Wenn informative Fernsehformate immer mehr Unterhaltungselemente aufweisen, wird vermehrt vom sogenannten ‚Infotainment‘ gesprochen. Der Begriff Infotainment ist eine Kontamination aus den englischen Wörtern Information und Entertainment. Er umfasst die Vermittlung von Nachrichten und Bildungsinhalten auf unterhaltsame Art und Weise. Der Duden bezeichnet Infotainment als „durch Showeffekte und unterhaltsame Elemente aufgelockerte Präsentation von Fakten, Nachrichten oder Ähnliches“. Neben dieser Bedeutung wird der Begriff auf weitere, ganz verschiedene, Weisen interpretiert und ist deshalb nicht ganz eindeutig zu definieren. Der Medienwissenschaftler Andreas Dörner bezieht sich mit dem Begriff ‚Politainment‘, also der „Vermischung von politischer Berichterstattung mit den formalen Methoden der Unterhaltungsindustrie“, spezifischer als das Infotainment auf politische Formate. Außerdem können auch Unterhaltungsformate mit Informationscharakter unter den Begriff Infotainment fallen. Zudem haben Wörter wie Edutainment und Boulevardisierung ganz ähnliche Bedeutungen. Edutainment bezeichnet dabei jedoch eher die spielerische Vermittlung von Wissen, während Boulevardisierung noch mehr in Richtung Gebrauchs-/Funktionsjournalismus geht.
In dieser Arbeit werde ich mich jedoch auf die zuvor genannte Auslegung von Infotainment beschränken. Infotainment lässt sich leicht in Fernsehformaten wie Doku-Soaps und Talkshows ausmachen. Schwieriger wird es bei Nachrichten- und Informationsssendungen. Doch auch diese sind einem Wandel unterworfen. Deshalb möchte ich in dieser Hausarbeit untersuchen, wie sich die Funktion von Nachrichtensendungen von reiner Informationsübermittlung zu Nachrichtensendungen mit Unterhaltungswert verändert hat. Dabei werde ich mich sowohl auf formale als auch auf inhaltliche Auffälligkeiten konzentrieren. Die Entwicklung zum Infotainment hat natürlich einerseits mit dem Einfluss des Digitalen zu tun, aber andererseits auch mit einer veränderten Erwartungshaltung der Zuschauer gegenüber der Sendung. Dazu möchte ich eine Nachrichtensendung der Tagesschau von 1960 einer Sendung von heute gegenüberstellen und diese miteinander vergleichen. Meine These ist, dass die Sendung aus dem Jahr 1960 gegenüber der heutigen Sendung deutlich weniger Infotainment-Elemente beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursprung und Entwicklung des Begriffs Infotainment
3. Analyse zweier Sendungen der Tagesschau 1960 und 2017
3.1 Infotainment als Inszenierung
3.2 Wirkung auf den Zuschauer
3.3 Gründe für die Veränderung
4. Nachrichtenformate verschiedener Fernsehsender
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel von Nachrichtensendungen von reiner Informationsvermittlung hin zu Formaten mit Unterhaltungswert. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Entwicklung des Begriffs Infotainment und einem direkten Vergleich einer Ausgabe der Tagesschau aus dem Jahr 1960 mit einer aktuellen Sendung von 2017, um formale und inhaltliche Veränderungen durch den Einfluss von Infotainment-Strategien aufzuzeigen.
- Historische Herkunft und Bedeutung des Begriffs Infotainment
- Formaler und inhaltlicher Vergleich historischer und moderner Nachrichtenformate
- Inszenierungsstrategien von Journalisten und deren Wirkung auf Rezipienten
- Einfluss von Konkurrenzdruck und veränderten Sehgewohnheiten auf Nachrichtensendungen
- Die Rolle verschiedener Nachrichtenformate in der aktuellen Fernsehlandschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Infotainment als Inszenierung
Kaum ein Format im Fernsehen kommt noch ohne Inszenierung aus. Claudia Wegener geht unter der Berufung auf Krüger (1996) davon aus, dass sich vor allem Unterhaltungsformate wie z.B Boulevardsendungen immer mehr dem „fictual television“ annähern (vgl. Wegener 2000, 50). Dabei nutzen diese besonders das Prinzip der Personalisierung, bei der sich die Sendung auf die Darstellung von Einzelschicksalen beschränkt. Dadurch können sich die Zuschauer besser mit den gezeigten Personen identifizieren und reagieren emotionaler auf die gezeigten Themen. Die Informationsvermittlung spielt bei einer solchen Aufbereitung des Themas eine untergeordnete Rolle (vgl. ebd.)
Genauso wie viele andere Formate gelten auch die Nachrichten als inszeniert. Der Medienjournalist Fritz Wolf erklärt, dass „emotionalisierende und unterhaltende Berichterstattung“ schon fast die Regel sei (Wolf 2011 zit. n. Grass 2013). Bei der Tagesschau wird auf diese Art von Sensorialismus weitgehend verzichtet. Die einzige Ausnahme davon besteht vor allem bei terroristischen Anschlägen, Naturkatastrophen und Kriegsereignissen. Bei solchen Ereignissen werden oft O-Töne von Zeugen genommen, die häufig emotional aufgeladen sind. Wolf führt das Beispiel an, dass Reporter bei dem Hochwasser im Jahr 2013 mit Gummistiefeln im „reißenden Strom“ standen, während sie über das Ereignis berichteten (vgl. ebd.). Bruns und Marcinowsky (1997) konnten außerdem feststellen, dass in den Nachrichten vermehrt über prominente Personen berichtet wird (vgl. Bruns und Marcinowsky (1997) zit. n. Wegener 2000, 55). Bei der Tagesschau hält sich der Anteil der Sendezeit über Prominente zwar in Grenzen, dennoch ist dieser auch dort gestiegen. Diese unterhaltsame Berichterstattung soll die Aufmerksamkeit eines großen Publikums wecken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff Infotainment, beschreibt den Wandel von Nachrichtensendungen und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Veränderung der Tagesschau über die Jahrzehnte.
2. Ursprung und Entwicklung des Begriffs Infotainment: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Wurzeln des Infotainments seit dem 18. Jahrhundert und beschreibt dessen Aufstieg als Modewort in den 1980er Jahren sowie die theoretische Debatte um Information und Unterhaltung.
3. Analyse zweier Sendungen der Tagesschau 1960 und 2017: Hier erfolgt ein detaillierter formaler und inhaltlicher Vergleich zweier historisch weit auseinanderliegender Nachrichtensendungen, um Inszenierungsunterschiede und technische Entwicklungen aufzuzeigen.
3.1 Infotainment als Inszenierung: Dieser Abschnitt analysiert, wie durch Personalisierung, Emotionalisierung und Auswahlkriterien Nachrichtenformate zunehmend inszeniert werden.
3.2 Wirkung auf den Zuschauer: Es wird untersucht, wie Zuschauer durch dramaturgische Mittel beeinflusst werden und welche Rolle Infotainment bei der Identifikation mit der Sendung spielt.
3.3 Gründe für die Veränderung: Das Kapitel erläutert, wie Konkurrenzdruck, veränderte Sehgewohnheiten und die Digitalisierung Journalisten dazu zwingen, Nachrichtensendungen unterhaltender zu gestalten.
4. Nachrichtenformate verschiedener Fernsehsender: Dieser Teil kontrastiert die Tagesschau mit privaten Nachrichtenformaten wie den RTL2-News und arbeitet deren unterschiedliche Strategien zur Publikumsbindung heraus.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Tendenz zum Infotainment in Nachrichtensendungen erkennbar ist, bewertet die Auswirkungen kritisch und ordnet die Entwicklung in den Kontext der Medienlandschaft ein.
Schlüsselwörter
Infotainment, Tagesschau, Nachrichten, Fernsehen, Unterhaltung, Inszenierung, Medienwandel, Privatisierung, Journalismus, Einschaltquoten, Zuschauerresonanz, Boulevardisierung, Rezipienten, Digitalisierung, Berichterstattung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Einfluss des Konzepts „Infotainment“ auf Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen, insbesondere am Beispiel der Tagesschau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Infotainment, die historische Entwicklung der Nachrichtenformate, die Rolle der Inszenierung in der Berichterstattung sowie den Vergleich zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeformaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich die Funktion von Nachrichtensendungen von reiner Informationsübermittlung hin zu Formaten mit Unterhaltungswert verändert hat und ob die Tagesschau heute als Infotainment-Format bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse zweier spezifischer Sendungen der Tagesschau (aus den Jahren 1960 und 2017), gestützt durch eine Literaturanalyse medienwissenschaftlicher Fachquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die formale und inhaltliche Entwicklung der Tagesschau, beleuchtet Inszenierungsstrategien, die Wirkung auf den Zuschauer, die ökonomischen Gründe für den Wandel sowie einen Vergleich mit privaten Nachrichtenformaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Infotainment, Nachrichten, Inszenierung, Medienwandel, Zuschauerresonanz, Boulevardisierung und Journalismus.
Wie unterscheidet sich die Tagesschau von privaten Nachrichtenformaten wie den RTL2-News?
Während die Tagesschau den Anspruch auf Seriosität erhebt und dezente Unterhaltungselemente nutzt, setzen private Sender wie RTL2 stärker auf Personalisierung, Einzelschicksale und eine kürzere, emotionalere Aufbereitung der Themen.
Warum findet laut der Analyse eine zunehmende Inszenierung in Nachrichten statt?
Die Inszenierung ist eine Reaktion der Journalisten auf den wachsenden Konkurrenzdruck und den Kampf um Einschaltquoten sowie eine Anpassung an die veränderten Erwartungen eines Publikums, das verstärkt nach Unterhaltung und schneller Informationsaufnahme verlangt.
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- Anonym (Autor:in), 2017, Entwicklung des Infotainments in der Tagesschau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436457