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Der Lazarillo de Tormes als Spiegel sozialer Missstände

Titel: Der Lazarillo de Tormes als Spiegel sozialer Missstände

Bachelorarbeit , 2018 , 45 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christoph Ervens (Autor:in)

Romanistik - Hispanistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Bachelorarbeit behandelt die Lesart des "Lazarillo de Tormes" und analysiert hierzu einerseits den Begriff des ,,Asozialen“, als menschliches Versagen der Romanfiguren, andererseits das sozialverantwortliche Scheitern gesellschaftstragender und moralisch wegweisender Personen(gruppen) und Institutionen wie Kirche und Staat.

Der Vater des Schelmenromans bezieht sich nicht nur auf die Satire der Sitten und Bräuche verschiedener sozialer Klassen oder Stände, beispielsweise der Plebs, als ungebildetes, niedrig und gemein denkendes Volk, der Bourgeoisie, als wohlhabendem Bürgertum, der Aristokratie, als vermeintlicher Herrschaft der Besten oder des Klerus, im Sinne einer bloßen pikaresken Romantradition, die spezifische literarische Parameter für diese Gattung bereits hinreichend definiert hat, beispielsweise den Pícaro als Antiheld, der, aus der Unterschicht stammend, in Form einer fiktiven Autobiographie, seine Lebensbeichte, als Ausgegrenzter, darlegt und sich, unter Rückgriff auf halbkriminelle Bildungsinhalte, im Sinne der Arte del furtar, an die Schlechtigkeit seiner Welt (reaktionär) anpasst.

Vielmehr erfordert der ,,Lazarillo“ eine stärker sozial geprägte Lesart, die soziale und moralische Reflexionen und Wertungen des Protagonisten einschliesst, ab dem Moment, wo Lazaro in der ersten Person einem vermeintlichen Honoratior (Vuestra Merced) detailliert über seinen sozialen Werdegang, d.h seine Dienstverhätnisse bei diversen weltlichen und kirchlichen Herren und seine persönlichen Erfahrungen über die Schlechtigkeit der Welt, berichtet und nebenbei ausführlich Auskunft über eine gewisse moralische Verwerfung, den ,,caso“, geben soll.

Die vom Autor explizit oder implizit dargestellten und mittels der Stimme des nichtigen Pícaros transportierten und angeprangerten sozialen, moralischen und ideologischen Missstände Spaniens, die durch den vorliegenden Schelmenroman, als ein herausragendes Zeitzeugnis für das Siglo Oro, das Licht der Welt erblicken, machen vor nichts und niemandem halt und hinterfragen die Legitimation selbsternannter oder tradierter Eliten dieser Zeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Das ,,Siglo de Oro“ und seine (sozialen) Schattenseiten

3. Armut und Hunger im Lazarillo de Tormes als sozialer Missstand

4. Sozialstrukturen im ,,Lazarillo de Tormes“

5. Die Begriffe ,,Asozialität“, ,,Missstand“ und ,,Spiegel“

5.1 Der asoziale Escudero

5.2 Der asoziale Kleriker

5.3 Der asoziale ,,Barmherzige Bruder“

5.4 Der asoziale Ablassverkäufer

5.5 Der asoziale Erzpriester von Sankt Salvador

5.6 Die Asozialität Lázaros, seiner Familie und weiterer Figuren

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Schelmenroman "Lazarillo de Tormes" nicht lediglich als satirische Kunstgattung, sondern analysiert ihn als ein sozialkritisches Zeitzeugnis, das ein moralisches Vakuum und tiefgreifende soziale Missstände im Spanien des 16. Jahrhunderts offenlegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der moralischen Verwerfung und der Asozialität der Romanfiguren in Relation zur gesellschaftlichen Verantwortung von Eliten, Kirche und Staat.

  • Analyse von Armut, Hunger und sozialer Ungleichheit im "Siglo de Oro".
  • Kritische Untersuchung des Begriffs "Asozialität" und der Rolle des "Spiegels" als Reflexionsmittel gesellschaftlichen Versagens.
  • Erforschung der Hierarchien und des Dienstverhältnisses zwischen dem Pícaro und seinen verschiedenen Herren.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen christlicher Lehre, kirchlichem Amtsmissbrauch und staatlicher Repression durch die Inquisition.
  • Evaluierung des Adelskonzepts der "Honra" und dessen Auswirkungen auf das Individuum.

Auszug aus dem Buch

3. Armut und Hunger im Lazarillo de Tormes als sozialer Missstand

Armut, besonders physisch sichtbare, wie sie uns im Lazarillo de Tormes auf Schritt und Tritt begegnet, war eine im Spanien des 16. Jh. stark verpönte, jedoch soziale Realität, die dem internationalen, humanistischen Ideal der Menschenwürde diametral entgegenstand. Was auf dem Papier als theoretisches Konstrukt funktionierte, erwies sich in der alltäglichen Praxis als nahezu unlösbare Aufgabe. Was sollte man mit all den bis auf die Knochen abgemagerten, armen Seelen denn anfangen? Selbst der große Humanist, Erasmus von Rotterdam, ließ sich angesichts einer solchen Misere zu dem laut ausgesprochenen Gedanken verleiten, ob nicht die Natur selbst diese Menschen als Bettler geschaffen habe:

,,Peut-être, la nature a créé ces gens-là pour être gueux.“

Dieser fatalistisch anmutende Glaube an eine von der Natur gewollte, soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung der Schwächsten käme einer Bankrotterklärung an die spanische Gesellschaft gleich, weshalb der Anonymus die Hungerthematik im ersten, zweiten und dritten Traktat nicht nur teilweise physisch sichtbar, man denke an die Episode mit der Schlackwurst im ersten Traktat, sondern im dritten Traktat auch zeitlich für den Leser nachfühlbar macht, um anhand dieses im pikaresken Gewand gekleideten Romans seine (erudierten und einflussreichen) Leser und Landsleute zu schockieren und zum Umdenken zu zwingen, hin zu einer gerechteren Gesellschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die sozialgeschichtliche Bedeutung des Schelmenromans ein und postuliert die Notwendigkeit einer sozialkritischen Lesart, die über die bloße literarische Satire hinausgeht.

2. Das ,,Siglo de Oro“ und seine (sozialen) Schattenseiten: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext Spaniens als Weltmacht, die trotz enormem Reichtum unter sozialen Krisen, Wirtschaftsproblemen und dem moralischen Druck der Gegenreformation litt.

3. Armut und Hunger im Lazarillo de Tormes als sozialer Missstand: Hier wird der Hunger des Protagonisten als existenzielle Bedrohung und gesellschaftlicher Anklagepunkt analysiert, der die moralische Verantwortung der Eliten und den Diskurs über Bettelwesen hinterfragt.

4. Sozialstrukturen im ,,Lazarillo de Tormes“: Dieses Kapitel untersucht die sozialen Hierarchien und das Machtgefälle, insbesondere das Verhältnis zwischen dem Pícaro und seinen Herren, als Spiegel für ein starres und korruptes System.

5. Die Begriffe ,,Asozialität“, ,,Missstand“ und ,,Spiegel“: Es werden die zentralen Begrifflichkeiten definiert und theoretisch hergeleitet, um die parasitären Verhaltensweisen der Romanfiguren als Delinquenz innerhalb einer dysfunktionalen Gesellschaft zu verstehen.

5.1 Der asoziale Escudero: Der Escudero wird als Repräsentant eines funktionslosen Adelsstandes entlarvt, der sich hinter anachronistischen Ehrenritualen versteckt, während er materiell und moralisch verarmt ist.

5.2 Der asoziale Kleriker: Das Kapitel zeigt den Kleriker als zynischen und geizigen Akteur, der seinen karitativen Auftrag für persönlichen Vorteil verrät.

5.3 Der asoziale ,,Barmherzige Bruder“: Anhand dieser Figur wird die Pervertierung kirchlicher Ordensregeln und das weltliche Fehlverhalten innerhalb der klösterlichen Struktur kritisiert.

5.4 Der asoziale Ablassverkäufer: Es wird die Instrumentalisierung der Kirche durch betrügerische Praktiken dargestellt, die durch ein korruptes System gedeckt werden.

5.5 Der asoziale Erzpriester von Sankt Salvador: Hier wird die moralische Verkommenheit einer religiösen Autorität kritisiert, die ihre Macht missbraucht und Lázaro in ein unmoralisches Lebensverhältnis zwingt.

5.6 Die Asozialität Lázaros, seiner Familie und weiterer Figuren: Das Kapitel beleuchtet die familiäre Prägung des Protagonisten durch kriminelle Milieus als Ursprung seiner sozialen Determinierung.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die bleibende Aktualität des Schelmenromans als zeitloses Zeugnis gesellschaftlichen Versagens.

Schlüsselwörter

Lazarillo de Tormes, Pícaro, Schelmenroman, Siglo de Oro, soziale Missstände, Armut, Hunger, Asozialität, Inquisition, Moral, Honra, Gesellschaftskritik, Korruption, kirchlicher Missbrauch, Bildungsmisere.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den "Lazarillo de Tormes" als sozialkritisches Zeitdokument, das die tiefgreifenden sozialen und moralischen Missstände im Spanien des 16. Jahrhunderts aufdeckt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Fokus stehen Armut und Hunger, das Versagen gesellschaftlicher Eliten, die Korruption in Kirche und Adel sowie die moralische Desintegration der spanischen Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Roman als "Spiegel" fungiert, der das moralische Vakuum der damaligen Zeit anprangert und die soziale Verantwortung von Institutionen in Frage stellt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche und sozialhistorische Analyse, um das Werk in den Kontext des Siglo de Oro und der damaligen sozio-ökonomischen Gegebenheiten zu stellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Dienstherren Lázaros, das Konzept der "Asozialität" und die Verschränkung von religiöser Ideologie und realer sozialer Not.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Begriffe wie Pícaro, Asozialität, Korruption, Honra, soziale Hierarchien und gesellschaftliches Versagen stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.

Warum wird der Begriff "Asozialität" in Bezug auf den Klerus verwendet?

Der Begriff wird verwendet, um das parasitäre, eigennützige Handeln der kirchlichen Würdenträger zu beschreiben, die entgegen ihrem christlichen Auftrag die Gesellschaft schädigen, anstatt sie zu stützen.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf das "Spiegel"-Motiv?

Der Spiegel zeigt den Eliten ihre eigene moralische Verkommenheit und ihr Versagen auf, wodurch der Roman eine subversive und mahnende Funktion gegenüber der damaligen Obrigkeit einnimmt.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Lazarillo de Tormes als Spiegel sozialer Missstände
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Christoph Ervens (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
45
Katalognummer
V436878
ISBN (eBook)
9783668785052
ISBN (Buch)
9783668785069
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lazarillo de Tormes Soziale Missstände Zeitgeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Ervens (Autor:in), 2018, Der Lazarillo de Tormes als Spiegel sozialer Missstände, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436878
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  45  Seiten
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