Marx und Rousseau, der Robinsonade


Seminararbeit, 2005

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung und Vorbemerkungen

1. Die Geschichtsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau
1.1 „Diskurs über die Künste und Wissenschaften“
1.2 „Diskurs über die Ungleichheit“

2. Die Geschichtsphilosophie von Karl Marx
2.1 Grundgedanken
2.2 Die Basis der Geschichte
2.3 Die Teilung der Arbeit und das Eigentum

3. Rousseau und Marx
3.1 Der Robinsonade
3.2 Gemeinsamkeit

Literaturverzeichnis

Einleitung und Vorbemerkungen

Die vorliegende Hausarbeit trägt den Titel „Marx und Rousseau, der Robinsonade“. Er bezieht sich auf die Marxsche Schrift „Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie“[1]. Dort bezeichnet Marx Rousseau als „Robinsonade des 18. Jahrhunderts“. Dieser „Spitzname“ bezieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf Defoes weltbekannten Roman „Robinson Crusoe“, in dem ein englischer Weltenbummler den Großteil seines Lebens auf einer einsamen Insel verbringen muss. Marx scheint mit dieser Titulierung Rousseau also vorzuwerfen, dass er den Menschen als einen einsamen Robinson auf einer von der Welt separierten Insel betrachtet. Diese Anspielung folgend, habe ich mich mit dem Werk Rousseaus beschäftigt und bin auf Stellen gestoßen, die Marx als Anlaß zu seiner Äußerung gedient haben können. Dabei stellte sich heraus, dass die Marxsche Kritik hauptsächlich auf der Geschichtsphilosphie Rousseaus basiert und es kam mir die zusätzliche Frage, was denn Marx zu diesem Thema zu sagen hat.

Entspechend diesen Fragestellungen behandle ich im ersten Kapitel die Geschichtsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau und stelle im zweiten Kapitel dann die Geschichtsphilosophie von Marx dar. Anschließend, im dritten Kapitel, gehe ich dann speziell auf den Vorwurf von Marx ein und schließe die Arbeit mit einer persönlichen Einschätzung der Gemeinsamkeiten und Unterscheide der Werke Rousseaus und Marx‘ ab.

Wie man leicht sieht, spielt der Begriff der „Geschichtsphilosophie“ eine bedeutende Rolle in dieser Hausarbeit. In der Regel bezeichnet man damit hauptsächlich ein System oder ein Gesetz, das jemand hinter dem Verlauf der Geschichte zu sehen meint. An dieser Stelle möchte ich diesen Begriff allerdings etwas allgemeiner fassen und benutze die Geschichtsphilosohie eher als Mittel zum Zweck. Ziel ist es dabei zu verstehen, worin Marx und Rousseau die Hauptprobleme ihrer Zeit sehen und wie sie sie in einem geschichtlichen Kontext zu erklären versuchen.

1. Die Geschichtsphilosophie von Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau lebte von 1712 bis 1778. Ausgangspunkt seines philosophischen und politischen Werkes ist der Verfall der Moral und der Sitten, den er bei seinen Mitbürgern und der Gesellschaft im allgemeinen feststellte. Die Erklärungen, die er für dieses Phänomen fand, legte er in seiner Arbeit „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ (auch bekannt als „Diskurs über die Ungleichheit“ oder einfach als „2. Diskurs“) dar. Diese Arbeit bildet gleichzeitig auch sein Hauptwerk zur Geschichtsphilosophie. Da es in diesem Kapitel, wie in der Einleitung geschildert, gerade um jene gehen soll, stelle ich hier den 2. Diskurs in den Mittelpunkt. Um allerdings den Ausgangspunkt dieses Werkes zu verstehen, ist es notwendig, etwas über Rousseaus Sichtweise zu wissen, die er vor dem Abfassen dieses Textes eingenommen hat. Zu diesem Zweck werde ich nun erst kurz auf seinen Text „Diskurs über die Künste und Wissenschaften“ (oder 1. Diskurs) eingehen.

1.1 „Diskurs über die Künste und Wissenschaften“

In seinem „1. Diskurs“, dem „Diskurs über die Künste und Wissenschaften“, stellt Rousseau drei Thesen in den Vordergrund[2]:

1. Die Menschheit ist zunehmend von der Unschuld ihres frühesten, primitivsten Zustands abgefallen
2. Künstlerisch und wissenschaftlich unterentwickelte Nationen sind ihrem kultivierten Gegenüber moralisch überlegen
3. Die großen Zivilisationen sind unter dem Gewicht ihres eigenen kulturellen Fortschritts dekadent geworden

Rousseau hat den Zustand des Menschen vor der Zivilisation als Ideal.Zu dieser Zeit waren die Sitten des Menschen zwar rustikal, aber er lebte mit der Natur im Einklang. In der Zivilisation sieht Rousseau den Fluch der Menschheit. Die Entwicklung und Vervollkommnung der Künste und Wissenschaften führten zu einem zunehmenden Verfall der Sitten und der Moral. Die Bedürfnisse des Menschen wurden unnatürlich und von falschen Werten geformt. Rousseau ist der Meinung, dass sich der moralische Zustand des Menschen mit zunehmender Entfernung von seinem natürlichen Wesen immer weiter verschlechtert. Durch diesen Niedergang werden die Menschen geschwächt und widerstandsunfähig. Um diese Argumentation zu beleuchten, gibt er Beispiele aus der Geschichte. Die Völker, die sich noch am nahesten am Naturzustand befanden, konnten ihr Territorium am längsten verteidigen. Auch in der Antike sieht er Bestätigungen für seine Theorien: Je weiter sich die Reiche entwickelten (z.B. Rom), desto moralisch verwerflicher wurden ihre Sitten, desto naher war ihr Untergang.

Warum die Weiterentwicklung der Wissenschaften und Künste zum Verfall der Moral führen bleibt Rousseau im 1.Diskurs leider schuldig. Generell kann man sagen, dass dieses Werk noch sehr unausgereift ist und nicht zu Ende gedacht scheint[3]. Das hatte zur Folge, dass er sich aus akademischen Kreisen herbe Kritik anhören musste und seine Theorien praktisch an vielen Stellen ausgehebelt wurden. Doch dies nahm er nicht etwa mit resignierender Sicht zu Kenntnis, sondern er nahm die Einwände auf und entwickelte daraus eine neue Sicht der Geschichte. Diese legte er im „Diskurs über die Ungleichheit“ vor.

1.2 „Diskurs über die Ungleichheit“

Auch in seinem „2. Diskurs“, dem „Diskurs über die Ungleichheit“, hat Rousseau den „unzivilisierten“ Menschen als Ausgangspunkt. Im Gegensatz zum 1. Diskurs findet er hier aber eine andere Ursache für die moralische Verkommenheit des zivilisierten Menschen: die soziale und politische Ordnung. Bereits in früheren Werken kann man Ansätze zu diesem Standpunkt finden. So schreibt er z.B. im

Vorwort zu seinem Werk „Narziß“, dass alle Laster letztlich nicht von der menschlichen Natur stammen, sondern von falscher Regierung. In seinem „Brief an Christophe de Beaumont“ betont er, dass die Falschheit zivilisierter Menschen durch die soziale Ordnung verursacht werde und sich als beständige Tyrranei auf die menschliche Natur auswirke[4]. Diese Theorie von der sozialen und politischen Ursache entwickelt er nun detailliert im „Diskurs über die Ungleichheit“. Dabei stellt er v.a. die Natur des Menschen und die Analyse der Zivilisation und ihrer Probleme in den Vordergrund.

Roussseau geht davon aus, dass es zwei Arten von Ungleichheit zwischen den Menschen gibt: die natürliche (oder physische) und die gesellschaftliche (oder politische)[5]. Beispiele für die natürliche Ungleichheit sind z.B. Alter, Gesundheit, Kraft oder Intelligenz. Unter gesellschaftliche Ungleichheit fallen z.B. Privilegien, Macht oder Reichtum. Desweiteren behauptet er, dass zwischen diesen beiden Formen der Ungleichheit kein Zusammenhang bestehen kann, denn weil jemand von Natur aus stark oder intelligent ist, ist er als Mensch doch nicht mehr wert als jemand mit „schlechterer Ausstattung“ und folglich erhält er dadurch keinerlei Legitimation, über den anderen zu herrschen. Rousseau ist der Meinung, dass die gesellschaftlichen Unterschiede also von der Natur unabhängig sind und somit eine Erfindung des Menschen darstellen. Zusätzlich geht er davon aus, dass die Regeln und Gesetze, auf denen diese Ungleichheit basiert, ursprünglich zumindest von einem Großteil der Menschen akzeptiert worden sind, denn sonst hätten sie sich nicht durchsetzen können. Rousseaus Hauptanliegen im 2. Diskurs ist es nun darzustellen, wie es zu dieser Akzeptanz kommen konnte.

[...]


[1] Marx, Karl: Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S.615-642

[2] Wokler, Robert: Rousseau, Freiburg im Breisgau 2002, S. 34

[3] Wokler, Robert, S. 33ff

[4] Wokler, Robert, S. 42f

[5] Rousseau, Jean-Jacques: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, Stuttgart 2003, S. 31

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Marx und Rousseau, der Robinsonade
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Seminar "Wirtschaft und Gesellschaft"
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V43624
ISBN (eBook)
9783638413800
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marx, Rousseau, Robinsonade, Seminar, Wirtschaft, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Tobias Krieg (Autor), 2005, Marx und Rousseau, der Robinsonade, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43624

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