Die Welthandelsorganisation (WTO) steht immer häufiger im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Von der Seite der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wird oftmals der Vorwurf laut, sie, bzw. die entscheidenden Staaten, fördere die weltweite Ungerechtigkeit, die Ausbeutung des Ökosystems und die Zerstörung von Kulturen. Auf der anderen Seite stehen ihre Befürworter, die hoffen in dem WTO – System die Liberalisierung vorantreiben zu können und um auf diesem Wege dieselben Ziele wie die NGOs verwirklichen zu können. Und damit befinden wir uns auch schon mitten im Thema. Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit wird in diesem Kontext als eine Entwicklung, bzw. das Streben danach, verstanden, die mehr umfasst als nur die wirtschaftliche Dimension, sondern darüber hinaus auch sämtliche andere Bereiche des menschlichen Daseins positiv verändern soll. So beinhaltet Nachhaltigkeit ökologische Verträglichkeit, die Minimierung sozialer Ungleichheit, die Gestaltung eines politischen Rahmens in dem positiver Frieden möglich ist und das Bewahren der kulturellen Vielfalt. In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern die WTO im Sinne dieser Definition nachhaltig handelt und vor allem auch welche Rolle den transnationalen Konzernen (TNCs) in diesem Kontext zufällt. Es wird vor allem auf die Frage eingegangen, ob die TNCs, die in ihrer derzeitigen Form eine Erscheinung der jüngeren Moderne sind, durch die WTO einen Machtgewinn verbuchen konnten und welche Möglichkeiten sich ihnen im Rahmen der durch die WTO vorangetriebenen Liberalisierungsmaßnahmen bieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung der WTO
3. Ein unebenes Spielfeld
4. TNCs im Kontext der WTO – Akteure der Nachhaltigkeit?
4.1 Das GATS
4.2 Das TRIPS
4.2.1 Patente auf Lebewesen
4.2.2 Patente auf Medikamente
4.2.3 Tradiertes Wissen und Biopiraterie
4.3 Das TRIMS
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Welthandelsorganisation (WTO) im Sinne einer ganzheitlichen Definition von Nachhaltigkeit agiert und welche Rolle transnationale Konzerne (TNCs) innerhalb dieses Systems spielen, insbesondere im Hinblick auf potenzielle Machtverschiebungen und die Auswirkungen liberalisierter Handelsbedingungen auf soziale sowie ökologische Standards.
- Analyse der WTO-Entstehungsgeschichte und deren Einfluss auf die globale Wirtschaftsstruktur.
- Untersuchung von GATS, TRIPS und TRIMS im Hinblick auf die Rechte und Pflichten von TNCs gegenüber Staaten.
- Kritische Beleuchtung von Privatisierungsprozessen, Patentansprüchen auf Lebewesen und Medikamente sowie Biopiraterie.
- Diskussion über das Demokratiedefizit innerhalb der WTO-Strukturen und den ungleichen Wettbewerb zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
- Vorstellung von Lösungsansätzen zur stärkeren Regulierung der Privatwirtschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Patente auf Lebewesen
Grundsätzlich besteht bei diesem Thema ein Streit darüber, ob Lebewesen überhaupt patentierbar sein sollten und inwiefern Genmanipulationen Nutzen bringen oder doch eher Gefahren beinhalten. In Bezug auf Nachhaltigkeit müssen die Risiken der Gentechnik erst einmal in den Vordergrund treten, da die Folgen für das Ökosystem nicht abschätzbar sind. Grundsätzlich wäre Genmanipulation von daher abzulehnen, aufgrund der vielen konkurrierenden Meinungen und Aussagen werde ich hier jedoch keine Bewertung dieses Sachverhaltes vornehmen sondern vor allem die sich für TNCs bietenden Möglichkeiten unter die Lupe nehmen.
Patente auf Lebewesen sind für Unternehmen vor allem im Agrarsektor, sprich beim Saatgut, interessant. Gerade für die Bauern in den Entwicklungsländern bergen diese Patente große Gefahren. In den Verträgen, welche beim Kauf von genmanipuliertem Saatgut abgeschlossen werden ist meist eine Klausel enthalten, welche die Bauern dazu verpflichtet mit der Tradition zu brechen und nichts von der Ernte für die nächste Saat zurückzuhalten, sondern erneut Saatgut zu kaufen. Damit werden die Bauern vollkommen von den Unternehmen abhängig, da sie jedes Jahr einen hohen finanziellen Aufwand haben um erneut die Felder bewirtschaften zu können. Bei Verstößen gegen die Verträge ist der Bauer direkt in seiner Existenz gefährdet, da der Patentinhaber auf Schadensersatz klagen kann und eigentlich immer über eine überragende juristische Kompetenz verfügt. Hier werden also sowohl die soziale, als auch die kulturelle Dimension von Nachhaltigkeit angegriffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der WTO und Abgrenzung des Nachhaltigkeitsbegriffs unter Einbeziehung der Rolle transnationaler Konzerne.
2. Die Entstehung der WTO: Historische Herleitung der Welthandelsordnung vom GATT bis zur Gründung der WTO und deren institutioneller Rahmen.
3. Ein unebenes Spielfeld: Analyse struktureller Ungleichheiten und Demokratiedefizite innerhalb der WTO, die insbesondere zu Lasten weniger entwickelter Staaten gehen.
4. TNCs im Kontext der WTO – Akteure der Nachhaltigkeit?: Untersuchung spezifischer Abkommen (GATS, TRIPS, TRIMS) und deren Auswirkungen auf die Machtstellung transnationaler Unternehmen.
4.1 Das GATS: Darstellung der Risiken durch die Liberalisierung des Dienstleistungssektors, exemplarisch verdeutlicht an der Wasserprivatisierung in Cochabamba.
4.2 Das TRIPS: Analyse der Gefahren durch den Patentschutz auf Lebewesen und Medikamente für Entwicklungsländer sowie der Problematik der Biopiraterie.
4.2.1 Patente auf Lebewesen: Untersuchung der Abhängigkeiten von Bauern gegenüber Saatgutherstellern durch rigide Patentverträge.
4.2.2 Patente auf Medikamente: Darstellung der Konflikte zwischen dem Patentschutz für Pharmakonzerne und dem Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, wie am Beispiel Südafrikas gezeigt.
4.2.3 Tradiertes Wissen und Biopiraterie: Beschreibung der Aneignung indigenen Wissens durch Konzerne zur Patentierung biologischer Ressourcen.
4.3 Das TRIMS: Analyse der Einschränkung staatlicher Regulierungsbefugnisse gegenüber ausländischen Direktinvestitionen durch das TRIMS-Abkommen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Machtverschiebung zugunsten privater Akteure und Vorstellung konstruktiver Forderungen für eine nachhaltige Unternehmensregulierung.
Schlüsselwörter
WTO, Nachhaltigkeit, Transnationale Konzerne, TNCs, GATS, TRIPS, TRIMS, Privatisierung, Patente, Lebewesen, Medikamente, Biopiraterie, Entwicklungsländer, Welthandel, Liberalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der WTO als Welthandelsorganisation, der Rolle transnationaler Konzerne und dem Konzept der Nachhaltigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Abkommen GATS, TRIPS und TRIMS sowie deren Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit, ökologische Standards und die Souveränität von Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob die WTO im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung handelt und wie sich die Machtverhältnisse zwischen transnationalen Konzernen und Staaten durch die WTO-Regelwerke verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kritischen Analyse bestehender Handelsabkommen, der Untersuchung von Fallbeispielen sowie der Einbeziehung aktueller gesellschaftspolitischer Debatten und NGO-Positionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen WTO-Abkommen analysiert, wobei besonders die Auswirkungen auf Dienstleistungen, geistiges Eigentum und Investitionsmaßnahmen im Kontext der Unternehmensmacht beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Nachhaltigkeit, Machtverschiebung, transnationale Konzerne, Patentrecht, Biopiraterie und Marktzugang.
Wie illustriert die Arbeit die Problematik der Wasserversorgung?
Die Arbeit zeigt am Beispiel des bolivianischen Cochabamba auf, wie die Privatisierung von Dienstleistungen durch GATS-Regelungen zu unerschwinglichen Preisen und sozialen Unruhen führen kann, während Investoren den Rechtsweg nutzen, um ihre Gewinne zu sichern.
Welchen Bezug stellt die Arbeit zur Biopiraterie her?
Die Arbeit erläutert, wie transnationale Konzerne durch Bioprospektion indigenes Wissen über biologische Ressourcen sammeln und dieses durch TRIPS-konforme Patente exklusiv für sich nutzen, was zur Enteignung lokaler Kulturen führt.
- Quote paper
- Bachelor of Arts (B.A.) Dirk Brockmeyer (Author), 2004, Die WTO, transnationale Konzerne und Nachhaltigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43608