Diese Hauptseminararbeit beschäftigt sich mit der Rezeption des Burenkriegs in der nationalliberalen Freiburger Zeitung. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Darstellung der Buren und ihres Präsidenten Paul "Ohm" Krüger und auch der Vergleich der Buren mit den Deutschen beziehungsweise den sie bekämpfenden Briten. Die Freiburger Zeitung nahm eine deutlich proburische Perspektive ein und sympathisierte offen mit dem Kampf der zahlenmäßig deutlich unterlegenen Buren gegen das übermächtige Britische Weltreich.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. „Ohm“ Krüger – Der idealtypische Bur
III. Die Buren – Vorzüge und Schwächen
IV. Die Buren und andere Völker
1. Buren und Briten
2. Buren und Deutsche
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung der Buren in der Freiburger Zeitung während der Zeit des Südafrikanischen Krieges. Ziel ist es, das in der lokalen Presse vermittelte Bild der Buren zu analysieren und zu prüfen, inwieweit diese als nachahmenswertes Vorbild für die deutsche Gesellschaft konstruiert wurden, um so eine lokale Perspektive in den bestehenden wissenschaftlichen Forschungsdiskurs einzubringen.
- Darstellung und Charakterisierung von Präsident Paul Krüger als Identifikationsfigur.
- Gegenüberstellung der wahrgenommenen Vorzüge und Schwächen der Buren als Volk.
- Vergleichende Analyse der Wahrnehmung von Buren im Verhältnis zu Briten und Deutschen.
- Einordnung der lokalen Presseberichterstattung in den gesamtdeutschen Kontext der Zeit.
- Reflexion über das Bild der Buren als „germanische“ Stammesbrüder im Kontext des aufkommenden Pangermanismus.
Auszug aus dem Buch
Die Buren und andere Völker
Nachdem in den beiden vorherigen Abschnitten die Darstellung Präsident Krügers und der Buren an sich im Vordergrund stand, soll nun erläutert werden, wie die Freiburger Zeitung die Afrikaaner anderen Völkern gegenüberstellte. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wurden zwei Nationen ausgewählt, deren Beziehung zu den Buren von besonderer Natur war. Zum einen handelt es sich dabei um den Kriegsgegner, die Briten, und zum anderen um die Deutschen. Der Vergleich von Buren und Deutschen erscheint auch deshalb sinnvoll, weil die Freiburger Zeitung selbst ein deutsches Blatt war. Zuerst wird es nun um die Gegenüberstellung von Briten und Buren gehen.
Bereits die Affäre um das Krüger-Telegramm und den Jameson-Raid hatte insofern Folgen für die öffentliche Meinung im Deutschen Reich, als zukünftig die Anglophobie an Resonanz gewann und durch spätere Ereignisse deren Popularität noch zunahm. Hierbei stellte der Burenkrieg einen vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung dar, der wahrscheinlich erst im Ersten Weltkrieg übertroffen wurde. Allerdings nahm die deutsche Reichsleitung eine ambivalente Haltung zur Anglophobie des Großteils der deutschen Zeitungen ein. Einerseits konnte die Aufbringung deutscher Schiffe durch britische Marineeinheiten während des Burenkriegs als Argument für den eigenen Schlachtflottenbau verwendet werden. Auf der anderen Seite fürchteten Reichskanzler Bülow und die Mitarbeiter im Auswärtigen Amt ernstere Differenzen mit der britischen Regierung, wenn die deutsche Presse weiterhin in derart scharfem Ton die antibritische Stimmung in der Bevölkerung noch weiter anheize.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die allgemeine Rezeption des Burenkrieges im Deutschen Kaiserreich sowie die mediale Ausgangslage der deutschsprachigen Presse, die trotz proburischer Einstellung weitgehend auf britische Quellen angewiesen war.
II. „Ohm“ Krüger – Der idealtypische Bur: Dieses Kapitel analysiert die Darstellung von Paul Krüger in der Freiburger Zeitung als Verkörperung eines traditionellen, frommen Staatsmannes, der trotz seiner „ritterlichen“ Zurückhaltung als moralisches Vorbild für deutsche Werte galt.
III. Die Buren – Vorzüge und Schwächen: Hier wird untersucht, wie die Freiburger Zeitung die bäuerliche Lebensweise und das Gemeinwesen der Buren als Gegenmodell zur modernen, industrialisierten Welt bewertete, wobei Frömmigkeit sowohl als Stärke als auch als politisches Defizit identifiziert wurde.
IV. Die Buren und andere Völker: Dieses Hauptkapitel differenziert zwischen dem Feindbild der „dekadenten“ Briten und dem Identifikationsangebot der „stammverwandten“ Deutschen, um die politische Instrumentalisierung des Burenkrieges für innerdeutsche Debatten aufzuzeigen.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Buren für die Freiburger Zeitung als Spiegelbild einer „ursprünglichen“ Wesensart dienten, deren Betrachtung dazu beitragen sollte, die eigenen gesellschaftlichen Defizite der Deutschen im Kaiserreich zu reflektieren.
Schlüsselwörter
Burenkrieg, Freiburger Zeitung, Paul Krüger, Presseberichterstattung, Deutschland, Großbritannien, Südafrika, Imperialismus, Anglophobie, Nationalliberalismus, Pangermanismus, Identitätsstiftung, Kulturpessimismus, Afrikaaner, Kolonialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Berichterstattung der „Freiburger Zeitung“ über den Burenkrieg (1899–1902) und wie das Blatt die Buren als Volk sowie deren Führungspersonen wie Paul Krüger gegenüber der deutschen Leserschaft darstellte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Wahrnehmung der Buren als „Stammesbrüder“, der Kontrast zwischen britischer „Dekadenz“ und burischer „Naturverbundenheit“ sowie der Einfluss der zeitgenössischen Presse auf die öffentliche Meinungsbildung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern die Freiburger Zeitung die Buren als nachahmenswertes Vorbild für die Deutschen stilisierte und wie dies die lokale Wahrnehmung des Konflikts prägte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der historischen Diskursanalyse anhand ausgewählter Ausgaben der „Freiburger Zeitung“ und vergleicht diese mit dem aktuellen Forschungsstand zur internationalen Buren-Agitation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung von Paul Krüger, die Analyse der inneren Qualitäten der Buren (Vorzüge/Schwächen) sowie den Vergleich der Buren mit den Briten als Gegenspieler und den Deutschen als vermeintlichen Verwandten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Burenkrieg, Pressegeschichte, Nationalliberalismus, deutsch-britische Beziehungen und den Pangermanismus charakterisiert.
Wie wurde die Figur des Präsidenten Paul Krüger in der Freiburger Zeitung bewertet?
Krüger wurde als frommer, ritterlicher und rechtschaffener Staatsmann gelobt, der zwar Schwächen in der politischen Entschlossenheit zeigte, aber aufgrund seiner deutschen Wurzeln und seines Charakters als idealtypischer Repräsentant einer „ursprünglichen“ Lebensart galt.
Welche Rolle spielten die Briten im Weltbild der Zeitung?
Die Briten wurden primär als urbanes, materialistisch geprägtes und moralisch dekadentes Volk dargestellt, das als Negativfolie diente, um die vermeintlichen Tugenden der Buren und Deutschen hervorzuheben.
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- Daniel Scholaster (Autor), 2015, Die Wahrnehmung der Buren in Freiburg während des Südafrikanischen Krieges, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436798