Ein wichtiges Entscheidungskriterium für Investoren an den Kapitalmärkten ist neben der erwarteten Rendite das künftige Risiko der jeweiligen Anlage. Für die Bestimmung des Risikos kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Während bei der Ermittlung des Risikos von Aktien häufig die Varianz der Renditen der vergangenen zweihundert Tage herangezogen wird, so geschieht dies bei festverzinslichen Wertpapieren häufig mit Hilfe von Ratings. Dabei ist es für den Anleger interessant zu wissen, mit welchem Ausfallrisiko zu rechnen ist. Dazu werden u. a. historische Ist-Ausfälle ähnlicher Emissionen als Vergleichsobjekte genutzt.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist nun, herauszufinden, ob bei der Bewertung des Risikos von Aktien die Informationen, die sich durch das Rating offenbaren, nicht korrekt berücksichtigt werden.
Nachfolgend wird nun zuerst erklärt, was Risiko ist und welchen Einfluß es auf Entscheidungen von Investoren hat. Die unterschiedlichen Risiken, die auf Anlageformen, wie Aktien oder Anleihen, einwirken, werden ebenso diskutiert. Im 2. Kapitel werden Verfahren zur Risikobeurteilung von Aktien untersucht. Es wird hierbei auf häufig genutzte Risikomaße, wie die Standardabweichung und den Betafaktor, eingegangen. Neuere Ansätze zur Bestimmung des Risikos, wie z. B. Lower Partial Moments, werden daraufhin behandelt.
Im darauf folgenden 3. Kapitel werden Verfahren zur Risikobeurteilung von Anleihen betrachtet. Insbesondere das Ratingverfahren als Beurteilungsinstrument und dessen besondere Bedeutung bei der Analyse festverzinslicher Wertpapiere steht hierbei im Brennpunkt. Dazu wird vorab das Bonitätsrisiko als eine titelspezifische Risikoart erläutert. Daraufhin wird die Erstellung von Ratings beschrieben und auf deren Aussagekraft und Probleme eingegangen. Diesen Abschnitt wird die Darstellung anleihespezifischer Risikoarten abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1 Überblick
1.2 Begriffsbestimmung
1.2.1 Risiko
1.2.2 Risikoarten
1.2.2.1 Systematisches Risiko
1.2.2.2 Unsystematisches Risiko
2. VERFAHREN ZUR RISIKOBEURTEILUNG VON AKTIEN
2.1 Renditen
2.2 Risikomaße
2.2.1 Volatilität
2.2.1.1 Die Ermittlung von Standardabweichung und Varianz
2.2.1.2 Interpretation der Volatilität
2.2.2 Betafaktor
2.2.2.1 Die Ermittlung des Betafaktors
2.2.2.2 Interpretation des Betafaktors
2.2.3 Alternative Ansätze zur Identifikation von Risiko
2.2.3.1 Risikoverständnis in bezug auf die erwartete Rendite
2.2.3.2 Lower Partial Moments
2.2.3.2.1 Shortfall Risk
2.2.3.2.2 Erwarteter Ausfall
2.2.3.2.3 Ausfallvarianz
3. VERFAHREN ZUR RISIKOBEURTEILUNG VON ANLEIHEN
3.1 Rating
3.1.1 Bonitätsrisiko als Objekt des Rating
3.1.2 Ratingklassen
3.1.3 Durchführung des Rating
3.1.3.1 Erstrating
3.1.3.2 Fortlaufende Prüfung
3.1.4 Aussagekraft des Rating
3.1.5 Möglichkeiten und Grenzen des Rating
3.1.6 Bedeutung von Ratings
3.1.6.1 Kapitalmarkteffizienz
3.1.6.2 Informationseffizienz
3.1.6.3 Rating und Informationseffizienz
3.1.6.4 Empirische Analysen
3.2 Anleihespezifische Risikoarten
3.2.1 Quantifizierung des Bonitätsrisikos
4. RATINGÄNDERUNGEN UND AKTIENKURSREAKTIONEN
4.1 Bisherige Ergebnisse
4.1.1 Untersuchungen des US-amerikanischen Anleihemarktes
4.1.2 Untersuchungen des deutschen Anleihemarktes
4.1.3 Untersuchungen des US-amerikanischen Aktienmarktes
4.1.3.1 Durch Ratings gewonnene Erkenntnisse
4.1.3.2 Methodologie der Untersuchungen
4.2 Eigene empirische Untersuchungen
4.2.1 Datenbasis
4.2.2 Berechnungsmethodik
4.2.3 Ergebnisse
5. SCHLUßBETRACHTUNG
5.1 Zusammenfassung
5.2 Fortgang
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Diplomarbeit ist die empirische Untersuchung der Frage, ob Ratingänderungen von Anleihen einen messbaren Einfluss auf die Aktienkurse der entsprechenden Emittenten haben. Dabei wird analysiert, ob der Aktienmarkt diese Informationen effizient verarbeitet oder ob sie zu signifikanten Kursreaktionen führen.
- Analyse des Risikobegriffs und der Verfahren zur Risikobeurteilung bei Aktien (Volatilität, Betafaktor, Lower Partial Moments).
- Detaillierte Darstellung des Ratingverfahrens bei Anleihen, inklusive Methodik, Aussagekraft und Grenzen.
- Untersuchung der Bedeutung von Ratings im Kontext der Kapitalmarkt- und Informationseffizienz.
- Empirische Analyse des Einflusses von Ratingänderungen auf die Aktienrenditen deutscher Unternehmen im HDAX.
Auszug aus dem Buch
1.2.2.1 Systematisches Risiko
Systematische Risiken beruhen auf Veränderungen, die die Gesamtheit der Wertpapierart betreffen. Daher werden sie auch als Marktrisiken bezeichnet. Risiken dieser Art betreffen also nicht nur ein einzelnes Wertpapier, z. B. eine Aktie oder eine Anleihe. Systematische Risiken können daher auch nicht im Portfolio durch Risikostreuung beseitigt werden.
Doch wie kann nun das Marktrisiko am Beispiel des Aktienmarktes illustriert werden? Als eindrucksvolle Beispiele werden in der Literatur häufig politische Begebnisse, wie z. B. Wahlen, Unruhen, Staatsstreiche, angeführt. Erwähnenswert sind an dieser Stelle auch regulatorische Eingriffe von Regierungsseite in wirtschaftliche Belange, wie z. B. die Interventionen der russischen Staatsleitung in bezug auf die ökonomischen Aktivitäten im Bereich der Öl-Unternehmen.
Nicht vergessen werden sollte an dieser Stelle die Wirkung von Naturkatastrophen auf den Handel an den Wertpapierbörsen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Einleitung in die Thematik der Risikobeurteilung von Aktien und Anleihen sowie Definition der Forschungsfrage.
2 VERFAHREN ZUR RISIKOBEURTEILUNG VON AKTIEN: Detaillierte Betrachtung gängiger Risikokennzahlen wie Volatilität und Betafaktor sowie Einführung alternativer Ansätze.
3 VERFAHREN ZUR RISIKOBEURTEILUNG VON ANLEIHEN: Analyse des Ratingprozesses, der Ratingklassen und der theoretischen Einordnung von Ratings in die Kapitalmarkteffizienz.
4 RATINGÄNDERUNGEN UND AKTIENKURSREAKTIONEN: Diskussion bisheriger Forschungsergebnisse sowie Darstellung einer eigenen empirischen Analyse deutscher Unternehmen.
5 SCHLUßBETRACHTUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Aktienkurs, Rating, Anleihen, Bonitätsrisiko, Marktrisiko, Volatilität, Betafaktor, Informationseffizienz, Kapitalmarkt, Empirische Untersuchung, Downgrade, Upgrade, Risikobeurteilung, Credit Spread, HDAX.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Risikobewertung von Unternehmensanleihen durch Ratingagenturen und den Kursbewegungen der zugehörigen Aktien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Methoden zur Risikomessung bei Aktien und Anleihen sowie die empirische Prüfung der Marktreaktion auf Ratingänderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll empirisch belegt werden, ob Ratingänderungen bei Anleihen als "neue Informationen" vom Aktienmarkt interpretiert werden und somit zu signifikanten Kursreaktionen führen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung nutzt primär die Event-Study-Methodik, um anhand von täglichen Renditedaten die Auswirkungen von Ratingänderungen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Risikomaße (Aktien/Anleihen), eine Analyse der Ratingmechanismen und die empirische Untersuchung deutscher HDAX-Unternehmen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Systematisches Risiko, Volatilität, Betafaktor, Credit Spread, Informationseffizienz und Rating-Downgrades/Upgrades.
Welchen Unterschied gibt es zwischen Downgrades und Upgrades bei der Aktienkursreaktion?
Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Downgrades zu statistisch signifikanten negativen Kursreaktionen führen, während bei Upgrades häufig keine oder nur schwache Effekte beobachtet werden.
Warum wurde der HDAX für die empirische Analyse gewählt?
Der HDAX bietet eine hohe Datenqualität, eine ausreichende Anzahl börsennotierter Unternehmen und eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass für diese Titel externe Ratings verfügbar sind.
- Quote paper
- Daniel Beckert (Author), 2004, Risikobeurteilung von Aktien. Haben Ratingänderungen von Anleihen einen Einfluß auf den Aktienkurs?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43630