Lexikalische Arabismen im Spanischen und Katalanischen. Eine Neuperspektivierung aus kommunikationsräumlicher Sicht


Bachelorarbeit, 2017 , Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikationsraumtheorie nach Krefeld

3. Räumlichkeit der Sprache
3.1 Sub-, Super- und Adstrate in den iberoromanischen Sprachen
3.2 Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber
3.3 Arabisch-romanischer Sprachkontakt
3.4 Arabisch-katalanischer Sprachkontakt
3.5 Zweisprachigkeit in al-Andalus
3.6 Sprachkontakte während der Repoblación

4. Räumlichkeit der Sprecher
4.1 Ibn Quzman (ca. 1080-1160) - spanischer Kommunikationsraum: Córdoba
4.2 Ramón Llull (1232-1316) - katalanischer Kommunikationsraum: Mallorca
4.3 Vergleich der Kommunikationsräume Córdoba und Mallorca

5. Räumlichkeit des Sprechens
5.1 Strukturelle Besonderheit 1: Arabismen im Spanischen und Katalanischen
5.1.1 Wortschatz
5.1.2 Toponomastik
5.2 Strukturelle Besonderheit 2: Der arabische Artikel al
5.3 Diskurstradition: Aljamiado-Literatur

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die arabische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel dauert fast acht Jahrhunderte. In dieser Zeit sind die Muslime den Christen in vielerlei Hinsicht überlegen. Die christliche Bevölkerung der Iberischen Halbinsel, die Mozaraber, werden von der arabischen Kultur und Sprache geprägt. Im Laufe der Zeit dehnen die im Norden der Halbinsel entstandenen christlichen Königreiche ihren Machtbereich immer mehr aus, indem sie die von den Arabern besetzten Gebiete wiedererobern. Erst im Jahre 1492 wird die Reconquista mit der Eroberung des Königreichs Granada abgeschlossen. Nach Beendigung der Reconquista dürfen die Muslime zunächst im Land bleiben und ihre Religion weiterhin ausüben. Schließlich werden die verbliebenen Muslime 1609 vertrieben. Mit der Ausweisung bricht der Sprachkontakt zwischen der arabisch- und romanischsprachigen Bevölkerung ab. Damit wird die arabische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel ausgelöscht, jedoch nicht ohne Spuren zu hinterlassen. Vor allem im Wortschatz der iberoromanischen Sprachen ist der arabische Einfluss heute noch sichtbar.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Kommunikationsräumen, die aus mehreren Dimensionen bestehen. Basis der Überlegung ist die Kommunikationsraumtheorie nach Krefeld. Dabei beziehe ich mich auf die Räumlichkeit der Sprache, des Sprechers und des Sprechens.

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Arabisierung der Iberischen Halbinsel. Auf die Romanisierung kann im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Es soll der arabische Einfluss im Spanischen und Katalanischen untersucht werden. Dabei liegt der Fokus auf dem Wortschatz und der Toponomastik. Es gibt bereits zahlreiche einzelsprachige Untersuchungen, die auf die Arabismen in den iberoromanischen Sprachen eingehen. Kontrastive Untersuchungen, die mehrere Sprachen umfassen, gibt es weniger. Daher wähle ich für meine Arbeit zwei romanische Sprachen aus, um die Untersuchung kontrastiv darzustellen. Das Spanische und Katalanische gehören zu den iberoromanischen Sprachen, die stark vom Arabischen beeinflusst sind. Im Gegensatz zum Spanischen ist die Minderheitensprache Katalanisch in Bezug auf Arabismen etwas weniger untersucht. Aus diesen Gründen setzte ich mich mit diesen beiden Sprachen auseinander. Die meisten Arabismen sind im Lexikon und in den Ortsnamen der Iberoromania enthalten, weshalb ich mich auf diese Bereiche beschränke.

Gegenstand meiner Analyse ist die exemplarische Darstellung von lexikalischen Arabismen im Spanischen und Katalanischen. Dabei werden bestimmte Wortfelder gewählt, die einen besonders starken arabischen Einfluss aufweisen. Die Untersuchung soll aus kommunikationsräumlicher Sicht erfolgen, indem die externe (Räumlichkeit der Sprache) und interne Sprachgeschichte (Räumlichkeit des Sprechens) des Spanischen und Katalanischen beschrieben wird. Des Weiteren werden zwei Sprecherbiografien aus verschiedenen Kommunikationsräumen dargestellt (Räumlichkeit des Sprechers). Der Fokus liegt hierbei auf das spanisch- und katalanischsprachige Gebiet der Iberoromania. Ziel dieser Arbeit ist es festzustellen, ob sich die beiden Kommunikationsräume gleichen. Durch Verknüpfung der drei Räumlichkeiten (Sprache, Sprecher, Sprechen) wird dieser Frage nachgegangen.

In meiner Arbeit gehe ich theoretisch vor, da ich mich auf die Kommunikationsraumtheorie nach Krefeld stütze. Die Untersuchung der Arabismen im Spanischen und Katalanischen wird kontrastiv durchgeführt. Um die externe und interne Sprachgeschichte und die Biografien auszuwerten, muss ich mich auf die entsprechende Fachliteratur beziehen. Durch die Verknüpfung der Räumlichkeiten können die Ergebnisse interpretiert werden.

Der erste Teil widmet sich der Kommunikationsraumtheorie nach Krefeld, womit die Bedeutungen der einzelnen Räumlichkeiten geklärt werden. Darauf aufbauend, wird im zweiten Teil auf die Räumlichkeit der Sprache eingegangen. Zunächst werden die Sub-, Super- und Adstrate der iberoromanischen Sprachen thematisiert. Nachdem die einzelnen Begriffe geklärt werden, konzentriere ich mich auf das Arabische, um herauszufinden, welchen Einfluss es auf das Romanische hatte. Bevor die lexikalischen Arabismen behandelt werden, muss der historische Hintergrund wiedergegeben werden. Zu Beginn wird die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber dargestellt. Zudem wird auf den arabisch-romanischen Sprachkontakt und auf die daraus resultierende Zweisprachigkeit in al-Andalus eingegangen. Anschließend beschreibe ich die Sprachsituation im katalanischsprachigen Gebiet. Zuletzt werden die vier Phasen genannt, bei denen es zum Sprachkontakt zwischen der arabisch- und romanischsprachigen Bevölkerung während der Repoblación kommt. Damit ist die externe Sprachgeschichte des Spanischen und Katalanischen dargestellt.

Danach wird die nächste Dimension, die Räumlichkeit des Sprechers, behandelt. Dabei werden Biografien zweier Dichter dargestellt, die aus unterschiedlichen Regionen stammen (Córdoba und Mallorca). Die anschließende kontrastive Untersuchung der beiden Kommunikationsräume zeigt die sprachliche Situation der jeweiligen Gebiete. Darüber hinaus gehe ich der Frage nach, welche Sprache in ihrer Dichtung verwendet wurde. Dabei überprüfe ich, ob die Kommunikationsräume Córdoba und Mallorca deckungsgleich sind.

Die Räumlichkeit des Sprechens ist die dritte Dimension, bei der es um die interne Sprachgeschichte des Spanischen und Katalanischen geht. Um die Untersuchung auf Arabismen in den beiden Sprachen kontrastiv durchführen zu können, werden Beispiele aus mehreren Wortfeldern aufgeführt. Die Arabismen werden im Bereich des Lexikons und der Toponomastik behandelt. Ziel ist es herauszufinden, welche der beiden Sprachen mehr Arabismen aufweist. Des Weiteren beschäftige ich mich mit dem arabischen Artikel al, da es Unterschiede in der Agglutination gibt. Ziel ist es herauszufinden, warum es diese Unterschiede in spanischen und katalanischen Arabismen gibt. In den Moriscotexten sind zahlreiche lexikalische Arabismen enthalten, weshalb auch diese abschließend thematisiert werden. Dabei muss geklärt werden, inwieweit sich der arabische (und romanische) Einfluss auf ihre Sprache auswirkt.

Im letzten Teil der Arbeit werte ich die Ergebnisse aus, indem ich die drei Räumlichkeiten miteinander verknüpfe. Indem der spanische Raum mit dem katalanischen Raum verglichen wird, kann festgestellt werden, ob die Kommunikationsräume deckungsgleich sind.

2. Kommunikationsraumtheorie nach Krefeld

Den Kommunikationsraum stellt Krefeld als ein mehrdimensionales Konzept vor. Demzufolge soll die eindimensionale Beschränkung auf den diatopischen Raum einer Einzelsprache erweitert werden (vgl. Krefeld, 2004: 19). Nach Krefeld besteht der Kommunikationsraum aus mehreren räumlichen Dimensionen:

1. Die Räumlichkeit der SPRACHE, zu der die Komponenten Arealität und Territorialität gehören;

2. Die Räumlichkeit des SPRECHERS, die durch die Provenienz und Mobilität charakterisiert wird;

3. Die Räumlichkeit des SPRECHENS, die sich durch die Positionalität und Interaktion der Personen, die miteinander kommunizieren, definiert (vgl. Krefeld, 2004: 22).

Bei der Räumlichkeit der Sprache muss zunächst die Arealität, d.h. die sprachlichen Merkmale an einem bestimmten Ort, beschrieben werden. Darüber hinaus soll die Territorialität, d.h. die Staatssprache in einem begrenzten Gebiet, untersucht werden.

Die Provenienz, d.h. die sprachliche Herkunft, ist einer der Faktoren zur Sprechercharakterisierung. Des Weiteren muss die Mobilität der Sprecher berücksichtigt werden, die regionalspezifisch sein kann. Dies entspricht der Räumlichkeit des Sprechers.

Zur Räumlichkeit des Sprechens gehört die Positionalität, d.h. die relative Nähe/Distanz. Nach Krefeld wird die soziale Nähe von der relativen pragmatischen Nähe differenziert.

Um die Kommunikationsräume definieren zu können, müssen die drei Dimensionen der Räumlichkeit von sprachlicher Kommunikation - Räumlichkeit der Sprache, des Sprechers und des Sprechens - miteinander verknüpft werden (vgl. Krefeld, 2004: 23-25).

Krefeld stellt die die Räumlichkeit der sprachlichen Kommunikation folgendermaßen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Räumlichkeit der sprachlichen Kommunikation (Abb. nach Krefeld, 2004: 23)

Folgende Grundkategorien müssen für die Kulturtechniken ermittelt werden: „das Individuum, die Interaktion und die Konvention“ (Krefeld, 2015: 393). Dies entspricht den drei Räumlichkeiten: Sprache, Sprecher, Sprechen. Laut Krefeld sind diese kulturellen Techniken aus kommunikationsräumlicher Sicht in der Regel nicht deckungsgleich, d.h. „nicht kongruent“ (Krefeld, 2015: 393). Weiterhin erklärt Krefeld, es sind keine „kulturell homogene[r] und konsistente[r] Räume zu erwarten“ (Krefeld, 2015: 393).

Anhand dieses dynamischen Modells nach Krefeld werden in den folgenden Kapiteln die lexikalischen Arabismen im Spanischen und Katalanischen aus kommunikationsräumlicher Sicht untersucht. Durch die Verknüpfung der drei Dimensionen werde ich überprüfen, ob die zu untersuchenden Kommunikationsräume deckungsgleich sind.

3. Räumlichkeit der Sprache

Zu Beginn werde ich auf die Räumlichkeit der Sprache eingehen, indem die externe Sprachgeschichte der spanischen und katalanischen Sprache dargestellt wird. Dabei liegt der Fokus vor allem auf den Sprachkontakt zwischen den Arabern und der Iberoromania. Barme (2012: 33) erklärt, dass die externe Sprachgeschichte „[…] die geographische, soziale, kulturelle und politische Dimension einer Sprache sowie ihr Verhältnis zu eigenen Varietäten und anderen Sprachen [beinhaltet]“ (vgl. Blumenthal, 2003: 38; Berschin, 2003: 34). Die Analyse der externen Sprachgeschichte beschränkt sich in meiner Arbeit auf die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber im Jahre 711. Auf die Romanisierung der Halbinsel, die auch ein wichtiges Ereignis für die Sprachgeschichte der romanischen Sprachen darstellt, werde ich nicht eingehen. Bevor ich auf den geschichtlichen Hintergrund der Iberischen Halbinsel eingehe, werde ich mich zunächst mit der Strataforschung befassen. Es muss geklärt werden, ob es sich beim Arabischen um ein Substrat, Superstrat oder Adstrat handelt. Danach beschreibe ich den arabisch-romanischen Sprachkontakt auf der Halbinsel und den arabisch-katalanischen Sprachkontakt in Katalonien. Abschließend gehe ich der Frage nach, welche Sprachen in al-Andalus, Herrschaftsgebiet der Araber, gesprochen werden. Im letzten Teil werden die vier Phasen der Reconquista bzw. Repoblación dargestellt.

3.1 Sub-, Super- und Adstrate in den iberoromanischen Sprachen

Im Folgenden stütze ich mich auf die Untersuchung der Strataforschung nach Krefeld (vgl. 2003: 556ff.). Graziadio Isaia Ascoli (1829-1907) gilt als Begründer der Strataforschung. Bei der Strataforschung geht es darum, Spuren von Kontaktsprachen in einer bestimmten Sprache herauszufinden. Bestimmte Lautformen, der Wortschatz und grammatische Einflüsse können erhalten bleiben. Hugo Schuchardt (1890, zitiert nach Krefeld, 2003: 556) erklärt die Beeinflussung einer Sprache folgendermaßen: „[...] jede Beeinflussung einer Sprache durch eine andere [ist] eine doppelte: sie beruht entweder auf der Unterschichtung oder der Überschichtung der letzteren.“

Für die zu untersuchende Sprache wird der Begriff „Stratum“ verwendet. Krefeld (2003: 556) bezeichnet das Substrat als „ein relativ älteres, ‘autochthones’ Idiom.“

Beispiele für Substrate: Iberisch im heutigen Spanien, Romanisch im heutigen Bayern, Griechisch im heutigen Sizilien usw. Das Superstrat wird von Krefeld (2003: 556f.) als „ein jüngeres, nicht autochthones Idiom“ bezeichnet. Das Substrat ist eine Sprache, die von einer anderen Sprache verdrängt wird, da sich diese durch Eroberung oder Einwanderung durchsetzen kann. Demzufolge ist das Superstrat die „mächtigere“ Sprache von Eroberern bzw. Zuwanderern, die in einer bestimmten Sprache (Stratum) Spuren hinterlässt. Beispiele für Superstrate: das Arabische seit dem 16. Jh. auf der Iberischen Halbinsel, das Türkische seit dem 16. Jh. in Rumänien usw.

Das Stratamodell wird von Geckeler / Dietrich im Folgenden dargestellt:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die historische Schichtung der Kontaktsprachen (Abb. nach Geckeler/Dietrich, 1997: 162, zitiert nach Krefeld, 2003: 557)

Der Der Begriff „‚Adstrat‘“ wird 1932 vom Romanisten Marius Valkhoff eingeführt. Krefeld (2003: 557) definiert diesen Begriff damit, dass die „Untersuchungssprache durch eine lebende Sprache“ beeinflusst wird. Für Gamillscheg ist die „,Adstratwirkung nur eine Teilerscheinung des Bilinguismus‘“ oder auch „,ein quantitativ eingeschränkter Sonderfall der Superstratwirkung‘“ (Gamillscheg 1982: 83; 11939, zitiert nach Krefeld, 2003: 557).

Krefeld (2003: 557) betont, „es ist zwar nicht jedes historische Adstrat auch ein Sub- bzw. Superstrat (cf. etwa das Griechische im antiken Rom), jedes Sub- und Superstrat war jedoch notwendig auch einmal Adstrat.“ Hierbei findet ein Sprachwechsel der Sub- bzw. Superstratsprecher statt, aus diesem Grund spricht man bei einer Adstrat-Situation von einer Zweisprachigkeit (vgl. Krefeld 2003: 556ff.). Krefeld illustriert die historischen Adstratkonstellationen folgendermaßen:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Historische Adstratkonstellationen (nach Krefeld 2003: 558)

Schäfer-Prieß und Schöntag (2012) stellen fest, dass das Spanische durch den Kontakt mit der autochthonen Bevölkerung (Kelten, Iberer) und den Kolonisatoren (Phönizier, Griechen) beeinflusst wird. Dies wird als Substrateinfluss bezeichnet. Der Superstrateinfluss geht von den Westgoten, Arabern und Sueben aus (vgl. Schäfer-Prieß/Schöntag, 2012: 161f.). Die jahrhundertelange arabische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel übt großen Einfluss auf die spanische Sprache aus. Pusch und Kabatek zählen das Arabische zu den Superstraten (vgl. Kabatek/Pusch, 2011: 191).

Metzeltin (1992: 449, zitiert nach Pöll, 2002: 45) wertet den arabischen Einfluss als „,plurisecular adstrato árabe y en particular a los miles de mozárabes que ayudaron a repoblar las ciudades cristianas del norte‘“ aus.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Geckeler (2009) stellt die etymologische Strata des Spanischen wie folgt dar:

Abb. 4: Etymologische Strata

Laut Geckeler (2009) zählt das Arabische zu den Kulturadstraten. „Unter Kulturadstrat verstehen wir das Ergebnis von Beeinflussungen unter Sprachen, die über kulturelle Vermittlung zustande kommen“ (Geckeler, 2009: 3110). Lapesa (1985: 133, zitiert nach Geckeler, 2009: 3110) geht auf den arabischen Einfluss im Spanischen ein:

El elemento árabe fue, después del latino, el más importante del vocabulario español hasta el siglo XVI. Sumando el léxico propiamente dicho y los topónimos, no parece exagerado calcular un total superior a cuatro mil formas.

Dabei betont er die Auswirkungen des Arabischen auf den spanischen Wortschatz und der Toponomastik.

Auch bei Barme (2015) ist das Arabische in Bezug auf das Romanische ein Adstrateinfluss. Umgekehrt ist auch das Romanische ein Adstrat des Arabischen. Barme (2015: 22) erklärt, dass es sich um Adstrate handelt, „wenn Handels- und Kulturbeziehungen auch sprachliche Beeinflussungen nach sich ziehen.“ Bei Substraten und Superstraten erfolgt ein Sprachwechsel. Da dies bei Adstraten nicht der Fall ist, ist Barme der Meinung, dass man nicht von arabischen Superstraten sprechen darf, wie man es oft in der romanistischen Literatur vorfindet. „[…] im Gegensatz zu den Westgoten haben die Araber als Eroberervolk ihre Sprache nicht zugunsten der Sprache des eroberten Volkes aufgegeben“, so argumentiert Barme (2015: 22).

Das Katalanische hat laut Lüdtke (1984) einen germanischen Superstrat und einen arabischen Substrat bzw. Adstrat, die zu den ältesten Einflüssen gehören (vgl. Lüdtke, 1984: 19).

Ob es sich beim Arabischen um ein Superstrat oder Adstrat handelt, darüber sind sich die Romanisten nicht einig. Zweifellos hat das Arabische großen Einfluss auf das Spanische und Katalanische ausgeübt. Im weiteren Verlauf gehe ich der Frage nach, welche Spuren das Arabische in den beiden Sprachen im Bereich des Wortschatzes und der Toponomastik hinterlassen hat und welche der Sprachen mehr Arabismen aufweist.

3.2 Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber

Die arabische Besetzung der Iberischen Halbinsel findet zwischen 711 und 716 statt. Die Wiedereroberung der Halbinsel durch die christliche Herrschaft vollzieht sich über mehrere Jahrhunderte. Mit der Eroberung Granadas im Jahre 1492 endet die Reconquista und damit ist die Iberische Halbinsel wieder in christlicher Hand.

Nachdem das Omaijadenreich in mehrere Einzelstaaten zerfällt, besetzt Alfons VI., König von Kastilien/León, 1085 die Stadt Toledo. Daraufhin werden die von den Arabern eingenommenen Staaten von den Almoraviden aus Marokko unterstützt. Später werden diese jedoch von den marokkanischen Almohaden verdrängt. Ab dem 13. Jahrhundert verliert die muslimisch besetzte Halbinsel immer mehr an Gebieten. Die Christen nehmen im Jahre 1212 Córdoba ein, 1238 Valencia, 1248 Sevilla und 1265 Cádiz. Granada ist das letzte Königreich, das besetzt wird.

Al-Andalus wird das von den Arabern eroberte Gebiet bezeichnet. Zu dieser Zeit leben Menschen verschiedener Herkunft zusammen, die zudem verschiedenen Konfessionen angehören. Zu der Bevölkerung von al-Andalus und den dort gesprochenen Sprachen gehe ich im weiteren Verlauf näher ein. Nachdem die Halbinsel von den Arabern erobert wird, konvertieren viele Christen zum Islam, diese werden Muladíes genannt. Diejenigen, die beim Christentum bleiben, werden als Mozaraber bezeichnet.

In Bagdad herrscht die islamisch-arabische Hochkultur. Daraufhin nehmen sich die Araber von al-Andalus das Ziel, eine Kultur desselben Ausmaßes in Córdoba zu erschaffen, was ihnen auch gelingt.

Aufgrund der zunehmenden „Orientalisierung“ verschlechtert sich das Verhältnis zwischen den Mozarabern und den Arabern (Kontzi, 1982: 409). Infolgedessen verlassen viele Mozaraber al-Andalus und siedeln sich im Norden der Halbinsel an. Unter den ausgewanderten Mozarabern entdeckt man viele Namen arabischer Herkunft, wie z.B.:[1] Mélic (Málik), Havive (Ḥabīb), Abdela (cAbdullah), Abolazan (Abū l-Ḥasan), usw.[2] Mozaraber sind Träger der arabischen Sprache und Kultur. Auf den sprachlichen Aspekt werde ich später genauer eingehen. Die mozarabischen Bauwerke in Portugal, Kastilien und Katalonien spiegeln den arabischen Einfluss wider. Zu den Bauwerken gehören folgende Kirchen: San Pedro de Lourosa (Coimbra), Santo Tomás de las Ollas (León), San Quirce de Pedret (Barcelona), usw. Auch in der mozarabischen Buchmalerei ist sowohl die christliche als auch islamische Kultur erkennbar (vgl. Kontzi, 1982: 406-412). „Die Mozaraber erweisen sich als Glieder zweier Kulturen“ (Kontzi, 1982: 412).

Nach dem Einfall der Almoraviden und den Almohaden in al-Andalus werden viele der verbliebenen Mozaraber nach Marokko ausgewiesen. Die Muslime, die unter die christliche Herrschaft kommen, werden Mudéjares genannt. Die Christen erlauben ihnen ihre Religion zu bewahren (vgl. Kontzi, 1982: 415).

Durch die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel geraten immer mehr Muslime in den christlichen Herrschaftsbereich. Da sich die Mudéjares im Bau und im Handwerk auskennen, können die Christen viel von ihnen lernen. So stehen heute noch viele Mudéjarkirchen in León-Altkastilien, z.B. in Sahagún (León), Toro (Zamora), Alba (Salamanca). Die Bauwerke in Spanien werden noch jahrhundertelang im Stile der Mudéjares gebaut, was dazu führt, dass viele Arabismen im Bereich des Bauwesens eingehen (vgl. Kontzi, 1982: 419f.)

Erst im Jahre 1492 endet die Reconquista der christlichen Königreiche mit der Eroberung Granadas. Damit endet auch die arabische Vorherrschaft auf der Iberischen Halbinsel (vgl. Kontzi, 1982: 422).

3.3 Arabisch-romanischer Sprachkontakt

Das Westgotenreich, das sich über die Iberische Halbinsel erstreckt, wird von der arabischen Herrschaft eingenommen (vgl. Herbers, 2006: 36; Tazi, 1998: 273). Im Zuge der arabischen Eroberung breitet sich das Arabische aus, kann das Latein jedoch nicht vollständig verdrängen. Die lateinische Sprache wird im nördlichen Teil der Halbinsel von den Christen bewahrt, wo im Laufe der Zeit mehrere Königreiche entstehen. In Andalusien bildet sich eine neue Sprache heraus, die sich aus dem Latein entwickelt: das Mozarabische (vgl. Winkelmann/Metzeltin, 1992: 2, zitiert nach Tazi, 1998: 273). Infolge der arabischen Eroberung schreitet die Reconquista voran. Dadurch entstehen verschiedene iberoromanische Sprachvarietäten. M. Pidal geht darauf ein: „,Da es ohne Araber keine Reconquista gegeben hätte, so müssen sie indirekt für die heutige sprachliche Gliederung [der Iberoromania] verantwortlich gemacht werden‘“ (Baldinger, 1958: 27, zitiert nach Tazi, 1998: 274).

[...]


[1] Namen in der ar. Hochsprache in Klammern.

[2] Weitere Beispiele bei Iglesias Mozárabes: 107ff.

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Details

Titel
Lexikalische Arabismen im Spanischen und Katalanischen. Eine Neuperspektivierung aus kommunikationsräumlicher Sicht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Romanische Philologie)
Note
1,7
Jahr
2017
Katalognummer
V436516
ISBN (eBook)
9783668778788
ISBN (Buch)
9783668778795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arabismen, Arabismus, Spanisch, Katalanisch, Kommunikationsräume
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Lexikalische Arabismen im Spanischen und Katalanischen. Eine Neuperspektivierung aus kommunikationsräumlicher Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436516

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