Dieser Essay soll die Theorien des amerikanischen Anthropologen James C. Scott über die Geschichte und staatliche Organisierung der Hochlandbevölkerungen Südostasiens mit dem afghanischen Wakhan- Korridor gegenüberstellen. Scott hat mit seinem Buch "The Art of Not Being Governed" gängige Theorien über die Geschichtsschreibung und strukturelle Organisation der Hochlandbevölkerungen Südostasiens in Frage gestellt. Er verortet die Bewohner*innen des südostasiatischen Hochlandes innerhalb von Bruchzonen (shatter zones), welche außerhalb des Machtbereichs von benachbarten, staatlich organisierten Imperien liegen.
Diese Arbeit soll auf die Genese des Wakhan-Korridors, diese eigens als Pufferzone eingerichteten isolierten Gebirgsstreifens Afghanistans eingehen. Die Diaspora der dort lebenden Kirgis*innen zeigt einige Parallelen zu James C. Scotts Theorie auf, was die Anwendung seiner Thesen auf diese Gruppe in der Region interessant erscheinen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Prüfung der Anwendbarkeit der Scott’schen Zomia-Theorie auf die Kirgis*innen im afghanischen Wakhan-Korridor
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der "Zomia-Theorie" von James C. Scott – die Konzepte über die staatliche Organisierung und das Leben von Hochlandbevölkerungen außerhalb staatlicher Machtbereiche – auf die Lebenssituation und die Migrationsgeschichte der kirgisischen Bevölkerung im afghanischen Wakhan-Korridor.
- Übertragung der Zomia-Theorie auf den geographischen Kontext des Wakhan-Korridors
- Analyse der Migrationsgeschichte und Anpassungsmechanismen der Kirgis*innen
- Untersuchung der staatlichen Einflussnahme und des Widerstands gegen "nation-building"-Prozesse
- Vergleich der räumlichen und politischen Isolation (Bruchzonen) mit den Thesen von James C. Scott
- Zukünftige Perspektiven der Region durch Infrastrukturentwicklung und Grenzöffnungen
Auszug aus dem Buch
Prüfung der Anwendbarkeit der Scott’schen Zomia-Theorie auf die Kirgis*innen im afghanischen Wakhan-Korridor
Dieser Essay soll die Theorien des amerikanischen Anthropologen James C. Scott über die Geschichte und staatliche Organisierung der Hochlandbevölkerungen Südostasiens mit dem afghanischen Wakhan-Korridor gegenüberstellen. Scott hat mit seinem Buch „The Art of Not Being Governed“ gängige Theorien über die Geschichtsschreibung und strukturelle Organisation der Hochlandbevölkerungen Südostasiens in Frage gestellt. Er verortet die Bewohner*innen des südostasiatischen Hochlandes innerhalb von Bruchzonen (shatter zones), welche außerhalb des Machtbereichs von benachbarten, staatlich organisierten Imperien liegen.
Scott spricht sich aus für eine Abkehr vom normativen Eigennarrativ der Zivilisation über ihre Peripherie. Das dichotome Bild von „Zivilisationen“ und „Barbaren“ sei durch selbsternannte Zivilisationen als eigenlegitimierendes Narrativ etabliert worden. Bevölkerungsgruppen außerhalb von „Zivilisationen“ seien laut Scott nicht als Antipoden der zivilisatorischen, sondern stattdessen als Antipoden der staatlichen Ordnung zu betrachten. Gängige Geschichtsforscher*innen in der Region würden bei den genannten Ländern einen unangemessen großen Fokus auf Imperien und andere staatsähnliche Konstrukte werfen. Dabei werde die als „Barbarei“ stigmatisierte außerimperiale Bevölkerung nicht genügend berücksichtigt.
Diese Arbeit soll auf die Genese des Wakhan-Korridors, diese eigens als Pufferzone eingerichteten isolierten Gebirgsstreifens Afghanistans eingehen. Die Diaspora der dort lebenden Kirgis*innen zeigt einige Parallelen zu James C. Scotts Theorie auf, was die Anwendung seiner Thesen auf diese Gruppe in der Region interessant erscheinen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prüfung der Anwendbarkeit der Scott’schen Zomia-Theorie auf die Kirgis*innen im afghanischen Wakhan-Korridor: Das Kapitel stellt die theoretische Grundlage der Zomia-Theorie vor, erläutert die historische Rolle von Pufferzonen und Migrationsbewegungen im Wakhan-Korridor und vergleicht die Situation der dortigen Kirgis*innen mit den von Scott beschriebenen "hill people".
Schlüsselwörter
Zomia, Wakhan-Korridor, Kirgis*innen, James C. Scott, Bruchzonen, Nomadismus, Staatlichkeit, Nicht-Staatlichkeit, Hochlandbevölkerung, Pufferzone, Afghanistan, Migration, Pamir, Subsistenz, Grenzregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die ethnologische Theorie von James C. Scott zur "Zomia-Region" in Südostasien dazu dienen kann, die Lebensweise und Geschichte der Kirgis*innen im afghanischen Wakhan-Korridor wissenschaftlich zu erklären.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Theorie der Nicht-Staatlichkeit, die historische Entstehung des Wakhan-Korridors als Pufferzone und die Auswirkungen staatlicher Eingriffe auf nomadische Bevölkerungsgruppen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Parallelen zwischen der durch Scott definierten "Zomia" (als Bruchzone) und der spezifischen Situation der kirgisischen Diaspora im Pamir-Gebirge aufzuzeigen und die Anwendbarkeit der Theorie zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, bei der ethnologische Theorien auf ein konkretes, geographisch isoliertes Fallbeispiel angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Im Hauptteil werden sowohl die Konzepte von James C. Scott zur Dichotomie von Staat und Peripherie erläutert als auch die historische Entwicklung des Wakhan-Korridors, die Sowjetisierung und die Migrationserfahrungen der Kirgis*innen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Bruchzonen", "Staatenlose", "Pufferzone", "Nomadismus" und "nation-building" geprägt.
Inwiefern hat der sowjetische Einfluss die Identität der Region geprägt?
Die Sowjetisierung erzwang die Sesshaftwerdung und unterdrückte nomadische Lebensweisen, was viele Kirgis*innen in die Isolation des Wakhan-Korridors oder in die Migration nach Pakistan und später in die Türkei trieb.
Welche Rolle spielt der Wakhan-Korridor heute?
Der Korridor fungiert heute als eine geopolitisch abgelegene Region, deren isolierter Charakter durch potenzielle Infrastrukturprojekte, wie neue Grenzübergänge zu China und Pakistan, gefährdet oder transformiert werden könnte.
- Arbeit zitieren
- Rostam Onsori (Autor:in), 2017, Prüfung der Anwendbarkeit der Scott'schen Zomia-Theorie auf die Kirgis*innen im afghanischen Wakhan-Korridor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436509