Das zentrale Forschungsobjekt stellt in dieser Arbeit der arabische Staat Jemen dar. Die Situation des ärmsten Landes der gesamten Halbinsel ist längst eskaliert. Die Sicherheitslage ist desolat und verschlimmert sich stetig. Da über den Jemen in den europäischen Medien oft nur sehr oberflächlich berichtet wird, war es mir wichtig, einen möglichst tiefen Einblick in die derzeitige Situation des Landes zu bekommen.
Besonders interessant erschien mir die Frage nach einem möglichen ,,shut down’’ oder Staatsversagen. Diese Faktoren sollen in der folgenden Arbeit analysiert und interpretiert werden. Konkret lauten die Forschungsfragen:
1. Welche politischen und sozioökonomischen Faktoren gefährden die Stabilität Jemens?
2. Ein Land auf dem Weg zum ,,failed state’’? Wie weit ist der Staatsverfall im Jemen fortgeschritten?
1. Einleitung
1.1 Forschungsfragen
1.2 Operationalisierung wichtiger Begriffe
1.3 Forschungsstand
2. Typen stabiler Staatlichkeit
2.1 Konsolidierte und sich konsolidierende Staaten
2.2 Schwache Staaten
2.3 Versagende oder verfallene Staaten
2.4 Zerfallene oder kollabierte Staaten
3. Geschichte, Transition & sozioökonomischen Faktoren im Jemen
3.1 Das moderne Jemen nach 1990
3.2 Soziale Struktur
3.3 Wirtschaftliche Situation
4. Konfliktanalyse
4.1 Aktuelle Situation
4.2 Ein Land - vier Konflikte
5. Jemen - Ein ,,failed state’’?
5.1 Sicherheitsfunktion
5.2 Wohlfahrtsfunktion
5.3 Rechtsstaatsfunktion
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die politische und sozioökonomische Stabilität des Jemen mit dem Ziel, den Grad des Staatsverfalls zu bestimmen und das Land anhand politikwissenschaftlicher Kategorien als potenziellen "failed state" einzuordnen. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche Faktoren den fortschreitenden Staatszerfall begünstigen und wie die aktuelle Konfliktsituation die staatliche Funktionsfähigkeit beeinflusst.
- Analyse der Formen fragiler Staatlichkeit nach Schneckener und Rotberg
- Aufarbeitung der modernen Geschichte des Jemen und der sozialen Strukturen
- Detaillierte Untersuchung der vier zentralen Konfliktherde im Land
- Bewertung der staatlichen Kernfunktionen (Sicherheit, Wohlfahrt, Rechtsstaat)
Auszug aus dem Buch
3.2 Soziale Struktur
Gegenwärtig leben im Jemen ca. 28 036 000 Menschen. (Juli 2017) Die Bevölkerung wächst mit einem überdurchschnittlich hohen Wert von 2,28 % pro Jahr. Das Land gehört damit zu den Spitzenreitern bezüglich der Wachstumsraten. Das Durchschnittsalter liegt bei 19,5 Jahren und ca. 39% der Gesamtbevölkerung sind unter 14 Jahren alt. Die Bevölkerungspyramide zeigt ein für ein armes Land typisches Bild. Durch die steigende Geburtenrate besitzt die Pyramide eine sich exponentiell verbreiternde Basis. Diese geht meistens Hand in Hand mit einer geringen Lebenserwartung (ca. 65 Jahre) und einer hohen Sterberate in allen Lebensaltern.
18,8 % der jemenitischen Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Ihnen steht pro Tag weniger als ein US-Dollar zur Verfügung. Es gibt eine dramatische Zahl an Analphabeten (ca. 48 Prozent der Gesamtbevölkerung). Die Rate bei den Frauen ist noch schlechter als die der Männer und hängt stark von der familiären Situation ab. Der Regierung ist es aufgrund des massiven Bevölkerungswachstums nicht möglich genügend Bildungseinrichtungen und Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen und das, obwohl 4,6 % des BIPs in die Bildung investiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Entwicklung vom einstigen "Arabia Felix" zum heutigen "Armenhaus" und skizziert die akute humanitäre sowie politische Krise.
2. Typen stabiler Staatlichkeit: Führt die theoretischen Konzepte von fragilem Staatsverfall nach Ulrich Schneckener und Robert I. Rotberg ein, um einen Analyserahmen für den Jemen zu schaffen.
3. Geschichte, Transition & sozioökonomischen Faktoren im Jemen: Untersucht die Wiedervereinigung nach 1990, die Rolle des ehemaligen Saleh-Regimes, Stammesstrukturen und die wirtschaftliche Abhängigkeit von fossilen Ressourcen.
4. Konfliktanalyse: Beleuchtet die vier zentralen Krisenherde, darunter den separatistischen Konflikt im Süden und den Krieg gegen die Huthi-Rebellen, unter Einbeziehung internationaler Akteure.
5. Jemen - Ein ,,failed state’’?: Analysiert auf Basis von Indizes die staatlichen Kernfunktionen Sicherheit, Wohlfahrt und Rechtsstaatlichkeit, um den Grad des Staatsverfalls konkret zu bewerten.
6. Schlussbetrachtung: Führt die Analyseergebnisse zusammen und kommt zu dem Fazit, dass der Jemen nach den untersuchten Kriterien als kollabierter Staat zu charakterisieren ist.
Schlüsselwörter
Jemen, Staatszerfall, failed state, Huthi-Rebellen, AQAP, fragile Staatlichkeit, politische Instabilität, humanitäre Krise, Bürgerkrieg, Rechtsstaatsfunktion, Sicherheitsfunktion, Wohlfahrtsfunktion, Stammesstrukturen, Saleh-Regime, Saudi-Arabien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gegenwärtige Situation des Jemen vor dem Hintergrund des politischen und gesellschaftlichen Staatszerfalls.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung seit 1990, der sozioökonomischen Lage, der aktuellen Konfliktdynamik und dem Konzept der fragilen Staatlichkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, den Fortschritt des Staatsverfalls im Jemen mithilfe wissenschaftlicher Kriterien zu bewerten und einzuordnen, ob das Land als "failed state" bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es wird eine theoretische Einordnung auf Basis der "failed state"-Forschung (insb. Schneckener und Rotberg) vorgenommen und mit empirischen Daten aus Indizes wie dem Fragile State Index verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Untersuchung der Konfliktherde sowie eine detaillierte Bewertung der Sicherheits-, Wohlfahrts- und Rechtsstaatsfunktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Staatszerfall, fragile Staatlichkeit, Huthi-Konflikt, politische Instabilität und humanitäre Notlage.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem Nord- und Südjemen historisch bedeutsam?
Die Geschichte der beiden getrennten Staaten und deren unterschiedliche Wirtschaftssysteme (Markt vs. Planwirtschaft) sowie die Folgen der Wiedervereinigung von 1990 bilden die Grundlage für die heutigen separatistischen Bestrebungen.
Welche Rolle spielt das "Fund For Peace" in der Analyse?
Der "Fragile State Index" dieser Organisation dient als objektive Messgröße, um die staatlichen Kernfunktionen des Jemen quantitativ zu bewerten und international vergleichbar zu machen.
- Quote paper
- Maximilian Lessig (Author), 2018, Gewaltkonflikte im Jemen. Ein Land auf dem Weg zum "failed state"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436832