Rating Agencies

Wie werden Rating Agencies bezahlt? Wie sieht eine optimale Corporate Governance aus?


Seminar Paper, 2018
41 Pages, Grade: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis II

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis III

1 Einleitung

2 Einführung in die Thematik
2.1 Ratingagenturen
2.1.1 Erklärung der Begrifflichkeit
2.2 Bezahlungsmodelle Ratingagenturen
2.2.1 Investor-Payment Modell
2.2.2 Issuer-Payment Modell
2.3 Historischer Überblick

3 Issuer-Payment vs. Investor-Payment
3.1 Vorteile des Issuer-Payment Modells
3.1.1 Kostenvorteile durch das Free-Riding Problem beim Investor-Payment Modell
3.1.2 Wettbewerb und Reputationsanreiz erhöht die Ratingqualität
3.1.3 Beständigkeit und geringere Fehleinschätzungen
3.1.4 Regulatorische Maßnahmen steigern Ratingqualität und Aktualität
3.2 Vorteile des Investor-Payment Modell
3.2.1 Rating-Shopping und weitere Anreizprobleme bzw. -komplexitäten
3.2.2 Bessere Ratingqualität gegenüber dem issuer-paid Modell
3.2.3 Kürzere Reaktionszeit der Ratingänderung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Ratingtabelle der Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody’s

Abbildung 2: Reversal Rates von Rapid Ratings und Moody's im Zeitablauf

Abbildung 3: Durchschnittsratinghöhe von insolvenzbedrohten Unternehmen vor und nach Einführung des Sarbanes-Oxley Acts

Abbildung 4: Ratingverhältnis bei niedrigem und hohem Wettbewerb.

Abbildung 5: Verteilung der Ratings bei EJR und Moody's zwischen 1996-2002

Tabelle 1: Marktanteile von AMB und S&P bei bewerteten US-Versicherungen nach Anzahl und verwaltetem Vermögen

Tabelle 2: Angeglichene Ratingkategorien von AMB und S&P..

Tabelle 3: Ratingvergleich zwischen AMB und S&P von bewerteten Versicherungen mit zwei Ratings

Tabelle 4: Einfluss der S&P Ratingänderungen auf Abnormale Returns vor und nach EJR Markteintritt

Tabelle 5: Antwort von S&P auf niedrigere und höhere EJR Ratings für gleiche Unternehmen

Tabelle 6: Durchschnittsanzahl von EJR und Moody's Ratingänderungen pro Firma pro Jahr

Tabelle 7: Volatilitätsvergleich vor und nach Einführung des Sarbanes-Oxley Acts bei Ratings von S&P, Moody's und Fitch

Tabelle 8: Ratingaktualität vor und nach Einführung des Sarbanes-Oxley Acts bei S&P, Moody's und Fitch

Tabelle 9: Lead-Lag Ratingbeziehung zwischen Fitch, Moody's, S&P und EJR im Zeitablauf

Tabelle 10: Marktreaktion auf Ratingänderungen von S&P, Moody's und Fitch vor und nach Einführung des „Regulation Fair Disclosure“ Gesetzes

Tabelle 11: Wahrscheinlichkeiten von Typ 1 und 2 Fehlern vor und nach Einführung des Sarbanes-Oxley Acts

Tabelle 12: Einfluss von Fitch Marktanteil auf Moody's und S&P Firmenratings

Tabelle 13: Einfluss von Fitch Marktanteil auf Moody's und S&P Anleiheratings

Tabelle 14: Einfluss der Shareholder auf neue Ratings bei Moody's und S&P

Tabelle 15: Reaktion der abnormalen Returns auf Ratingänderungen der Agenturen Moody's und EJR.

Tabelle 16: Reaktion des Marktes auf Ratinganpassungen der Ratingagenturen S&P, Moody’s, Fitch gegenüber EJR

Tabelle 17: Lead-Lag zwischen Big Three und EJR

Tabelle 18: Ratingführerschaftstabelle, Vergleich von EJR und Fitch

Tabelle 19: Verzögerung der Ratingänderung von Moody’s auf S&P

1 Einleitung

Ratingagenturen stehen seit der Finanzkrise vermehrt in der Kritik, denn sie besitzen ein hohes Maß an Signaling- und Screening Funktionen für die Weltwirtschaft. Durch ihre Einschätzung verändern sich Fremdkapitalkosten von Unternehmen, Anleihen, und Ländern. Eine Änderung des bestehenden Ratings oder eine neue niedrigere Bewertung haben weitreichende Folgen für einzelne Marktteilnehmer, sowie für den gesamten Finanzmarkt (White 2010).

Am 01.06.2018 verkündete die Ratingagentur „Standard & Poor‘s“ die Herabstufung des Ratings der Deutschen Bank von A- auf BBB+. Damit verbunden war die veränderte Risikoeinschätzung der Ratingagentur zur Rückzahlung des aufgenommenen Fremdkapitals durch die Deutsche Bank. Durch die Ratingabstufung stiegen die Fremdkapitalkosten der Deutschen Bank, da Fremdkapitalgeber für das erhöhte Risiko entschädigt werden möchten. Ebenso legte die Ratingagentur mit der Herabstufung dem Unternehmen einige Regeln auf, die eingehalten werden müssen, um nicht weiter herabgestuft zu werden. Unter anderem hat die Deutsche Bank nun keine alleinige Entscheidungsmacht über die Absetzung und Neueinstellung mancher Führungspositionen (Maisch 2018).

Auf dem Ratingmarkt konkurrieren mehrere Agenturen um die Ratings der einzelnen Wirtschaftssubjekte. Darunter die großen drei Marktführer S&P, Moody’s und Fitch, die den Emittenten für das Rating bezahlen lassen. Darüber hinaus existieren Agenturen, welche von Investoren beauftragt werden. Hierfür ist die „Egan-Jones-Ratingagentur“ ein Beispiel. Die unterschiedlichen Bezahlmodelle bergen verschiedene Vor- und Nachteile im Zusammenhang mit der Ratingerstellung und -Änderung. Bezogen auf den Fall der Deutschen Bank, hat die Ratingagentur Fitch bereits im September 2017 eine Herabstufung durchgeführt. Momentan steht eine erneute Herabstufung bei Fitch nicht zur Debatte, weil das Rating bereits BBB+, das unterste Niveau des Investments Grades erreicht hat. Eine erneute Herabstufung würde die Deutsche Bank als spekulatives Investment einstufen und damit die Finanzierungskosten der Bank erheblich steigern. Fitch ist sich dieser Brisanz bewusst. Da die Deutsche Bank weiterhin für Fitch Ratings zahlt, ist zu überprüfen, ob das Issuer-Payment Bezahlmodell der Ratingagentur einen Einfluss auf diese Ratingentscheidung hat. Außerdem wird in dieser Seminararbeit erörtert, welche Argumente für das Issuer- oder das Investor-Payment Modell sprechen.

Der strukturelle Aufbau der Arbeit sieht wie folgt aus: Zuerst werden in Kapitel zwei die Begrifflichkeiten zum Thema Ratingagenturen erklärt und die beiden vorherrschenden Bezahlungsmodelle von Ratingagenturen vorgestellt. Darüber hinaus wird ein historischer Überblick über die Ereignisse innerhalb der Branche gegeben. Im dritten Kapitel werden die Argumente für das Issuer-Payment und das Investor-Payment Modell erläutert und in einem abschließenden Fazit zusammengefasst.

2 Einführung in die Thematik

2.1 Ratingagenturen

2.1.1 Erklärung der Begrifflichkeit

Ein Rating gibt die Möglichkeit zur Bewertung und Einstufung unterschiedlicher Wirtschaftsobjekte. Diese Ratings werden anhand eines Rankings, welches mit einer Ordinalskala festgelegt ist, erstellt. In der Finanzbranche werden die Ratingagenturen von unterschiedlichen Wirtschaftssubjekten beauftragt (Becker & Milbourn 2011).

Ratingagenturen können als unabhängige Wirtschaftsunternehmen definiert werden, die eine Aussage über die Bonität eines Schuldners treffen und diese mit Hilfe eines Ratings ausdrücken. Für das entsprechende Rating ist die vertraglich festgelegte Einhaltung der fristgerechten und ganzheitlichen Bezahlung der Schuld des Emittenten essentiell. Geprüft werden sowohl freizugängliche, als auch unternehmensinterne Informationen. Aufgrund dieser Informationen geben zuerst ein Junior- und ein Senior Analyst ihre Ratingempfehlung ab. Diese Empfehlung wird von einem Rating-Komitee geprüft und ihrer endgültigen Ratingentscheidung berücksichtigt. Die einzelnen Berechnungen und Ansatzpunkte eines Ratings gehören zum Unternehmensgeheimnis. Geratet werden sowohl Anleihen eines Unternehmens, als auch der Emittent der Anleihe, sowie Staaten (White 2010).

Das Ranking der einzelnen Agenturen unterscheidet sich im Wesentlichen nur von der Bezeichnung der einzelnen Rankingstufen. Diese Stufen und deren Vergleichbarkeit ist der Abbildung 1 zu entnehmen. Aus diesen Ratings wird für Kapitalgeber die Bonität der einzelnen Fremdkapitalnehmer ersichtlich. Ebenso erhalten diese die Möglichkeit einzelne Wirtschaftssubjekte in ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit miteinander zu vergleichen (Bibliographisches Institut 2016; Everling 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ratingtabelle der Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody’s; Quelle: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20479/rating, (letzter Aufruf: 23.05.2018)

Zu den ersten Ratingagenturen gehörten „Standard & Poor’s“, „Moody’s“ und „Fitch“. Diese drei werden auch die „Big Three“ genannt, da sie die meisten Ratings vergeben und veröffentlichen. S&P besitzt einen Anteil am Ratingmarkt von ungefähr 48,9%, Moody’s 34,2% und Fitch 13,3%. Zusammen halten sie ca. 96,4% des Weltmarktes (SEC 2017).

Nach einigen Richtlinienänderungen für Ratingagenturen im europäischen und internationalen Raum, entstanden vermehrt kleinere (gemessen an den Big Three) Ratingagenturen. In den USA hat die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) zehn Agenturen zertifiziert und als NRSROs (National Recognized Statistical Rating Organisations) ausgezeichnet. Zu diesen gehören: Fitch Ratings, Moody’s, Standard & Poor’s, „DBRS”, „A.M. Best Company”, „Japan Rating Credit Agency”, „Egan-Jones Rating Company” (EJR), „Morningstar Credit Ratings” und „Kroll Bond Rating Agency”. In Deutschland gibt es neben den drei großen Agenturen auch mehrere kleinere Ratingagenturen wie z.B.: „Coface@Rating“, „Euler Hermes Rating“ und „Rating-Allianz“. Die einzelnen Agenturen differenzieren sich entscheidend in Größe und Ratingvolumen und vor allem durch die Bezahlmodelle, welche im folgenden Kapitel weiter erläutert werden.

2.2 Bezahlungsmodelle Ratingagenturen

2.2.1 Investor-Payment Modell

Das Investor-Payment Modell ist das Bezahlungsmodell, welches zu Beginn von den Ratingagenturen benutzt wurde, um ihre Tätigkeit der Ratingerstellung zu amortisieren. Zu diesem Zweck werden die Ratingagenturen von einem Investor beauftragt, der Informationen über ein Unternehmen, einen Staat oder ein Finanzprodukt erhalten möchte. Auftraggeber ist hierbei also eine vom Emittenten unabhängige Person. Bezahlt werden die Ratingagenturen für ihre Ratingtätigkeit ebenfalls vom Investor. Das Ziel des Investor-Payments ist die Verhinderung von möglichen Interessenkonflikten zwischen der Ratingagentur und dem Emittenten, die bei der Bepreisung und der Bezahlung der Ratings entstehen können. Der Investor möchte eine bestmögliche Bonitätsauskunft erhalten, die ihm bei seiner Investmententscheidung unterstützen soll.

Das Modell wurde 1970 von den Ratingagenturen Moody’s, Fitch und 1974 von S&P aufgegeben und durch das Issuer-Payment ersetzt (Jiang et al. 2012). EJR ist eine der Ratingagenturen, die das Investor-Payment heute noch verwenden (Beaver et al. 2006, Berwart et al. 2016).

2.2.2 Issuer-Payment Modell

Das Issuer-Payment Modell wurde das erste Mal von Moody’s im Jahr 1970 verwendet, um anstatt der Investoren, die Emittenten der Anleihe für die Ratings bezahlen zu lassen (Jiang et al. 2012). Im Gegensatz zum Investor-Payment sind Ratings des Issuer-Payments für alle Marktteilnehmer öffentlich einsehbar. Beauftragt werden die Ratingagenturen vom Emittenten der Anleihe, der zuerst ein privates Rating ausgestellt bekommt, woraufhin dieser entscheiden kann, ob das Rating veröffentlicht wird. Aufgrund der Auftragserteilung und Bezahlung des Ratings durch den Emittenten, welcher ein bestmögliches Ratingergebnis haben möchte, entstehen unterschiedliche Interessenskonflikte. Ein aus der Sicht des Emittenten zu niedriges Rating kann dazu führen, dass der Emittent die Ratingagentur wechselt, um ein besseres Rating zu erhalten. Für den Emittenten ist ein gutes Rating besonders wichtig, weil die Ratinghöhe seine Fremdkapitalkosten beeinflussen.

Das Issuer-Payment steht vor allem seit der Finanzkrise durch falsch bewertete Unternehmen stark in der Kritik (genaueres in Kapitel 2.3). Zu den Ratingagenturen, die das Issuer-Payment als Zahlungsmethode heute einsetzen, gehören Moody’s, Fitch und S&P (White 2010).

2.3 Historischer Überblick

Im Jahr 1909 veröffentlichte John Moody die ersten öffentlich verfügbaren Anleiheratings zu Eisenbahngesellschaften in den USA (White 2010) und eröffnete damit den Markt für Ratingagenturen. 1916 folgten „Poor´s Publishing Company“, 1922 „Standard Statistics Company“ und 1924 „Fitch Publishing Company“. Investoren konnten neue Ratings gegen Bezahlung in Auftrag geben oder Ratinginformationen in Büchern erwerben.

Der Gesetzgeber unterstützte die Entwicklung der Ratingagenturen, sodass 1936 die US-Bankenregulierung bestimmte, dass Banken nur noch in sichere Anleihen investieren durften. Als sichere Anleihen galten alle Anleihen, die Ratingagenturen als Investment Grade deklarierten. Diese Regelung wurde in den folgenden Jahren für Versicherungen und in den siebziger Jahren für US-Pensionsfonds übernommen (White 2010).

Zu dieser Zeit bestand der Ratingmarkt nur aus den genannten vier Ratinganbietern. Zudem wurde die Zahl durch die Fusionierung von Poor’s und Standard zu Standard & Poor’s nochmals geringer. Doch auch die drei großen Ratingagenturen waren nicht vor Übernahmen sicher. 1966 wurde Standard & Poor’s von dem US-amerikanischen Schul- und Lehrbuchverlag „McGraw-Hill“ gekauft (White 2010).

Den Höhepunkt der regulatorischen Unterstützung bekamen Ratingagenturen durch die Modifizierung der minimalen Kapitalanforderungen für Broker und Investmentbanken durch die SEC, der Börsenaufsichtsbehörde der USA. Als neue Anforderung etablierte die SEC, Anleiheratings von Ratingagenturen als Risikoindikatoren. Zur Reputationssicherung der Ratings führte die SEC mit der NRSRO einen neuen Status für Ratingagenturen ein. Alle vergebenen Ratings von zertifizierten NRSROs konnten zu regulatorischen Zwecken verwendet werden. Die SEC vergab diesen Status nach eigenem Ermessen an Ratingagenturen, weil es zunächst keine öffentlichen Kriterien einer solchen Einstufung gab. (White 2010). Mit der Gründung wurde den drei bestehenden Ratingagenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s dieser Status verliehen.

Moody’s und Fitch hatten kurz zuvor 1970 ihr Geschäftsmodell vom Investor-Payment Modell auf das Issuer-Payment Modell geändert. 1974 folgte S&P seinen Konkurrenten (Jiang et al. 2012). Es gab mehrere Gründe für diesen Wechsel (White 2010). Erstens entstand durch die Markteinführung von Hochleistungskopierern ein Free-Riding-Problem, denn Investoren konnten die verkauften Ratingbücher ganz einfach für andere Investoren kopieren. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Umsätze der Ratingagenturen. Zweitens erschütterte der Konkurs der US-Bahngesellschaft „Penn Central“ 1970 das Investorenvertrauen am Rentenmarkt. Viele Emittenten wollten das Vertrauen mit einem unabhängigen Rating zurückgewinnen und waren bereit, die Ratingkosten zu übernehmen. Zudem konnten Ratingagenturen die Ratings für alle potentiellen Investoren frei zugänglich machen, sodass der Emittent von einem größeren Investorenkreis profitierte (Becker & Milbourn 2011). Auf der anderen Seite entstanden durch das Issuer-Payment Modell auch mögliche Interessenskonflikte zwischen Emittent und Ratingagentur, die in den nachfolgenden Kapiteln besprochen werden.

In den achtziger und neunziger Jahren erhöhte die SEC den Wettbewerb, indem sie weiteren Ratingagenturen den NRSRO Status verlieh („Duff & Phelps“ 1982, „McCarthy, Crisanti & Maffei“ 1983, „IBCA“ 1991 und „Thomson BankWatch“ 1992). Allerdings reduzierte sich die Anzahl der zertifizierten Ratingagenturen durch Fusionen, u.a. Fitch mit IBCA, wieder auf drei im Jahr 2000.

Im Jahr 2001 meldete der US-Energiekonzern „Enron“ und das Telekommunikationsunternehmen „WorldCom“ 2002 Insolvenz an. Ratingagenturen verloren ihre Reputation, da sie beide Unternehmen als zahlungsfähig bewerteten, trotz jahrelanger Bilanzfälschungen. Die US-Regierung reagierte im Juli 2002 aufgrund des herrschenden Reformdrucks mit dem „Sarbanes-Oxley Act“. Das Gesetz erlaubte mehr Wettbewerb im Ratingmarkt und der SEC die Überwachung der Ratingagenturen. Daraufhin bekamen 2003 die Ratingagenturen „Dominion Bond Rating Service“ (DBRS) und 2005 „A.M. Best“ (AMB) den NRSRO Status. Der „Credit Rating Agency Reform Act“ 2006 förderte diese Entwicklung in der Ratingbranche. Die NRSRO Zertifizierung der SEC sollte keine Markteintrittsbarriere mehr sein. Die Reform führte zu weiteren NRSRO Zertifizierungen von Ratingagenturen: 2007 „Japan Credit Rating Agency“ (JCR) und „Egan-Jones“ (EJR), 2008 „Lace Financial“ (heute: „Kroll Bond Rating Agency“ (KBRA)) und „Realpoint LLC“ (heute: „Morningstar Credit Ratings LLC“ (Morningstar)) und 2012 als zehnte und vorerst letzte Agentur „HR Ratings de México“ (HR) (SEC 2018).

In der Finanzkrise fielen Ratingagenturen durch die zum Teil sehr optimistischen Bewertungen u.a. von „Mortgage Backed Securities“ (MBS) auf. Der Reformdruck erhöhte sich, als 2008 die Investmentbank „Lehman Brothers“ Insolvenz anmeldete, aber noch bei vielen Ratingagenturen als solvent bewertet wurde. Das veranlasste abermals im Jahr 2010 die US-Regierung im „Dodd-Frank Wall Street Reform Act“ und im „Consumer Protection Act“, die Kontrollrechte der SEC bei Ratingagenturen zu verschärfen (Berwart et al. 2016).

Ungeachtet aller unterstützenden Maßnahmen für den Wettbewerb und jüngsten Regulierungsmaßnahmen hatten die drei großen Ratingagenturen Ende 2016 immer noch einen kumulierten Marktanteil von 96,4% (SEC 2017). Dies birgt Gefahren, die anhand des vorherrschenden Issuer-Payment Modells in den folgenden Kapiteln betrachtet werden. Ebenso wird analysiert, ob eine Rückkehr zum früheren Investor-Payment Modell sinnvoll erscheint.

3 Issuer-Payment vs. Investor-Payment

Die zwei Bezahlmodelle der Ratingagenturen konkurrieren im Sinne der besseren Corporate Governance und der geringeren Anreizproblematik auf dem Weltmarkt der Finanzratings. Die Aufsichtsbehörden haben während der letzten Jahrzehnte neue Regularien zur Kontrolle der Agenturen aufgestellt. Die Frage des besseren Bezahlungsmodells für Ratingagenturen wurde allerdings mit dieser Regulation nicht beantwortet. Im folgenden Kapitel sollen die einzelnen Bezahlmodelle mit ihren Vor- und Nachteilen erforscht werden. Zu beachten gilt es, dass Vorteile des einen Modells meist Nachteile des Anderen sind.

3.1 Vorteile des Issuer-Payment Modells

3.1.1 Kostenvorteile durch das Free-Riding Problem beim Investor-Payment Modell

Bongaerts (2014) untersucht anhand eines theoretischen Modells verschiedene alternative Bezahlungsmodelle für Ratingagenturen, u.a. auch das Investor-Payment Modell. Investor-paid Ratingagenturen haben einen Kostennachteil gegenüber issuer-paid Ratingagenturen, weil sie nicht ihre Eigentumsrechte an ihren produzierten Ratings schützen können. Dies führt zu einem Free-Riding Problem, bei dem Emittenten, Investoren und sogar issuer-paid Ratingagenturen profitieren können. Bongaerts (2014) definiert drei verschiedene Arten des Free-Ridings.

Das klassische Free-Riding Problem entsteht beim Investoren, der als Kunde bei einer investor-paid Ratingagentur erscheint. Dieser bekommt von der Ratingagentur z.B. zu einer bestimmten Anleihe ein Rating. Die private Ratinginformation kann der Investor an andere Investoren weitergeben, denn eine Sanktionierung seitens der Ratingagentur ist schwierig und die Weitergabe von Informationen selten nachweisbar. Doch auch wenn informierte Investoren ihre gekauften Ratinginformationen geheim halten, kann ein uninformierter Investor anhand der Preisentwicklung oder der Gebote von anderen Investoren bei einer Erstemission der bewerteten Anleihe, Rückschlüsse auf das ausgestellte Rating ziehen (Skreta & Veldkamp 2009). Im Umkehrschluss kann auch der Emittent, Rückschlüsse auf sein Rating ziehen, da Informationen zu Geboten und die Preisentwicklung seiner Anleihe auch für ihn öffentlich zugänglich sind, ohne dass er für das Rating bezahlt hat (Free-Riding-Problem von Emittenten).

Issuer-paid Ratingagenturen können ebenfalls vom Free-Riding Problem der investor-paid Ratingagenturen profitieren. Emittenten von Anleihen werden sich entweder auf das investor-paid Rating verlassen oder selbst ein Rating beauftragen. Das Rating kann sehr teuer sein, sodass Emittenten mit schlechter Ratingprognose kein Rating beauftragen werden. Diese positive Selektion ist ein Vorteil für issuer-paid Ratingagenturen, weil nur noch hochqualifizierte Emittenten ein Rating beauftragen und Preise für Ratings bzw. Kosten für die Ratingschätzung gesenkt werden können (Bongaerts 2014).

Die Strategie der positiven Selektion kann auch zur Abwehr von potentiellen neuen investor-paid Ratingagenturen genutzt werden, die in den Markt einsteigen wollen. Investor-paid Ratingagenturen können versuchen über die höhere Ratingqualität Neukunden zu gewinnen. Etablierte issuer-paid Ratingagenturen werden daraufhin vorübergehend eine hohe Ratingqualität zu verringerten Ratinggebühren anbieten, um den Markteintritt von neuen investor-paid Ratingagenturen zu verhindern. Bongaerts (2014) beschreibt als Beispiel die aufgegebenen Ideen von Roland Berger und Coface im Jahr 2012, eine europäische investor-paid Ratingagentur zu gründen.

Insgesamt führt das Free-Riding-Problem zu Umsatzeinbußen bei investor-paid Ratingagenturen, beispielsweise 1967 bei der zu dieser Zeit noch investor-paid Ratingagentur S&P, die einen zur damaligen Zeit hohen Verlust von fast 200.000 USD machte (Jiang et al. 2012). Die Verluste zwangen S&P eine issuer-paid Ratingagentur zu werden, da Investoren Sorge über die Glaubwürdigkeit der Ratings hatten, weil S&P aufgrund der Verluste weniger Kapital zur Qualitätssteigerung der Ratings zur Verfügung stand. Deshalb ist für viele Autoren (Skreta & Veldkamp 2009, Mathis et al. 2009, Kashyap & Kovrijnykh 2015) eine Ratingbranche, die nur aus investor-paid Ratingagenturen besteht, nicht überlebensfähig.

3.1.2 Wettbewerb und Reputationsanreiz erhöht die Ratingqualität

Issuer-paid Ratingagenturen rechtfertigen sich oft im Zusammenhang der Interessenskonflikte in der Ratingvergabe, mit der hohen Gefahr des drohenden Reputationsverlustes. Das diese Gefahr nicht immer hoch erscheint, beweisen allerdings zahlreiche empirische Studien zum Thema Rating-Shopping bei issuer-paid Ratings (Jiang et al. 2012, Strobl & Xia 2012, Berwart et al. 2016). Auch der Wettbewerb zwischen issuer-paid Ratingagenturen wird besonders kritisch gesehen, weil bei diesem häufig die Ratingqualität leidet (Becker & Milbourn 2011, Bolton et al. 2012, Strobl & Xia 2012, Kashyap & Kovrijnykh 2015).

Eine andere Betrachtungsweise auf den Wettbewerb von Ratingagenturen hat die Studie von Doherty et al. (2012). Sie untersucht den Markteintritt von S&P in den Versicherungsratingmarkt Ende der achtziger Jahre. In diesem Markt war bereits die Ratingagentur AMB als Monopolist aktiv. S&P gewann trotzdem Marktanteile, sodass im Jahr 2000 13,1% aller bewerteten US-Versicherungen ein Rating von S&P hatten (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Marktanteile von AMB und S&P bei bewerteten US-Versicherungen nach Anzahl und verwaltetem Vermögen. Daten von 1989-2000, Quelle: Doherty et al. (2012), Tabelle 1.

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Details

Title
Rating Agencies
Subtitle
Wie werden Rating Agencies bezahlt? Wie sieht eine optimale Corporate Governance aus?
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,3
Authors
Year
2018
Pages
41
Catalog Number
V436789
ISBN (eBook)
9783668770355
File size
2389 KB
Language
German
Tags
rating, agencies, corporate, governance, finance, corporate finance, investor payment, issuer payment
Quote paper
Fabian Kämmerer (Author)Marcel Horn (Author), 2018, Rating Agencies, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436789

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