ihm initiierte Gründung des deutschen Fürstenbundes im Jahr 1785 lediglich einen Baustein seiner außenpolitischen Konzeption darstellte, wurde deutsche Politik nach 1815 zur Grundlage der preußischen Interessen.[54] Das hatte sich bereits in den Kriegen gegen Napoleon angedeutet, als der preußische Staat unter Friedrich Wilhelm III. zur Projektionsfläche der frühen deutschen Nationalbewegung wurde, auch wenn die erhoffte staatliche Einigung vorerst ein unerfülltes Ziel blieb. Dabei sollte jede folgende Generation der Hohenzollern stärker von diesem deutschen Nationalbewusstsein durchdrungen sein.

Schon der Bruder und Vorgänger Wilhelms I., Friedrich Wilhelm IV., hatte als politischer Romantiker von der Errichtung eines großen deutschen Reiches geträumt.[55] Wenn bei Wilhelm I. das deutsche Nationalbewusstsein noch stark mit einem spezifisch preußischen Patriotismus verbunden war, sah das bei seinem Sohn und seinem Enkel schon anders aus. Allerdings war letzterer bereits im Kaiserreich aufgewachsen und dadurch auch entsprechend sozialisiert.[56] Kronprinz Friedrich Wilhelm wiederum unterstützte die wesentlichen Ziele der deutschen Nationalbewegung, insbesondere die Gründung eines deutschen Nationalstaats. Aus diesem Grund bat er seinen Vater im Jahr 1861, anlässlich eines großen Turnfests in Berlin, das Verbot schwarz-rot-goldener Flaggen aufzuheben.[57] Zwar hegte er keine Sympathien für die Revolutionäre von 1848, bat den König jedoch zu beachten, dass sich viele Anhänger eines deutschen Nationalstaats nun einmal hinter den schwarz-rot-goldenen Flaggen versammelten. Diese Menschen wollte der Kronprinz nicht verprellen.

Wilhelm I. selbst äußerte im Januar 1863 Zweifel daran, dass zu seinen Lebzeiten die deutsche Einigung gelingen werde. Allerdings hoffe er, dass zumindest sein „Sohn oder Enkel“ dies noch erleben werde.[58] Dadurch wird ersichtlich, dass er diese Entwicklung auch ausdrücklich begrüßen würde. Gleichzeitig drückte sich darin vielleicht auch das Gefühl des Königs aus, den aktuellen Entwicklungen der Zeit ratlos gegenüber zu stehen. Immerhin sollte er im Januar 1871 – unmittelbar vor der Kaiserproklamation in Versailles – noch mit dem Gedanken spielen abzudanken und seinen Sohn zum Kaiser ausrufen zu lassen. Er wollte sicher auch nicht daran denken, dass Preußen in einem vereinigten Deutschen Reich aufgehen würde. Dass er selbst nicht nur die Reichsgründung erleben sollte, sondern noch 17 Jahre als erster Deutscher Kaiser regieren würde, konnte er damals nicht ahnen. Zu Beginn seiner Regentschaft im November 1858 hatte er lediglich von den „moralische[n] Eroberungen“ gesprochen, die Preußen in „Deutschland […] machen“ müsse.[59] Von einer Reichsgründung zu seinen Lebzeiten war da noch keine Rede.

Wilhelm I. und sein Sohn rechneten offensichtlich mit einer langfristig erreichbaren Einigung Deutschlands. Es war also nicht allein der neue Ministerpräsident, der die Idee eines unter preußischer Vorherrschaft stehenden Nationalstaats entwickelte. Dieser Plan war schließlich deutlich älter und reichte bis in die Zeit der Revolution von 1848 zurück. Damals hatte die Nationalversammlung den preußischen König zum Staatsoberhaupt eines kleindeutschen Reiches erwählt.[60] Nach Scheitern dieser Lösung der deutschen Frage hatte Friedrich Wilhelm IV. noch das Projekt einer Union der deutschen Fürsten initiiert, welches ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt sein sollte. Auf diesen Spuren wandelte nun auch dessen Nachfolger. Allerdings hatten Wilhelm und sein Sohn unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie der künftige Nationalstaat zu gründen sei. Wilhelm I. war eher der Ansicht Bismarcks zugeneigt, ein vereinigtes Deutschland könne nur auf kriegerischem Wege entstehen, da die Gegner der Einigungspolitik einer solchen Entwicklung nicht tatenlos zusehen würden. Der Kronprinz wiederum hoffte, dass sich der Einigungsprozess friedlich vollziehen würde, indem die übrigen deutschen Staaten sich freiwillig dem preußischen Führungsanspruch beugen würden. Den Widerstand mancher Fürsten gegen eine solche Entwicklung wollte er im Bund mit den Anhängern der Nationalbewegung inner- und außerhalb Preußens überwinden.

2. Der Kaiserplan von 1870

Es scheint sicher, dass Bismarck schon unmittelbar nach der Schlacht von Königgrätz im Sinn hatte, die deutschen Staaten unter preußischer Führung zu einen. Weshalb ihm das damals noch nicht gelang, ist nicht Gegenstand dieser Arbeit. Dennoch sind die langfristigen Pläne des Ministerpräsidenten sehr wichtig für das Verständnis der Ereignisse in den Jahren 1870 und 1871. Um die Vereinigung der süddeutschen Länder mit dem Norddeutschen Bund voranzutreiben, brachte er Anfang des Jahres 1870 die Wiederbelebung des Kaisertitels ins Spiel. Er suchte dabei u.a. beim Kronprinzen Unterstützung für diesen Plan. Wilhelm gegenüber begründete Bismarck seinen Vorstoß damit, dass die bisherige Anrede des preußischen Königs als „Präsidium des Norddeutschen Bundes“ sprachlich unpraktisch sei.[61]

Als Oberhaupt eines gesamtdeutschen Staates kam nach der Schlacht von Königgrätz nur noch Wilhelm I. als mit Abstand mächtigster Fürst infrage. Sein ältester Sohn war ohnehin stark von der Idee einer „Wiederherstellung alter Reichsherrlichkeit“ eingenommen. Spätestens seit seiner Studienzeit im Rheinland war er zum überzeugten „Reichsromantiker" geworden.[62] Für ihn hätte die Neubegründung des Kaisertums den Höhepunkt in der Geschichte seiner Dynastie dargestellt. Diese Geschichte hatte im mittelalterlichen Schwaben mit den damaligen Grafen von Zollern begonnen.[63] Deren Nachfahren waren 1192 Burggrafen von Nürnberg und 1417 dann Kurfürsten von Brandenburg geworden. Knapp dreihundert Jahre danach war mit der Krönung Friedrichs VI. zum preußischen König in Königsberg ein entscheidender Schritt erfolgt, der zumindest formal die Gleichberechtigung der Hohenzollern mit den übrigen Königen Europas erbrachte. Der Kaisertitel würde nun den Höhepunkt und Abschluss dieses Aufstiegs bilden. Die Hohenzollern sollten die höchste Herrscherwürde des Abendlandes erlangen. Deshalb konnte Bismarck auch fest mit der Unterstützung des Kronprinzen rechnen, wenn er die Erneuerung des Kaisertums vorzubereiten suchte. Vorerst scheiterten seine Bemühungen zwar noch, aber die Episode hatte eines gezeigt: Wenn die deutsche Einigung hergestellt werden sollte, führte an einer Erneuerung des Kaisertums kein Weg vorbei. Ein Deutscher Kaiser als Oberhaupt wäre den übrigen Fürsten außerdem leichter zu vermitteln.

Sicher kalkulierte der Bundeskanzler dabei auch ein, dass mit dem Kaisertitel gerade in der Bevölkerung Erinnerungen an das untergegangene Heilige Römische Reich deutscher Nation verbunden waren. Dabei waren es meist weniger Erinnerungen an das 1806 untergegangene Alte Reich als vielmehr der Blick auf eine weit länger zurück liegende Epoche der deutschen Geschichte, der viele Zeitgenossen faszinierte. Als Grundlage dieser Blütezeit im hohen Mittelalter benannten die Historiker die Stärke des Kaisertums, das nach innen den Ehrgeiz der Fürsten bändigen und nach außen die Feinde des Reiches habe abwehren können. Viele Anhänger der deutschen Nationalbewegung hatten deshalb bereits 1848 die Erneuerung des Kaisertums gefordert. Schon damals war der preußische König zum Träger der Kaiserkrone erwählt worden. Auch wenn das den Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Bund zur Folge haben müsste, war es vielen, insbesondere den protestantischen Abgeordneten, dieses Opfer wert, wenn dadurch eine staatliche Einigung des übrigen Deutschlands möglich wurde.

An diese Tradition wollte Bismarck, der das Scheitern der deutschen Einigung im Jahr 1849 noch gut im Gedächtnis hatte, anknüpfen. Im Jahr 1870 waren die Rahmenbedingungen für eine Erneuerung des Kaisertums deutlich günstiger. Österreich war bereits aus dem Deutschen Bund ausgeschieden, weshalb die großdeutsche Lösung weitgehend aus der Debatte verschwunden war. Aber das Kaisertum konnte dennoch neu begründet werden. Der norddeutsche Bundeskanzler hoffte, mit dem Vorstoß auch in Süddeutschland auf Gegenliebe zu stoßen. Immerhin sollte das gemeinsame Staatsoberhaupt der Deutschen nicht ein „preußischer“, sondern ein „deutscher Kaiser“ werden. Von einer bloßen Erweiterung Preußens oder einer „Verpreußung“ Deutschlands war keine Rede. Die Bayern etwa sollten weiterhin mit den Wittelsbachern ihre eigenen unmittelbaren Landesherren behalten. Dasselbe galt für die übrigen Mittel- und Kleinstaaten des ehemaligen Deutschen Bundes.

Der Kaisertitel schien tatsächlich geeignet, die süddeutschen Katholiken für ein neu zu gründendes Deutsches Reich zu gewinnen, das eben nicht ein um das übrige Deutschland vergrößertes „Großpreußen“ sein sollte, sondern ein kleindeutscher Nationalstaat. Die selbstbewussten Könige von Bayern, Württemberg und Sachsen würden ohnehin nur einen Kaiser als ihr Oberhaupt anerkennen. Schließlich verlieh der Kaisertitel die höchste Herrscherwürde, die ein christlicher Fürst erlangen konnte. Viele der mächtigen Fürsten in Deutschland hatten schon das Haus Habsburg oft nur widerwillig als im Rang über ihnen stehend akzeptiert. Dennoch hatte der Kaisertitel den Habsburgern auch in der Neuzeit immer noch eine besondere Würde verliehen, die auch international anerkannt worden war. Wenn nun die katholischen Habsburger durch die protestantischen Hohenzollern ersetzt werden sollten, war das vielen Fürsten evangelischen Glaubens und ihren Untertanen ganz recht.

[...]


[1] Vgl. Demandt, Philipp: Luisenkult. Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 393.

[2] Pflanze, Otto: Bismarck. Bd. 1: Der Reichsgründer. Aus dem Englischen von Peter Hahlbrock, München 2008. und Kolb, Eberhard: Otto von Bismarck. Eine Biographie, München 2014 sowie Nonn, Christoph: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert, München 2015.

[3] Neumann, Hans-Joachim: Friedrich III. Der 99-Tage-Kaiser, Berlin 2006 und Müller, Frank Lorenz: Der 99-Tage-Kaiser. Friedrich III. von Preußen. Prinz, Monarch, Mythos, aus dem Englischen von Sybille Hirschfeld, München 2013.

[4] Börner, Karl-Heinz: Kaiser Wilhelm I. 1797 bis 1888. Deutscher Kaiser und König von Preußen (Kleine Bibliothek 347), Köln 1984.

[5] Marcks, Erich: Kaiser Wilhelm I., 9. Aufl., Berlin 1943.

[6] Zit.n. Demandt, S. 339.

[7] Vgl. Clark, Christopher: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947, 3. Aufl., München 2007, S. 373-399.

[8] Vortrag des Prinzregenten Wilhelm über die Reorganisation der Armee, gehalten im Staatsministerium am 3. Dezember 1859, in: Berner, Ernst (Hg.): Kaiser Wilhelms des Großen Briefe, Reden und Schriften. I. Band: 1797-1860. 1.-3., Berlin 1906, S. 461-478.

[9] Vgl. Riezler, Sigismund Ritter von: Art. „Giesebrecht, Friedrich Wilhelm“, in: ADB 49 (1904), S. 341-349 [Onlinefassung], URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118717367.html#adbcontent, zuletzt geprüft am 23.06.2016.

[10] Vgl ebd.

[11] Vgl. die Rede Wilhelms II., gehalten anlässlich der Einweihung des Kaiser-Friedrich-Denkmals in Aachen am 18. Oktober 1911, in: Krieger, Bogdan (Hg.): Die Reden Kaiser Wilhelms II. in den Jahren 1906 – Ende 1912. Vierter Teil, hg. von Bogdan Krieger, Leipzig 1913, S. 278-281, hier S. 280.

[12] Vgl. Schönpflug, Daniel: Die Heiraten der Hohenzollern. Verwandtschaft, Politik und Ritual in Europa 1640-1918 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 207), Göttingen 2013, S. 258.

[13] Vgl. Clark, S. 543 f.

[14] Vgl. Baumgart, Winfried: Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861), in: Kroll, Frank-Lothar (Hg.): Preussens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. 2. Aufl., München 2001, S. 219-241, hier S. 228.

[15] Vgl. Straub, Eberhard: Kaiser Wilhelm II. in der Politik seiner Zeit. Die Erfindung des Reiches aus dem Geiste der Moderne, Berlin 2008, S. 206.

[16] Vgl. die Erklärung des Königs zu den Worten „Von Gottes Gnaden“ im Königlichen Titel am 20. Juni 1870, in: Berner, Ernst (Hg.): Kaiser Wilhelms des Großen Briefe, Reden und Schriften. II. Band: 1861-1888. 1.-3. Aufl., Berlin 1906, S. 197.

[17] Vgl. Röhl, John C. G.: Wilhelm II. Bd. 3: Der Weg in den Abgrund 1900-1941, München 2008, S. 729.

[18] Weber, Max: Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft, in: Preußische Jahrbücher 187 (1922), S. 474-487, hier S. 477.

[19] Antwort an den Präsidenten des Herrenhauses Fürst Hohenlohe-Ingelfingen, den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Dr. Simson und Graf Dohna-Leuck als Sprecher der Prinzen und Provinzen anlässlich der Krönung in Königsberg am 18. Oktober 1861, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 19.

[20] Vgl. Demandt, S. 338.

[21] Vgl. den Brief des Prinzen Wilhelm an Prinz Friedrich von Oranien vom 29. Oktober 1813, in: Granier, Herman (Hg.): Prinzenbriefe aus den Freiheitskriegen 1813-1815. Briefwechsel des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) und des Prinzen Wilhelm (I.) von Preußen mit dem Prinzen Friedrich von Oranien, Stuttgart/Berlin 1922, S. 70-72.

[22] Aufzeichnung über den letzten Willen des Königs vom 31. Dezember 1866, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 143.

[23] Vgl. Clark, S. 671.

[24] Paulmann, Johannes: Pomp und Politik. Monarchenbegegnungen in Europa zwischen Ancien Régime und Erstem Weltkrieg, München/Paderborn/Wien u.a. 2000, S. 343.

[25] Aufzeichnung über den letzten Willen des Königs vom 31. Dezember 1866 (wie Anm. 22).

[26] Vgl. Müller, S. 138.

[27] Biefang, Andreas/Epkenhans, Michael/Tenfelde, Klaus: Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871-1918. Zur Einführung, in: Biefang, Andreas/Epkenhans, Michael/Tenfelde, Klaus (Hgg.): Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871-1918 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 153/Parlament und Öffentlichkeit 1), Düsseldorf 2008, S. 11-28, hier S. 11.

[28] Tagebucheintrag vom 6. Juli 1861, in: Meisner, Heinrich Otto (Hg.): Kaiser Friedrich III. Tagebücher von 1848-1866, Leipzig 1929, S. 99.

[29] Antwort des Königs auf die Ergebenheitsbekundung einer Deputation der Patriotischen Vereinigung in Berlin vom 25. November, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 38.

[30] Antwort des Königs an Ergebenheitsbekundungen der Deputationen aus Strehlen, Ohlau und Nimptsch am 13. Oktober, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 29.

[31] Vgl. Gall, Lothar: Bismarck. Der weiße Revolutionär, 5. Aufl., Frankfurt a. M. u.a. 1981, S. 284. und Marcks, S. 202 f.

[32] Vgl. Gall, S. 281.

[33] Vgl. die wahrscheinlich auf Bismarck zurückgehende Darstellung des Gesprächs mit dem Königs vom 22. September 1861 in Babelsberg wie sie damals in den Zeitungen wiedergegeben wurde, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 26.

[34] Vgl. Gall, S. 280.

[35] Neumann, S. 50.

[36] Vgl. Müller, S. 26.

[37] Tagebucheintrag vom 11. Juni 1861, in: Meisner, Tagebücher 1848-1866, S. 95.

[38] Die wahrscheinlich auf Bismarck zurückgehende Darstellung des Gesprächs mit dem Königs vom 22. September 1861 in Babelsberg wie sie damals in den Zeitungen wiedergegeben wurde (wie Anm. 33).

[39] Bismarck, Otto Fürst von: Gedanken und Erinnerungen, München 1981, S. 219.

[40] Tagebucheintrag vom 28. Mai 1861, in: Meisner, Tagebücher 1848-1866, S. 92.

[41] Vgl. Neumann, S. 56.

[42] Vgl. ebd.

[43] Vgl. Baumgart, Winfried: Rezension von Müller, Frank Lorenz: Der 99-Tage-Kaiser. Friedrich III. von Preußen. Prinz, Monarch, Mythos, München 2013, in: Sehepunkte. Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften 13, Heft 6 (2013), URL: http://www.sehepunkte.de/2013/06/22724.html, zuletzt geprüft am 23.06.2016.

[44] Vgl. Neumann, S. 50.

[45] Vgl. ebd., S. 59.

[46] Vgl. Müller, S. 37.

[47] Vgl. den Tagebucheintrag vom 5. Juni 1863, in: Meisner, Tagebücher 1848-1866, S. 198.

[48] Tagebucheintrag vom 7. Juni 1863, in: Meisner, Tagebücher 1848-1866, S. 199.

[49] Vgl. Müller, S. 37. und Clark, S. 544.

[50] Ansprache des Königs „An mein Volk“, anlässlich seiner Thronbesteigung am 7. Januar 1861, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 12.

[51] Antwort des Königs auf Ergebenheitsbekundungen von 14 Deputationen aus den Kreisen Teltow, Templin, Sternberg, Beeskow-Storkow, Oels, Rügen, Frankfurt a.O., Torgau, Neu-Ruppin, Pleschen, Lüben, Flatow vom 10. November 1862, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 34 f.

[52] Vgl. Clark, S. 448 ff.

[53] Schreiben des König an Bismarck vom 30. Januar 1863 betreffend ein Gespräch Wilhelms mit dem britischen Gesandten Buchanan, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 2, S. 45 f.

[54] Vgl. Schieder, Theodor: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a. M./Berlin 1986, S. 277 f.

[55] Vgl. Baumgart, Friedrich Wilhelm IV., hier S. 230 f.

[56] Vgl. Straub, S. 191.

[57] Vgl. Müller, S. 122.

[58] Schreiben König Wilhelms an Bismarck vom 30. Januar 1863 betreffend ein Gespräch Wilhelms mit dem britischen Gesandten Buchanan (wie Anm. 53).

[59] Ansprache des Prinzregenten Wilhelm an seine Regierung am 8. November 1858, in: Berner, Briefe, Reden und Schriften Bd. 1, S. 445-449, hier S. 449.

[60] Vgl. Clark, S. 565 f.

[61] Vgl. Pflanze, S. 434 f.

[62] Neumann, S. 24.

[63] Vgl. Kroll, Frank-Lothar: Stufen und Wandlungen der Fürstenherrschaft in Brandenburg-Preußen, in: Kroll, Preussens Herrscher, S. 9-25, hier S. 10.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Die Deutsche Frage bei König Wilhelm I. und Kronprinz Friedrich Wilhelm
Untertitel
"Großpreußen" oder "Wiederherstellung alter Reichsherrlichkeit"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
69
Katalognummer
V436062
ISBN (eBook)
9783668767027
ISBN (Buch)
9783668767034
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
War ausreichend gut, um zu einer Promotion zu berechtigen.
Schlagworte
Kaiserreich, Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich III., Reichsgründung, Deutsche Frage, Nationalismus
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Daniel Scholaster (Autor), 2016, Die Deutsche Frage bei König Wilhelm I. und Kronprinz Friedrich Wilhelm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436062

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