ADHS im Klassenzimmer. Eine besondere Herausforderung für den Schulalltag


Hausarbeit, 2018
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist ADHS?
2.1 Definition und Klassifikation
2.2 Symptomatik
2.3 Ätiologie

3 ADHS und Schule
3.1 Symptome im Unterricht
3.2 Beziehung zu Gleichaltrigen

4 Pädagogischer Umgang
4.1 Präventive Unterrichtsmethoden
4.2 Interventionsmöglichkeiten bei störendem und problematischem Verhalten ..

5 Fazit

6 Quellen

1 Einleitung

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, fallen mir mindestens zwei meiner Mitschüler ein, auf die das Krankheitsbild der Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung zugetroffen sein könnte. Häufiges Hineinrufen, ohne sich vorher zu melden, impulsives, unüberlegtes Handeln und eine auffällige motorische Unruhe waren nur einige der Symptome. Die Lehrer hatten diese Kinder häufig auf dem Kieker und auch sonst hatten sie wenig Freunde in der Schule. Irgendwann habe ich zu Hause aufgeschnappt, dass XY an einer ADHS leide - ich sah diese Störung eher begründet in einer mangelnden konsequenten Erziehung, denn in einer anerkannten Erkrankung. Auch heutzutage gibt es Menschen, die das Krankheitsbild als solches anzweifeln, oder der Meinung sind, die Diagnose ADHS werde viel zu schnell und leichtfertig gestellt.

Die Kinder werden zu einem Zeitpunkt eingeschult, wo ihr Bewegungsdrang erhöht ist - in der zweiten Klasse erreicht dieser seinen Höhepunkt. Der Unterrichtsablauf erwartet jedoch von den jungen Schülern, dass sie sich ruhig verhalten und konzentriert dem Unterricht folgen. Vielen fällt das anfangs schwer. Doch welches Verhalten wirklich krankhaft ist, obliegt unter anderem der Einschätzung und Beurteilung der Lehrperson, die das Verhalten der Kinder jeden Tag mitbekommt, zumal sich die Krankheit häufig vor allem in der Schule bemerkbar macht.

Wichtig ist, die Störung als solche zu erkennen und als Lehrer geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Schüler dennoch erfolgreich ins Unterrichtsgeschehen zu integrieren, präventiv zu handeln und richtig mit Störverhalten umzugehen. Wie das gelingen kann, soll im nachfolgenden Teil erörtert werden.

2 Was ist ADHS?

2.1 Definition und Klassifikation

Bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, liegt eine neurobiologische Störung vor, die sich häufig bereits im Kindesalter durch ihre drei Kardinalsymptome bemerkbar macht. Dabei leiden die Betroffenen an Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Während der ICD-10 der WHO1 die Störung als Hyperkinetische Störung oder auch einfache Aktivitäts- Aufmerksamkeitsstörung benennt, führt der DSM-IV der APA2 die bekanntere Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung3. Gemein haben die beiden Diagnosesysteme, dass ¾ die Symptome mindestens sechs Monate andauern, unangemessen sind und dabei unvereinbar mit dem Entwicklungsstand des Kindes sind, ¾ die Symptome bereits vor dem sechsten Lebensjahr auftauchen, ¾ aus den Symptomen resultierende Beeinträchtigungen sich in mindestens zwei Bereichen zeigen und ¾ es deutliche Hinweise geben muss, dass Beeinträchtigungen im sozialen, schulischen oder beruflichen Feld vorliegen, die klinisch bedeutsam sind (vgl. Banaschewski & Döpfner, 2013, S. 272).

Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Klassifikationssystemen besteht „in der Kombination der Symptomkriterien“ (ebd.). Der DSM-IV beschreibt drei Subtypen der ADHS, der ICD-10 beschränkt sich hingegen auf die drei Kardinalsymptome (vgl. ebd.). Abbildung 1 veranschaulicht dies sehr gut.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Diagnosekriterien der ADHS nach ICD-10 und DSM 5 (vgl. Döpfner, Frölich & Lehmkuhl 2013, 3)

2.2 Symptomatik

Wie bereits erwähnt, werden der ADHS drei Kernsymptome zugeschrieben, die je nach Lebensbereichen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Häufig treten die Symptome dann stärker auf, wenn von den Kindern4 Ausdauer und höhere Aufmerksamkeit verlangt wird, wie dies in der Schule der Fall ist. Deutlich zeigt sich das in Aufgaben, die fremdbestimmt sind und eine kognitive Auseinandersetzung verlangen. Die Kinder haben Probleme Aufgaben zu Ende zu bringen, oder sich ausreichend darauf zu konzentrieren (vgl. Banaschewski & Döpfner, 2013, S. 271), so z.B. bei den Hausaufgaben oder selbstständigen Tätigkeiten im Unterrichtsablauf, von denen sie sich allzu leicht ablenken lassen. Frölich, Döpfner und Banaschweski weisen darauf hin, dass die Störung der Aufmerksamkeit keinesfalls mit dem Umstand gleichzusetzen ist, dass sich die Betroffenen gar nicht konzentrieren können. Dank ihres geringen Reizfilters nehmen sie alles um sich herum wahr, was in der ein oder anderen Situation sogar von Vorteil sein kann (2014, S. 14).

Die mangelnde Fähigkeit Bedürfnisse aufzuschieben und „die Tendenz, dem ersten Handlungsimpuls zu folgen und eine Tätigkeit zu beginnen, bevor sie hinreichend durchdacht“ wurde (Banaschewski & Döpfner, 2013, S. 272), sowie die Schwierigkeit zu warten, bis man an der Reihe ist, ist der Impulsivität zuzuschreiben, die als ein weiteres Kernsymptom der ADHS gilt.

Die Hyperaktivität zeigt sich häufig in Situationen, in denen eigentlich ein hohes Maß an Verhaltenskontrolle von Nöten ist, wie etwa in der Schule. Die Betroffenen zeigen eine wenig organisierte, hohe motorische Aktivität, die sie nur schwer regulieren können. Begleitet wird ihr Verhalten von einer extremen Ruhelosigkeit (vgl. ebd.).

2.3 Ätiologie

Wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen wird bei der ADHS nicht die eine auslösende Ursache diskutiert, weshalb man diesem Krankheitsbild ein multifaktorielles Entstehungsmodell zugrunde legt. Dem Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätssyndrom werden sowohl genetische, neuropathologische, psychosoziale, chemische, neurobiologische, als auch neuropsychologische Komponenten zugesprochen (vgl. Banaschewski & Döpfner, 2013, S. 276f.). Die genauen Entstehungsmechanismen können vielleicht nie gänzlich geklärt bzw. erforscht werden. Viele Einblicke gewann man jedoch durch Zwillingsstudien, neurophysiologische und neuroanatomische Untersuchungen, sowie der Wirkungsweise von Medikamenten (z.B. Methylphenidat).

Genetische Faktoren spielen bei der Entstehung von ADHS eine primäre Rolle. Kinder, deren Eltern an einer ADHS erkrankt sind, sind in 50-60% selbst von dem Störungsbild betroffen (vgl. Banaschewski, 2011, S. 2). Angehörige von Kindern mit einer ADHS, haben ein fünffach erhöhtes Risiko, selbst an einer ADHS zu erkranken (vgl. Barkley, 2011, S. 123). Überzeugende Einblicken gewähren Zwillingsstudien. In einer veröffentlichten Studie von Jacqueline Gillis „wurden bei 79 Prozent der eineiigen Zwillingsgeschwister von Kindern mit ADHS die gleiche Störung festgestellt. Bei zweieiigen Zwillingen betrug der Anteil nur 32 Prozent“ (ebd.). Weitere Studien aus jüngster Zeit zeigen auf, „dass Erbfaktoren zwischen 55 und 97 Prozent des Auftretens von Hyperaktivität und Impulsivität bei Kindern erklären, der Durchschnittswert liegt bei 80 Prozent“ (ebd., S. 124). Welche Gene für die Vererbung von ADHS verantwortlich sind, versuchen aktuelle Studien herauszufinden. Neben anderen psychischen Erkrankungen wird auch bei der ADHS eine Polygenie5 diskutiert (vgl. ebd.)

Mithilfe bildgebender Verfahren, wie dem MRT, haben Untersuchungen ergeben, dass sich bestimmte Hirnregionen von ADHS-Betroffenen in Größe und Aktivität von gesunden Probanden unterscheiden. Betroffen sind hiervon der rechte präfrontale Kortex, das rechte Kleinhirn und die Basalganglien (vgl. ebd., S. 120).

[...]


1 World Health Organization

2 American Psychiatric Association. Seit Mai 2013 existiert die 5. Ausgabe des DSM. Aufgrund meiner Quellen, beziehe ich mich bei meiner Arbeit noch auf den DSM-IV.

3 Obschon zu dem DSM-5 umfangreichere Studien vorliegen, beziehe ich mich bei meiner Arbeit dennoch auf das ICD-10, da diese Klassifikation am häufigsten in Deutschland angewandt wird

4 Ich beziehe mich bei meiner Arbeit vor allem auf betroffene Kinder im Alter von 6-12 Jahren, da meist während dieser Altersspanne ADHS diagnostiziert wird, da sich die Symptome vor allem im Schulalltag bemerkbar machen.

5 Mehrere Gene sind an der Ausbildung eines Merkmales beteiligt

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Details

Titel
ADHS im Klassenzimmer. Eine besondere Herausforderung für den Schulalltag
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Veranstaltung
Normalentwicklung & Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V436630
ISBN (eBook)
9783668771642
ISBN (Buch)
9783668771659
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adhs, klassenzimmer, eine, herausforderung, schulalltag
Arbeit zitieren
Barbara Bitzer (Autor), 2018, ADHS im Klassenzimmer. Eine besondere Herausforderung für den Schulalltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436630

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