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Die Ästhetik des Schachspiels. Eine agentiell-realistische Betrachtung von Virtualität und Materialität

Título: Die Ästhetik des Schachspiels. Eine agentiell-realistische Betrachtung von Virtualität und Materialität

Tesis (Bachelor) , 2017 , 51 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Hannes Köpke (Autor)

Filosofía - Práctica (etica, estética, cultura, naturaleza, derecho, etc.)
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Die Literatur zur Schachästhetik des 20. Jahrhunderts befasst sich größtenteils mit der einseitig betrachtenden Perspektive eines wahrnehmenden Subjekts auf eine fest stehende Schachstellung als Idee im leeren Raum. Schachkompositionen werden in der Analyse gegenüber gespielten Schachpartien eindeutig bevorzugt, möglicherweise weil sie scheinbar die Illusion eines außerhalb der Zeit gedachten, passiven Schachspiels als „Bild“ aufrecht erhält, das nur darauf wartet, erkannt zu werden. Wie diese Schachstellungen sich materialisieren, spielt in diesen Werken keine Rolle.

Ich möchte dieser erkenntnistheoretisch geprägten Ästhetik eine performative Ästhetik des Schachspiels gegenüberstellen, die das Schachspiel als handelndes Agens betrachtet, das durch agentielle Schnitte unter anderem Subjekte und Schachstellungen konstituiert.

Die zentrale Fragestellung der oben genannten Werke - Was macht Schach schön? und: Unter welchen Umständen kann man Schach als Kunst bezeichnen? - weichen somit Fragestellungen wie: Wie materialisiert sich das Schachspiel? In welchen Phänomenen zeigt es sich? Welche Räume und welche Zeiten bringt es hervor? Was für Subjekte und was für Objekte erzeugt es? Die Vorstellung von aktiven Menschen, die ein passives Schachspiel „benutzen“ wird zugunsten einer Beschreibung des Spiels des Schachspiels an sich selbst verworfen.

Ich möchte dafür im ersten Schritt mit dem Agentiellen Realismus von Karen Barad das Schachspiel als Apparat beschreiben. Dies wird die Grundlage für die ästhetische Beschreibung des Schachspiels bilden. Anschließend werde ich mich mit an Barad anschließenden Methoden und mit ihrer Theorie verwandten Texten mit der Subjektkonstitution des Schachspiels, der Art, wie das Schachspiel betrachtet wird, verschiedenen historischen Rhythmen des Schachspiels, der wissenschaftlichen Ästhetik des Schachspiels am Beispiel der Eröffnungstheorien und dem Schachspiel als Kunst am Beispiel des Werks von Marcel Duchamp widmen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen einer agentiell-realistischen Ästhetik des Schachspiels

2.1 Die Ästhetischen Implikationen des Agentiellen Realismus

2.2 Das Schachspiel als Apparat

3. Wer betrachtet was? - Subjekt/Objektkonstitution im Schachspiel

3.1 Gespaltene Subjekte

3.2 Das Schachspiel als Praxis der Selbstbildung

3.3 Zusammenführung

4. Wie wird das Schachspiel betrachtet?

4.1 Vor dem Spiel: Flussers ontologischer Taumel

4.2 Die Suche nach einem guten Zug. Karten und Bäume.

5. Historische Beispiele der rhythmischen Veränderung des Schachspiels.

5.1 Die Regeländerungen des Schachspiels im 15. Jahrhundert

5.1.1 Von der Nachbarschaft zur Distanz

5.2 Verlangsamungen des Schachspiels im 19. Jahrhundert: Staunton-Figuren und Steinitz

5.3 Die Schachuhr

5.4 Möglichkeiten durch Computer: Premoves und Bullet-Schach.

6. Schach als Wissenschaft: die Eröffnung

7. Schach als Kunst: Marcel Duchamp

7.1 Kleiner Exkurs: Die hypermoderne Schachschule

7.2 Zusammenspiel von Postmoderne und Hypermoderne

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, der traditionellen, erkenntnistheoretisch geprägten Schachästhetik eine performative Ästhetik gegenüberzustellen, die das Schachspiel als handelnden Apparat begreift. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie sich das Schachspiel materialisiert, welche Räume und Zeiten es hervorbringt und wie es Subjekte sowie Objekte konstituiert, anstatt Schach lediglich als ein von Menschen "benutztes" Spiel zu betrachten.

  • Anwendung des Agentiellen Realismus nach Karen Barad auf das Schachspiel.
  • Untersuchung der Subjekt-Objekt-Konstitution und der Praxis der Selbstbildung im Spiel.
  • Analyse historischer Rhythmisierungen und Materialisierungen des Schachspiels (Regeln, Figuren, Uhren, Computer).
  • Betrachtung von Schach als Wissenschaft am Beispiel der Eröffnungstheorie.
  • Erörterung von Schach als Kunst anhand des Werks von Marcel Duchamp.

Auszug aus dem Buch

4.1 Vor dem Spiel: Flussers ontologischer Taumel

Für Vilém Flusser gehen die Probleme in der Auseinandersetzung mit Schach schon los, bevor er es überhaupt spielen will - allein in der Betrachtung. Im Kapitel „Schach“ seines Buchs Dinge und Undinge versucht er, das Schachspiel anzusehen, als sähe er es zum ersten Mal. Er will es direkt zu Wort kommen lassen - und scheitert immer wieder daran. Er versucht es zunächst mit dem Schachbrett, versucht zum Beispiel sich auf die Musterung der Felder einzulassen, aber er stellt fest, dass er sie immer entweder wie der Turm oder wie der Läufer betrachtet, wenn er sie automatisch in Linien, Reihen oder Diagonalen einteilt. Die „unerhörte Schwierigkeit einer unmittelbaren und unvermittelten Erfahrung“ verursacht in ihm einen „konkreten ontologischen Taumel“. Schlimmer wird es noch, als er die Figuren anguckt. Als er versucht, unvoreingenommen den Bauern zu schildern, merkt er, dass er das Wesentliche außer Acht lässt, zum Beispiel „dass sich in ihm die Kraft ballt, vertikal voranschreiten, diagonal schlagen und unter Umständen dialektisch in eine Königin umschlagen zu können.“ Ähnlich ergeht es Flusser mit dem Turm - als er absichtlich seine Funktion vergisst, bemerkt er seine Ähnlichkeit zu maurischen Türmen in Andalusien. Aber ihn schmerzt, seine Brutalität im Mittelspiel und seine Hinterlist im Endspiel außer Acht zu lassen. Denn sie kommt ihm wesentlicher vor. Er stellt daraufhin fest, dass Dinge kein Wesen haben (mit Barad: sie sind keine Relata vor Relationen sondern immer schon Dinge-in-Phänomenen). Wenn man ein Ding anguckt, erkennt man immer auch etwas über sich selbst: wie man guckt, wie man sich dem Ding öffnet. Welches Ding man anguckt und als wer man anguckt konstituiert sich hier gleichzeitig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die performative Ästhetik des Schachspiels als handelnden Apparat gegen die traditionelle, rein betrachtende Sichtweise auf Schachstellungen.

2. Grundlagen einer agentiell-realistischen Ästhetik des Schachspiels: Hier werden die posthumanistischen Konzepte Karen Barads eingeführt, um Schach als Apparat mit offenen Grenzen zu definieren.

3. Wer betrachtet was? - Subjekt/Objektkonstitution im Schachspiel: Dieses Kapitel beleuchtet das Schachspiel als Ort, an dem Subjekte gespalten werden und in der Praxis des Spiels eine Selbstbildung erfahren.

4. Wie wird das Schachspiel betrachtet?: Die Analyse widmet sich der Art der Betrachtung, wobei Vilém Flussers phänomenologische Perspektive und das Wechselspiel von Karten und Bäumen (nach Deleuze/Guattari) zentral sind.

5. Historische Beispiele der rhythmischen Veränderung des Schachspiels.: Anhand von Regeländerungen, Uhren und Computern wird aufgezeigt, wie sich die Rhythmen und Materialisierungen des Spiels im Laufe der Zeit historisch wandeln.

6. Schach als Wissenschaft: die Eröffnung: Dieses Kapitel betrachtet die Eröffnungsphase als einen wissenschaftlichen Diskurs, in dem Wissen und Spiel als materielle Vektoren interagieren.

7. Schach als Kunst: Marcel Duchamp: Hier wird untersucht, wie Duchamp Schach in sein künstlerisches Werk integriert, um die Möglichkeiten des Spiels in einem Kunstkontext auszuloten.

8. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Betrachtung des Schachspiels als komplexer Apparat fruchtbar ist, aber das Feld für eine Ästhetik deutlich vergrößert und unübersichtlicher macht.

Schlüsselwörter

Schachästhetik, Agentieller Realismus, Apparat, Karen Barad, Subjektkonstitution, Vilém Flusser, Gilles Deleuze, Félix Guattari, Schachgeschichte, Eröffnungstheorie, Marcel Duchamp, Performanz, Virtualität, Materialität, Spieltheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht eine neue Ästhetik des Schachspiels, die dieses nicht als passives Spiel, sondern als handelnden Apparat und Akteur versteht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Philosophie des Agentiellen Realismus, die historische Entwicklung des Schachspiels, die Theorie der Eröffnung und die Rolle des Schachspiels als Kunstobjekt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Frage "Was macht Schach schön?" durch eine performative Ästhetik zu ersetzen, die nach der Konstitution von Subjekten, Objekten und Zeitlichkeiten im Schachspiel fragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf den Agentiellen Realismus nach Karen Barad und nutzt zudem medienphilosophische Konzepte wie die "Karte" und die "Kopie" von Deleuze und Guattari.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Subjektwerdung im Spiel, Flussers Phänomenologie der Schachbetrachtung, historische Veränderungen durch Regeln und Uhren, die Eröffnungstheorie und das künstlerische Wirken von Marcel Duchamp.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schachästhetik, Agentieller Realismus, Apparat, Subjektkonstitution, Virtualität und historische Rhythmisierung sind zentrale Begriffe der Studie.

Warum wird das Schachspiel als Apparat mit offenen Grenzen bezeichnet?

Weil das Schachspiel nicht isoliert existiert, sondern ständig mit politischen Regimes, technischen Möglichkeiten und kulturellen Bräuchen interagiert und sich durch diese rekonfiguriert.

Welche Rolle spielt Marcel Duchamp in dieser Schachästhetik?

Duchamp dient als exemplarischer Fall für die Integration von Schach in den Kunstkontext, indem er das Spiel als Readymade und Medium zur Darstellung des "Nicht-Darstellbaren" nutzt.

Final del extracto de 51 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Ästhetik des Schachspiels. Eine agentiell-realistische Betrachtung von Virtualität und Materialität
Universidad
University of Music and Performing Arts Munich  (Theaterakademie August Everding)
Calificación
1,0
Autor
Hannes Köpke (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
51
No. de catálogo
V436893
ISBN (Ebook)
9783668771789
ISBN (Libro)
9783668771796
Idioma
Alemán
Etiqueta
Ästhetik Schach Virtualität Materialität Magnus Carlsen Gilles Deleuze Karen Barad Marcel Duchamp Rhythmus
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Hannes Köpke (Autor), 2017, Die Ästhetik des Schachspiels. Eine agentiell-realistische Betrachtung von Virtualität und Materialität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436893
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