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Cortázar im Labyrinth. Ursprung und Wandel eines Urbildes

Título: Cortázar im Labyrinth. Ursprung und Wandel eines Urbildes

Tesis (Bachelor) , 2009 , 38 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Maria Dschaak (Autor)

Literatura - Literatura comparada
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Da in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft literarische Hypertexte weitestgehend ignoriert werden, wird versucht werden, das Phänomen Hypertext an dem 1963 veröffentlichtem Roman Rayuela des argentinischen Schriftstellers Julio Cortázar zu reflektieren. Aufgrund des mise-en-abyme – die Figur des Morelli ist Cortázars Alter Ego – wird der Roman von sich selbst reflektiert und thematisiert, weist also eine metatextuelle Ebene auf, die für die Analyse besonders interessant erscheint.
Rayuela ist in drei Teile unterteilt: Der erste Teil namens del lado de allá erzählt von der Hauptfigur Horacio Oliveira, einem aus Argentinien nach Frankreich eingewanderten Intellektuellen, seinem Leben mit seiner Freundin Maga und den Mitgliedern des Clubs de la Serpiente. Nach dem Tod von Magas Sohn Rocamadour kehrt Oliveira zurück nach Buenos Aires und der zweite Teil, del lado de acá, beginnt. Dort geht er wieder eine Beziehung mit seiner damaligen Freundin Gekrepten ein und arbeitet zuerst mit seinen Freunden Traveler und Talita in einem Zirkus und nachher in einer Irrenanstalt. Zu diesen bereits handlungsarmen beiden Teilen, gesellt sich der dritte Teil mit dem irreführenden, selbstironischen Namen de otros lados (capítulos prescindibles). Dieser enthält neben einzelnen Kapiteln zu der Geschichte, Metakommentare der Figur Morelli, die in den ersten beiden Teilen nur als Mann, der einen Autounfall erlitt, präsent ist, im dritten Teil aber zu Wort kommt und eine neue Romanpoetik entwirft. Morelli nimmt eine Sonderstellung im Roman ein, da seine Kommentare den Roman beschreiben, den der Leser soeben vor sich hat. Hinzu kommen eine Fülle von Texten heterogener Herkunft aus Literatur und Presse: Zeitungsausschnitte, Zitate, Songtexte und ähnliches.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der antike Basistext

2.1. Zwei überlieferte Komplexe

2.2. Drei Perspektiven auf das Labyrinth

3. Der gewebte Text – Literatur als Labyrinth

3.1. Hypertexte: Ursprung, Definition und Formen

3.2. Merkmale

3.2.1. Vernetzung

3.2.2. Grenzenlosigkeit

3.2.3. Nicht-Linearität

3.2.4. Dezentriertheit

4. Leser und Autor – verloren im Labyrinth?

4.1. Der Leser

4.2. Der Autor

5. Schreiben – Suche durch das Labyrinth der Zeichen

5.1. Logozentrismus versus Zen-Buddhismus

5.2. Die Sprache

6. Fazit

7. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen des literarischen Hypertextes anhand von Julio Cortázars Roman "Rayuela". Ziel ist es, die Struktur des Labyrinths als zentrales Organisationsprinzip zu analysieren und zu problematisieren, wie dieses Konzept das Verständnis von Autorschaft, Lesevorgängen und Literatur in der Postmoderne verändert.

  • Die antiken Grundlagen und Typologien des Labyrinth-Begriffs.
  • Strukturelle Merkmale von Hypertexten wie Vernetzung, Nicht-Linearität und Dezentriertheit.
  • Die Veränderung der Rollenverteilung zwischen Autor und Leser.
  • Sprachkritik und die Suche nach neuen Ausdrucksformen jenseits logozentrischer Traditionen.

Auszug aus dem Buch

3.2.1. Vernetzung

Auch wenn Gérard Genettes Definition von Hypertexten als eine Spielform von Paratextualität, die dadurch definiert ist, dass ein bestimmter Text „von einem anderen, früheren Text abgeleitet ist“, zu kurz greift, so ist das Merkmal von Texten, die immer wieder auf andere Texte verweisen, zentral für die Struktur von Hypertexten, so dass sich, gemäß Barthes Devise „Text heißt Gewebe“, ein Netz von Verweisen aufbaut, das Literatur als ein Labyrinth von Texten ausweist, bei denen, dem Rhizom ähnlich, jeder Text als Angelpunkt für eine Fülle anderer dienen kann. So verwundert es auch kaum, dass Morelli Schreiben, und somit die Literatur, mit dem Prozess des Zeichnens eines Mandalas, dem mystischen Labyrinth der Buddhisten, vergleicht: „Escribir es dibujar mi mandala y a la vez recorrerlo, [...].“ In Interviews hat Cortázar mehrmals darauf hingewiesen, dass Rayuela eigentlich Mandala heißen sollte, er also Literatur in Analogie zur Bedeutung des Mandalas im Buddhismus, als Möglichkeit der Annäherung des Schreibenden an sein eigenes Zentrum, versteht, das Labyrinth also in seiner Funktion als Medium der Selbstfindung präsent ist.

So ist Rayuela gespickt mit Zitaten, Andeutungen und Verweisen. Nicht nur auf andere literarische Texte und Autoren wird verwiesen, sondern auch auf Musiker und Künstler; Text von Liedern werden zitiert; Zeitungsausschnitte füllen ganze Kapitel.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Vieldeutigkeit des Labyrinth-Begriffs und die Relevanz der Untersuchung des Romans "Rayuela".

2. Der antike Basistext: Analyse der mythologischen Wurzeln (Minotaurus, Theseus, Dädalus) und deren Bedeutung als räumliche und metaphysische Strukturen.

3. Der gewebte Text – Literatur als Labyrinth: Definition des Hypertext-Begriffs und Untersuchung seiner strukturellen Merkmale wie Vernetzung, Grenzenlosigkeit, Nicht-Linearität und Dezentriertheit.

4. Leser und Autor – verloren im Labyrinth?: Untersuchung der veränderten Rezeptionsbedingungen und der Dekonstruktion traditioneller Rollenbilder von Leser und Autor.

5. Schreiben – Suche durch das Labyrinth der Zeichen: Diskussion von Sprachkritik und philosophischen Ansätzen (Zen-Buddhismus) bei der Suche nach einer neuen Romanpoetik.

6. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einordnung der Bedeutung von "Rayuela" als postmoderner, kombinatorischer Roman.

7. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Labyrinth, Hypertext, Rayuela, Julio Cortázar, Literaturwissenschaft, Vernetzung, Nicht-Linearität, Postmoderne, Rezeptionsästhetik, Autorschaft, Sprachkritik, Rhizom, Intertextualität, Dekonstruktion, Zen-Buddhismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Literatur als ein labyrinthisches System, wobei der Roman "Rayuela" von Julio Cortázar als zentrales Beispiel dient, um moderne Textformen wie Hypertexte zu untersuchen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Labyrinth-Motivs, der Hypertext-Theorie, der Verschiebung der Autorschaft und der kritischen Auseinandersetzung mit logozentrischen Sprachmodellen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, zu zeigen, wie literarische Strukturen durch kombinatorische Mechanismen die traditionellen Grenzen von Anfang, Ende und Autorenschaft aufbrechen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf poststrukturalistischen Theorien, der Rezeptionsästhetik und sprachphilosophischen Ansätzen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hypertext-Merkmalen, die Rolle des Lesers als aktiver Gestalter (Theseus-Figur) und die Sprachkritik im Kontext von "Rayuela".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Labyrinth, Hypertext, Intertextualität, Autorschaft und kombinatorische Textproduktion charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Figur des Morelli in der Analyse?

Morelli fungiert als Cortázars Alter Ego, der eine neue Romanpoetik entwirft und als Bindeglied zwischen literarischer Theorie und der praktischen Anwendung innerhalb des Romans steht.

Was bedeutet "zweite Offenheit" in diesem Kontext?

Dieser von Umberto Eco geprägte Begriff beschreibt eine Offenheit, die über die bloße Vielfalt möglicher Interpretationen hinausgeht und den Leser aktiv an der Strukturierung des Werkes beteiligt.

Warum wird der Zen-Buddhismus im Rahmen der Sprachkritik angeführt?

Er dient als philosophisches Gegenmodell zum abendländischen, logozentrischen Denken, um die Unzulänglichkeit der Sprache zur Erfassung einer absoluten Realität zu verdeutlichen.

Welche Bedeutung hat das "Rayuel-O-Matic"?

Das Konzept symbolisiert die Idee eines mechanischen Kombinationsspiels, das die Lektüre des Romans als einen Prozess der aktiven, teils zufälligen Konstruktion durch den Leser darstellt.

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Detalles

Título
Cortázar im Labyrinth. Ursprung und Wandel eines Urbildes
Universidad
Ruhr-University of Bochum
Calificación
1,0
Autor
Maria Dschaak (Autor)
Año de publicación
2009
Páginas
38
No. de catálogo
V436332
ISBN (Ebook)
9783668767102
ISBN (Libro)
9783668767119
Idioma
Alemán
Etiqueta
cortázar labyrinth ursprung wandel urbildes
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Maria Dschaak (Autor), 2009, Cortázar im Labyrinth. Ursprung und Wandel eines Urbildes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436332
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