Die Säkularisierung wird als „rationale Eliminierung eines bestehenden und umrissenen Gefüges religiöser Vorstellungen“ gefasst.
Doch, was hat die Säkularisierung mit der Fabel zu tun? Die Säkularisierung bedeutet allgemein jede Form von Verweltlichung, im engeren Sinn aber die durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse, die bis heute noch nicht abgeschlossen sind. Genau diese Tendenz ist auch bei dem Vergleich der Versionen der Fabel „Der Wolf und das Lamm“ bzw. „Der Wolf und das Schaf“ erkennbar. Ich schlage deshalb die historisch-kritische oder entwicklungsgeschichtliche Methode der Analyse als theoretischen Ansatz vor. Im Folgenden werde ich dabei die jeweilige Poetik und Ästhetik dreier Autoren bzw. Übersetzer erklären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Fabeln von Erasmus Alberus
3. Analyse der Fabeln von Daniel Wilhelm Triller
4. Analyse der Fabeln von Gotthold Ephraim Lessing
5. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Säkularisierungsprozessen auf die literarische Gestaltung der Fabel "Der Wolf und das Lamm" bzw. "Der Wolf und das Schaf" anhand von drei historischen Versionen. Dabei wird analysiert, wie sich Poetik und Ästhetik der Autoren von der Reformationszeit über die Aufklärung bis hin zur Überwindung christlicher Herrschaftsstrukturen gewandelt haben.
- Säkularisierung als historisch-kritischer Analyseansatz
- Wandel der Fabelgestalt und Gattungspoetik
- Religiöse Symbolik und Gesellschaftskritik
- Darstellung sozialer Hierarchien und Standesdünkel
- Vergleich zwischen den Epochen (Reformation, Aufklärung, Moderne)
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung des Wolfes und des Lammes bei Erasmus Alberus
Die Fabeln des lutherischen Theologen und Übersetzers Erasmus Alberus haben katechetische, didaktische, apologetische und religiöse Ziele. Er kannte durchaus die deutschen wie lateinischen Fabeltraditionen (unmittelbare Vorlagen waren unter anderem die lateinische Fabelsammlung des Martinus Dorpius (zuerst 1513)) und war mit Luther und Melanchthon persönlich vertraut. Seine Fabeln, die aufgrund göttlicher Inspiration entstanden und dem Glauben an Gott dienlich sind, haben belehrende Funktion, wobei er sich auch satirischer Mittel bedient („Du (Das Lamm) hast ein schalck hinder den ohrn/“), was als Gesellschaftskritik anzusehen ist, da Zustände oder Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisiert werden.
Anders als Luthers deutsche Prosafabeln, schreibt Alberus Verse und habe hiermit eine etwa bis zu Lessing reichende Tradition etabliert. Er sehe die Fabel in engem Zusammenhang mit den Leistungen der biblischen Gleichnisse. Zusätzlich habe er Gattungskonventionen – z.B. das Ideal der Kürze – unzureichend beachtet. Er verbindet das delectare und prodesse miteinander und sieht es als eine „Verbindung von verlockender Süßigkeit und bitterer Arznei“ an: „Aber vnsre Fabeln dienen dem/ der sie gegeben hat/ vnd preisen sein lob vnd ehr/ leren tugend vnd gute sitten/ vnd bringen grossen nutzen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Begriff der Säkularisierung und die methodische Herangehensweise zur Analyse der Fabelversionen von Alberus, Triller und Lessing.
2. Analyse der Fabeln von Erasmus Alberus: Untersuchung der katechetischen und religiösen Zielsetzung sowie der gesellschaftskritischen Satire in Alberus' Versfabeln der Reformationszeit.
3. Analyse der Fabeln von Daniel Wilhelm Triller: Betrachtung des "Unglaublichen" als zentrales Element und der Darstellung von Heuchelei im Kontext der höfischen Gesellschaft.
4. Analyse der Fabeln von Gotthold Ephraim Lessing: Analyse der gesellschaftskritischen Umdeutung der Fabelstruktur und der Forderung nach Schlichtheit im Sinne des aufklärerischen Ideals.
5. Fazit und Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse über den Wandel des Teufelsbildes und der Herrschaftsstrukturen hin zu einem selbstbestimmten Menschentum.
Schlüsselwörter
Säkularisierung, Fabel, Erasmus Alberus, Daniel Wilhelm Triller, Gotthold Ephraim Lessing, Aufklärung, Reformation, Gesellschaftskritik, Poetik, Ästhetik, Allegorie, Humanismus, Literaturgeschichte, Moral, Emanzipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Evolution der Fabel „Der Wolf und das Lamm“ im Kontext gesellschaftlicher Säkularisierungsprozesse zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.
Welche Autoren werden primär untersucht?
Der Fokus liegt auf Erasmus Alberus, Daniel Wilhelm Triller und Gotthold Ephraim Lessing als Vertreter unterschiedlicher Epochen.
Was ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Poetik und Ästhetik der Fabeln im Zuge der Säkularisierung gewandelt haben, insbesondere in Bezug auf die Darstellung von Herrschaftsstrukturen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin nutzt einen historisch-kritischen bzw. entwicklungsgeschichtlichen Ansatz zur Analyse der Texte.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der einzelnen Autoren, wobei insbesondere die religiöse Didaktik bei Alberus, die Heuchelei bei Triller und das aufklärerische Vernunft-Ideal bei Lessing beleuchtet werden.
Welche Aspekte charakterisieren die Fabeln laut der Autorin?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesellschaftskritik, die Überwindung christlicher Dogmatik und das Streben nach persönlicher Handlungsfreiheit charakterisiert.
Wie verändert sich die Rolle des "Wolfes" laut dem Dokument?
Vom Symbol des Teufels und des Bösen bei Alberus wandelt sich der Wolf bei Triller zu einem heuchlerischen Charakter und bei Lessing zu einem Repräsentanten eines überholten Standesdenkens.
Warum wird Lessings Fabel im Fazit kritisch betrachtet?
Die Autorin argumentiert, dass Lessings Fabel aufgrund der Vorherrschaft der Vernunft und der bewussten Abkehr von klassischen Konventionen im Grunde keine "klassische Fabel" mehr ist.
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- B.A. Elisabeth Monika Hartmann (Autor), 2014, Fabeln. Tiere melden sich zu Wort, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436809